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Conradt Veidt wurde am 22. Januar 1893 als Hans Walter Conrad Veidt in Berlin geboren.
Er wuchs in kleinbürgerlichen, geordneten Verhältnissen auf, besuchte das Hohenzollerngymnasium
in Berlin-Schöneberg, welches er 1912 aufgrund
schlechter Leistungen ohne Abitur verließ. Stattdessen besuchte er ab 1913 das "Max-Reinhardt-Seminar" in Berlin bzw. wurde
Schauspiel-Volontär an Max Reinhardts "Deutschem Theater", wo ihm
kleinere Aufgaben übertragen wurden. Während des 1. Weltkrieges festigte der
imposant-großgewachsene junge Mann seine schauspielerischen Erfahrungen, spielte als Soldat an
Fronttheatern klassische Rollen. Ersten Kontakt mit dem noch stummen
Medium Film sammelte Veidt mit "Der Weg des Todes" (1916), seit seiner Rolle als indischer Prinz in
"Das Rätsel von Bangalor" (1917) war er auch auf Bösewichte,
zwielichtige Gestalten und abartige Typen festgelegt. Dann wurde er
von Regisseur Richard Oswald1)
(1880 1963) für dessen Aufklärungs- bzw. Sittenfilme entdeckt,
wo er in "Anders
als die Andern" (1919) die Hauptrolle des homosexuellen Geigers Paul Faber
spielte, der nach einer Erpressung Selbstmord begeht. Seither war der Name
"Veidt" in aller Munde und der Schauspieler ein gefragter
Stummfilmdarsteller.
Veidt arbeitete mit den bedeutendsten Regisseuren jener Ära zusammen, wie
mit Friedrich Wilhelm Murnau1) (1888 1931), Georg
Wilhelm Pabst1) (1885 1967) oder Robert Wiene1) (1873 1938);
er selbst führte zwei
Mal Regie, bei den Stummfilmen "Wahnsinn" (1919) und "Die Nacht auf
Goldenhall" (1920), übernahm darin natürlich auch die männliche Hauptrolle.
Foto: Conrad Veidt 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander
Binder1) (1888 1929)
Quelle: Wikipedia;
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Bereits 1916 hatte Veidt mit "Der Weg des Todes" erste Erfahrungen
mit der noch
"stummen" Leinwand sammeln können, berühmt
wurde 1920 seine Rolle des somnambulen, willenlos mordenden Mediums Cesare in
Robert Wienes Stummfilmklassiker "Das
Cabinett des Dr. Caligari",
einem Höhepunkt des expressionistischen deutschen Films. Veidt, der
"Dämon der Leinwand", avancierte zum zweithöchst bezahlter Star im deutschen Film nach
Emil Jannings2).
Er spielte gesellschaftliche Außenseiter, elegante Negativ-Figuren
oder gebrochene Helden, u. a. neben Werner Krauß2),
Reinhold Schünzel2) und
Anita Berber2).
Mit Veidt in der Hauptrolle entstanden kassenträchtige Produktionen wie Joe Mays zweiteiliger
Monumentalfilm "Das
indische Grabmal"1) (1921), wo er den Maharadscha von Eschnapur
mimte, oder "Das Wachsfigurenkabinett"1) (1924) mit Veidt als "Iwan
der Schreckliche" und Emil Jannings als Harun al-Raschid, Kalif von Bagdad.
Nach der beeindruckenden und von den Zeitgenossen hochgelobten Titelrolle in Robert Wienes
"phantastischem" Horrorstreifen "Orlac's
Hände"1) (1924) brillierte Veidt noch mit der Hauptrolle
des Studenten Balduin in "Der Student von Prag" (1926), Henrik Galeens meisterliches
Remake des gleichnamigen
Films1) aus dem Jahre 1913 mit Paul Wegener2).
Auch diesmal waren sich Kritiker und Zuschauer
einig, dass Veidt eine darstellerische Meisterleistung abgeliefert hatte und
die die von seinem Vorbild Paul Wegener entwickelte Rolle noch besser
herausgearbeitet bzw. vervollkommnet hatte.
1926 ging Veidt auf Einladung
des US-amerikanischen Filmstars John Barrymore2) für kurze Zeit nach Hollywood, drehte ein Jahr später
mit Alan Crosland seinen ersten ausländischen Film "The Beloved Rogue" (Der Bettelpoet), wo er
neben Barrymore den König Louis XI verkörperte; weitere Filme wie "A Man's
Past" oder die Rolle des Gwynplaine in "The Man Who Laughs"1) (1928, Der Mann der lacht)
folgten. Da Veidt mit dem aufkommenden Tonfilm wegen seines
ausdrucksvollen Darstellungsstils in den USA jedoch nicht zurecht kam, kehrte
er nach Deutschland zurück, wo er problemlos seinen Star-Status im
Tonfilm behaupten konnte. Man sah man ihn unter anderem 1930 mit der Titelrolle in
"Rasputin, Dämon der Frauen", im gleichen Jahr als Hauptmann Burk
in "Die letzte Kompagnie"1), 1931 brillierte er dann in der Rolle des Metternich in
Eric Charells berühmtem Musikfilm " Der Kongress tanzt"1) und konnte damit auch internationale
Anerkennung verbuchen.
In dem Historienstreifen "Der
schwarze Husar"1) (1931) machte er als Rittmeister Hansgeorg von Hochberg
eine ebenso gute Figur wie als Marquis de Pontignac in der ganz auf Lilian Harvey zugeschnittenen, von
Friedrich Holländer inszenierten Musikkomödie
"Ich
und die Kaiserin"1) (1933). Veidts letzte Rolle in
Deutschland war dann die des Gessler, dem Gegenspieler von "Wilhelm Tell", in der gleichnamigen Verfilmung der Geschichte des Schweizer
Nationalhelden aus dem Jahre 1933.
Mit der Machtergreifung der Nazis emigrierte Veidt mit seiner dritten Frau,
der aus Ungarn stammenden Wiener Agentin und Halbjüdin Ilona Preger
(geborene Barta), zunächst
nach Großbritannien; den Hass der Nationalsozialisten zog Veidt sich
zu, als er als Joseph Süß Oppenheimer1) (1698 1738) in dem von Lothar Mendes
inszenierten britischen Film "Jew Süss" (1934)
nach dem Roman
von Lion Feuchtwanger auftrat, in dem kein verfälschtes Bild der Hauptfigur
wie in dem späteren, unsäglichen Nazi-Hetzfilm
"Jud Süss"1) (1940) gezeigt wurde.
Das Naziorgan "Völkischer Beobachter
verunglimpfte den Schauspieler damals: "Conrad Veidt wurde für diesen Verrat
an seinem Land bezahlt durch das Lob der jüdischen Öffentlichkeit.
Damit ist er menschlich nicht mehr würdig, dass auch nur ein Finger in Deutschland sich zu seinem Lobe rührt."
Veidt, der 1938 britischer Staatsbürger wurde, trat in weiteren
Filmen wie
"The Spy in Black" (1939, Der Spion in Schwarz) oder
"Contraband" (1940) auf, aber auch in Abenteuerfilmen wie 1940 als "Jaffar von Bagdad"
in "The Thief of Baghdad"1) (Der Dieb von Bagdad),
eine Produktion, die wegen seiner für
damalige Verhältnisse einmaligen Tricktechnik mit dem "Oscar" ausgezeichnet wurde und in die Filmgeschichte einging.
1940 zog Veidt in die USA und drehte wieder in Hollywood; hier wurde er
vornehmlich mit Rollen von Mördern oder Nazis besetzt, wohl auch wegen
seines deutschen Akzents, den er nicht ablegen konnte. So war er etwa 1940
als General Kurt von Kolb in "Escape" zu sehen, als bankrotter
Hochstapler und Frauenheld Baron Torsten Barringoder zeigte er sich neben Joan Crawford
in George Cukors "A Woman's Face"1) (1941, Die Frau mit der
Narbe/Erpressung), in dem Spionagestreifen "All
through the Night"1) (1942, Agenten der Nacht) spielte er
an der Seite von Humphrey Bogart eine weitere Hauptrolle. In "Nazi Agent" (1942) mimte er den Otto Becker bzw.
Baron Hugo von Detner, am bekanntesten
ist wohl seine Rolle des teuflischen Major Heinrich Strasser in Michael Curtiz'
1942 gedrehten Kultfilm "Casablanca"1); dieser Auftritt wurde
übrigens in den 1950er Jahren aus der deutschen Verleihfassung
herausgeschnitten und erst in den 1970er Jahren wieder ergänzt. Letztmalig war
Conrad Veidt 1943 als Kollaborateur Graf Hassert Seidel in dem
Spionagefilm "Above Suspicion"
(Gefährliche Flitterwochen) an der Seite von Joan Crawford und Fred MacMurray
auf der Leinwand präsent.
Conrad Veidt, der in erster Ehe seit Juni 1918 bis zu seiner Scheidung im
Herbst des gleichen Jahres mit der Schauspielerin und Diseuse Augusta
"Gussy" Holl1) (1888 1966) verheiratet gewesen war,
starb am 3. April 1943 mit nur
50 Jahren in Hollywood während eines Golfspiels im "Riviera Country Golf Club"
an Herzversagen. Er
hinterließ seine dritte Frau Ilona Preger, die er 1933 geheiratet hatte und
die auch als seine Managerin fungierte. Weiterhin eine Tochter aus
seiner ersten Ehe mit Gussy Holl sowie Viola Vera Veidt (1925 2004),
Tochter aus der Verbindung
mit seiner zweiten Frau, der Schauspielerin Felicitas Radke, der Veidt
am 18. April 1923 das Ja-Wort gegeben hatte und von der er sich 1932 wieder scheiden
ließ.
Mit seiner bizarren Körpersprache etablierte Veidt sich als idealer
expressionistischer Schauspieler des deutschen Stummfilms, war stilbildend
für die "Filme des Grauens" wie 1924 als "Iwan der Schreckliche"
in Paul Lewis' "Das Wachsfigurenkabinett" oder 1926 als Balduin in
Henrik Galeens "Der Student von Prag". In seinem unterkühlten Spiel reduzierte
er Gestik und Mimik auf ein
Minimum. Er verkörperte homosexuelle Geiger, Besessene, Fremdlinge, Asiaten
oder finsteren Mächten verfallene geniale Künstler. Dieses Rollenfach
erweiterte er im Kostümfilm um Figuren wie beispielsweise Don Carlos (Carlos und Elisabeth, 1924),
Rasputin (Rasputin, Dämon der Frauen, 1930) oder Cesare Borgia
(Lucrezia Borgia, 1922).
Mit seinem eiskalten Satan in Naziuniform in "Casablanca" gelang
ihm dann eine unvergessliche Charakterstudie.3)
Im September 2002 erschien in englischer Sprache von John T. Soister
das Buch "Conrad Veidt on Screen: A Comprehensive Illustrated Filmography",
welches detailliert die filmische Karriere von Contrad Veidt aufzeigt. Jedem seiner Filme
ist ein eigenes Kapitel gewidmet, und neben den
"technischen Daten" sind eine ausführliche Inhaltsangabe, zahlreiche,
zeitgenössische Kritiken, sowie Notizen und Wissenswertes gesammelt.
Daneben ist auch ein sehr guter biografischer Teil der Veidt Kennerin Pat Wilks Battle sowie
ein Nachwort des Filmkritikers und -kenners Henry Nicolella enthalten.
Im Dezember 1992 war bereits von Jerry C. Allen "Conrad Veidt: From Caligari to Casablanca"
erschienen sowie 1993 von der Stiftung Deutsche Kinemathek "Conrad Veidt: Lebensbilder ausgewählte
Fotos und Texte".
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