Olga Tschechowa wurde am 26. April 1897 als Olga von Knipper in Alexandropol am Kauakasus (heute Gjumri, Armenien) und Tochter eines Ingenieurs für Brücken- und Tunnelbau geboren, der es unter Zar Nikolaus bis zum Eisenbahnminister brachte; ihre musisch begabte Mutter hatte irisch-österreichische Vorfahren. Olga stammte aus einer berühmten Familie – ihre Tante war die angesehene Bühnenschauspielerin und Gründungsmitglied des legendären Moskauer Künstlertheaters Olga Leonardowna Knipper1) (1868 – 1959), die mit dem russischen Dichter Anton Tschechow1) (1860 – 1904) verheiratet war. Ihr jüngerer Bruder war der Komponist Lew Konstantinowitsch Knipper1) (1898 – 1974). Die Familie stand in direkter Verbindung mit dem russischen Zarenhof, Olga spielte mit den Zarenkindern und erlebte die beängstigende Persönlichkeit des Wanderpredigers und Geisterheilers Rasputin1) (1869 – 1916) mit.
 
Foto: © Rainer Binder
Das Foto (auch Hintergrund) wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.
Olga Tschechowa
Olga von Knipper verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Georgien, Moskau und St. Petersburg, wo sie später kurze Zeit Medizin und Bildhauerei an der Kunstakademie studierte, dann machte sie als Meisterschülerin eine Schauspielausbildung bei dem legendären Regisseur Konstantin Stanislawski1) (1863 – 1938). 
Die junge Olga heiratete 1914 mit sechzehn Jahren ihren Vetter, den Schauspieler und Neffen des russischen Dichters Anton Tschechow, Michael Tschechow1) (1881 – 1955), von dem sie sich jedoch schon drei Jahre später nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Ada wieder scheiden ließ.
 
Olga Tschechowa begann ihre Schauspielerkarriere ab 1917 mit kleinen Rollen am Moskauer Künstlertheater, spielte dann an weiteren russischen Bühnen und auch in russischen Filmproduktionen. Nach der russischen Revolution ging die Tschechowa 1921 fast mittellos nach Deutschland, schlug sich in Berlin als Presse- und Plakatmalerin durch und wurde von F. W. Murnau für den Stummfilm "Schloss Vogelöd"2) (1921) entdeckt; zwei Jahre später verkörperte sie bereits die Titelrolle in Berthold Viertels Ibsen-Adaption "Nora"2) (1923), ihre Darstellung fand jedoch keine ungeteilte Zustimmung: "Tschechowas Nora hat nichts von der kleinen Lerche, von jenem von einem undefinierbaren Zauber umrahmten Geschöpf, an das wir doch glauben sollen. Diese Nora ist eine bürgerliche Hausfrau, die mit beiden Füßen auf dem Erdboden steht, und ihr primitives Minenspiel vermag die seelische Tragödie dieser Frau nicht zu entschleiern." schrieb ein Kritiker im "Film-Kurier" am 2.3.1923. 
Hauptrollen in stummen Streifen wie "Tatjana"2) (1923), "Die Pagode" (1923), "Die Stadt der Versuchung" (1925) oder "Das Meer" (1927, mit Heinrich George) schlossen sich an, nach einem kurzen Gastspiel in Frankreich als Mondäne in René Clairs "Der Florentinerhut"1) (1927, Un chapeau de Paille d' Italie) kehrte sie nach Deutschland zurück und erhielt in einem der ersten Tonfilme, dem Kinoklassiker "Die Drei von der Tankstelle"1) (1930), die Nebenrolle der Edith von Turkow. Im gleichen Jahr erlebte man sie neben Emil Jannings in Erich Pommers Musikfilm "Liebling der Götter"2), bald schloss die Tschechowa unter Regisseuren wie Max Ophüls und Willi Forst in Produktionen wie der Schnitzler-Adation "Liebelei" (1933; Regie: Max Ophüls), der Operettenverfilmung "Maskerade"1) (1934; Regie: Willi Forst) oder der Charakterstudie "Burgtheater"1) (1936; Regie: Willi Forst) zu den großen Diven des Dritten Reichs auf. In den folgenden zehn Jahren gehörte Olga zu den populären Ufa-Filmstars, häufig als mondäne, elegante und verführerische "Grande Dame" besetzt. Viele ihrer Streifen kamen über das durchschnittliche Niveau der Unterhaltungsfilme und Melodramen jedoch nicht hinaus, eine ihrer schillerndsten Frauengestalten war 1936 die Kaiserin Elisabeth von Russland in Werner Hochbaums historischen Komödie "Der Favorit der Kaiserin" als Partnerin von Anton Pointer (Fürst Iwan Potozky); siehe auch das PDF-Dokument bei verleihfilme.deutsche-kinemathek.de. Zu den weiteren Kinoproduktionen bis Ende des 2. Weltkrieges zählen unter anderem Willi Forsts Guy de Maupassant-Verfilmung "Bel Ami"1) (1939), das Abenteuer "Der Fuchs von Glenarvon"2) (1940), das Biopic "Andreas Schlüter"2) (1942) oder die Liebesfilme "Reise in die Vergangenheit"2) (1943) und "Gefährlicher Frühling"2) (1943).
In England hatte sie 1928 die Firma "Tschechowa-Films Ltd." gegründet und produzierte unter anderem zwei Filme mit Regisseur Erich Waschneck, so "Diane – Die Geschichte einer Pariserin" (1929) und "Die Liebe der Brüder Rott" (1929). In ihrer einzigen, von der Kritik wohlwollend aufgenommenen Regiearbeit "Der Narr seiner Liebe" (1929), gab sie ihrem geschiedenen Ehemann Michael Tschechow, der vor allem als Theaterschauspieler erfolgreich war, die männliche Hauptrolle.
 
Nach 1945 spielte Olga Tschechowa, die seit 1930 die deutsche Staatsbürgerschaft besaß, vornehmlich Theater, war als Schauspielerin und Regisseurin an verschiedenen Berliner Bühnen tätig; so ging sie unter anderem 1947 mit dem Stück "Der Blaufuchs" von Ferenc Herczeg auf Gastspielreise. Mit einer neuerlichen eigenen Filmgesellschaft, der "Venus-Film", war ihr kurz nach dem Krieg der Erfolg versagt geblieben. Auf der Leinwand erschien sie in Filmen wie "Maharadscha wider Willen" (1950), "Aufruhr im Paradies" (1950), "Hinter Klostermauern" (1952) oder "Alles für Papa" (1953), in Harald Reinls Spyri-Verfilmung "Rosen-Resli"1) mimte sie 1954 die Frau von Weidersheim, in "Rittmeister Wronski" (1954) stand sie mit Willy Birgel vor der Kamera oder war ein Jahr später als Amelie von Eyff in Rolf Thieles Familiensaga "Die Barrings" zu sehen.
Nach dem Scheitern eines Kosmetik-Salons gründete die ausgebildete Kosmetikerin – 1937 hatte sie das Diplom erworben – 1958 in München eine Kosmetikfirma, die "Olga-Tschechowa-Kosmetik" mit Niederlassungen in München, Berlin und Mailand, die sie bis zu ihrem Tod leitete. Der Star behauptete zwar in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" vom 4.11.1967: "Ich habe mich vom Film zurückgezogen, weil ich mein Publikum nicht enttäuschen wollte", konnte es aber doch nicht lassen, als schicke Großmutter in den "Immenhof"-Filmen "Die Zwillinge vom Immenhof"1) (1973) und "Frühling auf Immenhof"1) (1974) mitzumischen. Gelegentlich gastierte Olga Tschechowa dann noch am Theater oder im Fernsehen; ein Kritiker schwärmte von ihr als "Inkarnation der schönen Helena", weil sie nie zu altern schien.
Insgesamt stand die Schauspielerin währen ihrer Karriere für über 250 Filme vor der Kamera und übernahm auch schon mal gelegentlich eine Rolle für das Fernsehen, wie 1971 neben ihrer Enkelin in der TV-Serie "Duell zu dritt". Die slawisch dunkle Erscheinung mit dem großflächigen Antlitz wirbelte in ihren frühen Jahren meist mit kleinen Schritten durch die Szene, betonte ihren russischen Akzent, spielte Agentinnen und Tschekabräute, dann erblondete sie vorübergehend, trug Ponylocken und ein geschmeidiges Katzenlächeln zur Schau. Im Dritten Reich umwehte sie ein Hauch von großer Welt, war sie als "grande Dame par excellence" etabliert, das letzte Luxusweib des deutschen Films.4) 
 
Foto: Aufnahmen von der Dreharbeiten des Film "Alles für Papa" (Regie Karl Hartl), der in den Göttinger Filmateliers im Oktober bis Dezember 1953 entstand.
Lustige Szene mit Hannerl Matz, Regisseur Karl Hartl und Olga Tschechowa während einer Drehpause. Von links: Johanna Matz4), Karl Hartl3), Olga Tschechowa
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F001053-0009
Fotograf: W. Brodde / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz
 wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: 
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F001053-0009 bzw. Wikimedia Commons
Aufnahmen von der Dreharbeiten des Film "Alles für Papa" (Regie Karl Hartl), der in den Göttinger Filmateliers im Oktober bis Dezember 1953 entstand.; Quelle: Bilddatenbank Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-F001053-0009 / Fotograf: W. Brodde / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
1952 veröffentlichte die Schauspielerin ihre Autobiographie unter dem Titel "Ich verschweige nichts" und bekennt hier auch, dass sie während des Dritten Reiches mit den führenden Nazis engsten privaten Kontakt gepflegt hatte; 1973 erschienen mit "Meine Uhren gehen anders" weitere Erinnerungen. Von dem renommierten Militärhistoriker Antony Beevor1) stammt das 2004 im Bertelsmann-Verlag erschienene Buch "Die Akte Olga Tschechowa. Das Geheimnis von Hitlers Lieblingsschauspielerin", mit dem der Autor, basierend auf streng geheimen Unterlagen des russischen Geheimdienstes, der Sage nachgeht, dass Olga Tschechowa zur Zeit ihrer größten Erfolge in Deutschland Agentin des sowjetischen KGB gewesen sei. (Siehe auch www.dradio.de)
1962 hatte man dem ehemaligen Ufa-Star das "Filmband in Gold" für "langjähriges und erfolgreiches Wirken im deutschen Film" verliehen, zehn Jahre später wurde sie mit dem "Großen Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" ausgezeichnet.
 
Olga Tschechowa starb am 9. März 1980 im Alter von 82 Jahren in München. Von 1936 bis 1939 war sie in zweiter Ehe mit dem belgischen Großkaufmann Marcel Robyus verheiratet gewesen. Ihre einzige, 1916 geborene Tochter Ada Tschechowa1), die 1966 bei einem Flugzeugunfall in Bremen ums Leben kam, sowie ihre 1940 geborene Enkelin Vera Tschechowa3) wurden ebenfalls anerkannte Darstellerinnen. Der Schauspieler und Regisseur Vadim Glowna3) (1941 – 2012) war seit 1967 mehr als 20 Jahre lang mit Vera Tschechowa verheiratet. Aus dem Jahre 1984 stammt sein eindringlicher Dokumentarfilm "Tschechow in meinem Leben" über die Künstlerfamilie seiner Frau.
Die "Olga- Tschechowa-Straße" in Berlin-Spandau und der "Olga- Tschechowa-Weg" in München Ramersdorf-Perlach erinnern an den legendären Ufa-Star.
 Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau-Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 360
Textbausteine des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
  
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
Stummfilme

1917: Anya Krayeva

1918: Kaliostro
1918: Posledeniye priklyucheniya Arsena Lyupena
1920: Hochstapler
1921: Schloss Vogelöd (→ Wikipedia)
1921: Violet
1921/22: Scheine des Todes (Erstaufführung: 14.09.1923)
1922: Der Kampf ums Ich
1922: Der Todesreigen
1923: Der Verlorene Schuh
1923: Die Pagode
1923: Nora
1923: Tatjana
1924: Die Bacchantin
1924: Soll und Haben
1925: Der Mann aus dem Jenseits
1925: Die Gesunkenen
1925: Die Stadt der Versuchung
1925: Die Venus von Montmarte
1925: Soll man heiraten?
1926: Brennende Grenze
1926: Der Feldherrnhügel
1926: Mann im Feuer
1926: Die Horde
1926: Die Mühle von Sanssouci
1926: Familie Schimeck – Wiener Herzen
1926: Sein großer Fall
1926: Trude, die Sechzehnjährige
1926/27: Die Selige Exzellenz
1927: Das Meer
1927: Der Meister der Welt
1927: Der Florentinerhut (Un chapeau de paille d'Italie)
1928: Moulin Rouge
1928: Weib in Flammen
1928: Die Siegerin (After the Verdict)
1928: Liebeshölle
1928: Menschen im Feuer
1929: Der Narr seiner Liebe (auch Regie)
1929: § 173 St.G.B. Blutschande
1929: Die Liebe der Brüder Rott (auch Produzentin)
1929: Troika
1929: Diane – Die Geschichte einer Pariserin (auch Produzentin)
1930: Der Detektiv des Kaisers
1930: Die Große Sehnsucht
Tonfilme
1930: Die Drei von der Tankstelle (→ Wikipedia)
Französische Version: Le chemin du paradis
1930: Liebling der Götter
1930: Ein Mädel von der Reeperbahn
1930: Liebe im Ring
1930: Mary (deutsche Fassung von "Murder!")
1930: Zwei Krawatten
1931: Das Konzert
1931: Die Nacht der Entscheidung
1931: Liebe auf Befehl
1931: Nachtkolonne
1931: Panik in Chicago
1932: Spione im Savoy-Hotel
1932: Trenck, Roman einer großen Liebe
1933: Der Choral von Leuthen
1933: Der Polizeibericht meldet
1933: Ein Gewisser Herr Gran / Un Certain Monsieur Grant
1933: Heideschulmeister Uwe Karsten
1933: L'amour qu'il faut aux femmes
1933: Liebelei
1933: Um ein bisschen Glück / Une histoire d'amour
1933: Wege zur guten Ehe
1934: Abenteuer eines jungen Herrn in Polen
1934: Die Welt ohne Maske
1934: Peer Gynt
1934: Maskerade
1934: Zwischen zwei Herzen
1935: Liebesträume
1935: Lockspitzel Asew
1935: Regine
1935: Die Ewige Maske
1935: Ein Walzer um den Stephansturm
1935: Künstlerliebe
1936: L'argent
1936: Manja Valewska
1936: Seine Tochter ist der Peter
1936: Burgtheater
1936: Der Favorit der Kaiserin
1936: Hannerl und ihre Liebhaber
1937: Die Gelbe Flagge
1937: Gewitterflug zu Claudia
1937: Liebe geht seltsame Wege
1937: Unter Ausschluß der Öffentlichkeit
1938: Das Mädchen mit dem guten Ruf
1938: Rote Orchideen
1938: Verliebtes Abenteuer
1938: Zwei Frauen
1939: Befreite Hände
1939: Bel Ami
1939: Die Unheimlichen Wünsche
1939: Ich verweigere die Aussage
1939: Parkstrasse 13
1940: Angelika
1940: Der Fuchs von Glenarvon
1940: Leidenschaft
1941: Menschen im Sturm
1942: Andreas Schlüter
1942: Mit den Augen einer Frau
1943: Der Ewige Klang
1943: Gefährlicher Frühling
1943: Reise in die Vergangenheit
1944: Melusine
1944: Mit meinen Augen (Erstaufführung: 27.02.1948)
1948: Im Tempel der Venus
1950: Aufruhr im Paradies
1950: Der Mann, der zweimal leben wollte
1950: Eine Nacht im Separee
1950: Kein Engel ist so rein
1950: Maharadscha wider Willen
1950: Zwei in einem Anzug
1951: Begierde
1951: Eine Frau mit Herz (auch Produzentin)
1951: Geheimnis einer Ehe
1951: Mein Freund, der Dieb
1952: Hinter Klostermauern (auch Produzentin)
1953: Alles für Papa
1954: Rittmeister Wronski
1954: Rosen-Resli
1955: Die Barrings
1955: Ich war ein hässliches Mädchen
1958: U47 – Kapitänleutnant Prien
1963: Jack und Jenny
1973: Die Zwillinge vom Immenhof
1974: Frühling auf Immenhof
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de