Ullrich Haupt Ullrich Haupt wurde am 30. Oktober 1915 in Chicago geboren; seine Eltern, der Schauspieler und Regisseur Ullrich Haupt sr.1) (1887 – 1931) und dessen Frau, die ebenfalls Schauspielerin war, hatten in Amerika eine neue Heimat gefunden, nachdem sie aus Pommern ausgewandert waren. Der kleine Ullrich wuchs später in Los Angeles auf, wohin die Familie umgezogen war. Ein bis zwei Mal im Jahr reiste er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Deutschland, um Verwandte und Freunde zu besuchen, und so bestand für Ullrich Haupt stets ein enger Kontakt zur Heimat seiner Eltern.
Als Ullrich 15 Jahre alt war, kam sein Vater, der im amerikanischen Stummfilm und beginnenden Tonfilm recht erfolgreich gewesen war, bei einem Jagdunfall im kalifornischen Santa Maria ums Leben.
Sohn Ullrich ging in Los Angeles zur Schule, beschloss später, Maler zu werden, und begann 1931 ein Studium an der Berliner Kunstakademie sowie an der dortigen "Raimann-Schule". Sein ursprüngliches Berufsziel gab er dann jedoch auf, nachdem er Gustaf Gründgens2)
(1899 – 1963) als "Mephisto" und "Hamlet" auf der Bühne gesehen hatte; er entschied sich nun für die Schauspielerei und ließ sich von Gründgens an der Berliner Staatlichen Schauspielschule ausbilden.
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Haupt gab 1936 in Danzig sein Bühnendebüt als Romeo in Shakespeares "Romeo und Julia", ein Jahr später wechselte er nach München an das "Bayerische Staatsschauspiel", wo er drei Jahre lang erfolgreich Theater spielte. 1940 folgte er dem Ruf Gründgens und wurde Ensemblemitglied des "Berliner Staatstheaters", welches bis Kriegsende seine künstlerische Heimat blieb. Einigen Quellen zufolge soll es Gründgens zu verdanken gewesen sein, dass der "Halbjude" Haupt von dem Zugriff der braunen Machthaber verschont blieb.
Nach Ende des 2. Weltkrieges ging der Schauspieler zunächst für mehrere Jahre zurück nach Amerika und arbeitete bei Tourneetheatern, 1951 kam er nach Düsseldorf, wo er bis 1955 unter der Intendanz und Regie Gründgens auf der Bühne stand. Anschließend wechselte er für neun Jahre nach Hamburg, ab 1967 wirkte er drei Jahre lang in Zürich. 1970 ging er für kurze Zeit an die "Münchner Kammerspiele", dann bis 1973 an das Hamburger "Thalia-Theater", schließlich erneut bis 1981 an das "Bayerische Staatsschauspiel" sowie 1982 bis 1984 an das Hamburger "Thalia-Theater". Daneben gab er Gastspiele an vielen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen, trat unter anderem auch bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen auf.
  
Das Repertoire des Schauspielers war breit gefächert, reichte von großen klassischen Rollen bis hin zur Interpretation moderner Figuren; Haupt begeisterte als Karl Moor in Schillers "Die Räuber" oder als Mephisto in Goethes "Faust", feierte beispielsweise Triumphe als Shakespere'scher "Othello" und "Macbeth" oder als Horatio in "Hamlet". Er brillierte unter anderem als Don Juan in "Die chinesische Mauer" von Max Frisch, als junger "Sam in "Endspurt" von Peter Ustinov, als Ernesti in Dürrenmatts "Die Physiker", als Krapp in Becketts "Das letzte Band" oder mit der Titelrolle in Wedekinds "Marquis von Keith" – um nur einige, wenige seiner herausragenden Rollen zu nennen.
Gleichzeitig machte er sich einen Namen als bedeutender Theaterregisseur; insgesamt zeichnete er für rund 80 Inszenierungen an großen deutschsprachigen Theatern, bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen und bei den Festspielen in Salzburg verantwortlich. 1972 beispielsweise feierte Ullrich Haupt Triumphe mit seiner Inszenierung von Becketts "Warten auf Godot" am Hamburger "Thalia Theater", "mit großer Besetzung", wie die WELT damals schrieb.
  
Neben seiner umfangreichen Arbeit für das Theater fand Ullrich Haupt immer wieder sporadisch Zeit für Ausflüge auf die Leinwand oder er übernahm interessante Rollen für das Fernsehen. Bereits 1941 hatte er sein Leinwanddebüt mit einer kleinen Rolle in Georg Wilhelm Pabsts Künstlerportrait über die Theaterprinzipalin Caroline Neuber3) mit dem Titel "Komödianten"3) (1941) gegeben. Nach einem weiteren kleinen Part in dem Krimi "Alarmstufe V"4) (1941) wurde Haupt dann von Harald Braun in seinem Biopic "Träumerei"3) neben den Protagonisten Mathias Wieman und Hilde Krahl als Komponistenehepaar Robert Schumann und Clara Wieck mit der Rolle des Komponisten Johannes Brahms3) betraut. Die Streifen "Kamerad Hedwig"4) (1945) und "Der Scheiterhaufen" (1945) blieben unvollendet. Im deutschen Nachkriegsfilm zeigte sich Haupt –  meist mit Nebenrollen –  in Produktionen wie "Der Engel, der seine Harfe versetzte"3) (1959), "Heimweh nach St. Pauli"3) (1963), "Die Rechnung – eiskalt serviert"3) (1966), "Mister Dynamit – morgen küsst Euch der Tod"3) (1967) oder "Salon Kitty" (1976). Letztmalig stand Ullrich Haupt als Baron von Köckwitz in Bernhard Wickis vielbeachtetem Drama "Das Spinnennetz"3) (1989) vor der Filmkamera; diese Rolle hatte er von dem erkrankten bzw. verstorbenen Richard Münch2) (1916 – 1987) übernommen. Die Fernsehzuschauer erlebten den Schauspieler unter anderem in Stücken wie "Die Sendung der Lysistrata"3) (1961), "Der Schwarze Freitag"3) (1966), "Die Abenteuer des David Balfour"2) (1978) oder "Tatort – Tod auf Eis"3) (1986); außerdem spielte er in den 1960er und 1970er Jahren verschiedentlich in so beliebten Krimi-Serien wie "Die Fünfte Kolonne", "Derrick", "Der Kommissar" oder "Der Alte" mit.
  
Der Schauspieler und Regisseur Ullrich Haupt starb am 22. November 1991 – wenige Wochen nach seinem 76. Geburtstag – in einem Münchner Krankenhaus an Herzversagen; bereits 1975 hatte er einen Herzinfarkt erlitten, 1982 musste er sich einer Bypass-Operation unterziehen; seine letzte Ruhe fand er auf dem Waldfriedhof Grünwald bei München → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Haupt hinterließ seine zweite Ehefrau, die Schauspielerin Beatrice Norden3), mit der er seit 1962 verheiratet war; die gemeinsame, 1962 geborene Tochter Jennifer war am 25. März 1985 nach einer Kopf-Operation verstorben. Haupts erste Ehe mit Ilse Drost war gescheitert, aus dieser Verbindung stammt Tochter Medina Quennet (geb. Haupt), die sich als Hörbuchautorin der Kinderserie "Sebastian und der Helifant" einen Namen machte und in der hessischen Gemeinde Freigericht lebt.5) → www.helifant.de
 
Link: 1) Wikipedia (englisch), 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia (deutsch), 4) Murnau Stiftung
5) Quelle: Wikipedia (abgerufen 03.02.2015)
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
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