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Viktor de Kowa (auch Victor de Kowa) wurde am 8. März 1904
in Hochkirch (bei Görlitz) als Viktor Kowalczyk und Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Er
verbrachte seine Kindheit in Dresden, wo er auch ein Studium an der "Staatlichen
Kunstakademie" absolvierte, da er sich zum Plakat- und Modezeichner
ausbilden lassen wollte. Doch dann nahm er Schauspielunterricht bei Erich Ponto1)
(1884 1957), der
sein darstellerisches Talent entdeckte und
ihm das erste Engagement am "Dresdner Staatstheater" verschaffte. Über Lübeck, Frankfurt a.M. und
Hamburg kam er nach Berlin, wo er zunächst an der "Volksbühne" und am
"Deutschen Theater", von
1935 bis 1943 bei Gustaf Gründgens1)
(1899 1963) am "Staatstheater2 spielte.
Nach Ende des 2. Weltkrieges ging de Kowa kein festes Engagement mehr mit
einer bestimmten Bühne ein, sondern betätigte sich als Gast-Schauspieler und -Regisseur an zahlreichen
deutschsprachigen Theatern, unter anderem auch am Wiener "Burgtheater".
Sofort nach 1945 baute er das Theater "Tribüne" in Berlin auf und war von 1945 bis 1946 deren Intendant.
Foto: Viktor de Kowa 1971; Ausschnitt aus einem Foto "Bundeskanzler
Willy Brandt empfängt Filmschauspieler" (23. Juni 1971)
Quelle: Deutsches
Bundesarchiv, Digitale
Bilddatenbank, B 145 Bild-F034159-0008;
Fotograf: Engelbert Reineke / Datierung: 23. Juni 1971 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser
Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F034159-0008 bzw. commons.wikimedia.org
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Als Schauspieler sah man ihn seither in vielen Hauptrollen des klassischen und modernen Theaters,
vorwiegend in Berlin, unter anderem in Stücken wie "Zeit des Glücks",
"Mein Name ist Hase", "Es bleibt in der Familie", "Unter uns Vieren",
"Viel Lärm um Nichts", "Das Himmelbett", "Der Seiltänzer",
"Bei Anruf Mord", "Das Dunkel ist licht genug", "Spiel zu Zweit",
"Ehekarussell", "Der Lockvogel" oder in Arthur Millers "Sündenfall", bei dem
de Kowa im Oktober 1964 einen schweren Unfall auf der Bühne des Hamburger
"Thalia-Theaters" hatte und mit gebrochenen Rippen vier Monate aussetzen
musste; nach seiner Genesung ging das Stück mit ihm 1965 rund fünfzig Mal über die Bretter.
Einen zweiten Namen von Rang eroberte de Kowa sich, nachdem der Film ihn
entdeckt hatte, zumal
er einige seiner Filme selbst zu schreiben begann und auch inszenierte,
wie beispielsweise "Schneider Wibbel" (1939) mit einem
grandiosen Erich Ponto in der Titelrolle. Sein Leinwanddebüt
hatte de Kowa 1929 in dem noch stummen Zirkusfilm "Katharina Knie" gegeben, in
den 1930er Jahren avancierte der Schauspieler zu einem
vielbeschäftigten Darsteller in zahlreichen, meist beschwingt-heiteren
Kinoproduktionen. Seine erste größere Rolle erhielt er in dem Antikriegsfilm
"Die andere Seite" (1931) neben Conrad Veidt, es folgten unter anderem
Produktionen wie "Ein
Lied geht um die Welt"2) (1933), "Es war einmal ein Musikus" (1933),
"Wenn ich König wär" (1934), "Der junge Baron Neuhaus"3) (1934),
"Die Göttliche Jette"2) (1937), "Versprich mir nichts!" (1937),
"Kleiner Mann ganz groß!"3) (1938), "Die Sache mit Styx"3) (1942), "Wir
machen Musik"2)
(1942), "Altes Herz wird wieder jung"3) (1943)
oder "Ein glücklicher Mensch"3) (1943).
Auch im deutschen Nachkriegsfilm erlebte man de Kowa mit vielen
einprägsamen Rollen; so beispielsweise als Michael Rott in "Zwischen gestern und morgen" (1947),
als Egon Fürst in "Der Fürst von Pappenheim" (1952), als Manfred von Prittwitz
in "Eine Liebesgeschichte" (1954) oder als SS-Gruppenführer Schmidt-Lausitz
in Helmut Käutners Zuckmayer-Adaption "Des Teufels General"2) (1955). Zu seinen weiteren Filmen der
1950er und 60er Jahre zählen unter anderem "Ein Mädchen aus Flandern"2) (1956),
"Schlussakkord" (1960), "Der Fälscher von London"21) (1961),
"Begegnung in Salzburg" (1963) und "Winnetou und sein Freund Old Firehand"2) (1966),
ein Film, in dem er als als spleeniger Engländer Ravenhurst mit seiner vorerst
letzten Rolle auf der Leinwand agierte.
Hatte Viktor de Kowa
in seinen frühen Jahren im Film meist jungenhafte, verträumte und auch lebenslustige
Männer, Musikanten und Barone, Millionendiebe und stets optimistische
Liebhaber gespielt, so bewies er auf der Bühne, dass auch die großen Charaktere der Weltliteratur
darzustellen vermochte. Nach 1945 konnte der wandlungsfähige Star so unterschiedliche Rollen ausfüllen wie
verschlagene SS-Männer, gütige Pfarrer, klavierspielende Schwerenöter oder liebenswerte
Minister, denen er je nach Bedarf schneidende Härte oder seinen Bonvivant-Charme
verlieh.4)
Viktor de Kowa trat auch als Szeniarist, Dramatiker
und Autor zahlreicher Bücher hervor, so stammen aus seiner Feder
unter anderem die Komödien "Eifersucht ist eine
Leidenschaft", "Schön ist die Welt" und, "Florian ist kein schlechter
Kerl". 1941 veröffentlichte er den Roman "Mullepux verliebt zu
Dritt", seine ersten Erinnerungen erschienen 1955 unter dem Titel
"Als ich noch Prinz war von Arkadien", weitere Memoiren kamen 1971 mit
dem Titel "Ach du liebe Zeit, Aus dem Libretto meines
Lebens" auf den Markt. Außerdem malte er und stellte seine
Arbeiten mit Erfolg in Berlin, Wien, New York und Tokio aus.
Der politisch engagierte Mensch Viktor de Kowa stand seit 1940 einer Widerstandsgruppe nahe und war
nach dem Krieg stets aktiv um die Ideen von Frieden und gesundem Menschenverstand bemüht. Er
bekannte sich in Caux zu den Idealen der moralischen Aufrüstung und
stiftete einen großen Teil seiner Einnahmen verschiedensten Friedensorganisationen.
1961/62 war der Künstler Präsident der "Union der
Filmschaffenden", von 1962 bis 1966 Vorsitzender der Gewerkschaft
Kunst. Seine Leistungen wurden wiederholt gewürdigt; so erhielt er
1956 das "Komturkreuz des römischen Adlerordens", 1961 das
"Bundesverdienstkreuz I. Klasse",
1963 den französischen Orden "Mérite Civique", 1962 die Berliner
"Ernst-Reuter-Medaille" und 1964 den "Bambi" für Verdienste um den deutschen
Film.
Viktor de Kowa war in erster Ehe seit 1926 mit der Schauspielerin Ursula Grabley2)
(1908 1977) und nach der Scheidung seit 1941 in zweiter Ehe mit der japanischen Opernsängerin
Michi Tanaka2)
(1909 1988) verheiratet. Im März 1971 hatte er einen dreijährigen Lehrauftrag für
europäische Schauspielkunst an der "Takarazuka-Schauspielschule"
in Osaka angenommen. Er hatte den Plan, für fünf Jahre in die Heimat
seiner Frau zu ziehen, kam jedoch nicht mehr dazu, dies zu
verwirklichen.
Viktor de Kowa erlag am 8. April 1973 mit 69 Jahren in
einem Berliner Krankenhaus seinem Krebsleiden. Ein Jahr zuvor konnte er
noch sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiern, wozu ihm
der damalige Bundeskanzler
Brandt gratulierte und ihm das "Große Verdienstkreuz des
Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland"
überreichte.
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