Harry Liedtke wurde am 12. Oktober 1882 als Sohn eines Großkaufmanns im ostpreußischen Königsberg geboren; er war das Siebte von insgesamt zwölf Kindern und wuchs nach dem Tod seiner Eltern in einem Waisenhaus auf. Liedtke besuchte das Gymnasium, machte danach eine kaufmännische Lehre und erhielt eine Anstellung in einem Kolonialwarenladen. Bei einem Besuch in Berlin lernte er den Intendanten Hans Oberländer vom Königlichen Schauspielhaus kennen und beschloss Schauspieler zu werden. Er nahm Unterricht bei Oberländer, der dem Theaterneuling auch ein erstes Engagement am Stadttheater in Freiberg (Sachsen) vermittelte. Zunächst konnte Liedtke als Schauspieler jedoch nicht so recht Fuß fassen, über Bromberg, Görlitz und Göttingen ging er wieder nach Berlin und anschließend 1908 für ein Jahr an das "Neue deutsche Theater" in New York. 1909 kam er nach Deutschland zurück und hatte endlich am "Deutschen Theater" in Berlin den erhofften Erfolg; Engagements am Hof- und "Nationaltheater" in Mannheim sowie am Berliner "Residenz-Theater" schlossen sich an.
1911 konnte ihn der Filmpionier Oskar Messter1) (1866 – 1943) für das neue Medium begeistern und so trat Liedtke 1912 erstmals in dem Stummfilm "Zu spät" auf. Im Laufe der nächsten Zeit avancierte der Schauspieler mit 1.500 Mark Tagesgage zum höchstdotierten und reichsten Star des europäischen Kinos. Er drehte rund 10 Filme pro Jahr und Hunderte von Heiratsanträgen wöchentlich bestätigten im letzten Jahrzehnt des Stummfilms seine Popularität. 

Foto: Harry Liedtke um 1922 (ca. 1919 – 1924)
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. 284/1
Angaben zur Lizenz siehe hier

Harry Liedtke um 1922  (ca, 1919 – 1924); Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. 284/1; Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Er verkörperte meist elegante Gentlemen und jugendliche Charmeure; lächelnd und Augenzwinkernd, schmollend und draufgängerisch betörte er seine Filmpartnerinnen und wurde als der deutsche "Maurice Chevalier" gehandelt. "Er hat einen Ausdruck von schalkhafter Kraft, von Männlichkeit ohne Brutalität und Wichtigtuerei, ein lächelndes und schelmisches Pathos, das das Herz erfrischt." schrieb der Filmtheoretiker und Filmkritiker Béla Balázs unter anderem am 30.10.1923 in "Der Tag". Liedtke gab Dragoner, Bettelstudenten, Prinzen, lustige Witwer oder beherzte Tempelräuber und verlieh seinen Rollen eine enorme erotische Ausstrahlung. Er spielte unter anderem 1917 in Alexander von Antalffys "Lulu"2), war im gleichen Jahr der junge Prinz in dem Kinderfilm "Dornröschen"2), ein Jahr später gab er den Maler Alfred Wendland in Lubitschs Abenteuer "Die Augen der Mumie Ma"1). Ebenfalls 1918 war er als Student Dimitri an der Seite von Pola Negri in "Der gelbe Schein"1) zu sehen, als Don José Novarro zeigte er sich in "Carmen"1) erneut neben Pola Negri, einem Melodram, das Lubitsch nach einer Novelle von Prosper Mérimée in Szene gesetzt hatte. 1919 agierte er als Prinz Nucki  neben Ossi Oswalda in der Komödie "Die Austernprinzessin"1) und als Armand De Foix in "Madame Dubarry"2) an der Seite von Pola Negri in der Titelrolle – erneut unter der Regie von Ernst Lubitsch. Lubitsch realisierte mit ihm als "Ramphis" den aufwendig inszenierten monumentalen Historienstreifen "Das Weib des Pharao"1) (1922), Friedrich Wilhelm Murnau besetzte ihn 1924 als Don Roman XX, Großherzog von Abacco in "Die Finanzen des Großherzogs"1), Richard Oswald als Odoardo Bonaventura, Der Kanonenkönig, in "Eine Tolle Nacht" (1927) und Robert Land als Graf Lerski neben Marlene Dietrich in "Ich küsse Ihre Hand, Madame"1) (1929) – um nur einige der zahlreichen stummen Streifen zu nennen, in denen der Star Liedtke agierte. 
Erwähnt werden müssen auch seine frühen Auftritte als Detektiv "Joe Debbs" in den von Joe May inszenierten Kriminalgeschichten, nach der Uraufführung von "
Die Hochzeit im Excentric-Club"2) (1917) notierte die "Lichtbild-Bühne" (Nr. 17, 28.04.1917) unter anderem: "Die bekannte Figur des Joe Deebs wird mit vollendetem Geschmack von Harry Liedtke dargestellt. Mit diesem Werk hat es Joe May wiederum verstanden, gewissermaßen einen neuen Typ zu schaffen, Joe Deebs arbeitet wie stets mit außergewöhnlichen Mitteln, die den Zuschauer in größter Spannung erhalten."
Harry Liedtke um 1922  (ca, 1919 – 1924); Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. 284/1; Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. Mit Aufkommen des Tonfilms ging viel von dem Frauenbetörer-Flair und Draufgängertum verloren; Harry Liedtkes Sprache genügte nicht den Anforderungen des neuen Mediums, seine Stimme wurde als ungeeignet angesehen. Man besetzte ihn nun überwiegend – bis auf wenige Ausnahmen wie in " Preußische Liebesgeschichte1) (1938) – mit Nebenrollen und erst als als gereifterer Mann konnte er Anfang der 1940er Jahre wieder seine darstellerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. 1943 war unter der Regie Rühmanns gemeinsam mit Käthe Haack in "Sophienlund"2) nach der gleichnamigen Bühnenkomödie von Helmut Weiß und Fritz von Woedtke zu sehen, seine letzte Leinwandrolle spielte er ein Jahr später als Professor Heink in Paul Verhoevens Komödie "Das Konzert"2) (1944).
 
Der Sonnyboy des deutschen Stummfilms. Lächelnd und augenzwinkernd, schmollend und draufgängerisch konnte dieser deutsche Maurice Chevalier sofort "jenes Einverständnis herstellen, um das sich andere oft vergeblich bemühen" (Ludwig Berger4)). Der Stummfilm verdoppelte seinen jungenhaft frischen Charme als Dragoner, Bettelstudent, lustiger Witwer oder beherzter Tempelräuber und gab seiner erotischen Ausstrahlung ein Casanova-Geheimnis, das mit dem Tonfilm ("Harry Liedtkes Stimme trübt das Rosenrot seines Lächelns", Siegfried Kracauer5)) verflog.3)
 
 
Foto: Harry Liedtke
um 1922 (ca. 1919 – 1924)
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. 284/4
In den Wirren der der letzten Kriegstage starb Harry Liedtke – zusammen mit seiner dritten Frau, der 1904 in Bremen geborenen Schauspielerin Christa Tordy6) – am 28. April 1945 unter mysteriösen, nicht ganz geklärten Umständen in seinem Wohnort Saarow-Pieskow bei Berlin. Es wird vermutet, dass das Paar beim Einmarsch der Roten Armee von Soldaten in ihrem Haus erschlagen wurden. DER SPIEGEL (52/1949) notiert in einem Artikel zu Käthe Dorsch unter anderem "Als die Russen Berlin einnahmen, ereilte Liedtke, der gerade in dem Stück "Sophienlund" ein come back als père noble mit den obligaten grauen Schläfen geschafft hatte, ein grausiges Schicksal. Als er seinen Keller verließ und sich schützend vor seine Gattin stellte, wurde er mit einer Bierflasche erschlagen." Dem tragischen Tod soll ein ein missglückter Selbstmordversuch vorausgegangen sein.
Im Oktober 1948 wurden die Leichen des Paares exhumiert und in aller Stille auf dem Friedhof von Pieskow beigesetzt.

Harry Liedtke war in zweiter Ehe seit 1920 sechs Jahre (oder acht Jahre7)) lang mit der Schauspielerin Käthe Dorsch6) (1890 – 1957) verheiratet gewesen, seine erste Ehefrau war Hanne Schutt, aus einer Liaison mit Käthe Jahn stammte Sohn Hans Jahn.7) 
Textbausteine des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz 
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau-Stiftung, 6) Kurzportrait innerhalb dieser HP
3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 222
4) Ludwig Berger1), Regisseur und Schriftsteller (1892 – 1969)
5) Siegfried Kracauer1), Journalist, Soziologe, Filmkritiker und Geschichtsphilosoph (1889 – 1966)
7) die Quellen sind sich hier nicht einig
8)
Quelle: www.spd-scharmuetzelsee.de (Artikel zu Christa Tordy)
Lizenz Fotos Harry Liedtke (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme
  • 1925: Um Recht und Ehre
  • 1925: Die Insel der Träume
  • 1925: Gräfin Mariza
  • 1925: Die Puppenkönigin
  • 1926: Die Försterchristel
  • 1926: Die lachende Grille
  • 1926: Die Welt will belogen sein
  • 1926: Der Feldherrnhügel
  • 1926: Das Mädel auf der Schaukel
  • 1926: Kreuzzug des Weibes
  • 1926: Der Veilchenfresser
  • 1926: Madame wünscht keine Kinder
  • 1926: Der Soldat der Marie
  • 1926: An der schönen blauen Donau
  • 1926: Die Wiskotten
  • 1926: Der Abenteurer
  • 1926: Der Mann ohne Schlaf
  • 1926: Nixchen
  • 1927: Wochenendzauber
  • 1927: Das Schicksal einer Nacht
  • 1927: Ein Mädel aus dem Volke
  • 1927: Die rollende Kugel
  • 1927: Das Heiratsnest
  • 1927: Das Fürstenkind
  • 1927: Regine, die Tragödie einer Frau
  • 1927: Die letzte Nacht (The Queen Was in the Parlour)
  • 1927: Durchlaucht Radieschen
  • 1927: Der Soldat der Marie
  • 1927: Die Geliebte
  • 1927: Faschingszauber
  • 1927: Die Spielerin
  • 1927: Eine Tolle Nacht
  • 1927: Wochenendzauber
  • 1927: Der Bettelstudent
  • 1928: Der Faschingsprinz
  • 1928: Der Herzensphotograph
  • 1928: Der Moderne Casanova
  • 1928: Das Spiel mit der Liebe
  • 1928: Robert und Bertram
  • 1928: Amor auf Ski
  • 1928: Dragonerliebchen
  • 1928: Mein Freund Harry
  • 1929: Die Konkurrenz platzt
  • 1929: Held aller Mädchenträume
  • 1929: Der Erzieher meiner Tochter
  • 1929: Vater und Sohn
  • 1929: Der schwarze Domino
  • 1929: Großstadtjugend
  • 1929: Der lustige Witwer
  • 1929: Der Held aller Mädchensträume
  • 1929: Die Zirkusprinzessin
  • 1929: Ich küsse Ihre Hand, Madame
  • 1930: O Mädchen, mein Mädchen, wie lieb' ich Dich!
Tonfilme
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de