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Heinz Erhardt wurde am 20. Februar 1909 in der lettischen Hauptstadt
Riga als Sohn des Kapellmeisters Gustl Erhardt geboren, wo sein Großvater
Paul Neldner ein Musikhaus führte. 1919 nahm ihn sein Vater
mit in das Deutsche Reich. Eine Zeit lang lebte er in der Wennigser Mark
bei Hannover bei der zweiten Frau seines Vaters, die nur neun Jahre älter war
als er selbst. Von 1919 bis 1924 besuchte er ein Internat in Barsinghausen bei Hannover
und das Realgymnasium am Georgsplatz, die heutige Tellkampfschule. Danach kehrte
er nach Riga zurück. Er hatte zwischenzeitlich 15 Schulwechsel hinter sich und bestand das
Abitur nicht. 1924 bis 1926 besuchte er das Deutsche Gymnasium in Riga,
wo er an einer Laienspielgruppe teilnahm. Von 1926 bis 1928 besuchte er das Konservatorium in Leipzig und
studierte dort Klavier und
Komposition. Erhardts Jugendtraum, Pianist zu werden, wurde aber von
den Großeltern nicht unterstützt. Sein Großvater wollte, dass Erhardt
eine kaufmännische Ausbildung erhielt, und stellte ihn als Lehrling in seinem Musikhaus ein.*) In den nächsten 10 Jahren verkaufte Erhardt Noten und Klaviere in der Rigaer Kunst- und Musikalienhandlung seines Großvaters. In dieser Zeit spielte er in Caféhäusern und trat als Conferencier auf, arbeitete auch schon für den Rundfunk in Danzig und Breslau, bis ihn Willi Schaeffers1) (1884 1962) 1938 nach Berlin an sein "Kabarett der Komiker"1) holte. Damit begann für Erhardt eine grandiose Karriere als Kabarettist, Humorist, Chansonier, Komponist, Schauspieler und Dichter, die lediglich durch den 2. Weltkrieg unterbrochen wurde. Besonders das Radio machte Heinz Erhardt nach 1945 zunächst bundesweit bekannt: beim NWDR in Hamburg wurde er zum Dauergast mit seiner wöchentlichen Sendereihe "So was Dummes". Seine Komik entsprach, wie es der Sender formulierte, "den Formen der Zeit: keine scharfen Kanten, keine Experimente. Heinz Erhardt eckt nicht an." Erstmals 1949 stand der inzwischen 40-Jährige mit einer kleinen Nebenrolle in "Gesucht wird Majora" vor der Filmkamera, doch es sollte noch einige Jahre dauern, bis Erhardt auch zum Leinwandstar avancierte. In seiner ersten Hauptrolle war er 1957 als der "Der müde Theodor"1) zu sehen, unterhaltsame Streifen, die ganz in die Zeit passten und Erhardt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Leib geschrieben waren, schlossen sich an. So war er etwa der geplagte "Witwer mit 5 Töchtern"2) (1957), der cholerische Hauswirt in "Der Haus-Tyrann"1) (1958), der wetternde Kleinbürger in "Immer die Radfahrer"2) (1958) oder der brummige Schutzmann in "Natürlich die Autofahrer"1) (1959). Die Titel seiner Filme standen für sein Programm: Es waren Klamotten, Schwänke, schnurrige Unterhaltung, die bei aller Oberflächlichkeit doch die spießige Kehrseite des deutschen Wirtschaftswunderlandes spiegelten. Auch als Sänger trat Erhardt in in Erscheinung, Songs wie "Peppercorn", "Fährt der alte Lord fort", "Das Fräulein Mabel", "Linkes Auge blau" (aus "Drillinge an Bord") oder "Ach Egon" machen ihn unvergessen.
In den 1980er Jahren wurden seine Filme zu Kultfilmen und sind es bis heute geblieben. Erhardt selbst wurde mit seinen Wortspielereien zur Nonsens-Kultfigur, wozu seine zahlreichen Bücher, Schallplatten und CDs beitragen, die bis heute Auflagenrekorde erreichen. Auch im Fernsehen kam der "Was bin ich doch heute wieder ein Schelm"-Mann mit seiner Nonsens-Lyrik zum Zuge und erheiterte ein Millionenpublikum. 1971 erlitt Erhardt einen schweren Schlaganfall, konnte zeitweise überhaupt nicht mehr sprechen und erholte sich nur mühsam von Depressionen. Er hatte das Wichtigste verloren, was seine Kunst ausmachte, seine Sprache war zeitlebens das Instrument gewesen, auf dem er virtuos spielte und die Zuhörer begeisterte. Ein letzter, wenn auch stummer Auftritt, wurde ihm im Fernsehen in dem Film "Noch ne Oper" (1979) zuteil. Claus Peter Witt hatte diese Opern-Persiflage unter anderem mit Gert Fröbe, Paul Kuhn, Helga Feddersen, Karl Dall und Harald Juhnke in Szene gesetzt, von Erhardt selbst stammte das Libretto, hinter der Kamera stand Erhardt-Sohn Gero. Der große Komiker starb am 5. Juni 1979 viel zu früh mit nur siebzig Jahren; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf in Hamburg. Noch wenige Tage zuvor war ihm am 1. Juni 1979 das "Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland" nachträglich zum 70. Geburtstag verliehen worden. Heinz Erhardt war seit 1935 mit Gilda Zanetti (1913 1987), der Tochter eines italienischen Konsuls in St. Petersburg, verheiratet und hatte mit ihr vier Kinder. Tochter Grit (verh. Berthold) wurde 1936 geboren, nach Tochter Verena (geb. 1940, verh. Haacker) folgte 1943 Sohn Gero1), der als Kameramann, TV-Regisseur, Drehbuchautor und Produzent arbeitet, Tochter Marita (geb. 1944, verh. Malicke) komplettierte die Familie. Enkel Marek Erhardt1), Sohn von Gero Erhardt, hat sich inzwischen einen Namen als renommierter Schauspieler erworben. Mit 39 Kinofilmen, etlichen TV-Auftritten, zwölf Büchern und zahlreichen Schallplatten hinterlässt der Humorist Heinz Erhardt als einer der erfolgreichsten und populärsten Komiker des 20. Jahrhunderts ein umfangreiches künstlerisches Erbe, das noch heute ungebrochen seinen Anklang bzw. Millionen Fans findet: Als Musiker und Sänger, Kabarettist, Theater- und Filmschauspieler, TV-Talkmaster und Gala-Conférencier, Dichter, Schriftsteller und sogar als Reklame-lkone hat der rastlose Heinz Erhardt in seiner 50-jährigen Karriere kaum eine Domäne ausgelassen, um sein Multitalent unter Beweis zu stellen. Erhardt über sich: "Mein Leben hat mir Spaß gemacht. Beruf und Leben waren bei mir immer identisch. Es ist ein Glück, wenn einem solches gelingt." Als Überlebensprinzip gab es für ihn nur eins: "Zähne hoch und Kopf zusammenbeißen." Laut einer Umfrage des "Focus" war er im Frühjahr 2001 der der beliebteste Komiker Deutschlands. Auf die Frage "Wer bringt Sie am ehesten zum Lachen?" nannten knapp 75 Prozent aller Befragten Heinz Erhardt. Damit landete das für seinen hintergründigen Humor legendär gewordene Sprachgenie unangefochten auf Platz 1 der Hitliste, gefolgt von dem großen Loriot alias Vicco von Bülow3) und Otto Waalkes1). Im Jahr 2007 musste Heinz Erhardt bei der Wahl zum besten deutschsprachigen Komiker in der ZDF-Sendung "Unsere Besten Komiker & Co." den ersten Rang zwar an Loriot abtreten aber Befragungen sind ja immer auch eine Momentaufnahme. Veröffentlichungen wie "Das große Heinz Erhardt Buch", "Noch'n Gedicht" oder "Noch'n Buch" stehen nach wie vor auf den Bestsellerlisten. Zum 95. Geburtstag bzw. anlässlich des 25. Todestages des großen Wortakrobaten erschien Ende Mai 2004 ein schön aufgemachte Buch, das sich in aller Ausführlichkeit mit den Filmen des großen Komikers und Wortspielers auseinandersetzt. Die Autoren Manfred Hobsch und Michael Petzel behandeln in "Heinz Erhardt: Mopsfidel im Wirtschaftswunderland" Leben, Karriere und Humor des Heinz Erhardt, vor allem aber werden alle 39 Kinofilme, in denen er mitgespielt hat, ausführlich vorgestellt: Stab- und Besetzungslisten, Inhaltsangaben, zeitgenössische Kritiken, Hintergrund-Informationen ("Was nicht jeder weiß") und viele Original-Zitate von Heinz Erhardt ("O-Ton Heinz Erhardt"). Bereits im September 2000 waren persönliche Erinnerungen der Heinz Erhardt-Töchter unter dem Titel "Heinz Erhardt privat" auf den Markt gekommen. In diesem Buch geben die Kinder Grit Berthold, Verena Haacker und Marita Malicke in Zusammenarbeit mit der Journalistin Isabelle Yeginer Einblick in die privaten Erinnerungsalben ihres Vaters und das gemeinsame Leben. Am 20. Februar 2009 wäre der in den Medien als "Otto Waalkes des Nierentischzeitalters" bezeichnete Heinz Erhardt 100 Jahre alt geworden. Auch Jahrzehnte nach seinem Ableben ist er den Menschen mit seinem ureigenen Humor und Sprachwitz in Erinnerung geblieben. Sein Motto war stets "Freude am Leben als Lebenssinn", das er trefflich zu vermitteln wusste. Bei "SPIEGEL ONLINE" kann man unter anderem lesen: Noch heute hat der Paradekomiker der fünfziger und sechziger Jahre, der 1979 starb, eine große Fangemeinde 2007 landete er bei der ZDF-Show "Unsere Besten" auf Platz zwei hinter Loriot. Vielen gilt er als Kultfigur nachkriegsdeutscher Blödelkunst, als Kalauer-Jongleur und absichtsloser Chaos-Reimer, bei dem auch die kritischsten Geister das tiefenhermeneutische Interpretationsbesteck in der Aktentasche der Frankfurter Schule ließen. (…) Der Mann mit dem Gesicht eines Postbeamten war der Wohlstands-Ringelnatz der Nachkriegsära, der der verwundeten deutschen Seele die Kompressen einer neuen Lachkultur anlegte. In ihr versöhnte sich das Schwere mit dem Leichten, das Ernste mit dem Lustigen: Lockerungsübungen am gebeutelten Volkskörper. So wurde er zur Integrationsfigur in einer Zeit, in der ein Eheratgeber aus dem Jahre 1959 jeder deutschen Frau dringend riet, "ihrem Mann ein Heim zu schaffen, in das er nach des Tages Arbeit gern zurückkehrt". Keine Frage, Heinz Erhardt hat sich um den Humorstandort Deutschland verdient gemacht. (Quelle: SPIEGEL ONLINE: "HEINZ ERHARDT ZUM 100. Der sympathische Untertan" von Reinhard Mohr)
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*) Quelle: Wikipedia (abgerufen 04.12.2011) Link: 1) Wikipedia, 2) prisma-online.de, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP |
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Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de Die offizielle Webseite der Heinz Erhardt Erbengemeinschaft; siehe auch Wikipedia mit der Liste seiner Werke sowie Heinz Erhardt zum 100. bei br-online.de |
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