Filmografie / Hörspiel
Siegfried Lowitz als Leutnant Henzi in dem Film "Es geschah am hellichten Tag" (1958); Quelle: www,cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG, Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Siegfried Lowitz wurde am 22. September 1914 als Franz Georg Wilhelm Wodolowitz und Sohn des Bildhauers Franz Wodolowitz (28.05.1883 – 04.07.1954) in Berlin geboren. Seit dem Alter von vier Jahren lebte er mit der Mutter in Amsterdam, die dort als Modeschneiderin arbeitete. Als er erst sechs Jahre alt war, verstarb seine Mutter an Magenkrebs und der Junge wurde vom Vater und dessen zweiter Ehefrau in Mainz erzogen, wo er auch das Gymnasium besuchte. Schon früh interessierte er sich für das Theater, spielte bei Laienbühnen und absolvierte nach seinem Schulabschluss die staatliche Schauspielschule1) in Frankfurt a.M., wo er auch 1934 sein Theaterdebüt gab. Weitere Engagements führten ihn nach Mainz und Breslau sowie nach Gießen und schnell profilierte er sich als Charakterdarsteller. 1941 wurde Lowitz als Grenadier ins Schützenregiment 6 der 7. Panzerdivision1) eingezogen, kämpfte an der Ostfront und in Frankreich, wurde dann 1943 wegen einer Verletzung, die er sich bei einem Motorradunfall zugezogen hatte, als Soldat entlassen.
Nach Kriegsende spielte Lowitz zunächst im bekannten Münchener Kabarett "Die Schaubude"1), stand dann bei Heinz Hilpert1) zunächst am "Schauspiel Frankfurt"1) auf der Bühne, ging dann mit Hilpert nach Konstanz sowie an das "Deutsche Theater"1) in Göttingen. Zwischen 1952 und 1956 bzw. 1962 und 1968 gehörte er zum Ensemble der "Münchener Kammerspiele"1), bis 1978 zum gleichfalls in München beheimateten "Bayerischen Staatsschauspiel"1). Danach war er als freischaffender Schauspieler tätig, blieb dem Theater aber mit vielen Gastrollen an verschiedenen Häusern verbunden.

Siegfried Lowitz als Leutnant Henzi in der Dürrenmatt-Verfilmung
"Es geschah am hellichten Tag" (1958)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich",
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
© Praesens-Film AG

So trat er unter anderem auch bei den "Salzburger Festspielen"1) auf, gestaltete dort erstmals 1957 den Jamie Cregan in der deutschsprachigen Erstaufführung des Familiendramas "Fast ein Poet" von Eugene O'Neill, inszeniert von Oscar Fritz Schuh1) mit unter anderem Attila Hörbiger (Cornelius Melody), Adrienne Gessner (Nora Melody), Marianne Hoppe (Deborah Harford), Hans Putz (Mickey Maloy) und Aglaja Schmid1) (Sara Melody) → spiegel.de. Zehn Jahre später spielte Lowitz unter der Regie von Kurt Meisel in der Uraufführung (18.09.1967) des Stücks "Der Ostwind" von Leo Lehman2) den KZ-Insassen Zauber; die am 9. Oktober 1967 ausgestrahlte TV-Version von "Der Ostwind"3) hatte die gleiche Besetzung wie diese Uraufführung → www.zeit.de. Mit dem tschechischen Regisseur Otomar Krejča3) (1921 – 2009) erarbeitete er die Figur des Landstreichers Wladimir in "Warten auf Godot"1) von Samuel Beckett1), seine Mitspieler waren im Sommer 1970 Kurt Sowinetz1) (Estragon), Bernhard Wicki (Lucky), Ullrich Haupt (Pozzo) und Hermann Scheidleder1) (ein Junge). 1973 und 1974 wirkte Lowitz in Salzburg in "Das Spiel der Mächtigen I" mit, geschrieben von Giorgio Strehler1) nach dem Königsdrama "Heinrich VI."1) von William Shakespeare1). In den vom Autor selbst in Szene gesetzten Aufführungen gab er den Herzog von Gloucester1), zur hochkarätigen Besetzung zählten neben Michael Heltau als König Heinrich VI.1) unter anderem Andrea Jonasson1) (Königin Margaretha), Maria Emo1) (Leonore von Gloucester1)), Richard Münch (Kardinal von Winchester1)), Erik Frey (Herzog von Buckingham), Rolf Boysen (Herzog von York1)), Karl-Michael Vogler (Herzog von Suffolk1)) und Will Quadflieg (der Schauspieler).
  
Zum Film kam Lowitz Anfang der 1950er Jahre, nach ersten winzigen Nebenrollen wie 1954 in "Der Engel mit dem Flammenschwert"4) folgten größere Parts und Lowitz profilierte sich als verlässlicher Darsteller auf der Leinwand. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren jagte er im Film als Kommissar den Ganoven hinterher, eine Rolle die ihn später als "Der Alte" berühmt machen sollte und fest mit seinem Namen verbunden bleibt. So war Lowitz schon 1956 in dem Lustspiel "Das Sonntagskind"1), gedreht von Kurt Meisel nach Motiven des Bühnenstücks "Schneider Wibbel"1) von Hans Müller-Schlösser1) an der Seite des Protagonisten Heinz Rühmann der Kriminalinspektor, 1958 spielte er in dem Justizdrama "Gestehen Sie, Dr. Corda!"1) den Inspektor Guggitz und in Ladislao Vajdas Dürrenmatt-Verfilmung "Es geschah am helllichten Tag"1) den Leutnant Henzi, Mitarbeiter und Nachfolger des Dr. Matthäi (Heinz Rühmann) von der Zürcher Kantonspolizei. In dem Wallace-Streifen "Der Frosch mit der Maske"1) versuchte er 1959 als Kommissar Elk den Mörder zur Strecke zu bringen und 1961 war er in "Der Fälscher von London"1) schon zum Oberinspektor aufgestiegen.
Der Hexer; Copyright Einhorn-Film Ein Jahr später mimte er den Kommissar Brahm in "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse"1) (1962) und in dem Wallace-Streifen "Der Hexer"1) unterstützte er 1964 als Scotland Yard-Beamter Inspektor Warren seinen Chef Inspektor Higgins alias Joachim Fuchsberger. Das Jahr darauf erlebte man ihn dann – ganz untypisch –  als Sir Richard in "Der unheimliche Mönch"1) (1965) an der Seite von Harald Leipnitz als Inspektor Bratt. Gemeinsam mit Horst Tappert als Gentleman-Verbrecher Michael Donegan (in der Realität Bruce Reynolds1)) stand Lowitz als Kriminalbeamter Dennis McLeod für den legendären, dreiteiligen Straßenfeger "Die Gentlemen bitten zur Kasse" (1966) über den britischen großen Postzugraub1) (08.08.1963) vor der Kamera, bereits 1960 hatte er in dem Durbridge-Sechsteiler "Es ist soweit" den Inspektor Kenton gemimt.
 
Foto mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film
© Einhorn-Film/Weltlichtspiele Kino GmbH
Obwohl der Kriminalfilm seine Domäne war, verkörperte Lowitz bei Film und Fernsehen auch ganz anders geartete Figuren. So trat er beispielsweise 1956 in Helmut Käutners1), für das Kino inszenierten Zuckmayer-Adaption "Der Hauptmann von Köpenick"1) als Stadtkämmerer Rosenkranz neben Heinz Rühmann in der Titelrolle des legendär gewordenen Wilhelm Voigt1) in Erscheinung, erneut unter der Regie Käutners als Benzel, Kompagnon des Curd Jürgens gespielten Räuberhauptmanns Johannes Bückler1), genannt "Schinderhannes" in dem Streifen "Der Schinderhannes"1) (1958), gedreht nach dem gleichnamigen  Theaterstück von Carl Zuckmayer1). 1967 brillierte er als Haarwasserfabrikant Herr Gottlieb Biedermann1) in der TV-Produktion "Biedermann und die Brandstifter"1), die Rainer Wolffhardt1) nach dem gleichnamigen Drama1) von Max Frisch1) in Szene gesetzt hatte. Für diese sowie seine eindringliche Interpretation des Protagonisten Herrn Schlehdorn in "Der Trinker"5) (1967), in Szene gesetzt von Dietrich Haugk1) nach dem gleichnamigen Roman1) von Hans Fallada1), erhielt Lowitz 1968 die "Goldene Kamera"1) → goldenekamera.de.

Siegfried Lowitz (r.), Werner Peters (M.) und Hans Dieter Zeidler (l.)
in dem 1958 vom SWR produzierten TV-Drama "Besuch aus der Zone"5),
nach einem bereits zwei Jahre zuvor erstmals bei "Radio Bremen"1)
gesendeten gleichnamigen Hörspiel von Dieter Meichsner1).
Das Stück beschäftigt sich mit der Spaltung Deutschlands und fragt,
ob eine Begegnung zwischen Ost und West überhaupt noch möglich ist.
(Quelle: Chronik der ARD)
Drehbuch: Dieter Meichsner, Helmut Pigge1) und Rainer Wolffhardt
Regie: Rainer Wolffhardt
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Siegfried Lowitz (rechts) und Werner Peters (Mitte) in dem 1958 vom SWR produzierten TV-Drama "Besuch aus der Zone", nach einem bereits zwei Jahre zuvor erstmals bei Radio Bremen gesendeten gleichnamigen Hörspiel von Dieter Meichsner. Das Stück beschäftigt sich mit der Spaltung Deutschlands und fragt, ob eine Begegnung zwischen Ost und West überhaupt noch möglich ist. (Quelle: Chronik der ARD); Drehbuch: Dieter Meichsner, Helmut Pigge und Rainer Wolffhardt; Regie: Rainer Wolffhardt; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Siegfried Lowitz in "Herr Soldan hat keine Vergangenheit"; Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film" Neben verschiedenen Literaturadaptionen zeigte sich Lowitz immer wieder in Krimis auf dem Bildschirm, etwa neben Helmut Qualtinger als Buchagent Marojan in "Tagebuch eines Frauenmörders"5) (1969; Regie: Helmut Käutner), als Titelheld in "Herr Soldan hat keine Vergangenheit"5) (1972; Regie: Joachim Hess1)) oder als pensionierte Scotland-Yard-Inspektor Keith-Kendrick, genannt "KK", in " Eine Tote soll ermordet werden"5) (1972; Regie: Wilhelm Semmelroth1)). Diese legendären TV-Produktionen sind inzwischen auf DVD im Handel erhältlich.
 
1977 wurde der Schauspieler dann mit der Figur des Kommissar Erwin Köster in der TV-Serie "Der Alte"1) betraut und zählt bis heute neben "Kommissar" Erik Ode und "Derrick"1) alias Horst Tappert zu den erfolgreichsten und berühmtesten "Kriminalern" der Fernsehgeschichte. Bis 1986 blieb Lowitz der stets väterlich wirkende, mitunter störrische "Hüter von Recht und Ordnung", in der 100. Folge "Zwei Leben"5) verstarb er dann im Krankenhaus an den Folgen eines Bauchschusses, um jede Rückkehr in der Serie auszuschließen → zauberspiegel-online.de.
 
Szenenfoto aus "Herr Soldan hat keine Vergangenheit"
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die SWF-Produktion Mitte September 2012 auf DVD herausbrachte.
Die beliebte Krimiserie wurde jedoch von Produzent Helmut Ringelmann1) (Folgen 1–356) fortgesetzt, die Rolle des "Alten" übernahm nun Rolf Schimpf als Kriminalhauptkommissar Leo Kress, der diese Figur von 1986 bis 2007 mimte. Es folgte 2008 bis 2012 Kriminalhauptkommissar Rolf Herzog (Walter Kreye) und seit Folge 366 bzw. 2012 geht Jan-Gregor Kremp1) in diesem ZDF-Dauerbrenner auf Verbrecherjagd. Aber auch nach seinem Abschied vom "Alten" blieb Lowitz – allerdings nun als Ganove – dem Krimi treu: In der 170. "Derrick"-Episode "Eine Art Mord"6) (EA: 25.11.1988) tauchte er als einstiger Raubmörder Werner Rutger auf, der nach 18 Jahren der Haft entlassen wird und sich auf die Suche nach der Beute begibt, die ihm sein eigener Sohn (Manfred Zapatka) abgejagt hatte → zauberspiegel-online.de.
Danach widmete sich Lowitz mehr seinem Privatleben oder stand auf der Theaterbühne wie zur Spielzeit 1987/88 als einst gefeierter Komiker Al Lewis in dem Neil Simon1)-Boulevardklassiker "Sonny-Boys" am Wiener "Theater in der Josefstadt"1). In der von Hellmuth Matiasek1) an den "Kammerspielen"1) inszenierten Komödie (Premiere: 24.02.1988) gab Erik Frey (bzw. Karl Merkatz1)) den Willie Clark, einstiger Partner und nun zerstrittener Gegenspieler von Al Lewis → josefstadt.org. Nur selten stand Lowitz vor der TV-Kamera, beispielsweise als Strafverteidiger Dr. Alfred Flohr in der amüsanten Geschichte "Flohr und die Traumfrau"5) (1987), als geläuterten Kommunisten bzw. tschechischen Agent Milos in der 6. Staffel (1992) der Thrillerserie "Allein gegen die Mafia"1) (La Piovra) oder als Alfred Langer, Vater von Alexander (Christian Kohlund), in der Serie "Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg"1) (1994–1996) mit Uschi Glas. Letztmalig erlebten ihn die Zuschauer 1997 als liebenswert-schrulligen Elwood P. Dowd in dem TV-Film "Mein Freund Harvey" (1997) nach der gleichnamigen Komödie1) von Mary Chase1) sowie 1998 als Gast von Alfred Biolek1) in dessen Talkshow "Boulevard Bio"1) → Übersicht Filmografie.
Zudem stand der Schauspieler seit Ende des 2. Weltkrieges bis Mitte der 1970er Jahre regelmäßig im Hörspielstudio, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.

Siegfried Lowitz, der seit 1952 in zweiter Ehe mit Schauspielerkollegin Marianne Probst († 2019) verheiratet war, starb am 27. Juni 1999 im Alter von 84 Jahren in einem Münchener Klinikum. Vier Wochen zuvor hatte er sich bei einem Sturz aus einem Sessel einen doppelten Oberschenkelhalsbruch zugezogen, darüber hinaus litt er seit einigen Jahren an Anämie. Die letzte Ruhe fand der populäre Schauspieler auf dem "Friedhof Bogenhausen"1) (Grab Nr. 3–3–73a) im Münchener Stadtteil Bogenhausen1) → Foto der Grabstelle bei knerger.de sowie Wikimedia Commons. In erster Ehe war Lowitz nach Ende des 2. Weltkrieges einige Jahre lang mit Elisabeth Felber verheiratet gewesen.
Ein Jahr nach dem Tod des populären Schauspielers erschienen im Juli 2000 seine Erinnerungen unter dem Titel "Was für ein Leben". Hierin lässt Lowitz sein Leben Revue passieren und schildert unverwechselbar und eigenwillig die wichtigsten Stationen seiner Schauspielerkarriere; die Erinnerungen des großen Charakterdarstellers werden durch eine Fülle von Fotos ergänzt.
Die "Siegfried Lowitz-Stiftung" für Theater und Schauspielkunst mit Sitz in Gauting bei München wurde im Sinne und zu Ehren von Schauspieler Siegfried Lowitz ins Leben gerufen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, sowohl Theater und Schauspielkunst zu fördern und zu unterstützen als auch große Künstler auszuzeichnen. Seit 2002 verleiht die Stiftung den "Siegfried-Lowitz-Preis", erster Preisträger war am 13. Dezember 2002 Heinz Hoenig1), gefolgt von Mario Adorf (2003) und Maria Furtwängler1) (2005). Auf der Homepage der Stiftung kann man lesen: "Der "Siegfried Lowitz-Preis" ist einer der am seltensten verliehenen Auszeichnungen für Theater- und Schauspielkunst in Deutschland. Derzeit laufen Überlegungen für eine weitere Verleihung. (Stand: November 2019) → lowitz-stiftung.de

Siehe auch Wikipedia, lowitz-stiftung.de sowie
den Nachruf bei www.spiegel.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) deutsches-filmhaus.de, 3) whoswho.de, 4) filmportal.de, 5) Die Krimihomepage, 6) fernsehserien.de
  
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia (deutsch/englisch), filmportal.de,
Die Krimihomepage, deutsches-filmhaus.de, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch),
Die Krimihomepage, deutsches-filmhaus.de, vvb.de)
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