
| Asta Nielsen erblickte am 11. September 1881 in Kopenhagen
das Licht der Welt. Ihre dominant-strenge Mutter Ida Frederikke Nielsen war eine
einfache Waschfrau, der eher gutmütige Vater Jens Christian Nielsen hielt
die Familie mehr schlecht als recht als Arbeiter über Wasser, Asta wuchs
daher gemeinsam mit der viereinhalb Jahre älteren Schwester Johanne in ärmlichen Verhältnissen
auf. Mitte 1882 hatte sich die Familie in Schweden niedergelassen, da
der Vater in Malmö eine Stelle als Geselle in einer Dampfmühle bekommen
hatte. Als der Betrieb 1890 geschlossen wurde, kehrten die Nielsens nach
Kopenhagen zurück, der schon seit längeren Jahren kränkelnde Vater
verstarb fünf Jahre später. Auf der Schule war Asta Nielsen Mitglied des Chors des Königlichen Theaters Kopenhagen, kam so mit der Welt des Theaters in Berührung, von der sie fasziniert war. Nach dem Tod des Vaters ging die erst 14-Jährige von der Schule ab, entschied sich für die Schauspielerei und nahm privaten Unterricht bei dem befreundeten Schauspieler Peter Jernsdorff (1842 1926), der sie auch finanziell unterstützte. Über den Vater ihrer unehelichen Tochter Jesta, die 1901 geboren wurde, schwieg sie sich immer aus. Jesta beging 1964 nach dem Tod ihres Ehemannes Paul Vermehren Selbstmord.
(Quelle: www.asta-nielsen.de) Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde die Filmkarriere der Nielsen kurzzeitig unterbrochen, 1916 ging sie vorübergehend zurück in ihre Heimat Dänemark, nach Kriegsende kam sie 1918 nach Deutschland zurück. Von nun an war sie meist in aufsehenerregenden Literatur- und Theaterverfilmungen zu sehen, so in Ernst Lubitschs "Rausch" (1919), Carl Froelichs "Irrende Seelen"1) (1921) nach Fjodor Dostojewskij, Leopold Jessners "Erdgeist" (1923) nach Frank Wedekind oder "Hedda Gabler" (1925) nach Henrik Ibsen. Drei Filme realisierte sie mit ihrer eigenen Produktionsfirma: Ihre ungewöhnliche Version von "Hamlet" (1920), in der sich der Dänenprinz am Ende als verkleidete Frau entpuppt, Felix Baschs "Fräulein Julie" (1921) und Ludwig Wolffs "Absturz" (1922). Zwei ihrer wichtigsten Rollen hatte sie als Straßenmädchen "Marie Leschner", das zur Mörderin wird, in G. W. Pabsts "Die freudlose Gasse" (1925), und als alternde Prostituierte, die sich an ihren um vieles jüngeren Geliebten klammert, in Bruno Rahns "Dirnentragödie"1) (1927). Insgesamt spielte Asta Nielsen in mehr als 70 stummen Melodramen, über die Hälfte dieser Streifen gelten als verschollen, nur rund dreißig sind erhalten geblieben. Die größte Sammlung befindet sich im Dänischen Filmmuseum in Kopenhagen. Ihre letzte Filmrolle und ihr einziger Tonfilm war 1932 Erich Waschnecks "Unmögliche Liebe", obwohl ihre Stimme durchaus für den Tonfilm geeignet war, ihre theatralische Gestik und Mimik jedoch weniger ankam. Sie besann sich auf ihre Wurzeln und ging zum Theater zurück, feierte vor allem mit Bühnentourneen große Erfolge. Mit den Nazis, die 1933 an die Macht kamen, konnte sie sich ganz und gar nicht anfreunden, sie schlug auch ein Angebot von Propagandaminister Joseph Goebbels aus, der ihr die Gründung einer eigenen Produktionsgesellschaft angetragen hatte. 1936 verließ sie endgültig Deutschland und kehrte in ihre Heimat Dänemark zurück, wo sie bis 1940 Theater spielte. Nach dem Krieg arbeitete sie mit Textil-Collagen aus ihren alten Filmkostümen als bildende Künstlerin und war auch im Hörfunk tätig. 1945/46 brachte die damals 65-Jährige ihre Memoiren heraus, die sie "Den Tiende Muse" nannte, die deutsche Übersetzung erschien 1961 unter dem Titel "Die schweigende Muse". Das Werk wurde von der Kritik als "literarisches Meisterwerk" bezeichnet, unter anderem sagte der dänische Literaturnobelpreisträger Johannes V. Jensen über ihre Erinnerungen: "Wärem Sie nicht eine große Schauspielerin dann wären Sie eine große Schriftstellerin geworden." Es entstanden weitere Erzählungen, Artikel für Zeitungen und später auch eine Rundfunk-Vortragsreihe "Alt werden ein neues Leben." 1963 wurde Asta Nielsen mit dem "Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" für ihr Lebenswerk geehrt. 1968 realisierte sie als Regisseurin und Produzentin die autobiographische Dokumentation "Asta Nielsen", für die sie ebenfalls ausgezeichnet wurde. Asta Nielsen starb am 25. Mai 1972 im Alter von 91 Jahren in ihrer Geburtsstadt Kopenhagen an den Folgen eines schweren Unfalls. Ihre Ehe mit Urban Gad2), der 33 stumme Streifen mit ihr realisierte, war nach drei Jahren bereits 1915 in die Brüche gegangen, 1918 erfolgte offiziell die Scheidung. Ein Jahr später ehelichte Asta Nielsen am 31. Dezember 1919 den schwedischen Oberleutnant und Sohn eines Reeders, Freddy Wingaardh; auch diese Verbindung endete 1923 vor dem Scheidungsrichter. Erst im Alter von 89 Jahren fand Asta Nielsen ihr privates Glück mit dem knapp zwanzig Jahre jüngeren Kunsthändler Christian Theede, mit dem sie am 21. Januar 1970 vor den Traualtar trat. Der Briefwechsel zwischen dem ungleichen Liebespaar wurde 1997 vom Filmmuseum Potsdam und Allan O. Hagedorff in dem Buch "Liebe mit Achtzig" veröffentlicht. "Senkt die Fahnen vor ihr, denn sie ist unerreicht und niemand
kann sich mit ihr vergleichen" würdigte der Filmhistoriker Béla Bálazs
(1884 1949) die darstellerischen Leistungen der Stummfilmikone Asta Nielsen.
Der Schauspieler und Regisseur Paul Wegener sagte unter anderem über
seine Kollegin: "Asta Nielsen ist
die einzige Künstlerin im
Film, die schlechtweg als Genie anzusprechen ist und deren Kunstleistungen
die Selbstverständlichkeit von Naturereignissen haben. Daß sie wie
alle ganz Großen in der Kunst nebenher auch ein bedeutender Mensch ist,
deren überlegener Humor und tiefe Lebensweisheit einzig ist, weiß jeder,
der das Glück ihrer Freundschaft genießt." (Quelle: www.fembio.org) |
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| Link: 1) Filmbeschreibung der Murnau-Stiftung, 2) Wikipedia | ||
| Mehr Informationen bei www.asta-nielsen.de Siehe auch Wikipedia, www.fembio.org, www.film-zeit.de, www.dhm.de, www.cyranos.ch Filmografie bei der german.imdb.com, Fotos bei film.virtual-history.com und silentladies.com |
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