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Doch seine Leidenschaft galt dem Theater, folglich nahm er zunächst
privaten Schauspielunterricht, machte ein Volontariat am Krefelder Stadttheater
und ließ sich danach ab 1905 zwei Jahre lang von Louise Dumont1)
(1862 1932) und deren Ehemann Gustav Lindemann1)
(1872 – 1960) an der "Hochschule für Bühnenkunst" in Düsseldorf weiter
ausbilden.
1907 gab Henckels sein Bühnendebüt als " Sperling" in Kotzebues
Schauspiel "Die deutschen Kleinstädter". Einer seiner größten
Bühnenerfolge wurde 1913 die Titelrolle in "Schneider Wibbel"1) von
Hans Müller-Schlösser, die er auch auf der Leinwand 1931 eindrucksvoll interpretierte.
Später
wirkte er auch
als Regisseur am "Düsseldorfer Schauspielhaus", dessen stellvertretender Direktor er 1919/20
gemeinsam mit Fritz Holl1)
(1883 1942) wurde. 1921 hatte
er auch zeitweise die Leitung des Berliner "Schlossparktheaters" inne, dessen Mitbegründer er war.
Paul Henckels als allwissender TV-Professor in der
unterhaltsamen,
zehnteiligen
Vorabendserie "Nachsitzen für Erwachsene" (1960; → Infos)
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von
"Pidax film",
welche die Produktion auf DVD herausbrachte (Erscheinungsdatum: 23.01.2015) |
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1920 hatte ihn Max Reinhardt1)
(1873 1943) nach Berlin geholt, wo Henckels rheinische Art
und sein menschliches, warmes Spiel das Publikum begeisterte.
Henckels wirkte in der Folgezeit an fast allen wichtigen Bühnen Berlins und gehört zwischen 1936 und 1945 unter
der Intendanz von Gustaf Gründgens2)
(1899 1963) zum
Ensemble des "Preußischen Staatstheaters Berlin".
Seit Anfang der
1920er Jahre war der Vollblutmime auf der Leinwand präsent,
nachdem er von Henny Porten2)
(1890 1960) entdeckt worden war. Sein Filmdebüt gab er in dem stummen Streifen
"Das Geheimnis der sechs Spielkarten, 5. Teil Das Herz König" (1921), seitdem war der
Schauspieler in der Folgezeit in über 180 Filmen zu
sehen. Durch seine Rolle in "Therese Raquin" (1928) von Jacques Feyder schon
früh auf seinen Rollentypus des verknöcherten Beamten festgelegt, wurden seine
Darstellungen erst spät auch liebenswürdiger. Der besinnliche
Humor, der von ihm ausstrahlte, das verschmitzte Lächeln und eine
etwas kauzige Hintergründigkeit, die er seinen Gestalten mit gab,
fesselten die Zuschauer immer wieder aufs Neue. Unvergessen bleibt
seine Hauptrolle in der Filmfassung des "Schneider Wibbel" (1930),
die er auch selbst in Szene setzte, ebenso wie sein Kommerzienrat Apel
in Carl Boeses "Der Ungetreue Eckehart" (1931).
Weitere Vorkriegsfilme
waren unter anderem "Abschiedswalzer" (1934), "Der Herr
Senator" (1934), "Der Lustige Witwenball" (1936)
und die Curt Goetz-Komödie "Napoleon ist an allem schuld"1) (1938),
wo er mit der Rolle des Lord Cunningham brillierte. Als
"Plattenbruder" Wimm glänzte er in Erich Engels
Spoerl-Adaption "Der Maulkorb"1) (1938), ebenso wie als Baron Bubi
von Sarabant in Wolfgang Liebeneiners heiteren Geschichte
"Der Florentiner Hut"1) (1939) neben Heinz Rühmann. 1941 zeigte
er sich unter der Regie Theo Lingens in dessen Paul Lincke-Adaption "Frau Luna"3) als Geheimrat Schmidt,
ein Jahr später in Willi Forsts Operettenverfilmung "Wiener Blut"1) als Fürst
Ypsheim, in Erich Engels heiteren Geschichte "Altes Herz wird wieder jung"3) mimte er 1943 den Justizrat Flinth
und 1944 den Professor Bömmel in Helmut Weiss' legendären
Spoerl-Verfilmung "Die Feuerzangenbowle"1) mit Heinz Rühmann eine Rolle,
die zu Henckels Glanzleistungen zählt. Wer hat sie nicht noch im
Ohr, die Worte: "Wo simmer denn dran? Aha, heute krieje mer de
Dampfmaschin. Also, wat
is en Dampfmaschin? Da stelle merß uns janz dumm. Und da sage mer
so: En Dampfmaschin, dat is en jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch. Dat
eine Loch, dat is de
Feuerung, un dat andere Loch, dat krieje mer später
"
Henckels erster Nachkriegsfilm war die frühe DEFA-Produktion "Wozzeck"1) (1947)
nach dem Bühnenstück von Georg Büchner, es folgten Auftritte in
zahlreichen Unterhaltungsfilmen wie "Der Fröhliche
Weinberg"1) (1952), "Fräulein Casanova" (1953) oder "Der
Zarewitsch" (1954). In "Die Mädels vom Immenhof"1), "Hochzeit auf Immenhof"1)
und "Ferien auf Immenhof"1) mimte
Henckels 1955, 1956 und 1957 an der
Seite von Margarethe Haagen einzigartig den Dr. Pudlich, 1957 den "Schimmelpreester"
in "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"1), seinen letzten
Leinwandauftritt hatte der Schauspieler 1961 in Paul Mays
Knittel-Verfilmung "Via Mala"1).
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Neben seiner Arbeit für den Film ging Henckels mit
Rezitationen beispielsweise von Wilhelm Busch auf Tourneen, führte Hörspielregie und spielte als Gast
unter anderem an Theatern in Berlin, Düsseldorf und Köln. Die
Fernsehzuschauer erfreute er als Moderator bzw. allwissender TV-Professor in der
zehnteiligen Serie
"Nachsitzen für Erwachsene". Hierzu kann man
bei "Pidax
film", welche diese fast vergessene Produktion auf DVD herausbrachte, lesen: "Paul Henckels bereitet
als Professor, der unmittelbar der
"Feuerzangenbowle" entsprungen zu sein scheint, Wissenswertes aus
allen Bereichen unterhaltsam für das große und kleine Publikum auf. Dabei schult
er gemeinsam mit seinen erwachsenen Schülern dank humorvoller und spritziger
Dialoge die Allgemeinbildung. Mit interessanten Details und Erklärungen verblüfft er mehr als einmal.
In Zeiten ohne Internetzugang war
"Nachsitzen für Erwachsene" sicherlich eine Bereicherung für jeden Zuseher.
Wetten, dass Sie aber auch heute noch jede Menge dazulernen können, wenn Sie sich diese
doch recht amüsant aufbereiteten Episoden ansehen?"
Zudem war Henckels Dauergast bei der
Gesangs- und Plauderreihe "Die fröhliche Weinrunde" mit Margit Schramm als Wirtin und Willy Schneider als Kellermeister.
Er
führte außerdem Regie und inszenierte, machte sich mit drei Büchern einen
Namen: 1956 erschienen seine ersten Erinnerungen unter dem Titel
"Ich war kein Musterknabe", 1960 folgte "Heiter bis
wolkig", in denen er in launiger Weise über sein abwechslungsreiches Leben
berichtet; zuletzt schrieb er an seinem dritten Buch "Allerlei Heiterei Hobelspäne von
den Brettern, die die Welt
bedeuten".
Abbildung DVD-Cover mit freundlicher
Genehmigung von "Pidax
film"
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Anlässlich seines 75. Geburtstages wurde Henckels 1960 das
"Bundesverdienstkreuz 1. Klasse" sowie als Senatsgabe der
"Berliner Bär" verliehen, 1962 überreichte man ihm das "Filmband
in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im
deutschen Film". Seines 80.Geburtstages wurde in der deutschen Presse eingehend
gedacht, bis zuletzt hatte der Schauspieler auf der Bühne gestanden.
Paul Henckels starb am 27. Mai 1967 mit 81 Jahren in Kettwig
(heute Essen-Kettwig).
Er war
in zweiter Ehe mit
der Schauspielerin Thea Grodtczinsky1) (1893 1978) verheiratet. Seine
erste Frau war die ehemalige Schauspielerin Cecilia Brie, mit der er drei
Kinder hatte. Der Schauspieler lebte zuletzt im
Schlosshotel "Hugenpoet" bei Kettwig, seine letzte Ruhe fand er auf dem
Düsseldorfer Südfriedhof → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
In Berlin-Steglitz erinnert der "Paul-Henckels-Platz"
an den legendären Mimen.
Paul Henckels 1947 mit Thea Grodtczinsky in dem Theaterstück
"Der Kreis" von William Somerset Maugham1)
an der
Berliner "Tribüne" Regie: Viktor de Kowa2)
Quelle: Deutsche
Fotothek, (file: df_pk_0000546_003)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham
Pisarek1) (19011983); Datierung: 01.1947
Quelle: www.deutschefotothek.de;
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
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Henckels spielte Figuren wie von Spitzweg: Schulmeister, Buchhalter, Oberkellner, Eigenbrötler, Käuze.
Mal schnurrig, mal charmant-verschmitzt, mal grantig. Der rheinische Akzent seiner
unverwechselbaren meckernden, plänkelnden Stimme akzentuierte auch die seelische
"Tonlage" seiner Charaktere.4) "Er entwickelte ein spezifisches
Talent für Kleinmalerei, ohne kleinlich zu werden, er spielte die Schrulligen,
die Eigensinnigen, die Wunderlichen, verwinkelt und vermenschlicht zugleich.
Äußerlich gern ein bißchen zerknittert, innerlich immer glattgebügelt; ironisch
und gutmütig, cholerisch und sanftmütig, zuweilen allzu verliebt in ein üppiges
Schnörkelwesen, immer aber klar und präzise und sehr rheinländisch."
schrieb der Schriftsteller und Theaterkritiker Wolfgang Drews 1955 anlässlich des 70. Geburtstages von Paul Henckels. |