Maria Koppenhöfer
Maria Koppenhöfer wurde am 11. Dezember 1901 in Stuttgart als Tochter eines Hotelbesitzers geboren; schon früh interessierte sie sich für das Theater, wollte schon als Kind Schauspielerin werden. Nach Beendigung der Schulzeit machte sie am Bodensee zunächst eine einjährige Hauswirtschaftslehre, war anschließend kurze Zeit als Haushaltshilfe im schwäbischen Land beschäftigt. Erst 16-jährig kam sie dann in Stuttgart zu der Hof- und Staatsschauspielerin Emmy Remolt-Jessen (1876 –1948) und erhielt von dieser eine fundierte Ausbildung, stand schon während ihrer Studien auf der Bühne des "Deutschen Theaters" in Stuttgart. Erste Erfolge konnte sie dann am "Landestheater Stuttgart" verzeichnen, wenig später wechselte sie als jüngstes Mitglied an die "Münchner Kammerspiele" unter Otto Falckenberg1) (1873 – 1947). Eine weitere Verpflichtung führte die junge Schauspielerin zur Spielzeit 1924/25 nach Köln, danach ging Maria Koppenhöfer nach Berlin an das von Max Reinhardt1) (1873 – 1943) geleitete "Deutsche Theater". Hier trat sie am 20.10.1925 als Frau Ma in Klabunds "Kreidekreis" zum ersten Mal auf, dann als Kunigunde in "Das Käthchen von Heilbronn" und als Olga in "Fegefeuer in Ingolstadt" von M. L. Fleißer. 1926 bis 1944 war Koppenhöfer die moderne Heroine und Tragödin des Staatstheaters Berlin. Die stilbildenden Regisseure jener Zeit – Leopold Jessner, Jürgen Fehling, Erich Engel, Lothar Müthel und Gustaf Gründgens – entwickelten Koppenhöfers darstellerische Fähigkeiten im Zusammenspiel mit anderen bedeutenden Schauspielerinnen und Schauspielern in einer großen Zahl von Aufführungen.2) 1943 wurde ihr der Titel "Staatsschauspielerin" verliehen.
 
Das Bühnenrepertoire der Schauspielerin, die stets eine herbe Schönheit ausstrahlte, war breit gefächert, nie ließ sie sich auf einen bestimmten Frauentyp festlegen und zeigte mit allen ihren Rollen ihre enorme darstellerische Dominanz. Besonders das klassische Schauspiel gab ihr besondere Möglichkeiten, ihr vielschichtiges Können zu zeigen. Ihre starke dunkle Stimme besaß wie ihr Gesichtsausdruck eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit; sie beherrschte alle Register von den weichsten Regungen bis zum Ausbruch dämonischer Rachsucht.
Nach Ende des 2. Weltkrieges trat Maria Koppenhöfer seit Dezember 1945 wieder an den Münchner Kammerspielen auf, brillierte hier insbesondere in der Erstaufführung von Anouilhs "Eurydike". Zu Goethes Geburtstag glänzte sie 1947 in Frankfurt a. M. als "Iphigenie" – eine ihrer letzten Bühnenauftritte.
  
Zum Film war Maria Koppenhöfer erst relativ spät gekommen: Ihr Leinwanddebüt hatte sie mit einer kleinen Nebenrolle in "24 Stunden aus dem Leben einer Frau" (1931) gegeben, es folgten prägnante Nebenrollen in Filmen wie beispielsweise "Unheimliche Geschichten" (1932) oder "Das erste Recht des Kindes"1) (1933). Dem nationalsozialistischen Propagandafilm konnte sie sich nicht vollkommen entziehen, so wirkte sie in Gustav Ucickys "Flüchtlinge"3) (1933) an der Seite von Hans Albers mit, einem der ersten Propagandafilme nach der Machergreifung der Nationalsozialisten. Auch in dem anti-kommunistischen, nach dem Krieg verbotenen Propagandastreifen "Friesennot"1) (1935) war sie zu sehen und und zeigte sich als junge deutsche Mutter, die auf den Armen ihr totes Kind nach Hause trägt. In nationalsozialistisch gefärbten Helden-Epen wie Veit Harlans Gerhart Hauptmann-Adaption "Der Herrscher"1) (1937) oder Wolfgang Liebeneiners Biopic "Bismarck"1) (1940) gehörte sie zur prominenten Besetzung: In "Der Herrscher"3) spielte sie an der Seite von Emil Jannings die Paula Clausen, in "Bismarck"3) an der Seite von Paul Hartmann in der Titelrolle die deutsche Kaiserin und Königin von Preußen Augusta1), Ehefrau Kaiser Wilhelms I. Zur Filmografie jener Jahre zählen das Melodram "
Schlussakkord"3) (1936), der Schwank "Der Raub der Sabinerinnen"1) (1936), das ganz auf Luis Trenker zugeschnittene Bergdrama "Der Berg ruft!"1) (1938) oder die Literaturverfilmungen "Andalusische Nächte"3) (1938) und "Anna Favetti"3) (1938). In der von Carl Froelich in Szene gesetzten, ambivalent beurteilten Historienverfilmung "Das Herz der Königin"1) (1940) überzeugte sie als Königin Elisabeth von England bzw. Gegenspielerin der Königin von Schottland, Maria Stuart (Zarah Leander). Bis Kriegsende zeigte sie sich in einigen weiteren Produktionen, so in Géza von Bolvárys Komödie "Ein Mann mit Grundsätzen?"3) (1943) mit Protagonist Hans Söhnker als Frau Senator Petersen, in Alfred Brauns Liebesmelodram "Augen der Liebe"3) (1944), mit René Deltgen und Käthe Gold in den Hauptrollen, kam sie als Oberschwester daher, in der ebenfalls von Alfred Braun inszenierten, unvollendet gebliebenen Literaturadaption "Der Puppenspieler"3) (1945), der Verfilmung der Novelle "Pole Poppenspäler" von Theodor Storm, mimte sie die Frau Tendler. Die Premiere ihrer letzten Arbeit für das Kino, Leni Riefenstahls Berg-Melodram "Tiefland", konnte Maria Koppenhöfer nicht mehr miterleben; der Film gelangte erst am 11. Februar 1954, mehr als fünf Jahre nach ihrem Tod, in die westdeutschen Kinos.
Koppenhöfers Künstlertum war auch auf der Leinwand ohne artistische Fertigkeit. Die zuweilen exzentrischen Gestalten ihrer Rollen zeichnete sie scharf – aber nie übertrieben – und einprägsam, nicht zuletzt dank ihrer vollendeten Sprachkultur. Koppenhöfer artikulierte keinen Satz unbedacht; um so bewundernswerter waren ihre Hurtigkeit und schwerelose Heiterkeit, Ergebnisse ihrer Selbstdisziplin und Selbstkritik.4)
 
Maria Koppenhöfer, eine der "wandlungsfähigsten Frauen der deutschen Bühne und des Films"3) erlag am 29. November 1948 –  wenige Tage vor ihrem 47. Geburtstag – in Heidelberg ihrem langjährigen Krebsleiden.
 
Link: 1) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung
Quelle: 2) www.deutsche-biographie.de, 4) DER SPIEGEL 49/1948
Textbausteine des Kurzportraits von www.cyranos.ch, wo man auch ein Foto der Schauspielerin findet.
Siehe auch Wikipedia
Fotos bei www.virtual-history.com
 
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia bzw. Murnau Stiftung)
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