Viktor de Kowa
Viktor de Kowa (auch Victor de Kowa) wurde am 8. März 1904 in  Hochkirch (bei Görlitz) als Viktor Kowalczyk und Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Dresden, wo er auch ein Studium an der Staatlichen Kunstakademie absolvierte, da er sich zum Plakat- und Modezeichner ausbilden lassen wollte. Doch dann nahm er Schauspielunterricht bei Erich Ponto, der sein darstellerisches Talent entdeckte und ihm das erste Engagement am Dresdner Staatstheater verschaffte. Über Lübeck, Frankfurt a.M. und Hamburg kam er nach Berlin, wo er zunächst an der "Volksbühne" und am "Deutschen Theater", von 1935 bis 1943 bei Gustaf Gründgens am Staatstheater spielte.
Nach Ende des 2. Weltkrieges ging de Kowa kein festes Engagement mehr mit einer bestimmten Bühne ein, sondern betätigte sich als Gast-Schauspieler und -Regisseur an zahlreichen deutschsprachigen Theatern, unter anderem auch am Wiener "Burgtheater". Sofort nach 1945 baute er das Theater "Tribüne" in Berlin auf und war von 1945 bis 1946 deren Intendant.
Als Schauspieler sah man ihn seither in vielen Hauptrollen des klassischen und modernen Theaters, vorwiegend in Berlin, unter anderem in Stücken wie "Zeit des Glücks", "Mein Name ist Hase", "Es bleibt in der Familie", "Unter uns Vieren", "Viel Lärm um Nichts", "Das Himmelbett", "Der Seiltänzer", "Bei Anruf – Mord", "Das Dunkel ist licht genug", "Spiel zu Zweit", "Ehekarussell", "Der Lockvogel" oder in Arthur Millers "Sündenfall", bei dem de Kowa im Oktober 1964 einen schweren Unfall auf der Bühne des Hamburger "Thalia-Theaters" hatte und mit gebrochenen Rippen vier Monate aussetzen musste; nach seiner Genesung ging das Stück mit ihm 1965 rund fünfzig Mal über die Bretter.

Einen zweiten Namen von Rang eroberte de Kowa sich, nachdem der Film ihn entdeckt hatte, zumal er einige seiner Filme selbst zu schreiben begann und auch inszenierte, wie beispielsweise "Schneider Wibbel" (1939) mit einem grandiosen Erich Ponto in der Titelrolle. Sein Leinwanddebüt hatte de Kowa 1929 in dem noch stummen Zirkusfilm "Katharina Knie" gegeben, in den 30er Jahren avancierte der Schauspieler zu einem vielbeschäftigten Darsteller in zahlreichen, meist beschwingt-heiteren Kinoproduktionen. Seine erste größere Rolle erhielt er in dem Antikriegsfilm "Die andere Seite" (1931) neben Conrad Veidt, es folgten unter anderem Produktionen wie "Es war einmal ein Musikus" (1933), "Wenn ich König wär" (1934), "Der junge Baron Neuhaus" (1934), "Die Göttliche Jette" (1937), "Versprich mir nichts!" (1937), "Kleiner Mann – ganz groß!" (1938), "Die Sache mit Styx" (1942), "Wir machen Musik" (1942), "Altes Herz wird wieder jung" (1943) oder "Ein Glücklicher Mensch" (1943).
Auch im deutschen Nachkriegsfilm erlebte man de Kowa mit vielen einprägsamen Rollen; so beispielsweise als Michael Rott in "Zwischen gestern und morgen" (1947), als Egon Fürst in "Der Fürst von Pappenheim" (1952), als Manfred von Prittwitz in "Eine Liebesgeschichte" (1954) oder als SS-Gruppenführer Schmidt-Lausitz in "Des Teufels General"1) (1955). Zu seinen weiteren Filmen der 50er und 60er Jahre zählen unter anderem "Ein Mädchen aus Flandern"1) (1956), "Schlußakkord" (1960), "Der Fälscher von London" (1961), "Begegnung in Salzburg" (1963) und "Winnetou und sein Freund Old Firehand"1)  (1966), ein Film, in dem er als als spleeniger Engländer Ravenhurst mit seiner vorerst letzten Rolle auf der Leinwand agierte.
Hatte Viktor de Kowa in seinen frühen Jahren im Film meist jungenhafte, verträumte und auch lebenslustige Männer, Musikanten und Barone, Millionendiebe und stets optimistische Liebhaber gespielt, so bewies er auf der Bühne, dass auch die großen Charaktere der Weltliteratur darzustellen vermochte. Nach 1945 konnte der wandlungsfähige Star so unterschiedliche Rollen ausfüllen wie verschlagene SS-Männer, gütige Pfarrer, klavierspielende Schwerenöter oder liebenswerte Minister, denen er je nach Bedarf schneidende Härte oder seinen Bonvivant-Charme verlieh. ("Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz)

Viktor de Kowa trat auch als Szeniarist, Dramatiker und Autor zahlreicher Bücher hervor, so stammen aus seiner Feder unter anderem die Komödien "Eifersucht ist eine Leidenschaft", "Schön ist die Welt" und, "Florian ist kein schlechter Kerl". 1941 veröffentlichte er den Roman "Mullepux – verliebt zu Dritt", seine ersten Erinnerungen erschienen 1955 unter dem Titel "Als ich noch Prinz war von Arkadien", weitere Memoiren kamen 1971 mit dem Titel "Ach du liebe Zeit, Aus dem Libretto meines Lebens" auf den Markt. Außerdem malte er und stellte seine Arbeiten mit Erfolg in Berlin, Wien, New York und Tokio aus.
Der politisch engagierte Mensch Viktor de Kowa stand seit 1940 einer Widerstandsgruppe nahe und war nach dem Krieg stets aktiv um die Ideen von Frieden und gesundem Menschenverstand bemüht. Er bekannte sich in Caux zu den Idealen der moralischen Aufrüstung und stiftete einen großen Teil seiner Einnahmen verschiedensten Friedensorganisationen.

1961/62 war der Künstler Präsident der "Union der Filmschaffenden", von 1962 bis 1966 Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst. Seine Leistungen wurden wiederholt gewürdigt; so erhielt er 1956 das Komturkreuz des römischen Adlerordens, 1961 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse, 1963 den französischen Orden "Mérite Civique", 1962 die Berliner "Ernst-Reuter-Medaille" und 1964 den "Bambi" für Verdienste um den deutschen Film.
Viktor de Kowa  war in erster Ehe seit 1926 mit der Schauspielerin Ursula Grabley1) (1908 – 1977) und nach der Scheidung seit 1941 in zweiter Ehe mit der japanischen Opernsängerin Michi Tanaka
1) (1909 – 1988) verheiratet. Im März 1971 hatte er einen dreijährigen Lehrauftrag für europäische Schauspielkunst an der "Takarazuka-Schauspielschule" in Osaka angenommen. Er hatte den Plan, für fünf Jahre in die Heimat seiner Frau zu ziehen, kam jedoch nicht mehr dazu, dies zu verwirklichen. Viktor de Kowa erlag am 8. April 1973 mit 69 Jahren in einem Berliner Krankenhaus seinem Krebsleiden. Ein Jahr zuvor konnte er noch sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiern, wozu ihm der damalige Bundeskanzler Brandt gratulierte und ihm das "Große Bundesverdienstkreuz" überreichte.

1) Der Link führt zu Wikipedia

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com

Filme (Auszug)
Filmografie bei der german.imdb.com
Katharina Knie (1929) Pension Schöller (1930)
Es war einmal ein Musikus (1933)  Spiel an Bord (1936)
Scheidungsreise (1938) Wir machen Musik (1942)
Sag' die Wahrheit (1946) Melodie des Schicksals (1950)
Scampolo (1957) Der Fälscher von London (1960)
Das Haus in Montevideo (1963) Begegnung in Salzburg (1963)
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