Der Stummfilmdarsteller Erich Kaiser-Titz wurde am 7. Oktober 1875 als Heinrich Felix Erich Titz und ältester Sohn des Architekten bzw. Bauunternehmers Oskar Titz1) (1845 – 1887) in Berlin1) geboren. Obwohl er zu den meistbeschäftigtsten Mimen der deutschen Stummfilm-Ära zählt – seit Anfang der 1910er Jahre bis zu seinem Tod wirkte er in mehr als 200 Streifen mit – ist sein Name heute fast in Vergessenheit geraten.
Erich Kaiser-Titz; Quelle: virtual-history.com aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 29); Urheber: Unbekannt; vermutlich Atelier Joel Heinzelmann (Berlin); Lizenz: gemeinfrei Auf Wunsch seines Vaters sollte Sohn Erich ebenfalls Architekt werden, nach seiner Schulzeit begann er daher zunächst eine Ausbildung als Kunstschlosser, arbeitete später als Maurer, Zimmermann und Baustellenleiter. Dann entschied er sich Schauspieler zu werden, erste Bühnenengagements führten ihn nach Lübeck1), Kolberg1) (heute: Kołobrzeg, Polen), Hannover1) und Bremen1), 1906 kam er nach Berlin an das "Neue Theater". 1909, 1913 und 1926 trat er am "Deutschen Theater"1) auf, zeigte sich unter anderem als Erwin Löwenherz in dem Stück "Gelbstern" von Walter Turszinsky1) (→ Verfilmung 19121)), als Jack Brown in der Farce "Mein Freund Jack"2) (OT "Jack Straw") von William Somerset Maugham1), gestaltete in Franz Werfels1) "dramatischen Historie in zwölf Bildern" mit dem Titel "Juarez und Maximilian" den französischen Marschall François-Achille Bazaine1) → projekt-gutenberg.org. Zu seinen weiteren Theaterauftritten zählten unter anderem Rollen in dem gesellschaftskritischen Drama "Der lebende Leichnam" von Leo Tolstoi1) oder in der Komödie "Bürger Schippel" von Carl Sternheim1) → projekt-gutenberg.org.
Der blendend aussehende Mann trat auf der Leinwand erstmals 1911 unter dem Namen "Erich Kaiser-Titz" in dem von Adolf Gärtner1) nach dem Roman "Den farlige Alder" von Karin Michaëlis1) realisierten, stummen Streifen "Das gefährliche Alter" in Erscheinung, drehte in den kommenden Jahren in rascher Folge Film um Film und erhielt schon in seinen frühen Jahren die für damalige Verhältnisse horrende Gage von mindestens hundert Mark pro Tag.

Foto: Erich Kaiser-Titz
Quelle: virtual-history.com aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/
1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus1) (Berlin 1935, S. 29)
Urheber: Edmund Wasow (1879 – 1944);  Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier

In verschiedenen Produktion Filmen war er der Partner von Henny Porten (1880 – 1960), so unter anderem in "Ungarische Rhapsodie" (1913) nach dem Werk "Ungarische Rhapsodie. Der Lebensroman von Franz Liszt"1) von Zsolt Harsányi1), "Das Tal des Traumes"1) (1914), "Bergnacht"1) (1914) und "Das Schicksal der Gabriele Stark"1) (1915). Mit Harry Piel drehte er das Abenteuer "Im Banne der Vergangenheit"1) (1915), Richard Oswald1) besetzte ihn als den älteren E. T. Hoffmann1) in dem Stummfilm "Hoffmanns Erzählungen"1) (1916), in Szene gesetzt nach Motiven der gleichnamigen Oper1) von Jacques Offenbach1), die wiederum auf einigen Novellen von E. T. A. Hoffmann beruhte. Wenig später tauchte Kaiser-Titz als Titelheld in der "Phantomas"1)-Reihe1) auf; So unter anderem in "Ramara"1) (1916), "Der Erbe von Het Steen"1) (1917), "Das Nachtgespräch"1) (1917), "Ein scharfer Schuss"1) (1917), "Ein Tropfen Gift"1) (1917) und "Die Glocken der Katharinenkirche" (1918). Zuvor hatte er bereits als eleganter Meisterdetektiv Engelbert Fox in den Kriminalstreifen "Die verschleierte Dame"1) (1915), "Der Fund im Neubau"1) (1915) und "Die silberne Kugel"1) (1916) sowohl Publikum als auch Kritiker für sich einnehmen können. Eine weitere Rolle, mit der Aufmerksamkeit erregte, war die Titelfigur des Ferdinand Lassalle1) in Rudolf Meinerts1) Biopic "Ferdinand Lassalle"1) (1918) mit dem Untertitel "Des Volkstribunen Glück und Ende".

Erich Kaiser-Titz auf einer Fotografie von Edmund Wasow (1879 – 1944)
Quelle: cyranos.ch; Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier

Erich Kaiser-Titz auf einer Fotografie von Eduard Wasow (1890 – 1944); Quelle: www.cyranos.ch
Zur Filmografie der 1920er Jahre gehören ab 1920 die sechs "Nirvana"-Folgen oder seine Hauptrolle des Barons Werner von Dierckhoff  in "Die Frauen von Gnadenstein"3) (1921), der Prinz Abdul Hassan (Teile 1–3) bzw. der Stierkämpfer Pol (Teile 4–6) in dem Sechsteiler "Der Mann ohne Namen"1) (1921), nach dem Roman "Peter Voss, der Millionendieb" von Ewald Gerhard Seeliger1) mit Harry Liedtke in der Titelrolle des Weltenbummlers Peter Voss.
Erich Kaiser-Titz auf einer Künstlerkarte, aufgenommen im Atelier "Joël-Heinzelmann" von Charlotte Joël (1887–1943) und Marie Heinzelmann; das gemeinsame Atelier bestand bis 1938/1939; Quelle: filmstarpostcards.blogspot.com; Lizenz: gemeinfrei Erich Kaiser-Titz schlüpfte in unterschiedlichste Rollen und Maskeraden, einen Fabrikanten bzw. Forscher verkörperte er in "Am Webstuhl der Zeit"1) (1921), einmal mehr einen Baron in der Geschichte "Verrat auf Schloß Treuenfels" (1921), einen Ägypter in dem Abenteuer "Das Rätsel der Sphinx"4) (1921), einen Millionär bzw. Partner von Lya Mara in "Miss Beryll… die Laune eines Millionärs" (1921) oder an der Seite von Lya de Putti und Hans Adalbert Schlettow den Kaiser in dem Drama "Im Namen des Kaisers"1) (1925). Kaiser-Titz wusste wiederholt in der Rolle historischer Persönlichkeiten zu überzeugen, beispielsweise als Lord Surrey1), Günstling der englischen Königin Elisabeth I.1) (Hanna Ralph), in dem Monumentalfilm "Der Favorit der Königin"1) (1922) nach Motiven des Romans "Das zweite Leben" von Georg Hirschfeld1), als Kardinal Rohan1) in dem Historien-Biopic"Marie Antoinette"1) (1922) mit dem Untertitel "Das Leben einer Königin" und Diana Karenne in der Titelrolle der Marie-Antoinette1) oder als König/Kaiser Albrecht I,1) in der Adaption "Wilhelm Tell"1) (1923) nach dem gleichnamigen Drama1) von Friedrich Schiller1) mit Hans Marr als Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell1) und Conrad Veidt als Tells Gegenspieler Landvogt Gessler. In dem Zweiteiler "Wallenstein"1) (1925) mit Fritz Greiner als Feldherr Wallenstein1) trat er als Kaiser Ferdinand1) in Erscheinung, in der Stummfilm-Biografie"Bismarck"1) (1925) mit Franz Ludwig1) als Otto von Bismarck1) als der Großgrundbesitzer und Parlamentarier Moritz von Blanckenburg1).
 
Erich Kaiser-Titz auf einer Künstlerkarte, aufgenommen
im Atelier "Joël-Heinzelmann" von Charlotte Joël1) (1887 – 1943)
und Marie Heinzelmann; das gemeinsame Atelier bestand bis 1938/1939.
Quelle: filmstarpostcards.blogspot.com; Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier
Bis Ende der 1920er Jahre wirkte Kaiser-Titz unter anderem in Produktionen wie der Kriminalkomödie "Herrn Filip Collins Abenteuer"1) (1926), der Literaturadaption "Die Brüder Schellenberg"1) (1926), dem Melodam "Mädchenhandel – Eine internationale Gefahr"1) (1927), dem Lustspiel "Der Himmel auf Erden"1) (1927), dem Drama "Die Dame in Schwarz"1) (1928) oder der amüsanten Geschichte "Das Fräulein von Kasse 12"1) (1928) mit. Seine letzte Filmrolle, den mit Camilla (Lil Dagover) verheirateten Generalfeldmarschall-Leutnant Sedlacek, spielte er in dem nach der Erzählung von János Székel1) realisierten Streifen "Ungarische Rhapsodie"1) (UA: 05.11.1928) mit Willy Fritsch als Leutnant Franz Graf von Turoczy und Dita Parlo als das Bauernmädchen Marika Doczy → Übersicht Filmografie.

Die beginnende Tonfilm-Ära hat der Stummfilmstar zwar noch erlebt, aber eine Mitarbeit blieb ihm versagt. Erich Kaiser-Titz starb am 22. November 1928 mit nur 52 Jahren in seiner Geburtsstadt Berlin; die letzte Ruhe fand er auf dem "Südwestkirchhof Stahnsdorf"1) der Gemeinde Stahnsdorf1) südwestlich von Berlin.
Der Schauspieler war drei Mal verheiratet, 1903 ehelichte er seine Kollegin Melanie Silberstein, doch die Verbindung hielt nur bis 1912. Noch im selben Jahr heiratete er Wally Anna Wilhelmine von Strantz, doch auch diese Ehe endete 1919 vor dem Scheidungsrichter. Ehefrau Nummer 3 wurde 1920 die geschiedene Martha Else Emilie Heipcke, geb. Schäffer. (Quelle: Wikipedia)
Siehe auch Wikipedia, cyranos.ch;
Fotos bei virtual-history.com, filmstarpostcards.blogspot.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) theatertexte.de, 3) Murnau Stiftung, 4) filmportal.de
Lizenz Foto Erich Kaiser-Titz (Urheber Eduard Wasow): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Lizenz Foto Erich Kaiser-Titz (Urheber Atelier "Joël-Heinzelmann" von Charlotte Joël und und Marie Heinzelmann; das gemeinsame Atelier bestand bis 1938/1939. Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de sowie
frühe Stummfilme  bei "The German Early Cinema Database"

(Fremde Links: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, cyranos.ch; R = Regie)
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