Joseph Offenbach wurde am 28. Dezember 1904 als Joseph Ziegler und Sohn eines Buchdruckers in Offenbach am Main geboren. Nach Abschluss der Mittelschule begann er eine Sattlerlehre und spielte nebenher schon an Laienbühnen. Später nahm er Schauspielunterricht in Frankfurt und gab 1927 in Zwickau als "Lancelot" in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" sein professionelles Bühnendebüt. Weitere Engagements führten ihn nach Heidelberg (1929) und an das "Mannheimer Nationaltheater" (1931), wo er dann auch seinen Künstlernamen "Offenbach" annahm. 1941 wechselte Offenbach an das "Münchner Staatstheater", von 1946 bis 1956 sowie von 1958 bis 1966 spielte der Mime am "Deutschen Schauspielhaus" in Hamburg, Gustaf Gründgens hatte ihn an das Theater geholt. 1966 kehrte Josef Offenbach zu den Städtischen Bühnen Frankfurt zurück wo er vorher als Gast schon große Erfolge hatte. Seine großen Rollen in Frankfurt waren nun der "Hauptmann von Köpenick", der "Schneider Wibbel", der "Geizige" und nicht zuletzt der "Datterich"1) in Ernst Elias Niebergalls gleichnamiger Lokalposse. Josef Offenbach liebte die skurrilen Typen, eben die Chargenrollen, die speziellen Charaktere, die Typen des Volkes, Gestalten voller Gegensätze, voll Rührseligkeit und Humor, die armen Teufel, die unser Mitleid erregen. (Quelle: www.hr-online.de)
 
1942 war Offenbach zum Film gekommen und gab sein Leinwanddebüt als Portier in Hans H. Zerletts heiteren Geschichte "Einmal der liebe Herrgott sein" (mit Hans Moser). Weitere Nebenrollen in verschiedensten Streifen folgten und auch im Nachkriegsfilm wurde Offenbach zum vielbeschäftigten Darsteller. Es waren nicht die großen Hauptrollen, dennoch bleibt der Schauspieler mit prägnanten Figuren dem Kinopublikum in Erinnerung. Zu nennen ist vor allem die Rolle des Schusters Leyendecker in Helmut Käutners Zuckmayer-Adaption "Der Schinderhannes"1) (1959, mit Curd Jürgens und Maria Schell), Offenbach wurde 1959 für seine Leistung mit dem "Preis der Deutschen Filmkritik" als "Bester Nebendarsteller" ausgezeichnet. Er verkörperte meist Subalterne, deren Nöte und Ängste Offenbach wie kaum ein anderer darstellen konnte. Mit gallig werdendem Humor, wie auf Dackelbeinen, pfiffig und skeptisch, in mauligem Dialekt-Tonfall seiner Heimat, gab er u. a. Bettler, Gerichtsvollzieher, Polizisten, Kommissare, Friseure, Apotheker oder Manager.2)

Schwerpunkt seiner schauspielerischen Arbeit blieb jedoch stets die Bühne sowie ab den 1950er Jahren das Fernsehen; er arbeitete auch als Synchronsprecher und besprach Schallplatten. Darüber hinaus war Offenbach als Hörspiel-Regisseur aktiv. So produzierte er 1964 das Hörspiel "Der Schut" nach dem gleichnamigen Roman von Karl May, in dem er selbst die Rolle des Hadschi Halef Omar sprach, neben einem jungen Charles Brauer in der Rolle des Kara Ben Nemsi.
Szenenfoto "Die Unverbesserlichen und ihr Optimismus" (EA: 2.4.1967; Regie: Claus Peter Witt): Käthe Scholz (Inge Meysel) ist zusammengebrochen. Ihr Mann (Joseph Offenbach) gibt ihr ein Beruhigungsmittel zu trinken. Foto zur Verfügung gestellt vom NDR (Presse und Information); Copyright NDR/Holtz

Besonders populär wurde Offenbach ab Mai 1965 als Kurt Scholz in Robert Strombergers TV-Reihe "Die Unverbesserlichen"3). Er spielte bis zu seinem Tod in allen sieben Folgen den liebenswerten, manchmal etwas blauäugigen Kleinbürger "Vater Scholz", der sich neben seiner resoluten Frau Käthe alias Inge Meysel behaupten musste. Nach dem Tod von Offenbach wurde die Reihe, die inzwischen Kultcharakter erreicht hat, sehr zum Leidwesen der Zuschauer eingestellt. Eine schöne Rolle war 1969 bzw. ab Oktober 1971 auch die des Künstleragenten Jacobsen in der beliebten TV-Serie "Salto Mortale"3).
 
 
Szenenfoto "Die Unverbesserlichen und ihr Optimismus" (EA: 02.04.1967; Regie: Claus Peter Witt): Käthe Scholz (Inge Meysel) ist zusammengebrochen. Ihr Mann (Joseph Offenbach) gibt ihr ein Beruhigungsmittel zu trinken.
Foto zur Verfügung gestellt vom NDR (Presse und Information)
© NDR/Holtz

Joseph Offenbach, der mit Maria Eckerlein verheiratet war, starb am 15. Oktober 1971 im Alter von 66 Jahren in Darmstadt an den Folgen eines Herzanfalls; seine letzte Ruhestätte fand er dem Alten Friedhof in Darmstadt (siehe Foto der Grabstelle bei www.knerger.de).
 
Am 4. April 2010 (10.45 Uhr) erinnerte der Hessische Rundfunk (HR) mit dem liebevollen Porträt "Joseph Offenbach – Kleiner Mann ganz groß" noch einmal an den sympathischen Vollblutmimen. Die Pressestelle des HR stellte hierzu folgenden Artikel4) ins Internet:
Autorin Elisabeth Weyer hat sich auf die Spuren von Joseph Ziegler begeben, der mit seinem Künstlernamen Offenbach, seiner Geburtsstadt die Ehre erweisen wollte. Legendär seine Präsenz, seine komödiantische Fixigkeit und sein mundartliches Können, mit denen er die Herzen des Publikums im Sturm eroberte – etwa als "Datterich" in der gleichnamigen Darmstädter Lokalkomödie. Dieser tragikomische Aufschneider und Schnorrer war eine Paraderolle, die Offenbach zum Liebling des hessischen Publikums machte und ihm wie auf den Leib geschrieben war. Unvergessen bis heute auch seine Auftritte als Vater Scholz in der Fernsehserie "Die Unverbesserlichen" mit Inge Meysel, in der er zum Entzücken von Millionen die Alltagssorgen des kleinen Mannes der Wirtschaftswunderzeit verkörperte und die ihn zu einem der beliebtesten Schauspieler Deutschlands machte.
Joseph Offenbach war ein Star vor allem der Nebenrollen – Helden und Liebhaber lagen ihm nicht. Er hatte das seltene Talent, noch aus der kleinsten Rolle einen großen Auftritt zu machen, auf der Bühne, im Fernsehen und im Kino der fünfziger und sechziger Jahre. Der Film lässt diesen besessenen Schauspieler, sein Leben, seine Persönlichkeit und die wichtigsten Stationen seiner Karriere wieder lebendig werden. Zahlreiche Film- und Fernsehausschnitte, unvergessene, aber auch wiederentdeckte Lach- und Glanznummern veranschaulichen die Schauspielkunst dieses brillanten Charakterdarstellers. Prominente Schauspieler wie Uwe Friedrichsen, Doris Kunstmann und Monika Peitsch erinnern sich an den eigenwilligen Kollegen.
 

1) Link: Wikipedia
2) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 267
3) Beschreibung innerhalb dieser HP
4) Quelle: Hessischer Rundfunk, Pressestelle:  www.hr-online.de
(Abdruck: honorarfrei)
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
 
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung)
1942: Einmal der liebe Herrgott sein 1942: Der Hochtourist
1943: Die Keusche Sünderin 1943: Reise in die Vergangenheit
1943: Peterle 1943: Der Unendliche Weg
1944: Ich brauche dich 1944: Orient-Express
1944: Es lebe die Liebe 1944: Der Täter ist unter uns
1944/45: Der Millionär (Erstaufführung 1947) 1949: Der Bagnosträfling
1949: Der Blaue Strohhut 1949: Hafenmelodie
1949: Die Letzte Nacht 1949: Kätchen für alles
1949: Schicksal aus zweiter Hand 1950: Vom Teufel gejagt
1950: Der Mann, der zweimal leben wollte 1950: Des Lebens Überfluss
1950: Der Mann, der sich selber sucht 1951: Sensation in San Remo
1951: Weh dem, der liebt! 1951: Schön muss man sein
1952: Tanzende Sterne 1952: Die Diebin von Bagdad
1952: Ich warte auf dich 1952: Unter den tausend Laternen
1953: Die Blume von Hawaii 1953: Das Singende Hotel
1953: Keine Angst vor großen Tieren 1954: Canaris
1954: Geld aus der Luft 1955: Banditen der Autobahn
1955: Der Falsche Adam 1955: Des Teufels General
1955: Oh, diese lieben Verwandten 1955: Himmel ohne Sterne
1955: Die Toteninsel 1955: Ingrid – Die Geschichte eines Fotomodells
1956: Der Hauptmann von Köpenick 1956: Skandal um Dr. Vlimmen
1956: Der Meineidbauer 1956: Die Trapp-Familie
1957: Königin Luise  1957: Monpti
1957: Der müde Theodor 1957: Robinson soll nicht sterben
1957: Immer wenn der Tag beginnt 1957: Nachts im grünen Kakadu
1958: Das Mädchen vom Moorhof 1958: Dreizehn alte Esel
1958: Unruhige Nacht 1958: Der Mann im Strom
1958: Der Schinderhannes 1959: Frau im besten Mannesalter
1959: Verbrechen nach Schulschluss 1959: Buddenbrooks – 1. Teil
1960: Die Brücke des Schicksals 1960: Hauptmann – deine Sterne
1960: Mit 17 weint man nicht 1960: Himmel, Amor und Zwirn
1960: Die Botschafterin 1961: Bei Pichler stimmt die Kasse nicht
1961: Der Lügner 1961: Freddy und der Millionär
1961: Zwei unter Millionen 1961: Der Fälscher von London
1961: Unser Haus in Kamerun 1961: Via Mala
1961: Die Toten Augen von London 1963: Durchbruch Lok 234
1963: Heimweh nach St. Pauli 1964: Verdammt zur Sünde
1964: Freddy, Tiere, Sensationen 1966: Jungfrau aus zweiter Hand
1966: Vier Schlüssel 1967: Herrliche Zeiten im Spessart
1969: Unter den Dächern von St. Pauli 1971: Der Kapitän
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