Stewart Granger Anfang Juli 1946; (Ausschnitt des Originalfotos); Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 901-8419); Urheber/Fotograf: Theo van Haren Noman; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC0 1.0 Stewart Granger wurde am 6. Mai 1913 unter dem bürgerlichen Namen James Lablanche Stewart als Sohn des schottischen Offiziers James Stewart und dessen Ehefrau Frederica Eliza in der britischen Hauptstadt London1) geboren. Die Mutter, eine geborene Lablache, hatte französisch, italienisch-englische Vorfahren und war mit dem italienischen Opernsänger Luigi Lablache1) (1794 – 1858) verwandt, Grangers Vater verrichtete als Oberst der britischen Armee in Indien seinen Dienst. Auch der Sohn trat zunächst in die Fußstapfen seines Vaters und schloss sich als "Lance Corporal"1) der britischen Armee an, die er als Leutnant der Infanterie wieder verließ. Eigentlich wollte Granger Psychiater werden und hatte mit einem Medizinstudium begonnen, aber aufgrund seines blendenden Aussehens riet man ihm zur Bühnenlaufbahn und schließlich folgte er dem Vorschlag seiner Freunde. Der "Beau" studierte an der "Webber-Douglas School of Dramatic Art"1) in London, erhielt mit 21 Jahren eine Komparsenrolle und kam über Engagements an Provinzbühnen zu Londoner Theatern. Bereits während des Medizinstudiums war er als Statist mit der Filmszene in Berührung gekommen und man riet ihn, seinen Namen zu ändern, um nicht mit dem amerikanischen Schauspieler James Stewart verwechselt zu werden. Granger war der Mädchenname seiner schottischen Großmutter, Freunde und Kollegen nannten ihn Jimmy für den Rest seines Lebens, aber für die Öffentlichkeit wurde er stets Stewart Granger.
 
Stewart Granger Anfang Juli 1946 (Ausschnitt des Originalfotos)
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 901-8419)
Urheber/Fotograf: Theo van Haren Noman/ Anefo; Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data /
CC0 1.0
Auf der Bühne stand der aufstrebende Schauspieler am "Old Vic Theatre"1) gemeinsam mit Stars wie Vivien Leigh, Flora Robson1), John Guilgud und Michael Redgrave, seine Kritiker setzten schon damals sein gutes Aussehen über die darstellerische Qualitäten. Das blieb haften, aber zu Unrecht, denn hinter der Fassade des blasierten Schönlings, des eleganten Salonlöwen, schlug ein Herz für alles Spielerische und ein Talent, das Stewart Granger letztlich nie glücklich gemacht hatte, denn er betonte oftmals, wie unzufrieden er im Grunde mit seiner Arbeit sei. 
Nach winzigen, oft ungenannten Rollen in Filmproduktionen der 1930er Jahre erhielt der attraktive Brite eine erste größere Aufgabe in der Komödie "So This Is London" (1939). In den 1940er Jahren stieg er rasch zu einem beliebten Darsteller auf, der sich als abenteuerlich-romantischer Leinwandheld empfahl. So zeigte er sich als schmucker Bandenführer Nino Barucci in dem Melodram "Madonna der sieben Monde"1) (1945, "Madonna of the Seven Moons") oder als Apollodorus in der George Bernard Shaw-Adaption "Caesar und Cleopatra"1) (1946, "Caesar and Cleopatra"), etablierte sich als erfolgreicher Star, der die Frauenherzen höher schlagen ließ.
1946 überzeugte er in der Literaturadaption "Paganini"1) ("The Magic Bow") mit der Titelrolle des legendären "Teufelsgeigers" Niccolò Paganini1) und zwei Jahre später als Graf Königsmark in dem verklärenden historischen Melodram "Königsliebe"1) (1948, "Saraband for Dead Lovers") über die tragische Liebesbeziehung zwischen der Prinzessin Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg1), dargestellt von Joan Greenwood1), und dem Grafen Philipp Christoph von Königsmarck1) – alles Filme, die damals im Kino die Zuschauer begeisterten. 1950 ging Granger in die USA, wo nun in Hollywood seine eigentliche Erfolgskarriere begann. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Jean Simmons nahm er einen Vertrag bei der Filmproduktionsfirma "Metro-Goldwyn-Mayer"1) (MGM) an, die ihm Ruhm und Ansehen, aber auch schnellen Verschleiß einbrachte. Granger wurde auf Rollen des edlen, schönen Abenteurers festgelegt – wie 1950 als Großwildjäger Allan Quatermain1) neben Deborah Kerr in dem Kassenschlager "König Salomons Diamanten"1) ("King Solomon's Mines"). Als Trapper Jules gab er in dem Western "Gefährten des Grauens"1) (1950, "The Wild North") eine ebenso gute Figur ab wie mit der Doppelrolle des Königs Rudolf V. von Ruritanien und jungen Engländers Rudolf Rassendyll in "Im Schatten der Krone"1) (1952, "The Prisoner of Zenda") nach dem Roman "Der Gefangene von Zenda"1) von Anthony Hope1). Granger machte als geheimnisvoller "Scaramouche, der galante Marquis"1) (1952, "Scaramouche") Furore oder als Liebhaber der schönen Elisabeth von England1) (gespielt von seiner eigenen Gattin) in "Die Thronfolgerin"1) (1953, "Young Bess") mit Charles Laughton als Heinrich VIII.1) – der Brite wurde zum Inbegriff des blendend aussehenden Draufgängers, geriet jedoch schnell in die Schublade des galanten und aalglatten Charmeurs.
So auch 1953 als Kommandant Claudius in der Oscar-Wilde-Adaptation der "Salome"1) an der Seite von Rita Hayworth in der Titelrolle der Salome1) und Charles Laughton als Herodes1). Als Husarenoffizier und Lebemann George Bryan Brummell1) überraschte Granger in "Beau Brummel – Rebell und Verführer"1) (1954, "Beau Brummell"), eleganter Freund des untugendhaften, britischen Thronfolgers Georg IV.1), Prince of Wales (Peter Ustinov) und Angebeteter der mit Lord Edwin Mercer (James Donald1)) verlobten Lady Patricia Belham (Elizabeth Taylor).
Vor allem aber bleibt Granger wohl unvergessen als Jeremias Fox in Fritz Langs aufwendigem Melodram "Das Schloß im Schatten" ("Moonfleet") aus dem Jahre 1955. Hier konnte er – wie selten in seiner von Klischees bestimmten Karriere – sein herkömmliches Image in Frage stellen: der heruntergekommene Adlige Fox nutzte sein unschuldig schönes Aussehen für schmutzige Geschäfte. An der Seite schöner Frauen bestand er Abenteuer wie mit Grace Kelly in der Roman-Adaption "Grünes Feuer"1) (1956, "Green Fire"),
mit Ava Gardner in dem Drama "Knotenpunkt Bhowani"1) (1956, "Bhowani Junction") und der Komödie "Die kleine Hütte"1) (1957, "The Little Hut"). Weitere Abenteuer bestand Granger mit Robert Taylor in dem Western "Die letzte Jagd"1)  (1955, "The Last Hunt"), mit Rhonda Fleming1) in "Schlucht des Verderbens"1) (1957, "Gun Glory") oder mit John Wayne in "Land der tausend Abenteuer"1) (1960, "North to Alaska").

Bis 1960 stand Granger in Hollywood vor der Kamera, und Spötter meinten, die Zahl seiner Filme sei fast so groß wie die der Frauen, die in seinem Leben eine Rolle spielten; man sagte dem Playboy unzählige Beziehungen nach. Ab den 1960er Jahren drehte Stewart Granger hauptsächlich in Europa, so auch das Bibel-Spektakel "Sodom und Gomorrha"1) (1962), wo er als Lot1) in Erscheinung trat. Als Old Surehand1) war er neben "Winnetou"1)-Darsteller Pierre Brice der Star in drei Karl May-Verfilmungen1), seine Gage überstieg mit 70.000 Dollar die seiner Kollegen. Stewart Granger war der international bekannteste Name, der je in einer "Karl May"-Produktion mitwirkte. In der Geschichte "Unter Geiern"1) (1964) spielte er das erste Mal an der Seite von Pierre Brice, ein Jahr später folgte "Der Ölprinz"1) (1965). Die Regisseure Alfred Vohrer und Harald Philipp hatten es mit einer Hollywood Supergröße zu tun und das ließ Granger diese zeitweise auch spüren. Bei zahlreichen öffentlichen Auftritten in Deutschland konnte man sich jedoch davon überzeugen, dass der Ruf des arroganten, selbstsüchtigen und wenig umgänglichen Stars, der ihm von der Boulevardpresse verpasst wurde, ein Trugbild war: Granger erwies sich als elegant bescheidener Gentleman, eloquent und ausgesprochen sympathisch. Bei den "Karl May"-Fans kam der Star allerdings nicht besonders gut an. Seine coole, ironische Art mit der Granger die Rolle anlegte, entsprach nicht den Vorstellungen des Publikums von einem Helden aus der Feder Karl Mays. Und so kam es schließlich nur zu insgesamt drei Engagements in dieser Rolle. Als "Old Surehand 1.Teil"1) (1965) abgedreht war, ahnte noch niemand, dass es bereits zum 2. Teil der geplanten Trilogie nie kommen würde. 
"Das Geheimnis der drei Dschunken": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Krimi im Juli 2020 auf DVD herausbrachte. "Das Geheimnis der drei Dschunken": Szenenfoto mit Stewart Granger; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Krimi im Juli 2020 auf DVD herausbrachte. Seinen Vertrag mit der "Rialto Film"1) erfüllte Granger trotzdem mit einem anderen von Horst Wendlandt1) produzierten Streifen, so mit dem Krimi "Das Geheimnis der weißen Nonne"1) (1966) nach Motiven des Romans "Kate Plus Ten" von Edgar Wallace1), wo er als Superintendent Cooper Smith die Ermittlungen in zwei mysteriösen Mordfällen aufnahm. Zuvor hatte er bereits in dem deutsch-italienischen Abenteuer- und Kriminalfilm "Das Geheimnis der drei Dschunken"1) (1965) als US-Agent Mike Scott in Hongkong einen Mord aufklären müssen.
 

"Das Geheimnis der drei Dschunken"
Abbildung DVD-Cover sowie Szenenfoto mit freundlicher Genehmigung
von Pidax-Film, welche den Krimi im Juli 2020 auf DVD herausbrachte.
Die 1970er Jahre standen für Granger ganz im Zeichen des Fernsehens. Als Alan MackKenzie tauchte er 1970/71 in der neunten Staffel der Westernserie "Die Leute von der Shiloh Ranch" ("The Virginian") auf, als Gaststar in anderen TV-Serien hielt sich Stewart Granger ebenfalls noch eine Weile im Rampenlicht der TV-Öffentlichkeit. 1972 schlüpfte er in die Rolle des englischen Meisterdetektivs Sherlock Holmes1) in dem US-amerikanischen TV-Film "Der Hund von Baskerville" (1972, "The Hound of the Baskervilles") nach dem gleichnamigen Roman1) von Arthur Conan Doyle1). Doch der Film brachte nicht den Erfolg, den die Produzenten sich erhofft hatten und eine geplante Serie wurde nicht verwirklicht.

"Der Hund von Baskerville": Szene mit Stewart Granger
als Sherlock Holmes und Bernard Fox als Dr. Watson

Abbildung DVD-Cover sowie Szenenfoto mit freundlicher Genehmigung
von Pidax-Film, welche den Krimi Mitte im Juli 2018 auf DVD herausbrachte.

"Der Hund von Baskerville": Szenenfoto mit Stewart Granger als Sherlock Holmes und Bernard Fox als Dr. Watson; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Krimi Mitte im Juli 2018 auf DVD herausbrachte. "Der Hund von Baskerville": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Krimi Mitte im Juli 2018 auf DVD herausbrachte.
Im Jahre 1975 holte ihn Rudi Carrell als Stargast in seine Show "Am laufenden Band"1) und Granger nutzte hellwach seine Chance, im deutschen Fernsehen kostenlos für seine neugegründete Maklerfirma "Granger Development Corp." zu werben. Generös überreichte er dem Würzburger Gewinner Hanns Hirsch eine Urkunde über ein 3.000-Quadratmeter Grundstück bei Malaga im Wert von 10.000 DM. Die gute Tat zahlte sich aus: Makler Granger verdoppelt flugs seinen Umsatz. Doch das Glück war ihm nicht dauerhaft hold, finanzielle Fehlspekulationen zwangen ihn zur Rückkehr auf die Bühne und vor die Kameras, mit Roger Moore, Richard Burton und Hardy Krüger drehte er den Abenteuerstreifen "Die Wildgänse kommen"1) (1978, "The Wild Geese").  1982 mimte er den Prince Philip1), Herzog von Edinburgh, in dem TV-Rührstück "Die Romanze von Charles und Diana"3) ("The Royal Romance of Charles und Diana"), ließ sich 1987 in zwei Folgen der Kultserie "Das Erbe der Guldenburgs"1) blicken. Nach der Rolle des alten Lord Vulcan in dem britischen TV-Melodram "Wagnis der Liebe"1) (1987, "A Hazard of Hearts") sowie als exzentrischer Zeitungsverleger Jason Carr in der Krimi-Parodie "Verschwörung in L.A"4) (1988, "Chameleons") stand Granger letztmalig für die Episode mit dem symbolträchtigen deutschen Titel "Ein Filmstar verschwindet"4) (1991, "It's the Pictures That Got Small") aus der Serie "Profis contra Ganoven"4) ("Pros And Cons") vor der Kamera → Übersicht (Auszug) Filmografie.

Stewart Granger erlag am 16. August 1993 im Alter von 80 Jahren im kalifornischen Santa Monica einem langem Krebsleiden. Seine Autobiographie "Sparks Fly Upwards" hatte der britische Schauspieler bereits 1980 veröffentlicht.
Drei Mal war der Star verheiratet und hatte vier Kinder: Seine 1938 geschlossene Ehe mit der britischen Schauspielerin Elspeth March2) (1911 – 1999) endete nach zehn Jahren vor dem Scheidungsrichter; aus der Verbindung gingen Sohn Jamie und Tochter Lindsey († 2011) hervor. Auch die 1950 geschlossene Ehe mit seiner Kollegin Jean Simmons (1929 – 2010) wurde trotz der am 10. September 1956 gemeinsamen Tochter Tracy Mitte August 1960 offiziell getrennt. Zuletzt war Granger seit 1964 wenige Jahre mit der belgischen Schönheitskönigin Caroline Lecerf verheiratet. Diese Ehe ging ebenfalls in die Brüche bzw. endete 1969 vor dem Scheidungsrichter; aus dieser Verbindung stammt Tochter Samantha.

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Siehe auch Wikipedia; Fotos bei film.virtual-history.com
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