John (Sidney Blythe) Barrymore wurde am 14. Februar 1882 in Philadelphia (Pennsylvania) geboren. Sein Name steht für eine berühmte amerikanische Schauspielerdynastie, die durch seinen Vater begründet wurde: Der in Indien geborener und später in Großbritannien aufgewachsener Vater Herbert Arthur Chamberlayne Blyth1) (1849 – 1905) hatte als Schauspieler den Künstlernamen "Maurice Barrymore" gewählt und war mit Schauspielerkollegin Georgianna "Georgie" Emma Drew2) (1856 – 1893) verheiratet. Diese wiederum stammte ebenfalls aus einer Schauspielerfamilie, Bruder John Drew Jr., der "Jüngere" (1853 – 1927) sowie ihre Eltern John Drew2) "der Ältere" (1827 – 1862) und Louisa Lane Drew2) (1820 – 1897) waren anerkannte Bühnendarsteller; die in Großbritannien geborene Louisa tourte bereits als Kinderstar durch die USA und leitete später mehr als dreißig Jahre lang das "Arch Street Theatre" in Philadelphia.
Maurice und Georgie bekamen drei Kinder, John Barrymore war der Jüngste der "Fabulous Barrymores", sein älterer Bruder Lionel Barrymore (1878 – 1954) sowie Schwester Ethel Barrymore1) (1879 – 1959) wurden ebenfalls berühmte Schauspieler. Auch die Nachkommen traten in die Fußstapfen ihrer prominenten Vorfahren, Schauspielerin Diana Barrymore1) (1921 – 1960) war die Tochter von John Barrymore und dessen zweiter Frau Blanche Oelrichs1) (1890 – 1950), John Drew Barrymore1) (1932 – 2004) stammte aus John Barrymores dritten Ehe mit Dolores Costello1) (1903 – 1979). Dieser wiederum heiratete in erster Ehe Schauspielerin Cara Williams1), 1954 wurde Sohn John Blyth Barrymore2) geboren; aus der dritten Verbindung mit Ildikó Jaid Makó1) (Jaid Barrymore) stammt Tochter Drew Barrymore1), die wie ihr berühmter Großvater zu den gefeierten Hollywood-Stars zählt.

John Barrymore (l.) 1935 mit seinem Bruder Lionel
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Körperschaft: New York Times Photo; Datierung: 27.09.1935
© ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer FO300052/05)

John Barrymore (l.) 1935 mit seinem Bruder Lionel; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Körperschaft: New York Times Photo; Datierung: 27.09.1935; Copyright ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer FO300052/05)
John Barrymore 1922; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Arnold Genthe (1869 – 1942) John Barrymore besuchte nach der Schule die "Georgetown University"1), wo er 1898 seinen Abschluss machte, sowie das "King's College"1) in London. Im Alter von 18 Jahren arbeitete er zunächst als Zeichner und Cartoonist für New Yorker Zeitungen und Magazine, Ende Oktober 1903 stand er erstmals in Cleveland1) (Ohio) mit dem kleinen Part eines Leutnants in dem Stück "Magda" auf der Bühne, ein Jahr kam er nach New York und avancierte rasch zum Broadway-Star. Seine markanten Gesichtszüge und seine äußere Erscheinung brachten ihm rasch den Spitznamen "The Great Profile" ein, vor allem als Shakespeare-Darsteller schrieb John Barrymore Theater-Geschichte. Seine Interpretationen des "Hamlet"1) und "Richard III."1), die er während der Spielzeit 1919/20 bzw. 1922/23 verkörperte, sind Meilensteine des klassischen Shakespeare-Theaters im 20. Jahrhundert, viele spätere Auslegungen dieser Charaktere lassen sich auf Barrymores brillante Gestaltung zurückführen. Er war der erste Darsteller, welcher sowohl stimmlich als auch körperlich Shakespeares tragische Helden in die Nachkriegs-Moderne transponierte, als Erster ließ er diese klassischen Rollen im Licht Freudscher Sichtweisen erscheinen. Wikipedia notiert: "Er war damals als the "Perfect Profile" bekannt und galt als Mann mit der schönsten Stimme der Welt. Sein Spitzname "The Great Lover" bezog sich sowohl auf seinen Erfolg als Darsteller romantischer Helden als auch auf seine zahllosen Affären."

John Barrymore 1922, fotografiert von Arnold Genthe1) (1869 – 1942)
Quelle: Wikimedia Commons; Angaben zur Lizenz siehe hier

So war es nicht weiter verwunderlich, dass auch (zunächst) der Stummfilm sich dieses charismatischen Schauspielers bediente, 1913 schloss Adolph Zukor1) mit ihm einen Studiovertrag ab. Nach einigen kleineren Rollen in eher unbedeutenden Melodramen, gelang ihm mit der Titelrolle des Beresford Kruger in der Filmadaptation seines Broadway-Erfolgs "An American Citizen" (1914, "Ein amerikanischer Bürger") auch der Durchbruch als Filmdarsteller. Nach verschiedenen Komödien wie "The Red Widow" (1916) oder "Here Comes the Bride" (1919) machte John Barrymore mit der Doppelrolle in der noch stummen Horrorgeschichte "Dr. Jekyll and Mr. Hyde"1) (1920) Furore, die John S. Robertson1) nach dem Klassiker von Robert Louis Stevenson1) gedreht hatte. Barrymores einzigartige Leistung bestand nicht nur in seinem eindrucksvollen Spiel, sondern auch darin, dass er die Verwandlung vor der Kamera ohne Hilfe von Maskenbildner und Trick vollzog.
Weitere Hauptrollen wie als Sherlock Holmes1) in der Arthur Conan Doyle-Adaption "Sherlock Holmes" (1922), als englische Lebemann George Bryan Brummell1) in "Beau Brummel"1) (1924, "Die Liebesaffären des Beau Brummel"), als Titelheld in "Don Juan"1) (1926, "Don Juan – Der große Liebhaber"), gedreht nach dem epischen Gedicht "Don Juan" von Lord Byron1), oder als Sergeant Iwan Markow in dem dem Drama "Tempest"1) (1928, "Wetterleuchten") machten John Barrymore zum Leinwandstar. 1926 erlebte man ihn in einer Glanzrolle, als grausamen Kapitän Ahab in  dem Abenteuer "The Sea Beast"2) nach dem weltberühmten Roman "Moby-Dick"1) von Herman Melville1), eine Figur, die Barrymore auch in der Tonfilmfassung "Moby Dick"1) (1930) verkörperte. In "The Beloved Rogue"1) (1927, "Der Bettelpoet") über den französischen Dichter François Villon1) (1431 – 1463) glänte er als Protagonist, zu einem seiner letzten Stummfilme zählte die von Ernst Lubitsch1) in Szene gesetzte tragische Geschichte "Eternal Love"1) (1929, "Der König der Bernina") nach dem Roman von Jakob Christoph Heer1), wo Barrymore als Partner von Camilla Horn als ebenso wagemutiger wie temperamentvoller "Teufelskerl" Marcus Paltran in Erscheinung trat.
Bereits die Produktion "Don Juan" hatte erste, kleinere Tonpassagen enthalten, der Kostümfilm aus der Zeit Ludwigs XV.1) mit dem Titel "When A Man Loves"2) (1927, "Das Galeerenschiff") nach dem Roman "Manon Lescaut"1) von Abbé Prévost1) und seiner Rolle des Chevalier Fabien des Grieux sowie Dolores Costello1) als Titelheldin Manon Lescaut bedeutete Barrymores eigentlichen Start in die Tonfilmära.

Filmplakat zu "Beau Brummel"
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Körperschaft: "Otis College of Art and Design"; Datierung: 1924
© ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer PLA16302629)

Filmplakat zu "Beau Brummel"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Körperschaft: "Otis College of Art and Design"; Datierung: 1924; Copyright ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer PLA16302629)
Nach dem Part des mit hypnotischen Kräften versehenden Maestro Svengali in dem Horrorstreifen "Svengali"1) (1931), basierend auf dem Roman "Trilby"1) von George du Maurier, und dem Gentleman-Gauner Arsène Lupin1) in "Arsene Lupin"1) (1932, "Arsene Lupin, der König der Diebe") geriet Edmund Gouldings1) Vicki Baum-Adaption "Grand Hotel"1) (1932, "Menschen im Hotel") zum Höhepunkt seines Filmschaffens: Hier mimte Barrymore an der Seite der "göttlichen" Greta Garbo (als Tänzerin Grusinskaya) den verarmten Baron Felix von Geigern, der sich als Hoteldieb betätigt und sich in Grusinskaya verliebt; Bruder Lionel Barrymore spielte übrigens den todkranken Otto Kringelein, der beschlossen hat, alle Brücken hinter sich abzubrechen, um bis zu seinem Tod das Leben im Luxushotel zu genießen.
Anfang der 1930er Jahre gehörte John Barrymore zu den höchstbezahltesten Filmschaffenden Hollywoods, spielte unter anderem in "Rasputin and the Empress"1) (1932, "Rasputin – Der Dämon Rußlands") an der Seite seines Bruders Lionel (Rasputin1)) und seiner Schwester Ethel (Zarin Alexandra Fjodorowna1)) den Prinzen Paul Chegodieff, der im Film den legendären russischen Geisterheiler ermordet. In der Komödie "Reunion in Vienna"1) (1933, "Rendez-vous in Wien") gab er den Rudolf von Habsburg, als rücksichtsloser Besitzer einer Fluglinie tauchte er in dem Drama "Night Flight"1) (1933, "Nachtflug2) auf, oder – an der Seite von Carole Lombard – als ergomanischer Produzent Oscar 'O. J.' Jaffe in der Screwball-Komödie "Twentieth Century"1) (1934, "Napoleon vom Broadway"). Zu seinen letzten großen Filmen zählte das "Oscar"-nominierte Biopic "Marie Antoinette"1) (1938) mit der Figur des französischen Königs Ludwig XV.1) und Norma Shearer in der Titelrolle der Marie Antoinette1).
Danach begann Barrymores Stern langsam aber stetig zu sinken, wegen vermehrten Alkoholmissbrauchs erhielt der Star keine großen Angebote mehr und agierte in sogenannten B-Movies. Bemerkenswert von diesen war die Parodie auf das Horror- und Science-Fiction-Film-Genre "The Invisible Woman"1) (1940, "Die Unsichtbare Frau") mit unter anderem Charles Ruggles1) und Oskar Homolka als Partner. Zu nennen ist auch die Screwball-Comedy "Midnight"1) (1939, "Enthüllung um Mitternacht", bei der Billy Wilder1) als Co-Autor fungierte. In dem Streifen, der von der Kritik als eine amerikanische Version von Jean Renoirs1) Meisterwerk "Die Spielregel"1) gefeiert wurde, mimte er an der Seite von Claudette Colbert und Don Ameche den exzentrischen Millionär Georges Flammarion. "John Barrymore hatte nach jahrzehntelangem Alkoholmissbrauch massive Probleme, seine Dialoge zu behalten, weshalb Leisen sogenannte "Cue Cards" einsetzen musste. Der Text wurde auf große Pappscheiben geschrieben und außerhalb des Kamerabereichs vor dem Schauspieler hoch gehalten, so dass dieser den Text nur noch ablesen brauchte." notiert Wikipedia → Übersicht Filmografie (Auszug).

Langjährige Alkoholexzesse und eine daraus folgernde einsetzende Alzheimer-Erkrankung ließen den begnadeten Theaterdarsteller und ehemaligen Hollywood-Star, der in den letzten Jahren auch verstärkt für den Rundfunk arbeitete, mehr und mehr ins Abseits geraten. Schwierigkeiten, seine Rollentexte zu lernen bzw. zu behalten, waren Ausdruck seiner fortschreitenden Krankheit. Am 19. Mai 1942 brach er während einer Radiosendung zusammen und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose der Ärzte war niederschmetternd: Neben einer Leberzirrhose stellte man Arterienverkalkung, Magengeschwüre und eine beginnende Lungenentzündung fest. John Barrymore überlebte nur noch wenige Tage, am 29. Mai 1942 starb er im Alter von nur 60 Jahren in Los Angeles1) an Herzversagen. Die letzte Ruhe fand der einst so gefeierte Mime auf dem "Calvary Cemetery" in East Los Angeles1), die Grabplatte trägt die Inschrift "GOOD NIGHT SWEET PRINCE" → Foto der Grabstelle bei knerger.de
Seine Erinnerungen veröffentlichte der Schauspieler bereits 1926 unter dem Titel "Confessions of an actor", 1935 erschien das Buch "We three: Ethel, Lionel, John". Von Sohn John Drew Barrymore stammt die Biografie "Good Night Sweet Prince: The Life and Times of John Barrymore", Carol Stein Hoffman brachte die Geschichte der Barrymores mit dem Titel "The Barrymores: Hollywood's First Family" auf den Markt. Heute erinnert ein "Stern" auf dem "Hollywood Walk of Fame"1) an den legendären Theater- und Filmschauspieler.
  
John Barrymore hatte in erster Ehe 1910 die junge Theaterdebütantin Katherine Corri Harris2) (1891 – 1927) geheiratet, nach nur sechs Jahren ging die Ehe in die Brüche. Anfang August 1920 folgte die zweite Verbindung mit der Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Blanche Oelrichs1) (1890 – 1950), die ihre Gedichte und sonstigen Arbeiten unter dem Künstlernamen Michael Strange veröffentlichte. Auch diese Ehe hielt trotz der 1921 geborenen gemeinsamen Tochter Diana1) nur wenige Jahre und wurde Mitte 1928 geschieden. Schauspielerin Dolores Costello1) (1903 – 1979) wurde am 24. November 1928 John Barrymores dritte Ehefrau, Tochter Dolores Ethel Mae Barrymore kam 1931 zur Welt, ein Jahr wurde Sohn John Drew Barrymore geboren. Anfang Oktober 1935 ging diese Ehe ebenfalls in die Brüche, am 9. November 1936 folgte Barrymores vierter Versuch mit der Darstellerin Elaine Barrie1) (1915 – 2003), doch auch dieser Verbindung war kein Glück beschieden; knapp vier Jahre später endete auch diese Beziehung Ende November 1940 vor dem Scheidungsrichter.
Bei Wikipedia kann man lesen: "Seine Tochter Diana Barrymore, die selbst ihr Leben lang unter Alkoholismus litt, beschrieb ihren Vater in ihrer eigenen Biografie "Too Much, Too Soon" von 1957 als manipulativen, krankhaften Egomanen. In der gleichnamigen Verfilmung von 1958 (die in Deutschland als "Ihr Leben war ein Skandal" in die Kinos kam → Filmlexikon) übernahm Errol Flynn, damals selbst bereits von Alkoholsucht gezeichnet, den Part von John Barrymore."
Textbausteine des Kurzportraits von prisma.de; siehe auch Wikipedia sowie
den ausführlichen englischsprachigen Wikipedia-Artikel
Fotos bei film.virtual-history.com
Fremde Links:1) Wikipedia (deutsch), 2) Wikipedia (englisch)
Lizenz Foto John Barrymore (Urheber: Arnold Genthe): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
  
Filme (Auszug)
Stummfilme / Tonfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Fremde Links: Wikipedia (deutsch/englisch), whoswho.de)
Stummfilme Tonfilme
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de