Paul Hartmann (Paul Wilhelm Constantin Hartmann) wurde am
8. Januar 1889 als Sohn eines Exportunternehmers in Fürth geboren.
Er besuchte das Gymnasium seiner Geburtsstadt, später ein Internat in Bamberg
und interessierte sich schon früh für das Theater. Er spielte bereits als
Pennäler bei Schüleraufführungen mit und nahm dann nach Beendigung der
Schulzeit ab 1907 Unterricht in Nürnberg bei dem Schauspieler Adalbert Czokke. Ein Jahr später
erhielt er ein Engagement am Stadttheater in Zwickau, wo er drei Jahre lang
auf der Bühne stand, 1910 wechselte er nach Stettin. Nach einer
Zwischenstation in Zürich engagierte in Max Reinhardt1)
(1873 1943) an das "Deutsche
Theater" in Berlin, wo Hartmann 1914 erstmalig als "Wallenstein"
auf der Bühne stand.
Foto: Paul Hartmann um 1925 auf einer Fotografie
von Nicola Perscheid1) (1864 1930)
Quelle: Wikimedia Commons
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Gegen Ende des 1. Weltkrieges wurde Hartmann 1917
noch zum Kriegsdienst einberufen, danach setzte er seine Schauspielerkarriere
erfolgreich fort, unter anderem ab 1926 am Wiener "Burgtheater", wo er bis 1934
vor allem im klassischen Repertoire auf der Bühne stand. Dazwischen trat er
im Rahmen der Salzburger Festspiele auf, spielte häufig weiter in Berlin. Im
Januar 1935 wurde der ein Jahr zuvor zum "Staatschauspieler" ernannte
Hartmann von Gustaf Gründgens2)
(1899 1963) an das "Preußische
Staatstheater" in Berlin berufen, wo er bis Ende des 2. Weltkrieges wirkte
und vor allem als "Faust" glänzte. Hatte Hartmann zu Beginn seiner
Schauspielerkarriere vorwiegend als Heldendarsteller und kraftvoller Typus wie
beispielsweise als "Ferdinand", "Tellheim", "Prinz
von Homburg", "Egmont" oder "Don Carlos"
brilliert, so beeindruckte er später auch als "Oswald" in Ibsens
"Gespenster", als "Peer Gynt" oder als "Rudolf
von Habsburg" – vor allem aber immer wieder als
"Faust".
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Ab 1942 war Hartmann Präsident des Reichstheaterkammer, wegen seiner
Verstrickung in die NS-Propagandamaschinerie wurde er nach Ende des 2. Weltkrieges mit einem Auftrittsverbot belegt, konnte jedoch bereits drei Jahre später wieder in Bonn
Theater spielen und Theatertourneen unternehmen. Außerdem rezitierte er auf
Vortragsabenden aus Werken von Schiller Goethe und war im Rundfunk zu hören.
Kaum eine namhafte Bühne auf der er nicht gespielt hatte, kaum eine gute
Rolle, der er nicht Gestalt verlieh, besonders den Figuren O'Neills, so vor
allem in "Eines langen Tages Reise in die Nacht". 1954 stand er
ein Jahr lang am Düsseldorfer Schauspielhaus auf der Bühne, ab 1955
wirkte er am "Theater am Kurfürstendamm" in Berlin und spielte auch
wieder häufiger am Wiener "Burgtheater".
Foto: Gastspiel (15. bis 17.1.1957) des Düsseldorfer Schauspielhauses im Stadttheater Bad Godesberg: "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (Long day's journey into
night), Schauspiel von Eugene O'Neill (Deutsch von Ursula und Oscar Fritz Schuh)
Regie: Karl Heinz Stroux; Bühnenbild und Kostüme: Ita Maximowna
Von links nach rechts: Paul Hartmann (James Tyrone),
Elisabeth Bergner*)
(Mary Cavan Tyrone), Heinz Drache*)
(James Thyrone jr., ihr ältester Sohn),
Martin Benrath*)
(Edmund Tyrone, ihr jüngster Sohn)
Schauplatz: Wohnzimmer im Sommerhaus der Thyrones an einem Augusttag des Jahres 1912
Quelle: Deutsches
Bundesarchiv, Digitale
Bilddatenbank, B 145 Bild-F004180-0008;
Fotograf: Rolf Unterberg / Datierung: Januar 1957 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser
Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F004180-0008 bzw. Wikimedia Commons
*) Link: Kurzportrait innerhalb dieser HP
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Bereits 1915 hatte Hartmann mit kleineren Nebenrollen beim Stummfilm
begonnen, etablierte sich dann später im Rollenfach des schwärmerischen oder
entschlossenen jugendlichen Liebhabers; gerne besetzte man ihn als Partner von
Henny Porten. Ab den 1920er Jahren wurden seine Rollen umfangreicher,
so mimte er beispielsweise 1920 den Sir Henry Norris in Ernst
Lubitschs Historienstreifen "Anna Boleyn"1) an der Seite von Emil Jannings
(König Heinrich VIII.) und Henny Porten (Anna Boleyn). 1932 war Hartmann auch erstmalig
in einem Tonfilm bzw. dem Hans Albers-Abenteuer "F.P.1 antwortet
nicht"1)
auf der Leinwand zu sehen und verkörperte in der Folgezeit statt
schwärmerischer Jünglinge harte und unerbittliche Helden. So war
er 1933 der in die Arbeit verbissene Ingenieur Mac Allan in
"Der Tunnel" oder 1938 der besonnene französischer Oberst
Marc Arron in "Revolutionshochzeit". In den 1930er und 40er Jahren erlebte man ihn in tendeziös gefärbten
NS-Produktionen wie "Schwarzer Jäger
Johanna"1) (1934), "Stärker als Paragraphen" (1936)
oder dem bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1)
zählenden Propaganda-Drama "Togger"1) (1937),
in Wolfgang Liebeneiners Biopic "Bismarck"1) (1940) spielte er die Titelrolle. Während des 2.
Weltkrieges ließ Hartmann sich für die nationalsozialistische Kulturpolitik
einspannen und agierte in verschiedensten Propagandastreifen, so
z. B. 1938 als Rittmeister Prank in "Pour
le Mérite"1) oder 1941 als Professor Heyt
in Wolfgang Liebeneiners umstrittenen Streifen "Ich klage an"1) ebenfalls den
"Vorbehaltsfilmen" zuzurechnen.
Im deutschen Nachkriegsfilm verkörperte Hartmann seinem Alter entsprechend
meist honorige, besonnene Herren, Väter oder klassische Gestalten. So gab
er 1953 den Herrn Heinrich in der Ganghofer-Verfilmung "Der
Klosterjäger"1),
1955 den Archibald von Barring in der Familiensaga "Die Barrings" oder 1959
den Pastor Kölling in
der zweiteiligen Thomas Mann-Verfilmung "Buddenbrooks"1).
In nachhaltiger Erinnerung ist er auch als Vater Briest in Rudolf Jugerts
Fontane-Verfilmung "Rosen
im Herbst"1) (1955) geblieben, neben Ruth Leuwerik als Effi Briest
und Bernhard Wicki als Geert von Innstetten. Seine letzte Leinwandrollen
waren 1962 die des Feldmarschall Gerd von Rundstedt in der aufwendigen
US-amerikanischen Produktion "Der längste Tag"1)
(The Longest Day) sowie die des alten Stuiber in der
Ganghofer-Adaption "Waldrausch"1).
1964 verlieh man dem Schauspieler das "Filmband in Gold" für
"langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".
Paul Hartmann, der nach dem Tod (1952) seiner ersten Frau, einer slawonischen
Ballettmeisterin, in zweiter Ehe seit 1955 mit der Malerin Elfriede Lieberum
verheiratet war, zog sich 1969 nach einem Unfall ins Privatleben zurück und lebte
in Prien am Chiemsee.
Er starb am 30. Juni 1977 mit 88 Jahren in einem Münchener
Krankenhaus an Herzversagen; Paul Hartmann hinterließ zwei Kinder.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Rosenheim in einem Familiengrab → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de.
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