Elisabeth Bergner kam am 22. August 1897 als Elisabeth Ettel in Drohobycz, damals Galizien, heute Russland, zur Welt. Sie lernte ihr schauspielerisches Handwerk bereits als Vierzehnjährige an einer privaten Schauspielschule sowie ein Jahr später am Konservatorium in Wien, wo sie ein Stipendium erhalten hatte. 1915 gab sie ihr Bühnendebüt in Innsbruck, es folgten Engagements in Zürich (1916 – 1918), an den "Barnowsky-Bühnen" in Berlin (1918 – 1919), an den "Münchner Kammerspielen" (1920 – 1921) sowie dem Münchener Staatstheater (1921 – 1922). 1922 kehrte sie auf Empfehlung Alexander Moissis nach Berlin zurück, wo sie unter anderem am "Deutschen Theater" und an den "Barnowsky-Bühnen" zu einer der berühmtesten Schauspielerinnen jener glanzvollen Berliner Jahre und darüber hinaus zum Idol ihrer Zeit wurde. 1923 hatte sie in Berlin den Durchbruch unter der Regie von Max Reinhardt1) (1873 – 1943) mit dem Shakespeare-Stück "Wie es euch gefällt"1) geschafft und feierte fortan Triumphe auf der Bühne. Sie spielte auch weiterhin mehrfach unter Reinhardt am "Deutschen Theater" in Berlin.

Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1985 während einer Hörspielproduktion.

Elisabeth Bergner; Copyright Werner Bethsold
Elisabeth Bergner in "Die heilige Johanna"; Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch) (1863–1942)); Quelle: www.cyranos.ch Ihre größten Leistungen zeigte die nymphenhafte Nerven- und Seelenschauspielerin als Strindbergs "Königin Christine" und "Fräulein Julie", sie glänzte in Shaws "Heilige Johanna", als Puck in Shakespeares "Sommernachtstraum", als Porzia in dessen "Der Kaufmann von Venedig" oder mit der weiblichen Titelrolle in "Romeo und Julia". Die Bergner begeisterte beispielsweise als Rosalinde in Shakespeares "Wie es Euch gefällt" ebenso wie mit der Titelrolle in Gerhart Hauptmanns "Hanneles Himmelfahrt", sie gab O'Neills "Nina Leeds" in "Strange Interlude" (Seltsames Zwischenspiel) oder die Alkmene in Kleists "Amphitryon"; schlechte Kritiken erlebte sie nur einmal als Alexandre Dumas' "Kameliendame".
 
Ihr Leinwanddebüt hatte Elisabeth Bergner 1922 als bucklige Schneiderstochter Magdalena Zitterbart in Holger Madsens Opernverfilmung "Der Evangelimann"2) gegeben und wurde in den folgenden Jahren meist auf den Typ der kindlich-androgynen Heldin festgelegt.
Ab 1924 arbeitete sie ausschließlich mit dem Regisseur Paul Czinner1) (1890 – 1972) zusammen, der auch privat ihr Lebenspartner war.
 
 
Elisabeth Bergner in "Die heilige Johanna" 
Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch1) (1863–1942))
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
Große Erfolge hatte sie z. B. in dessen Drama "NJU – Eine unverstandene Frau"2) (1924), wo sie eine Ehebrecherin von lyrischer Besessenheit spielte, es folgte "Liebe" (1926) oder "Dona Juana" (1927), ihren größten Stummfilmerfolg feierte sie jedoch als Arthur-Schnitzler-Heldin "Fräulein Else"1) (1928/29).
Den Übergang zum Tonfilm schaffte die theatergeprüfte Elisabeth mühelos, die Literaturadaption "
Ariane"1) (1930/31) und ihre Rolle der russischen Studentin Ariane Kusnetzowa, die sich in einen älteren Lebemann verliebt,  wurde gleich ein großer Erfolg. Das Melodram "Der träumende Mund"1) (1932) nach dem Stück "Mélo" von Henri Bernstein, bei dem sie auch am Drehbuch mitgeschrieben hatte, schildert eine tragisch endende Ménage-ŕ-Trois.
 
Nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 löste die Bergner ihre Verpflichtungen am "Deutschen Theater" in Berlin und emigrierte mit Paul Czinner zunächst nach Wien, dann nach London, wo sie im gleichen Jahr heirateten. Anfangs hatten beide noch Schwierigkeiten, vor allem mit der Sprache, doch schon bald lebten sie sich gut in Großbritannien ein. In London wurde Elisabeth Bergner für die Hauptrolle in Margret Kennedys Bühnenfassung von "Escape me never" verpflichtet, in der sie im November 1933 ihren ersten großen Erfolg im angelsächsischen Raum hatte. Auch an ihre früheren Filmerfolge konnte sie anknüpfen: Zuerst brillierte die Bergner mit der Titelrolle in Czinners "Katharina die Große"1) (1934, The Rise of Catherine the Great) als angehende russische Zarin an der Seite von Douglas Fairbanks jr., der zweite Film unter der Regie Czinners war das Melodram "
Verlaß mich niemals wieder"1) (1935, Escape me never), in dem Elisabeth Bergner die verführerische Gemma Jones spielt, die nach dem Tod ihres Mannes mit einem Kind mittellos dasteht; für ihre herausragende Darstellung bekam die Schauspielerin eine Oscar-Nominierung. 1936 glänzte sie neben Laurence Olivier in der Shakespeare-Verfilmung "As You Like It" als Rosalind, war ein Jahr später in dem Remake von "Der träumende Mund" mit dem Titel "Dreaming Lips" (1937) zu sehen.
1938 wurde die Bergner britische Staatsbürgerin, 1940 siedelte sie mit ihrem Mann von Großbritannien in die USA über. Während des Krieg drehte sie nur einen Film, den Anti-Nazi-Streifen "Paris Calling" (1941) – ihr einziger Hollywood-Film, der nicht besonders erfolgreich war. Schwerpunkt ihrer Arbeit wurde bis Kriegsende das Theater. Hier ist es vor allem das Bühnenstück "Die beiden Mrs. Carolls" zu nennen, mit dem die Schauspielerin das amerikanische Theater bzw. Publikum eroberte.

Nach Ende des 1. Weltkrieges Krieg spielte Elisabeth Bergner zunächst in New York, dann in London Theater. 1954 kehrte sie nach Deutschland zurück und stand erneut erfolgreich auf der Bühne.
Man sah sie als Sprecherin unter anderem mit Bibellesungen oder mit Schnitzlers Monolog "Fräulein Else", sie begeisterte beispielsweise als Hester Collyer in Rattigans "Tiefe blaue See" im Rahmen des Reise-Ensembles "Der grüne Wagen", mit dem sie mehrfach durch Deutschland, Österreich und die Niederlande zog. Ein großes Erlebnis vermittelte auch 1956 ihre realistisch-düstere Zeichnung der Mary Tyrone in O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht" oder ihre Leistung in "Die Irre von Chaillot". 
 
Foto: Gastspiel (15. bis 17.1.1957) des Düsseldorfer Schauspielhauses im Stadttheater Bad Godesberg: "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (Long day's journey into night), Schauspiel von Eugene O'Neill (Deutsch von Ursula und Oscar Fritz Schuh)
Regie: Karl Heinz Stroux; Bühnenbild und Kostüme: Ita Maximowna
Von links nach rechts: Paul Hartmann*) (James Tyrone), Elisabeth Bergner (Mary Cavan Tyrone), Heinz Drache*) (James Thyrone jr., ihr ältester Sohn), Martin Benrath*) (Edmund Tyrone, ihr jüngster Sohn)
Schauplatz: Wohnzimmer im Sommerhaus der Thyrones an einem Augusttag des Jahres 1912

Quelle:  Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F004180-0008;
Fotograf: Rolf Unterberg / Datierung: Januar 1957 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F004180-0008 bzw. Wikimedia Commons
*) Link: Kurzportrait innerhalb dieser HP

Gastspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses im Stadttheater Bad Godesberg (15.-17.1.1957): Eines langen Tages Reise in die Nacht (Long day's journey into night), Schauspiel von Eugene O'Neill (Deutsch von Ursula und Oscar Fritz Schuh); Regie: Karl Heinz Stroux; Bühnenbild und Kostüme: Ita Maximowna; Von links nach rechts: Paul Hartmann (James Tyrone), Elisabeth Bergner (Mary Cavan Tyrone), Heinz Drache (James Thyrone jr., ihr ältester Sohn), Martin Benrath (Edmund Tyrone, ihr jüngster Sohn); Schauplatz: Wohnzimmer im Sommerhaus der Thyrones an einem Augusttag des Jahres 1912; Quelle: Bilddatenbank Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-F004180-0008; Fotograf: Rolf Unterberg / Datierung: Januar 1957 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
1959 und 1961 sah man die Bergner zusammen mit O. E. Hasse in dem zu einer Komödie "Geliebter Lügner" aufbereiteten Briefwechsel George Bernhard Shaws mit der Schauspielerin Stella Patrick Campbell; im Winter 1961/62 spielte die Bergner in der Komödie "First Love" am Broadway, 1965 trat sie in Berlin als "Lady Macbeth" sowie als "Frau Alving" in Ibsens "Gespenster" auf. Im Februar 1970 debütierte die Bergner im Alter von 72 Jahren in Berlin erfolgreich als Regisseurin mit Jean-Claude Carrieres "Ich suche Monsieur Ferrand", ein Jahr später gastierte sie im Berliner Renaissance-Theater als "Deborah Harford" in der Stroux-Inszenierung von O'Neills "Alle Reichtümer dieser Erde".
  
Ab 1961 drehte sie auch wieder Filme, stand z. B. für Wolfgang Staudtes "Die glücklichen Jahre der Thorwalds"1) (1962) als Prinzipalin Frau Thorwald vor der Kamera und erhielt für ihre Leistung das "Filmband in Gold"1). 1978 beeindruckte sie als Margarete Johannsen an der Seite von Martin Held in "Der Pfingstausflug"1) – der "Ernst-Lubitsch-Preis"
1) war der Lohn. Sie trat in Talkshows auf und auch auf dem Bildschirm war sie noch im hohen Alter präsent, wie beispielsweise 1982 mit der weiblichen Hauptrolle in Konrad Sabrautzkys Komödie "Ruth und Martin" an der Seite von Martin Dudeck oder zwei Jahre später in dem Drama "Wenn ich dich nicht hätte" mit Rudolf Platte als Partner und erneut unter der Regie von Konrad Sabrautzky. Weitere Erfolge in der Bundesrepublik hatte sie unter anderem in dem Fernsehspiel "Nachtdienst" (1975), 1982 drehte sie in Hamburg den Film "Feine Gesellschaft – beschränkte Haftung", 1983 stand sie in der ZDF-Produktion "Die Kaisers" vor der Kamera. Die Schauspielerin wurde während ihrer langen Karriere neben den genannten mit Ehrungen überhäuft:
 

Elisabeth Bergner, die zu den Mitunterzeichnern der Erklärung des "Council For A Democratic Germany" war, starb am 12. Mai 1986 mit 89 Jahren in London. Ihre Grabstätte befindet sich im Londoner "Golders Green Crematorium and Mausoleum" → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
In Berlin wurde ein Park nach ihr benannt, seit 2000 erinnert in Wien Liesing (23. Bezirk) der "Elisabeth-Bergner-Weg" an die berühmte Charakterdarstellerin. Der Nachlass befindet sich in der Berliner "Akademie der Künste" (Elisabeth Bergner Archiv).
  
Ihre Memoiren veröffentlichte die Schauspielerin unter dem Titel "Bewundert viel und viel gescholten. Elisabeth Bergners unordentliche Erinnerungen"; von Klaus Völker stammt die Biografie "Elisabeth Bergner. Das Leben einer Schauspielerin. Ganz und doch immer unvollendet".

Der Rang Elisabeth Bergners als Filmstar wurde übertroffen von ihrer Bedeutung als eine der legendären deutschsprachigen Theaterschauspielerinnen des letzten Jahrhunderts. Von knabenhafter Gestalt, die Schultern etwas hochgezogen, spielte sie oft zarte, nervlich angespannte Frauen; ihr quirliges Wesen, der intellektuelle Nuancenreichtum ihres Spiels ließen jedoch nie vergessen, dass nicht der Film, sondern die Bühne ihr ureigenstes Medium war. Nach Zeiten fülliger Weiblichkeit schuf Elisabeth Bergner ein androgynes Schönheitsideal; ihr Repertoire reichte von kessen, koboldhaften bis hin zu anmutig-melancholischen Frauen und am meisten lagen ihr zerbrechliche Wesen, die Ehebruch, Unglück oder Tod heraufbeschworen.3)
  

Das Foto (Zeitungsveröffentlichung) wurde mir freundlicherweise
von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Elisabeth Bergner; Copyright Virginia Shue
Siehe auch Wikipedia, www.exil-archiv.de, www.cyranos.ch,
www.prisma.de, www.fembio.org, www.arte.tv, tls.theaterwissenschaft.ch
sowie den Nachruf bei www.spiegel.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung
Quelle: 2) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 36
Lizenz Foto Elisabeth Bergner (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia (deutsch/englisch))
Stummfilme Tonfilme / Fernsehen Noch: Tonfilme / Fernsehen
Textpassagen der Biografie stammen von Basti sowie aus dem "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars.
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