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Die junge Olga heiratete 1914 mit sechzehn Jahren ihren Vetter, den Schauspieler und Neffen des russischen Dichters Anton Tschechow, Michael Tschechow1) (1881 1955), von dem sie sich jedoch schon drei Jahre später nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Ada wieder scheiden ließ. Olga Tschechowa begann ihre Schauspielerkarriere ab 1917 mit kleinen Rollen am Moskauer Künstlertheater, spielte dann an weiteren russischen Bühnen und auch in russischen Filmproduktionen. Nach der russischen Revolution ging die Tschechowa 1921 fast mittellos nach Deutschland, schlug sich in Berlin als Presse- und Plakatmalerin durch und wurde von F. W. Murnau für den Stummfilm "Schloss Vogelöd"2) (1921) entdeckt; zwei Jahre später verkörperte sie bereits die Titelrolle in Berthold Viertels Ibsen-Adaption "Nora"2) (1923), ihre Darstellung fand jedoch keine ungeteilte Zustimmung: "Tschechowas Nora hat nichts von der kleinen Lerche, von jenem von einem undefinierbaren Zauber umrahmten Geschöpf, an das wir doch glauben sollen. Diese Nora ist eine bürgerliche Hausfrau, die mit beiden Füßen auf dem Erdboden steht, und ihr primitives Minenspiel vermag die seelische Tragödie dieser Frau nicht zu entschleiern." schrieb ein Kritiker im "Film-Kurier" am 2.3.1923. Hauptrollen in stummen Streifen wie "Tatjana"2) (1923), "Die Pagode" (1923), "Die Stadt der Versuchung" (1925) oder "Das Meer" (1927, mit Heinrich George) schlossen sich an, nach einem kurzen Gastspiel in Frankreich als Mondäne in René Clairs "Der Florentinerhut"1) (1927, Un chapeau de Paille d' Italie) kehrte sie nach Deutschland zurück und erhielt in einem der ersten Tonfilme, dem Kinoklassiker "Die Drei von der Tankstelle"1) (1930), die Nebenrolle der Edith von Turkow. Im gleichen Jahr erlebte man sie neben Emil Jannings in Erich Pommers Musikfilm "Liebling der Götter"2), bald schloss die Tschechowa unter Regisseuren wie Max Ophüls und Willi Forst in Produktionen wie der Schnitzler-Adation "Liebelei" (1933; Regie: Max Ophüls), der Operettenverfilmung "Maskerade"1) (1934; Regie: Willi Forst) oder der Charakterstudie "Burgtheater"1) (1936; Regie: Willi Forst) zu den großen Diven des Dritten Reichs auf. In den folgenden zehn Jahren gehörte Olga zu den populären Ufa-Filmstars, häufig als mondäne, elegante und verführerische "Grande Dame" besetzt. Viele ihrer Streifen kamen über das durchschnittliche Niveau der Unterhaltungsfilme und Melodramen jedoch nicht hinaus, eine ihrer schillerndsten Frauengestalten war 1936 die Kaiserin Elisabeth von Russland in Werner Hochbaums historischen Komödie "Der Favorit der Kaiserin" als Partnerin von Anton Pointer (Fürst Iwan Potozky); siehe auch das PDF-Dokument bei verleihfilme.deutsche-kinemathek.de. Zu den weiteren Kinoproduktionen bis Ende des 2. Weltkrieges zählen unter anderem Willi Forsts Guy de Maupassant-Verfilmung "Bel Ami"1) (1939), das Abenteuer "Der Fuchs von Glenarvon"2) (1940), das Biopic "Andreas Schlüter"2) (1942) oder die Liebesfilme "Reise in die Vergangenheit"2) (1943) und "Gefährlicher Frühling"2) (1943). In England hatte sie 1928 die Firma "Tschechowa-Films Ltd." gegründet und produzierte unter anderem zwei Filme mit Regisseur Erich Waschneck, so "Diane Die Geschichte einer Pariserin" (1929) und "Die Liebe der Brüder Rott" (1929). In ihrer einzigen, von der Kritik wohlwollend aufgenommenen Regiearbeit "Der Narr seiner Liebe" (1929), gab sie ihrem geschiedenen Ehemann Michael Tschechow, der vor allem als Theaterschauspieler erfolgreich war, die männliche Hauptrolle. Nach 1945 spielte Olga Tschechowa, die seit 1930 die deutsche Staatsbürgerschaft besaß, vornehmlich Theater, war als Schauspielerin und Regisseurin an verschiedenen Berliner Bühnen tätig; so ging sie unter anderem 1947 mit dem Stück "Der Blaufuchs" von Ferenc Herczeg auf Gastspielreise. Mit einer neuerlichen eigenen Filmgesellschaft, der "Venus-Film", war ihr kurz nach dem Krieg der Erfolg versagt geblieben. Auf der Leinwand erschien sie in Filmen wie "Maharadscha wider Willen" (1950), "Aufruhr im Paradies" (1950), "Hinter Klostermauern" (1952) oder "Alles für Papa" (1953), in Harald Reinls Spyri-Verfilmung "Rosen-Resli"1) mimte sie 1954 die Frau von Weidersheim, in "Rittmeister Wronski" (1954) stand sie mit Willy Birgel vor der Kamera oder war ein Jahr später als Amelie von Eyff in Rolf Thieles Familiensaga "Die Barrings" zu sehen. Nach dem Scheitern eines Kosmetik-Salons gründete die ausgebildete Kosmetikerin 1937 hatte sie das Diplom erworben 1958 in München eine Kosmetikfirma, die "Olga-Tschechowa-Kosmetik" mit Niederlassungen in München, Berlin und Mailand, die sie bis zu ihrem Tod leitete. Der Star behauptete zwar in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" vom 4.11.1967: "Ich habe mich vom Film zurückgezogen, weil ich mein Publikum nicht enttäuschen wollte", konnte es aber doch nicht lassen, als schicke Großmutter in den "Immenhof"-Filmen "Die Zwillinge vom Immenhof"1) (1973) und "Frühling auf Immenhof"1) (1974) mitzumischen. Gelegentlich gastierte Olga Tschechowa dann noch am Theater oder im Fernsehen; ein Kritiker schwärmte von ihr als "Inkarnation der schönen Helena", weil sie nie zu altern schien.
1962 hatte man dem ehemaligen Ufa-Star das "Filmband in Gold" für "langjähriges und erfolgreiches Wirken im deutschen Film" verliehen, zehn Jahre später wurde sie mit dem "Großen Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" ausgezeichnet. Olga Tschechowa starb am 9. März 1980 im Alter von 82 Jahren in München. Von 1936 bis 1939 war sie in zweiter Ehe mit dem belgischen Großkaufmann Marcel Robyus verheiratet gewesen. Ihre einzige, 1916 geborene Tochter Ada Tschechowa1), die 1966 bei einem Flugzeugunfall in Bremen ums Leben kam, sowie ihre 1940 geborene Enkelin Vera Tschechowa3) wurden ebenfalls anerkannte Darstellerinnen. Der Schauspieler und Regisseur Vadim Glowna3) (1941 2012) war seit 1967 mehr als 20 Jahre lang mit Vera Tschechowa verheiratet. Aus dem Jahre 1984 stammt sein eindringlicher Dokumentarfilm "Tschechow in meinem Leben" über die Künstlerfamilie seiner Frau. Die "Olga- Tschechowa-Straße" in Berlin-Spandau und der "Olga- Tschechowa-Weg" in München Ramersdorf-Perlach erinnern an den legendären Ufa-Star. |
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Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau-Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP Quelle: 4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 360 |
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| Textbausteine des Kurzportraits aus:
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch Fotos bei film.virtual-history.com |
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