Martin Benrath wurde am 9. November 1926 als Helmut Kurt August Hermann Krüger
und Sohn eines leitenden Angestellten in Berlin-Lankwitz geboren. Das
Gymnasium konnte er aufgrund der Kriegswirren nur bis zur Unterprima
besuchen, musste zwei Jahre lang seinen Dienst als Flakhelfer tun. Nach Ende
des 2. Weltkrieges entschied er sich für den Beruf des Schauspielers, begann er ein
Privatstudium bei Maria Loya in Berlin und erhielt
nach seinem Abschluss 1947 ein erstes Engagement am dortigen Theater am
Schiffbauerdamm, wo er bis 1950 auf der Bühne stand; danach ging er ans Kurfürstendamm-Theater,
spielte bis 1952 am Hebbel-Theater und schließlich am Theater-Club des British
Centre; 1953 holte ihn Gustaf Gründgens an das Düsseldorfer Schauspielhaus.
Der Erfolg in Jean Cocteaus "Bacchus" und als Bruno Mechelke in Gerhard Hauptmanns
"Ratten" machten ihn bei Gustaf Gründgens zum beliebten Charakter-Star.
Als Gründgens nach Hamburg wechselte, spielte Benrath bis 1962 bei Karl Heinz Stroux weiter.
Hier spielt er formsicher mit viriler Kälte und distanziertem Charme
sensible und nervöse Helden, Prinzen, Könige, Götter, Verbrecher und Salonherren.
"Benrath Figuren hatten Größe immer, nicht nur die Helden, Herren und Herrenmenschen,
auch die Draufgänger und die Verlierer. Gerade ihnen schenkte er ein Mitleid, das sie erhaben machte im Unglück." (Sucher,
2000/Quelle: www.cinegraph.de)
Seit 1962 stand Benrath (mit Unterbrechungen) am Bayerischen
Staatsschauspiel auf der Bühne, bei Gastspielen vor allem in Berlin und Hamburg zeigte er
immer wieder seine darstellerische Dominanz, ebenso wie bei den Festspielen in Recklinghausen
und Bad Hersfeld sowie in Salzburg, wo er mehrmals als "Tod" im
"Jedermann" brillierte. Zwischen 1969 und 1976 band sich Benrath
nicht fest an ein Haus.
Unter der Regie von Stroux war Benrath der
Prinz in Friedrich Schillers
"Emilia Galotti", der Barnaby Kaghan in Thomas Stearns Eliots
"Privatsekretär" sowie der Orpheus in Jean Anouilhs "Eurydike";
auch in der Titelrolle in "Becket oder Die Ehre Gottes" von Anouilh
feierte er Erfolge. 1961 ging der Schauspieler nach München, spielte
am Bayerischen Staatsschauspiel, an den
Kammerspielen und wurde endgültig zu einem der ganz großen stimmgewaltigen
Bühnendarsteller. Alle großen Bühnenregisseure, ob Hans Lietzau oder Peter Stein, besetzten
ihn in den großen Charakterrollen des klassischen und modernen Theaterrepertoires.
So war er 1968 bei Lietzau der Franz in der legendären Inszenierung von Schillers
"Die Räuber", 1980 August Strindbergs "Vater" und 1984 William Shakespeares
"König Lear". Man sah ihn in "Der Professor Bernhardi"
von Arthur Schnitzler, in Shakespeares
"Julius Caesar" und als Schillers König Philipp II. in "Don Carlos",
unter der Regie des Schweizer Bühnenregisseurs Luc Bondy spielt er den
Industriellen Christoph Groth, der nach langen Jahren zu seiner Frau (Jutta Lampe) zurückkehrt;
die Botho-Strauß-Uraufführung "Das Gleichgewicht" führte Benrath 1993 nach Zürich.
Während seiner Schauspielerkarriere auf den bekannten Theaterbühnen spielte
Benrath alle großen Hauptrollen von Schiller über Hauptmann bis hin zu Ionesco.
1953 war der der Schauspieler zum Film gekommen und trat neben Curd Jürgens und Eva Bartok
mit seiner erste Kinorolle als Ulanenoffizier Michael Godeysen in Gerhard Lamprechts
Familiensaga "Meines Vaters
Pferde"1) nach dem Romanbestseller von Clemens Laars
in Erscheinung; auch in dem 2. Teil
"Meines Vaters Pferde: Seine dritte Frau"1) wirkte er mit.
In seinem Gesicht, in dessen Ausdruck sich Arroganz und
Haltlosigkeit in unnachahmlicher Weise verbinden, bricht
manchmal der wahre Charakter dieses ganzen verlogenen Schattenspiels durch was sicher nicht das Verdienst des
Regisseurs ist, der ihn unermüdlich billige Sprüche rezitieren lässt.
schrieb damals Ben Eichsfelder (= Enno Patalas) im Film-Forum, Nr. 8, 1954).
Neben
seiner unfangreichen Theatertätigkeit, der er sich in erster Linie widmete, übernahm
Benrat in den folgen Jahren immer wieder Rollen für das Kino oder das
Fernsehen in Stücken unterschiedlichen Genres. Der Mann mit den markanten
Gesichtszügen - der "Schmiss" war Folge eines Unfalls - schien
für die Verkörperung preußischer Offiziere prädestiniert. Erneut unter
der Regie Lamprechts agierte 1954 als Jürgen Marein in der nach einem
Illustriertenroman entstandenen Inzest-Geschichte "Der Engel mit dem Flammenschwert"
und mimte den Filmehemann von Gertrud Kückelmann, die damit konfrontiert
wird, ihr Mann sei angeblich ihr Halbbruder. 1956 war er neben Antje Weisgerber in
dem Liebesfilm " Heidemelodie" der Ulrich Haagen, der sich
durch die Liebe einer Frau vom rücksichtslosen Pferdezüchter und
Heidebauern zum sensiblen Mann mausert. Neben Ruth Leuwerik glänzte er
1959 in der Ehekomödie "Die Ideale Frau", trat mit Karlheinz Böhm in
dem Drama "Kriegsgericht" in Erscheinung, 1965 verkörperte
er überzeugend neben Marlon Brando den linientreuen 1. Offizier Kruse in
Bernhard Wickis Hollywood-Film
"Morituri"1).
Zu den weiteren Höhepunkten von Benraths Filmschaffens
gehören 1975 die Titelfigur in Bernhard Sinkel und Alf Brustellins
Zeitportrait "Berlinger Ein deutsches Abenteuer"2) seine
vielleicht schönste
Kinorolle sowie 1980 die Figur des Psychologen Mogens Jensen in
Ingmar Bergmanns "Aus dem Leben der
Marionetten", der Geschichte eines Mordes inmitten der bürgerlichen
Gesellschaft. Eine weitere Zusammenarbeit mit Sinkel hatte sich 1980 mit dem
Politthriller "Kaltgestellt"2)
ergeben, in Michael Verhoevens "Die Weiße Rose"1) (1982) spielte er
den konservativen, dennoch mutigen Philosophieprofessor Huber. Nach seiner
Rolle des Dr. Otto Klenk in Franz Seitz' Kinofilm "Erfolg" (1991,
nach dem Roman von Lion Feuchtwanger) war er ein Jahr später der einsame Chefredakteur Uwe Esser in
Helmut Dietls erfolgreichen Satire "Schtonk"1), der Story um die gefälschten Hitler-Tagebücher.
1993 spielte er
den General Hentz in Joseph Vilsmaiers Kriegsdrama "Stalingrad",
im gleichen Jahr den jüdischen Kinochefs Teilhaber neben Armin Mueller-Stahl
in Bernhard Sinkels Hommage an den Stummfilm "Der
Kinoerzähler"2). 1998 agierte er neben
Katja Flint als Rechtsanwalt Charles Bernsdorf in Sherry Hormanns Komödie
"Widows Erst die Ehe dann das Vergnügen".
Seit Mitte der 60er Jahre kamen für den Schauspieler vielfältige Aufgaben
bzw. prägnante Rollen für das Fernsehen hinzu, neben Auftritten in
beliebten Krimi-Serien wie "Die Fünfte Kolonne" oder
"Derrick" spielte er jedoch vornehmlich in ambitionierten
TV-Stücken, unter der Regie namhafter Filmemacher wie Ludwig Cremer, Peter Beauvais
oder Franz Peter Wirth. 1965 beispielsweise war er als Sir Robert Chiltern
neben Gerlinde Locker in der Oscar Wilde-Komödie "Ein Idealer Gatte" zu
sehen, gemeinsam mit Hans Christian Blech spielte er die Hauptrolle in Ludwig Cremers
"Don Juan in der Hölle" (1975), lieferte als Konsul Johann Jr. in
Franz Peter Wirths 11-teiligen Fernsehfassung von Thomas Manns "Die
Buddenbrooks"2) (1979) erneut eine eindrucksvolle
schauspielerische Leistung ab. Herausragend war auch 1986 seine Rolle in Bernhard Sinkels IG-Farben-Epos "Väter und Söhne"1).
Hier verkörperte er den jüdischen Bankier Bernheim, der zynischerweise die Entwicklung von Zyklon B
mitfinanzierte, mit dem Millionen von Juden in den Konzentrationslagern ermordet werden.
In Dieter Wedels Fünfteiler "Der Schattenmann"1) spielte Benrath 1996 den
totgeglaubten Vater bzw. betrogenen Werftbesitzer David Schachmann,
1998 sah man ihn als den Großvater des kleinen Esau in Jo Baiers Inszenierung
von Erwin Strittmatters
"Der Laden"1); für diese Großvater-Rolle wurde Benrath mit dem Adolf-Grimme-Preis
in Gold und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.
Eine schöne Figur war
auch die des charmantern Barons in Susanne Zankes Komödie "Natascha"3) (1999),
seine letzte
Fernsehrolle war 1999 die des Königs in Bernd Fischerauers
Dreiteiler "Zwei Asse und ein König";
am 31. Januar 2000 am Tag der
Erstausstrahlung erlag Martin Benrath im oberbayerischen Herrsching den Folgen seiner
Krebserkrankung. Seine letzte Ruhestätte fand er auf Friedhof Salzburg-Aigen.
Martin Benrath, der sein Privatleben stets vor der Öffentlichkeit
abschirmte, war seit 1953 mit Schauspielerkollegin Marianne Klein
verheiratet; mit ihr lebte er bis zu deren Tod im Jahre 1988 im
oberbayerischen Herrsching am Ammersee.
Der großartige Charakterdarsteller Martin Benrath verkörperte im Film meist
introvertierte Einzelgänger oder Außenseiter, die schon äußerlich durch
zwei Merkmale hervorstachen: das ausdrucksvollen Gesicht mit der großen
Narbe auf der Wange sowie die durch Zischlaute betonte Stimme. Seine gewaltige Körpergröße prädestinierten ihn
auch für die Rollen von Adligen und "Herrenmenschen" allerdings
immer verbunden mit einer gehörigen Portion Sympathie. (Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf
Heinzelmeier/Berndt Schulz)
Zahlreiche Preise belegen die darstellerischen Leistungen des 1982 zum
Bayerischen Staatsschauspieler ernannten Martin Benrath, der seit 1972
Mitglied der "Akademie der Künste" in Berlin sowie der Bayerischen
"Akademie der Schönen Künste" war. 1988 hatte er den "Bayerischen Verdienstorden",
1994 das "Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland"
erhalten. Bereits 1973 konnte er eine "Goldene Kamera"
entgegennehmen, der "Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst" (1995) ist eine
weitere Ehrung, die dem Schauspieler zuteil wurde.
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