Anny Ondra, eigentlich Anna Sophie Ondráková, wurde am 15.
Mai 1903 als Tochter eines österreichischen k.u.k-Offiziers im
damaligen Österreich-Ungarischen Tarnów (heute Polen) geboren und
verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Prag. Sie besuchte eine
Klosterschule, später die Theaterschule in Prag. Ab 1919 machte sie
erst sechzehnjährig Karriere im tschechischen Film mit bzw. unter der
Regie von Karel Lamač1)
(1897 1952),
ihrem späteren ersten Ehemann. Das Paar agierte in zahlreichen
Stummfilm-Komödien, die stark an den damals erfolgreichen amerikanischen
"Slapstick Comedies" orientiert waren, und die Ondráková wurde rasch zum Star.
1926 kam sie über Wien nach Berlin, lebte ab 1929 auch kurz in
Frankreich und in London, wo sie weiterhin unter der Regie von Lamač
heitere
Filme drehte, in denen sie leicht überdrehte junge Mädchen mimte. Zu den
Produktionen jener Jahre zählen stumme Streifen wie "Die
Pratermizzi"1) (1926), "Chorus
Girls" (1927), "Evas Töchter" (1928), "Saxophon-Susi" (1928)
oder "Sündig und süß" (1929). Alfred Hitchcock
übertrug ihr dann die Hauptrolle der Alice White in seinem Thriller
"Blackmail"1) (1929, Erpressung), dem ersten britischen Film
mit Synchron-Ton, unter Hitchcocks Regie folgte dann mit "The Manxman"1) (1929,
Der Mann von der Insel Man) dessen letzter Stummfilm.
1930 kehrte Anny Ondra nach Deutschland zurück und gründete hier die
"Ondra-Lamač-Filmgesellschaft", die bis 1936 existierte. In "Die vom
Rummelplatz" (1930) hatte sie dann in eigener Produktion und mit Lamač
hinter der Kamera ihre erste Tonfilmrolle, ein Film, der als
verschollen gilt. Weitere Filme waren dann unter anderem "Eine Nacht im
Paradies" (1931), "Eine Freundin so goldig wie
Du" (1931), "Die Fledermaus" (1931), "Er und
seine Schwester" (1931) oder "Die Grausame
Freundin" (1932). Bei den Aufnahmen zu "Die
Regimentstochter" (1932) machte der Leinwandstar in Wien die
Bekanntschaft mit dem Boxweltmeister Max Schmeling
(1905 – 2005), beide verliebten sich ineinander und heirateten
ein Jahr später. "Diese Beiden waren natürlich ein Paar, das alle
Popularitätsrekorde schlug", bemerkte einmal Hans Söhnker.
Foto: Boxweltmeister Max Schmeling und Anny Ondra am 6. Juli 1933 nach der
kirchlichen Trauung
Historische Originalbeschreibung: Die kirchliche Trauung des deutschen Ex-Boxweltmeisters Max Schmeling mit der Filmschauspielerin Anny Ondra in Bad
Saarow! Das glückliche Brautpaar Ex-Boxweltmeister Max Schmeling und Filmschauspielerin Anny Ondra, verlassen mit Blumen überladen, die Kirche in Bad Saarow nach
der Trauung.
Quelle: Deutsches
Bundesarchiv, Digitale
Bilddatenbank, Bild 102-14813;
Fotograf: unbekannt / Datierung: 1933 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser
Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild
102-14813 bzw. commons.wikimedia.org
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Nach der Eheschließung mit Max Schmeling am 6. Juli 1933 sah man sie noch
weiterhin in Filmen wie "Fräulein Hoffmanns
Erzählungen" (1933), "Polenblut" (1934),
"Klein Dorrit" (1934), "Der Junge Graf" (1935)
oder "Großreinemachen" (1935); in "Knockout – Ein
junges Mädchen, ein junger Mann" (1935) stand sie auch mit
Ehemann Schmeling vor der Kamera. Bis Ende der 1940er Jahre folgten nur
noch wenige Kinoproduktionen, die burleske Ausgelassenheit schwand immer
mehr und Anny Ondra zog sich weitgehend aus dem Filmgeschäft zurück.
In Carl Froelichs Komödie "Der Gasmann"1) (1941) nach
Heinrich Spoerl erlebte man sie als Partnerin von Heinz Rühmann,
eine weitere Hauptrolle spielte sie in "Himmel, wir erben ein
Schloss" (1942) und letztmalig übernahm sie in dem Musical
"Schön muss man sein" (1951) eine kleinere Rolle. Einen
letzten Leinwandauftritt hatte Anny Ondra als sie selbst in Helmut Käutners
romantischen Filmkomödie "Die
Zürcher Verlobung" (1957).
Anfang der 1950er Jahre zog sich der Filmstar, der 1970 mit dem "Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film"
ausgezeichnet wurde, ins Privatleben zurück, wohnte zusammen mit ihrem Mann Max Schmeling in ihrem Heim
in Hollenstedt, nahe Hamburg.
Dort starb Anny Ondra am 28. Februar 1987 im Alter von 84 Jahren;
ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem dortigen Friedhof.
Als erfolgreichste Komikerin des europäischen Stummfilms kreierte
Anny Ondra erstmals den grotesken, weiblichen Clown. Mit ihren goldblonden
Locken, klimpernden Augendeckeln und quirligen Bewegungen wirkte sie
puppenhaft, voller Unsinn und Übermut zugleich. In ihrer
tänzerischen Anmut verkörperte sie darüber
hinaus den artistischen Stil amerikanischer "Flapper",
denen sie in ihren doppeldeutigen Komödien hinsichtlich körperlicher
Präsenz und hektischer Aufgekratztheit in nichts nachstand.2)
1979 drehte Robert Michael Lewis den US-Spielfilm " Ring of
Passion" über Schmeling und Ondra, mit Britt Eklund als Ondra.
Dorothea Friedrich veröffentlichte 2001 das Buch
"Max Schmeling und Anny Ondra – Ein
Doppelleben", in welchem sie von einem der schillerndsten deutschen
Liebespaare erzählt.
Sie enthüllt bisher unbekannte Details über Anny Ondras Prager Filmkarriere und
berichtet von deutsch-amerikanischen Intrigen hinter den Kulissen des Boxsports.
Sie fragt nach der zwiespältigen Rolle des Paares im Dritten Reich und schildert,
wie Schmeling und Ondra nach dem Krieg das Kunststück gelang, bruchlos die Legende
vom besten aller deutschen Ehepaare aufrechtzuerhalten.
(Zitat: Klappentext)
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Max Schmeling wurde am 28. September 1905
im uckermärkischen Klein Luckow (Brandenburg) als Sohn eines Steuermanns
geboren. Mit vierzehn Jahren begann er eine eine kaufmännische Lehre in einer Annoncen-Spedition,
entdeckte dann seine Leidenschaft für das Boxen als er einen Kinofilm über Weltmeister Jack Dempsey
sah und zog 1922 in das Rheinland, wo seine Karriere als Boxer begann. Er
wurde Berufssportler und war von 1930 bis 1932 Weltmeister der Schwergewichtsklasse.
Seine weltweite Berühmtheit verdankte Schmeling vor allem dem ersten von zwei Kämpfen gegen
den als unschlagbar geltenden
"Braunen Bomber" Joe Louis1)
(1914 1981). Den Amerikaner bezwang er in einem
Nicht-Titelfight am 19. Juni 1936 im New Yorker Yankee Stadium vor 42.088 Zuschauern auf
spektakuläre Weise in der 12. Runde durch K.o.;
mehr zu Max Schmelings Werdegang bei wwwe.dhm.de
und Wikipedia.
Foto: Boxweltmeister Max Schmeling mit seinem Manager, dem Amerikaner Joe Jacobs
(1896 1939)
Quelle: Deutsches
Bundesarchiv, Digitale
Bilddatenbank, Bild 102-09942;
Fotograf: unbekannt / Datierung: unbekannt / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser
Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild
102-09942 bzw. commons.wikimedia.org |
Von den Nazis wurde der Boxheld hofiert und als Aushängeschild benutzt.
Aber er weigerte sich, seinen jüdischen Manager Joe Jacobs zu verlassen, und nutzte seine Kontakte,
um Juden und Regimegegner vor dem Konzentrationslager zu bewahren.
Nach dem Krieg stieg der inzwischen mittellose Schmeling nochmals für fünf Kämpfe in den Ring.
Als Coca-Cola-Konzessionär begründete er 1955 seine zweite Karriere als Unternehmer.
Es gehört zu Schmelings Selbstverständnis, dass er als Stifter und Spender andere an
seinem Wohlstand teilhaben ließ.
Auf der Leinwand erlebte man den Boxer, der zum Anziehungspunkt des Berliner
Künstlermilieus geworden war, ebenfalls: Sein erster Spielfilm war
"Liebe im Ring" (1930) unter der Regie von Reinhold Schünzel
(siehe auch www.murnau-stiftung.de). Der
Film wurde zunächst in einer stummen Fassung mit Zwischentiteln aufgeführt
und später nachvertont; aus diesem Film stammt auch das Lied "Das Herz eines Boxers"
mit Schmeling als Sänger (zusammen mit Hugo Fischer-Köppe*),
der den 2. Trainer spielte.
"Es wird alles stumm gedreht", soll der Regisseur
Reinhold Schünzel seinen Hauptdarsteller Max Schmeling beruhigt haben.
"Wir brauchen nur deine Mundbewegungen, weiter nichts." Doch dann wird der Stummfilm
"Liebe im Ring" vertont. Max Schmeling spielt dort einen Boxer und
muss nun gegen seinen Willen nicht nur sprechen, sondern auch singen. Der Film wurde 1930 uraufgeführt. In seinen
"Erinnerungen" beschreibt Schmeling den Gesang als "schauderhaft".
Seinen zweiten und letzten Auftritt als
Schauspieler hatte Schmeling in "Knockout Ein junges Mädchen, ein junger Mann" (1935)
mit Ehefrau Anny Ondra.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
*) Der Link führt zur Kurzbiografie von
Fischer-Köppe bei wwww.cyranos.ch.
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Die Box-Legende Max Schmeling starb am 2. Februar 2005 im Alter von 99 Jahren in seinem Heim in in
Hollenstedt, wo er seit Jahren zurückgezogen
lebte. Sein Wunsch, 100 Jahre alt zu werden, ging nicht in Erfüllung.
Die Trauerfeier fand am 01.03.2005 im Hamburger Michel statt, seine
letzte Ruhestätte fand er neben seiner Frau Anny Ondra auf dem auf dem Friedhof Hollenstedt.
1977 hatte Schmeling seine Autobiografie unter dem Titel "Erinnerungen"
veröffentlicht, von Volker Kluge erschien 2004 "Max Schmeling. Eine Biografie in 15 Runden";
der Autor zeichnet in dieser Biographie ein ungeschöntes Bild der Sportler-Legende und nutzt
dabei zum Teil vollkommen neue Dokumente.
Seit Mai 2009 verfilmte der Regisseur und Produzent Uwe Boll1) das Leben der Box-Legende.
In dem Kinofilm "Max Schmeling" hat kein geringerer als
der ehemalige Box-Weltmeister Henry Maske1)
die Rolle des einstigen Schwergewichts-Weltmeisters übernommen. Max Machon,
Schmelings langjähriger Weggenosse und Manager wird von Heino Ferch1) gespielt,
Schmelings Ehefrau Anny Ondra
wird von Susanne Wuest1)
dargestellt. Laut Medienberichten geht die Produktion auf eine Initiative
von zwei Hamburger Millionären zurück, die Schmeling ein filmisches Denkmal setzen, selbst aber anonym bleiben wollen; der zweistündige Streifen
kam am 7. Oktober 2010 in die Kinos.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Bereits 2002 entstand der Fernsehfilm "Joe & Max", inszeniert
von Steve James. Das Biopic basiert auf den dramatischen Leben von Joe Louis und
Max Schmeling. Der Fernsehfilm zeigt brutale Boxkämpfe sowie
die respektvolle freundschaftliche Beziehung der beiden Boxer
inmitten der politischen Ereignisse ihrer Zeit. Der biografische
Sportfilm aus dem Jahr 2002 wurde in Deutschland gedreht. In den Hauptrollen sind Leonard Roberts
(Joe Louis) und Til Schweiger (Max Schmeling) zu sehen. (Quelle:
Wikipedia)
| Texteile von F.A. Brockhaus, Mannheim, Leipzig; 1)
Der Link führt zu Wikipedia
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Großes Bundesverdienstkreuz (1971),
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International Boxing Hall of Fame (1992),
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Ehrenbürger von Los Angeles,
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Ehrenbürger von Las Vegas,
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Ehrenbürger von Klein-Luckow, anlässlich
seines 99. Geburtstages,
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die österreichische Post gab aus Anlass seines
99. Geburtstages
eine Briefmarke mit Schmelings Portrait im Wert von 0,55 Euro
heraus.
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Ehrenmitglied im österreichischen Boxverband,
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Träger der Deutschen Feuerwehr-Ehrenmedaille,
der höchsten Auszeichnung der deutschen Feuerwehren für
Zivilpersonen.
Das Foto rechts wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Die Deutsche Post würdigte Max Schmeling
mit einer Sonderbriefmarke (55 Cent),
anlässlich des 100. Geburtstages
des Boxweltmeisters.
Seit 8. September 2005 ist die Briefmarke
im Handel erhältlich;
Zehn Cent pro verkaufte Marke gehen an
die Stiftung "Deutsche
Sporthilfe".
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung
des Bundesministeriums der Finanzen
sowie Irmgard Hesse (Entwurf)
www.zeichenundwunder.de
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Auch die Österreichische Post AG legte eine Sonderpostmarke auf.
Erscheinungsdatum: 1.März 2005
Entwurf: Peter Sinawehl / George Grosz
Stich: Kurt Leitgeb
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG
© Peter Sinawehl / George Grosz / Kurt Leitgeb
Österreichische Post AG; Internet: www.post.at
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Berliner Gedenktafel
Max Schmeling und Anny Ondra
Brixplatz 9, Berlin-Westend
Quelle: Wikipedia
bzw. Wikimedia
Commons
Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW,
Berlin
Lizenz CC-BY-SA 3.0.
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