Pola Negri wurde als Barbara Apolonia Chalupiec am 31. Dezember 1894 in Lipno (Polen) geboren. Anfangs lebte die Tochter eines aus der Slowakei eingewanderten Ungarns und einer Polin in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater, ein ungarischer Roma und von Beruf Klempner, starb in Sibirien, wohin er wegen seines Widerstandes gegen das Zarenregime verbannt worden war. Bereits ab dem achten Lebensjahren begann das kleine Mädchen in Warschau mit ihrer Ballettausbildung, die sie jedoch später abbrechen musste, da sie an Tuberkulose erkrankte. Nach ihrer Genesung machte sie eine Ausbildung zur Schauspielerin, debütierte anschließend 1912 am "Kleinen Theater" in Warschauer in Hauptmanns Drama "Hanneles Himmelfahrt". Rasch hatte sich Pola Negri, wie sie sich jetzt aus Verehrung zu ihrer italienischen Lieblingsdichterin Ada Negri (1870 – 1945) mit Künstlernamen nannte, einen Ruf als anerkannte Theaterschauspielerin erworben, wirkte zu Beginn des ersten Weltkrieges auch in einigen polnischen Filmproduktionen mit. Noch vor Ende des Krieges holte Max Reinhardt die slawische Schönheit mit dem Pagenkopf 1916 nach Berlin, wo sie als gewagt kostümierte Tänzerin vor allem das männliche Publikum begeisterte.
 
Foto: Pola Negri im November 1930 mit Ehemann Serge Mdivani
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 102-10764;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: November 1930 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Deutsches Bundesarchiv, Bild 102-10764 bzw. commons.wikimedia.org
Pola Negri im November 1930 mit Ehemann Serge Mdivani ;  Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 102-10764;  Fotograf: Unbekannt / Datierung: November 1930 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Unter der Regie von Ernst Lubitsch1) (1892 – 1947) stieg sie bei der Ufa neben Asta Nielsen2) (1881 – 1972) und Henny Porten2) (1890 – 1960) zu einer der führenden und bedeutendsten weiblichen Stummfilm-Idole auf, wurde von einigen Kritikern als "Duse der Leinwand" bezeichnet. Über Nacht war Pola Negri zum Weltstar avanciert – und zu einem der ersten Vamps des jungen Kinos. Mit angeklebten Locken und wilden Kosakentänzen brachte die gebürtige Polin Leidenschaft und Sinnlichkeit auf die Leinwand. Mit stummen Melodramen wie "Arabella" (1917), "Der gelbe Schein"3) (1918), "Carmen"3) (1918), "Madame Dubarry"3) (1918), "Die Augen der Mumie Ma"3) (1918), "Der gelbe Schein"1) (1918), "Vendetta"3) (1919), "Anna Karenina" (1919) oder "Sumurun"3) (1920) machte sie auf der Leinwand Furore, verdrehte Heinrich VIII. alias Emil Jannings als "Anna Boleyn" (1920) den Kopf, war in dem Abenteuer "Die Bergkatze"3) (1921) und "Die Flamme"1) (1921) zu sehen.
Auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes ging Pola Negri 1922 mit Lubitsch nach Hollywood, wo sie ihre Karriere zunächst im Stummfilm problemlos fortsetzen konnte, die Filme mit anderen Regisseuren erreichten jedoch meist nicht das Niveau ihrer früheren Zusammenarbeit mit Lubitsch. Nach einigen enttäuschenden Produktionen ließ das Studio die beiden 1924 wieder gemeinsam für den Streifen "Forbidden Paradise" (Das Verbotene Paradies) arbeiten, in dem die Negri als Zarin Katharina die Große brillierte – es sollte der letzte finanzielle Erfolg für die Schauspielerin werden. Als ihr bester amerikanischer Film gilt den Kritikern "Hotel Imperial" (1927, Hotel Stadt Lemberg) des russisch-schwedischen Regisseurs Mauritz Stiller1) (1883 – 1928), der als Entdecker und Mentor der "göttlichen" Greta Garbo2) (1905 – 1990) gilt.
Mit Beginn des Tonfilms begann der Stern Pola Negris aufgrund des starken polnischen Akzents zu sinken. Der Stummfilmstar kehrte nach Deutschland zurück und erlangte mit Filmen wie Willy Forsts "Mazurka" (1935), Paul Wegeners "Moskau – Shanghai"1) (1936), Fritz Kirchhoffs "Tango Notturno"3) (1937), Gerhard Lamprechts "Madame Bovary" (1937) und Nunzio Malasommas "Die fromme Lüge"3) (1938) ein kurzes rauschendes Comeback. Der letzte Stummfilm, "Die Straße der verlorenen Seelen" (1929), der aus Hollywood zurückgekehrten Diva Pola Negri entstand in Großbritannien und hat nur in einer französischen Fassung überlebt. Er erzählt von einem Leuchtturmwächter, der in einer Hafenkneipe einer Dirne begegnet. Paul Czinner, Ehemann und Regisseur der Filme von Elisabeth Bergner, schuf ein wenig bekanntes, elegant inszeniertes Melodram, das mit einem der überraschendsten Schnitte der Filmgeschichte aufwartet. (Quelle: www.film-ist-kultur.de)

Ihr volles, großflächiges Gesicht mit den dominierenden Augen war auf der Stummfilmleinwand so lebendig, daß ihm keine Schminke etwas anhaben konnte. Sie war ein "Typ" ersten Ranges, unverwechselbar in allen Auftritten und spielte immer sich selbst. Für den Stummfilm, der seine Ausdrucksformen noch suchte, war sie die ideale Verkörperung der Frau als natürliche, wenn auch geheimnisvolle Verführerin. Polnische und spanische Tänzerinnen stellte sie deshalb in einer Zeit, die den Tanz als Ausdruck besonders wildwüchsiger Sinnlichkeit verstand, ebenso dar, wie das "Fremde" und "Adlige", das ihren Vamps auf der Leinwand anhaftete. In Hollywood führte sie ein, was man das "ausländische Temperament" nannte, eine Fähigkeit, auf und außerhalb der Leinwand zugleich Anziehungskraft zu entfalten. Ernst Lubitsch nannte sie "Ein Feuer großer Klasse". Im Tonfilm brannte dieses Feuer dank ihrer ausdrucksvollen Stimme noch heller. (Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz)

Auch mit ihrem Privatleben machte der schillernde Leinwandstar von sich reden. In zweiter (nach anderen Quellen dritter) Ehe seit 1927 verheiratet mit dem georgischen Prinzen Serge Mdivani1) (1903 – 1936), einer skandalumwitterten Gestalt, dessen Titel sich später als unecht erwiesen haben soll, stand sie ihrem Ehemann in nichts nach, machte Schlagzeilen durch ihre kurze Liebesbeziehungen mit Charles Chaplin2) (1889 – 1977) und "Latin Lover" Rudolph Valentino2) (1895 – 1926). 1922 wurde nach einer Verlobung ihre Heirat mit Charles Chaplin angekündigt, doch blieb es bei der Ankündigung, die Beziehung endete mit der Trennung gegenseitigen öffentlichen Beleidigungen. Bei der Beerdigung von Valentino – ihrem angeblichen Liebhaber, der mit ihrem Namen auf den Lippen sein Leben ausgehaucht haben soll, – brach sie mit Weinkrämpfen am Sarg zusammen. Böse Zungen beschrieben diese Szene als ihre beste Darstellung ihrer Karriere. Ihre erste (nach anderen Quellen zweite), 1919 geschlossene Ehe mit dem Grafen Eugene Dombski war bereits zwei Jahre später geschieden worden, die Verbindung mit Serge Mdivani endete Anfang April 1931 vor dem Scheidungsrichter. Einigen Quellen zufolge soll Pola Negris erster Ehemann der homosexuelle Tanzkünstler und frühere zweite Ehemann von Anita Berber2) (1899 – 1928), Sebastian Droste, gewesen sein.
 
Noch vor Beginn des 2. Weltkrieges hatte die "femme fatale" Pola Negri 1938 Deutschland verlassen, wohnte zunächst auf ihrem Schloss Seraincourt bei Rueil in Frankreich, dass sie 1925 von ihren Traumgagen gekauft hatte; 1941 ging sie dann endgültig in die USA zurück. 1951 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Nur noch zwei Mal stand sie vor der Kamera, so für "Hi Diddle Diddle" (1943) und die Disney-Produktion "The Moon-Spinners"1) (1964, Der Millionenschatz). Seit den 1950er Jahren arbeitete sie äußerst erfolgreich als Immobilienmaklerin in San Antonio (Texas), wo sie am 1. August 1987 im Alter von 92 Jahren in einem Krankenhaus an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Schon zu Lebzeiten hatte sie auf einem Friedhof bei New York eine große Grabstätte in der Nähe von Rudolph Valentinos Grab erworben.
Bereits 1970 hatte sie ihre von einem Ghostwriter verfasste Autobiografie "Memoirs of a Star" (Erinnerungen eines Filmstars) veröffentlicht.
 
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau-Stiftung
Umfangreiche Informationen rund um den legendären Stummfilmstar gibt es bei www.polanegri.com;
siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia
Filmografie bei der german.imdb.com, Fotos bei silentladies.com und www.virtual-history.com
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