Antje Weisgerber wurde am 17. Mai 1922 in Königsberg als Tochter eines Tierarztes geboren. Sie absolvierte nach der Schule ab 1938 die Staatliche Schauspielschule in Berlin und gab 1942 ihr Bühnendebüt am "Preußischen Staatstheater". Anschließend erhielt sie Engagements an den "Münchener Kammerspielen", am Wiener "Burgtheater" sowie am "Deutschen Theater" in Berlin. 
Zwischen 1951 und 1955 spielte sie bei Gustaf Gründgens in Düsseldorf und der legendäre Theatermann wurde ihr Mentor und Freund, der die junge talentierte Schauspielerin auch später als Intendant am "Hamburger Schauspielhaus" in seine Obhut nahm; unvergessen bleibt 1957 ihre Darstellung des Gretchens in der legendären Gründgens-Inszenierung "Faust I". In diesen Jahren spielte sie beispielsweise auch die Amalia in Schillers "Die Räuber", die Lucile in Büchners "Dantons Tod" oder die Titelrolle in Schillers "Maria Stuart".
Szenenfoto aus dem Stück "Der Snob" von Carl Sternheim am "Deutschen Theater" Berlin im März 1946; Antje Weisgerber als Marianne von Palen (rechts) und Gustaf Gründgens als Christian Maske;  Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek; Datierung: 1946.04 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Szenenfoto aus dem Stück "Der Snob" von Carl Sternheim
am "Deutschen Theater" Berlin im April 1946
Antje Weisgerber als Marianne von Palen und Gustaf Gründgens*) als Christian Maske
 
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000069_024)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983; Link Wikipedia)
Datierung: 1946.04 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
*) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Antje Weisgerber interpretierte viele große weiblichen Figuren der Theaterliteratur, etwa die Königin in Schillers "Don Carlos", in Shakespeares "Romeo und Julia" brillierte sie ebenso wie mit der Titelrolle in Lessings "Minna von Barnhelm", in der man sie 1968 auch auf einer Welttournee bewundern konnte.
Nach dem Tod Gustaf Gründgens im Jahre 1963 band sich Antje Weisgerber vorerst nicht wieder fest an ein Haus. Erst Boy Gobert gelang es 1981, sie wieder an das Berliner Schiller-Theater zu verpflichten, wo sie unter anderem als " Big Mama" in Tennessee Williams' "Die Katze auf dem heißen Blechdach" Triumphe feierte; bis 1985 spielte sie an den Staatlichen Schauspielbühnen in Berlin. Antje Weisgerber unternahm zahlreiche Theatertourneen, so ging sie z. B. 1968 mit dem Wiener Burgtheater als "Minna von Barnhelm" auf Welttournee, bei den Salzburger Festspielen glänzte sie zwischen 1952 und 1960 fünf Mal als der "Glaube" in "Jedermann".
Auf der Leinwand war Antje Weisgerber erstmalig 1940 unter der Regie von Gustaf Gründgens in der Komödie "Zwei Welten"1) zu sehen, zehn Jahre später agierte sie als Frau Dr. Jensen neben Hans Albers und Liselotte Pulver in Rolf Hansens Bergdrama "Föhn" (1950), im gleichen Jahr spielte sie die Luiselotte Körner in Josef von Bákys Kästner-Adaption "Das Doppelte Lottchen"2). Wolfgang Liebeneiner besetzte sie in dem Melodram "Die Stärkere" (1953) als Sängerin, die an ihrem Hochzeitstag einen Autounfall erleidet und unter der Untreue ihres Gatten (Hans Söhnker) leiden muss, in "Rittmeister Wronski" (1954) agierte sie neben Willy Birgel als Ilse von Jagstfeld, die dem Charme des ehemaligen polnischen Offiziers, der nun als Agent arbeitet, erliegt. Kinoproduktionen wie "Oberarzt Dr. Solm" (1954), "San Salvatore"2) (1955) oder "Die Frau des Botschafters" (1955) schlossen sich an, in Erich Engels Rührstück "Vor Gott und den Menschen" (1955) spielte sie an der Seite von Viktor de Kowa und Hans Söhnker, muss sich zwischen ihrem blinden zweiten Mann und dem als tot gemeldeten ersten Angetrauten entscheiden. Als "Die Frau des Botschafters" (1955) überzeugte Antje Weisgerber in Hans Deppes gleichnamigem, melodramatischem Unterhaltungsstreifen, nach "Heidemelodie"2) (1956) und "Der Mann, der sich verkaufte" (1959) war die Schauspielerin nur noch selten auf der Leinwand zu sehen, so an der Seite von Pierre Brice und Stewart Granger in der Karl May-Verfilmung "Der Ölprinz"2) (1965) sowie in der Willi Heinrich-Adaption "Schmetterlinge weinen nicht" (1970).
 

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von www.e-m-s.de

Rittmeister Wronski
Antje Weisgerber in den späten 80ern beim Dreh zu Der Landarzt Ihr ausdrucksstarkes Gesicht mit den großen Augen prädestinierte sie im Film für moderne Frauen, die eigensinnig ihren Weg gehen. So war sie nicht nur die trennungsfreudige Mutter der "doppelten Lottchen", sondern auch die resolute "Frau des Botschafters" oder die Frau mit Format.3)
 
Ab Mitte der 1960er Jahre konzentrierte sich die Schauspielerin neben ihrer Theaterarbeit vermehrt auf das Fernsehen, wo sie vor allem in Verfilmungen großer Theaterstoffe zu sehen war. Ungeheure Popularität erlangte sie ab 1987 als Olga Mattiesen in der beliebten ZDF-Serie "Der Landarzt"2) und spielte die Mutter des ersten Landarztes Dr. Mattiesen alias Christian Quadflieg auch dann noch, als Quadflieg den Serientod erlitt. 1999 stieg dann auch Antje Weisgerber zum Bedauern der Zuschauer aus der Serie aus; wie später bekannt wurde litt sie an einem Hirntumor.
 

Antje Weisgerber in den späten 1980ern beim Dreh zu "Der Landarzt"
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Antje Weisgerber erlag am 19. September 2004 mit 82 Jahren im Haus ihrer Tochter in Dortmund ihrem langjährigen Krebsleiden. Die Schauspielerin hatte die letzten Jahre im bayerischen Rottach-Egern am Tegernsee gelebt; ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Kirchhof der St. Annen-Gemeinde in Berlin-Dahlem in einem Ehrengrab neben ihrem ersten Mann Horst Caspar4), mit dem sie seit 1944 bis zu dessen frühen Tod am 27. Dezember 1952 verheiratet war; aus der Verbindung stammt(e) Sohn Frank, der ebenfalls 1952 verstarb, sowie Tochter Renate, die ihre Mutter zur mehrfachen Großmutter machte. Nach einer Ehe mit  Reinhard Schilling (1958 bis 1968) war die große Theatermimin Antje Weisgerber von 1970 bis 1979 mit dem Schauspieler Oskar Werner4) (1922 – 1984) liiert. 1990 hatte man die Künstlerin für ihr Lebenswerk mit dem "Filmband in Gold" ausgezeichnet.
 
Link: 1) Murnau-Stiftung, 2)  Wikipedia, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 382)
Siehe auch Wikipedia
 
Kinofilme
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
  • 1955: Die Frau des Botschafters
  • 1955: Bel Ami
  • 1956: Heidemelodie
  • 1959: Der Mann, der sich verkaufte
  • 1960: Lampenfieber
  • 1964: Die reinsten Engel
  • 1965: Der Ölprinz
  • 1970: Schmetterlinge weinen nicht
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