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Harry Piel wurde am 12. Juli 1892 als Sohn eines
Gastwirts und einer Bauerntochter in Düsseldorf geboren. Er besucht die Volksschule in
Düsseldorf-Benrath, dann bis zur mittleren Reife das Gymnasium im Düsseldorfer
Ortsteil Derendorf. Danach musterte er im Mai 1909 als
Kadett auf einem Segelschulschiff an, wurde jedoch wegen eines Herzfehlers nach
sieben Monaten wieder nach Hause geschickt. Es folgte eine kaufmännische Lehre
und Arbeit in einer Maschinenfabrik, nebenbei erlernte er mehrere
Fremdsprachen schließlich beschloss Piel, in Paris Kunstflieger
werden. 1911 brannte er heimlich von zu Hause durch und wurde ein Jahr später in
Paris Darsteller bei dem noch jungen Medium Film.
Foto zur Verfügung gestellt vom Filmmuseum Düsseldorf
© Filmmuseum Düsseldorf |
Auf dem Weg dorthin übte er die verschiedensten Tätigkeiten aus,
war unter anderem Maler,
Sprachstudent, Zirkusmitarbeiter und Wanderbühnenclown. Mit den Jahren avancierte er zu
einem der wenigen deutschen Kinostars, die nicht von der Bühne geprägt waren
und das Filmhandwerk von der Pike auf gelernt hatten.
Als Kameramann, Filmregisseur und -schauspieler begann er bald selbständig zu
drehen, schrieb auch fast alle Drehbücher zu seinen Filmen selbst;
seit 1929 entstanden seine Filme, die er bis zur Meisterschaft steigerte,
bei der eigenen Produktionsfirma "Ariel-Film" in Johannisthal.
Ungewöhnlich produktiv, drehte Piel 1935 bereits
seinen 100. Film (insgesamt: 107, wenn man die Tonfilme einbezieht).
Seinen ersten Leinwandstreifen hatte er 1912 mit "Schwarzes Blut"
und Curt Goetz in der Hauptrolle realisiert, es folgten "stumme"
Abenteuer wie
"Der Millionenraub"1) (1914), "Der Bär von Baskerville"1) (1915)
oder "Der weiße Schrecken"1) (1917),
allein acht Mal inszenierte er Filme um den populären Detektiv "Joe Deebs",
beispielsweise "Das rollende Hotel" (1918) mit
Heinrich Schroth2) (1871 1945) in der Titelrolle. 1919 stand Harry Piel
erstmals selber als Hauptdarsteller und Abenteurer "Harry Peel" für den Film
"Der große Unbekannte" vor der Kamera und fand damit
auch internationale Beachtung.
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Bereits als Regisseur hatte er den Übernamen
"Dynamit-Regisseur" erhalten wegen der vielen explodierenden Brücken
und Häuser in seinen Filmen. Diese Explosionen waren oftmals real,
da er einen Sprengmeister kannte, der ihn stets über bevorstehende Sprengungen
unterrichtete, die Piel dann mit seiner Kamera einfing und in einem späteren Film
einfließen ließ.
Mit seinen Auftritten vor der Kamera wurde nun auch der Sensationsdarsteller Piel geboren, der gerne verlauten
ließ, dass er alle Stunts selber ausführte. Tatsache war jedoch, dass zwischen 1919 und 1924 die
gefährlichsten Stunts von Hermann Stetza3) (1897 1991) ausgeführt wurden.
Zu Harry Piels wichtigsten Filmen bis Mitte der 1940er Jahre zählen
unter anderem "Auf gefährlichen Spuren" (1924), "Sein größter Bluff" (1927,
mit Marlene Dietrich und Piel in einer Doppelrolle),
"Die Mitternachts-Taxe" (1929), "Sprung in den Abgrund" (1933),
"Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt" (1933), "Die Welt ohne
Maske"3) (1934), "Der
Herr der Welt"1) (1934; nur Regie), "Artisten"2)
(1935), "Der Dschungel ruft" (1936), "Der Unmögliche Herr
Pitt"1) (1938), "Menschen, Tiere, Sensationen"2) (1938)
sowie "Der Mann im Sattel"1) (1945).
Foto zur Verfügung gestellt vom Filmmuseum Düsseldorf
© Filmmuseum Düsseldorf
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Harry Piel war NSDAP-Mitglied
seit 1933, musste aber erleben, dass seine Stummfilme in den Kriegswirren fast
vollständig vernichtet wurden. Nach 1945 musste sich Piel als "Mitläufer" verantworten,
saß ein halbes Jahr in Haft und wurde mit einem Arbeitsverbot bis 1949
belegt, weil er verschwiegen hatte, Fördermitglied der SS gewesen zu sein. Wegen
detailgetreuer Darstellung von Luftangriffen wurde außerdem sein Film "Panik" (1943) verboten.
Nachdem er wieder arbeiten durfte, gründete Piel in Hamburg erneut eine eigene Filmproduktion, inszenierte 1951
"Der Tiger Akbar" und sorgte dafür, dass seine alten Filme, soweit
vorhanden, wieder ins Kino kamen.
Foto zur Verfügung gestellt vom Filmmuseum Düsseldorf
© Filmmuseum Düsseldorf
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Im deutschen Nachkriegsfilm konnte Piel
jedoch nicht mehr Fuß fassen, den
Nachkriegserfolg versperrten ihm die US-Actionfilme, ebenso
wie die realen Schrecken des 2. Weltkriegs, nach denen die Kintopp-Abenteuer
mit wilden Tieren und pistolenschwingenden Banditen verblassten. Nach
seinem letzten Spielfilm "Gesprengte Gitter"1) (1953),
einer überarbeiteten Version des Films "Panik", drehte Piel
noch den Kurzfilm "Wenn Tiere betteln" (1955), dann löste er 1960 die nach Kriegsende in Wiesbaden gegründete
"Ariel-Filmgesellschaft" wieder auf.
Harry Piel war in erster Ehe mit seiner Jugendliebe Johanna Präder
verheiratet gewesen, die er etwa 1911 in Düsseldorf geehelicht hatte. Die zweite Verbindung
ging er 1927 mit der Stummfilmdarstellerin Dary Holm1) (Anna Maria Meyer;
18971960) ein, seit 1924
Partnerin in vielen seiner Filme. Nach ihrem Tod 1960 lebte das
ehemalige Filmidol kurze Zeit in
Südafrika, dann, völlig verarmt aber tatendurstig, in Berlin.
1962 suchte er in einer Berliner Tageszeitung "eine Lebenskameradin mittleren Alters, seriös und
gutsituiert" und fand sie in Lilli Stromereder, die seine letzte Lebensgefährtin
wurde.
Foto zur Verfügung gestellt vom Filmmuseum Düsseldorf
© Filmmuseum Düsseldorf
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Harry Piel starb verbittert am 27. März 1963 in einer Münchener Klinik
mit 70 Jahren an den Folgen eines
Hirnschlags und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Münchener Waldfriedhof, Alter
Teil; noch kurz vor seinem Tod hatte das ZDF ein Interview mit ihm ausgestrahlt.
Der Nachlass des Schauspielers wird heute vom Filmmuseum Düsseldorf verwaltet.
Harry Piel war eine Rarität im deutschen Film: ein untersetzter,
schwarzhaariger, restlos unkomplizierter Held. (…) Harry, ein deutscher
Douglas Fairbanks, ein Tarzan vom Rhein, sprang vom Flugzeug auf den
fahrenden Zug, hing zwischen den Rädern des Nachtexpreß, kämpfte im
Gestänge fliegender Doppeldecker, warf sich durchgehenden Pferden entgegen,
hangelte über Abgründe, zerschmetterte ganze Gangster-Banden, bändigte
ausgebrochene Tiger und Löwen in großer Zahl. Zur Heldentat gehörte die
markige Eleganz, mit der sie absolviert wurde, gehörte Harrys Art, in
überlangen Spitzen steckende Zigaretten zu rauchen, gehörte seine Manier,
das schwarze Abendcape mit dem weißen Seidenfutter zurückzuschlagen. Er
bediente sein Publikum im Kino an der Ecke mit Hausmacher-Exotik,
Abenteuer-Konfektion und soliden Illusionen, mit wakkerer
Wunschtraum-Befriedigung. Zum Abenteuer gehörte immer auch die Romanze –
Piels Liebesgeschichten konnten freilich stets für Jugendliche zugelassen
werden. Aufdringlichen Damen entwand Harry sich mit dem gleichen energischen
Ruck, mit dem er sich aus der Umklammerung von Pythonschlangen zu befreien
pflegte. "Kunst" lag ihm fern – er war nie langweilig.
notierte DER
SPIEGEL (14/1963) unter anderem in einem Nachruf.
Harry Piels Pionierarbeit für den deutschen Film ist unbestritten,
er ging als erster deutscher Filmmann in die Berge und kurbelte auf
der Zugspitze; auch war er der erste Deutsche, der Außenaufnahmen im Ausland machte.
Unzählige Male hat er als Hauptdarsteller seiner von ihm verfassten Films mit dem Leben
gespielt, sei es bei reinen Todesfahrten auf dem Motorrad sei es bei
halsbrecherischen Kletter- und Turnereien, besonders aber bei seiner
Arbeit mit Raubtieren und Großwild, Elefanten und anderem gefährlichen Getier. Er arbeitete
seit Mitte der 1920er Jahre so gut wie nie mit einem Double und wurde
mehrfach schwer verletzt. Für eine ganze Generation war er der Inbegriff des Abenteuerlichen, des Wagemuts und der
tollkühnen Sensationen auf der Filmleinwand. Von Gerald Koll stammt der
Kurzfilm "Harry Piel Der Entfesselte" (2004).
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Harry Piel war der Mann der "tausend Sensationen":
In fünf Minuten erkletterte er einen Fabrikschornstein, ließ sich von
dort in ein
darüber fliegendes Flugzeug hinaufziehen und landete kurze Zeit
später im Versteck der Verbrecher, die er ohne Ausnahme schachmatt
setzte. Als der kühnste und originellste Sensationsdarsteller
des deutschen Kinos blieb er stets seinem Motto treu:
"Man muss das filmen, was auf der Bühne darzustellen nicht möglich ist. Film ist kein
Theater." Der artistische Gaukler und glänzende Alleinunterhalter,
als Charmeur mit eisernen Nerven eine Mischung aus Tom Mix, Douglas Fairbanks und
Eddy Polo, prägte auch deshalb Kinoerinnerungen, weil er
als Darsteller selbst in der Aktion noch der Inbegriff des
sympathisch-eleganten Kavaliers blieb, dem die gutgescheitelte
Frisur nicht verrutscht. Als Liebhaber war er stets jugendfrei.
Seine Kletterpartien, Verfolgungsjagden und Tierdressuren bedeuteten
ihm mehr als seine Liebesabenteuer.4)
Das nebenstehende Foto entstand 1934 auf Sylt in Westerland und wurde vom
Inhaber des damaligen Westerländer Fotohauses Herold aufgenommen.
Fotoveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Frau M. Herold.
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Link: 1) Murnau-Stiftung, 2) Wikipedia, 3)
www.defa-sternstunden.de
4) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von
Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 277
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Textbausteine des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen
Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz
Siehe auch Wikipedia
sowie www.cyranos.ch
Fotos bei der film.virtual-history.com
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