Filmografie / Hörspiel
Paul Henckels 1924; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikimedia Commons Paul Henckels wurde am 9. September 1885 im rheinischen Hürth1) bei Köln als Sohn eines Industriellen geboren. Sein Vater Paul Abraham Henckels (1855 –&nbp;1923) stammte aus der der Solinger Messerschmied1)- und Unternehmerfamilie Henckels1), hatte ein eigenes Unternehmen und betätigte sich auch als Kunstmaler, seine Mutter war die Schauspielerin Cäcilia Warszawska († vor 27. März 1909). Henckels wuchs zunächst in Köln auf, als der Solinger Betrieb des Vaters 1903 Konkurs anmelden musste, zog die Familie nach Düsseldorf-Oberkassel1). Er besuchte in Düsseldorf das "Königliche Gymnasium"1) bis zur so genannten "Mittleren Reife"1),  Wikipedia notiert: "Mit seinen später als Schriftsteller bzw. Schauspieler populär gewordenen Jugendfreunden Heinrich Spoerl1), Hans Müller-Schlösser1) und Peter Esser1) nahm er an Schulaufführungen teil und gründete das "literarische Lesekränzchen". Sie studierten das Studentenstück "Alt-Heidelberg"1) ein und brachten um 1903 das Stück "Sekundarliebe", geschrieben von Müller-Schlösser, zur Uraufführung."
Nach der Schule machte Henckels anschließend eine Lehre in einer Lokomotivfabrik und in der väterlichen Stahlwaren-Handlung, doch seine Leidenschaft galt dem Theater. Folglich nahm er zunächst privaten Schauspielunterricht, machte ein Volontariat am "Krefelder Stadttheater"1) und ließ sich danach ab 1905 zwei Jahre lang von Louise Dumont1) (1862 – 1932) und deren Ehemann Gustav Lindemann1) (1872 – 1960) an deren "Theaterakademie" (später "Hochschule für Bühnenkunst") in Düsseldorf weiter ausbilden. Am 16. Juni 1904 hatten zudem Dumont/Lindemann die "Schauspielhaus Düsseldorf GmbH"1) gegründet, 1907 gab Henckels sein Bühnendebüt als Substitut Sperling in dem Lustspiel "Die deutschen Kleinstädter"1) von August von Kotzebue1)
 
Foto: Paul Henckels 1924
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
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Eine seiner ersten Glanzrolle war der Tischler Jakob Engstrand in dem Familiendrama "Gespenster"1) von Henrik Ibsen1) (→ Foto), Henckels gestaltete den Mephisto in Goethes "Faust"1) oder den Arzt in dem Dramenfragment "Woyzeck"1) von Georg Büchner1). Viel Beachtung fand er auch als Yoshikawa in dem Drama "Taifun" von Menyhért Lengyel1) (1910, → Foto 1/Foto 2), als Junker Bleichenwang in der Shakespeare-Komödie "Was ihr wollt"1) (1910, → Foto), als Schreiber Josef Reisacher in der Komödie "Moral" von Ludwig Thoma1) (1911, → Foto 1/Foto 2), als Pantomime in "Pierrot assassin de sa femme" (1911, → Foto) von Paul Vidal1) (Musik) nach Paul Margueritte (1860 – 1918) oder als Titelheld in der Lokalposse "Datterich"1) von Ernst Elias Niebergall1). Einem seiner größten Bühnenerfolge feierte er ab 1913 mit der Titelrolle unter eigener Regie in der Uraufführung des Stücks "Schneider Wibbel"1) von Hans Müller-Schlösser1). Den vaterlandstreuen Protagonisten Schneider Anton Wibbel interpretierte er in Düsseldorf über 1.000 Mal, später auch eindrucksvoll auf der Leinwand in dem gleichnamigen Film (1931) sowie in den 1950er Jahren erneut an den "Bühnen der Stadt Köln"1), jeweils in eigenen Inszenierungen. Dabei übernahm (nach Lotte Fuhst) ab 1916 seine (spätere) zweite Ehefrau, die jüdische Schauspielerin Thea Grodtczinsky1), die er 1921 geheiratet hatte, stets die Rolle der Schneidersfrau Fin Wibbel. Eine der Kölner Aufführungen wurde Anfang April 1954 auch im Fernsehen ausgestrahlt → Info. Auch als Regisseur wirkte er am "Düsseldorfer Schauspielhaus", dessen stellvertretender Direktor er 1919/20 gemeinsam mit Fritz Holl1) (1883 – 1942) wurde. Außerdem leitete er ein "Seminar für Mimik und Gestik", einer seiner Schüler war Gustaf Gründgens. An Inszenierungen sind unter anderem zu nennen "Peter Pan" (1912) nach den Kindergeschichten um "Peter Pan"1) von J. M. Barrie1), "Amphitryon"1) (1916/17) von Heinrich von Kleist1), "Ein Traumspiel"1) (1918/19) von August Strindberg1), Schillers "Wallenstein"1) (1919) und die Uraufführung des Dramas "Godiva" (1919/20) von Hans Franck1).
Zur Spielzeit 1920/21 holte Max Reinhardt1) (1873 – 1943) Henckels nach Berlin, wo er mit seiner rheinischen Art und seinem menschlich-warmen Spiel das Publikum begeisterte. Unter anderem gestaltete er als Hauptmann1)-Interpret für Reinhardt den Kunsthistoriker Dr. Weiß in dem Drama "Dorothea Angermann"1), welches am 20. November 1926 im Wiener "Theater in der Josefstadt"1) mit Dagny Servaes in der Titelrolle sowie unter anderem Oskar Homolka (Küchenchef Mario Malloneck) und Ernst Stahl-Nachbaur (Pastor Angermann) zur Uraufführung gelangte → josefstadt.org. In der Uraufführung des Hauptmann-Stücks "Vor Sonnenuntergang"1) am 16. Februar 1932 am Berliner "Deutschen Theater"1) gab er den Pastor Immos.
1921 hatte er auch zeitweise die Leitung des Berliner "Schlosspark Theaters"1) inne, dessen Mitbegründer er war und das 1921 mit Henckels Inszenierung der Shakespeare-Tragödie "Timon von Athen"1) eröffnet wurde.
Henckels wirkte an fast allen wichtigen Bühnen Berlins, verkörperte unter anderem ab 25. November 1929 (Premiere) an der "Volksbühne"1) den Georges Clemenceau1) in der Uraufführung des Schauspiels "Die Affaire Dreyfus" von Hans José Rehfisch1) (als René Kestner) und Wilhelm Herzog1) über die so genannte "Dreyfus-Affäre"1) (Regie: Heinz Dietrich Kenter1)). Zwischen
 1936 bis zur kriegsbedingtem Schließung im September 1944 gehörte er unter der Intendanz von Gustaf Gründgens zum Ensemble des "Preußischen Staatstheaters"1) – Gründgens engagierte Henckels, um ihn, der als so genannter "Halbjude" galt, und seine jüdische Ehefrau Thea Grodtczinsky vor "rassischer" Verfolgung zu schützen.*) Am "Staatstheater" stellte er unter anderem den armen Poet Knipp in dem musikalischen Lustspiel "Das kleine Hofkonzert"1) (1936) von Paul Verhoeven und Toni Impekoven1) (Libretti) mit der Musik von Edmund Nick1) dar – Vorlage für die Szene in Knipps' Dachkammer war sicherlich das berühmte Gemälde "Der arme Poet"1) von Carl Spitzweg1). Als Verhoeven 1944 "Das kleine Hofkonzert"1) (EA: 1949) für das Kino realisierte, spielte Henkels auch hier den Dichter; spätestens seit dieser Rolle "galt Henckels als "der Spitzweg des deutschen Films"."*). Unter der Regie von Jürgen Fehling1) gab er 1941 in der Ludwig Thoma-Komödie "Moral" den herzoglichen Kammerherr und Adjutant Freiherr Botho von Schmettau, genannt "Zürnberg".
  
Seit Anfang der 1920er Jahre war der Vollblutmime in zahlreichen stummen Produktionen auf der Leinwand präsent, nachdem er von Henny Porten (1890 – 1960) "entdeckt" worden war. Sein Filmdebüt gab er in dem Streifen "Das Geheimnis der sechs Spielkarten, 5. Teil – Das Herz König" (1921), mit Henny Porten stand er dann für das Melodram "Das Geheimnis vom Brinkenhof"1) (1923) nach dem Roman von Joseph von Lauff1) vor der Kamera und mimte als Jaspar Brinkenhof den verbrecherische Bruder des verstorbenen Vaters von Maria Brinkenhof (Henny Porten). Untere anderem gab er den alten Ekdal in "Das Haus der Lüge"1) (1926) nach dem Drama "Die Wildente"1) von Henrik Ibsen1) oder den Redakteur Herrn Motes in "Der Biberpelz"1) (1928) nach dem gleichnamigen Drama1) von Gerhart Hauptmann1). Durch seine Rolle des Monsieur Grivet in der Literaturadaption "Therese Raquin"1) (1928) mit dem Untertitel "Du sollst nicht ehebrechen", von Jacques Feyder1) gedreht nach dem gleichnamigen Roman1) von Émile Zola1) mit Gina Manès1) als Titelheldin, schon früh auf seinen Rollentypus des verknöcherten Beamten festgelegt, wurden seine Darstellungen erst spät auch liebenswürdiger. Der besinnliche Humor, der von ihm ausstrahlte, das verschmitzte Lächeln und eine etwas kauzige Hintergründigkeit, die er seinen Gestalten mit gab, fesselten die Zuschauer immer wieder aufs Neue. Unvergessen bleibt eine seiner wenigen Hauptrollen in der Filmfassung des "Schneider Wibbel" (1931), ebenso wie sein Geheimrat Stülpnagel in "Der wahre Jakob" (1931) nach dem Schwank von Arnold und Bach1) oder der Lord Caversham in "Ein idealer Gatte"1) (1935) nach der gleichnamigen Komödie1) von Oscar Wilde1).
"Das Testament des Dr. Mabuse": Szenenfoto mit Paul Henckels als der Lithograph; mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG;  Quelle: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG", Zürich Aus der Fülle der Produktionen bis 1945 ist unter anderem auch der von Fritz Lang1) in Szene gesetzte Krimi-Klassiker "Das Testament des Dr. Mabuse"1) (1933) nach dem gleichnamigen Roman1) von Norbert Jacques1) zu nennen, wo Henckels an der Seite von Rudolf Klein-Rogge als Dr. Mabuse1) die Nebentolle des Lithographen (Bandenmitglied) mimte. Man sah ihn als Minister Paqueno in der Komödie "Die Finanzen des Großherzogs"1) (1934) neben Viktor de Kowa, als König Leopold von Belgien1) in dem Biopic "Mädchenjahre einer Königin"1) (1936) mit Jenny Jugo als die junge, spätere Königin Victoria1) oder in der Curt Goetz-Komödie "Napoleon ist an allem schuld"1) (1938), wo er mit der Rolle des Lord Cunningham brillierte. Als Tagelöhner Wimm glänzte er in der "Der Maulkorb"1) (1938) nach dem gleichnamigen Roman1) von Heinrich Spoerl1) ebenso wie als Baron Bubi von Sarabant in Wolfgang Liebeneiners heiteren Geschichte "Der Florentiner Hut"1) (1939) nach der Komödie von Eugène Labiche1) mit Heinz Rühmann.
 
Szenenfoto mit Paul Henckels als der Lithograph in
"Das Testament des Dr. Mabuse" (1933)
Mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
© Praesens-Film AG:Quelle: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG", Zürich
Unter der Regie von Theo Lingen zeigte er sich als Geheimrat Schmidt in dem Streifen "Frau Luna"1) (1941) mit der Verwendung der Melodien aus der gleichnamigen Operette1) von Paul Lincke1), ein Jahr später als Fürst Ypsheim in Willi Forsts Operettenverfilmung "Wiener Blut"1) (1942), in der ganz auf Emil Jannings zugeschnittenen Geschichte "Altes Herz wird wieder jung"1) (1943) mimte er den Justizrat Flinth oder in "Die Zaubergeige"1) (1944) nach dem gleichnamigen Roman1) von Kurt Kluge1) den Hofkapellmeister Curtius. Unvergessen bleibt Henckels mit der Figur des Professor Bömmel in dem legendären Film "Die Feuerzangenbowle"1) (1944) nach dem gleichnamigen Roman1) von Heinrich Spoerl mit Heinz Rühmann als Schüler Hans Pfeiffer ("mit drei f) – eine Rolle, die zu Henckels Glanzleistungen zählt. Wer hat sie nicht noch im Ohr, die launigen Worte des jovialen Gymnasialprofessors: "Wo simmer denn dran? Aha, heut hammer de Dampmaschin. Wat is en Dampmaschin? Da stelle mer uns ma janz dumm un sage: en Dampmaschin, dat is ene jroße, runde, schwarze Raum. Un der jroße, runde, schwarze Raum, der hat zwei Löcher. Dat eine Loch, da kömmt der Damp erein, und dat andere Loch, dat krieje mer später. Wat tut nu der Damp? Der Damp, der drückt auf den Kolben. Wat ne Kolben is, dat kammer net explizieren, dat steht im Buch. Et steht überhaupt allet im Buch, wat ich sach, bloß net so schön."
Dem NS-Propaganda-Film konnte sich Henckels sich nicht vollständig entziehen, so übernahm er, wenn auch eher unbedeutende Aufgaben in "Junge Adler"1) (1944) und in dem bis heute zu den so genannten "Vorbehaltsfilmen" zählenden "Durchhalte"-Streifen "Kolberg"1) (1945) nach dem Schauspiel "Colberg" von Paul Heyse1) und der Autobiografie1) von Joachim Nettelbeck1) (dargestellt von Heinrich George) → Übersicht Kinoproduktionen bis 1945.
Henckels erster Nachkriegsfilm war die frühe DEFA1)-Produktion "Wozzeck"1) (1947) nach dem gleichnamigen Dramenfragment1) von Georg Büchner1) mit Kurt Meisel als Wozzeck, wo er als der Arzt in Erscheinung trat. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wirkte er dann in zahlreichen Kinoproduktionen vornehmlich im heiteren Fach mit, beispielsweise als ehemaliger Musikdirektor Schöller in "Pension Schöller" (1952) nach dem unverwüstlichen, gleichnamigen Lustspiel1) von Wilhelm Jacoby1) und Carl Laufs1), als Paul Rindsfuß in "Der fröhliche Weinberg"1) (1952) nach dem gleichnamigen Lustspiel1) von Carl Zuckmayer1), als Hofmarschall Bühl zu Bühl in "Königliche Hoheit"1) (1953) nach dem gleichnamigen Roman1) von Thomas Mann1) mit Ruth Leuwerik als Imma Spoelman und Dieter Borsche als Prinz Klaus Heinrich oder als Dr. Ambrosius in "Die spanische Fliege"1) (1954) nach dem Schwank von Franz Arnold1) und Ernst Bach1).

Paul Henckels als allwissender TV-Professor in der unterhaltsamen,
zehnteiligen Vorabendserie "Nachsitzen für Erwachsene"1) (1960; → Infos)
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion auf DVD herausbrachte (Erscheinungsdatum: 23.01.2015)

Paul Henckels als allwissender TV-Professor in der unterhaltsamen, zehnteiligen Vorabendserie "Nachsitzen für Erwachsene" (1960; ? Infos); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film"
Wunderbar war auch sein Tierarzt Dr. Pudlich, Freund des Hauses und großer Verehrer von Oma Jantzen (Margarete Haagen), in den drei "Immenhof"1)-Filmen "Die Mädels vom Immenhof"1) (1955), "Hochzeit auf Immenhof"1) (1956) und "Ferien auf Immenhof"1) (1957). Eine weitere Thomas Mann-Verfilmung war "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"1) (1957) mit Horst Buchholz in der Titelrolle des Felix Krull, hier überzeugte Henckels als Schimmelpreester1), Pate von Felix. Als Dr. Emil Landois gehörte er zur Besetzung des amüsanten Abenteuers "Der tolle Bomberg"1) (1957) nach dem gleichnamigen Roman1) von Josef Winckler1), basierend auf der Lebensgeschichte des Gisbert von Romberg1) mit Hans Albers als Baron Gisbert von Bomberg, seinen letzten Leinwandauftritt hatte er als verständnisvoller Gerichtspräsident Dr. Gutknecht in dem Heimatfilm-Drama "Via Mala"1) (1961) nach dem gleichnamigen Roman1) von John Knittel1) mit unter anderem Gert Fröbe als der alte, gewalttätige Jonas Lauretz → Übersicht Kinofilme nach 1945.
Das Fernsehen als Darsteller spielte eine eher untergeordnete Rolle in Henckels filmischem Schaffen, unter anderem erlebte man ihn als Erich Reigert sen. in dem Stück "Der Herzspezialist"2) (1957) nach der Komödie von Hans Holt und als Partner von Lil Dagover bzw. Großvater Balboa in "Bäume sterben aufrecht"2) (1958) nach der Komödie von Alejandro Casona1). In dem Krimi "Bridge mit Onkel Tom"2) (1961) war er als Thomas Bradley der Onkel des Schriftstellers Edward Bradley (Ernst Stankovski), der in Verdacht gerät, einen Mord begangen zu haben.
DVD-Cover: Nachsitzen für Erwachsene; Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Pidax film" Das TV-Publikum erfreute er als Moderator bzw. allwissender TV-Professor in der zehnteiligen Serie "Nachsitzen für Erwachsene" (1958–1960). Hierzu konnte man bei "Pidax Film", welche diese fast vergessene Produktion auf DVD herausbrachte, lesen: "Paul Henckels bereitet als Professor, der unmittelbar der "Feuerzangenbowle" entsprungen zu sein scheint, Wissenswertes aus allen Bereichen unterhaltsam für das große und kleine Publikum auf. Dabei schult er gemeinsam mit seinen erwachsenen Schülern dank humorvoller und spritziger Dialoge die Allgemeinbildung. Mit interessanten Details und Erklärungen verblüfft er mehr als einmal. In Zeiten ohne Internetzugang war "Nachsitzen für Erwachsene" sicherlich eine Bereicherung für jeden Zuseher. Wetten, dass Sie aber auch heute noch jede Menge dazulernen können, wenn Sie sich diese doch recht amüsant aufbereiteten Episoden ansehen?"
Zudem war Henckels Dauergast bei der Gesangs- und Plauderreihe "Die fröhliche Weinrunde"1) (1964–1968) mit Margit Schramm1) als Wirtin und Willy Schneider als Kellermeister, den Stammtisch komplettierten Arno Paulsen, Frank Barufski1), Jupp Hussels und Kurt Großkurth. Die musikalische Begleitung übernahm das "Orchester Kurt Edelhagen", auch das "Eilemann-Trio" zählte neben Kurt Lauterbach1) als Oberkellner zur Stammbesetzung der TV-Show → Übersicht TV-Sendungen.

  
Henckels machte sich mit drei Büchern auch als Autor einen Namen: 1956 erschienen seine ersten Erinnerungen unter dem Titel "Ich war kein Musterknabe – Eines Lebenskünstlers lachende Weisheit", 1960 folgte "Heiter bis wolkig. Ein Lebens-Wetterbericht", in denen er in launiger Weise über sein abwechslungsreiches Leben berichtet.  Zuletzt schrieb er an seinem dritten Buch "Allerlei Heiterei – Hobelspäne von den Brettern, die die Welt bedeuten", welches er 1966 veröffentlichte.

Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Pidax film"

Henckels spielte Figuren wie von Spitzweg: Schulmeister, Buchhalter, Oberkellner, Eigenbrötler, Käuze. Mal schnurrig, mal charmant-verschmitzt, mal grantig. Der rheinische Akzent seiner unverwechselbaren meckernden, plänkelnden Stimme akzentuierte auch die seelische "Tonlage" seiner Charaktere.3) "Er entwickelte ein spezifisches Talent für Kleinmalerei, ohne kleinlich zu werden, er spielte die Schrulligen, die Eigensinnigen, die Wunderlichen, verwinkelt und vermenschlicht zugleich. Äußerlich gern ein bißchen zerknittert, innerlich immer glattgebügelt; ironisch und gutmütig, cholerisch und sanftmütig, zuweilen allzu verliebt in ein üppiges Schnörkelwesen, immer aber klar und präzise und sehr rheinländisch."*) schrieb der Schriftsteller und Theaterkritiker Wolfgang Drews (1903 – 1975) anlässlich des 70. Geburtstages von Paul Henckels im Jahre 1955.
Neben seiner Arbeit für den Film ging Henckels mit Rezitationen beispielsweise von Wilhelm Busch1) auf Tourneen und wirkte als Gast unter anderem an Theatern in Berlin, Köln und Düsseldorf – hier unter anderem zur Spielzeit 1950/51 mit der Rolle des Charles Piper in Gründgens Inszenierung von "Der Familientag" (DE von "The Family Reunion") von T. S. Eliot mit u. a. Elisabeth Flickenschildt (Lady Amy, verwitwete Lady Monchensey, Gerda Maurus (Iva, ihre Schwester), Sybille Binder (Agatha) und Heinz Drache (Harry, Lord Monchensey, Amys ältester Sohn).
Zudem betätigte er sich, oft gemeinsam mit Ehefrau Thea Grodtczinsky ,als Sprecher bei Hörspielen. Auch deren Paradestück "Schneider Wibbel" wurde erstmals am 28.12.1947 vom "RIAS Berlin"1) unter der Regie von Hanns Korngiebel1) mit dem Paar gesendet; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
 
Anlässlich seines 75. Geburtstages wurde Henckels 1960 das "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse"1) sowie der "Berliner Bär" des Senats der Stadt Berlin verliehen, 1962 überreichte man ihm das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film". Seines 80.Geburtstages wurde in der deutschen Presse eingehend gedacht, bis zuletzt hatte der Schauspieler auf der Bühne gestanden. 

Paul Henckels 1947 mit Ehefrau Thea Grodtczinsky in dem Theaterstück
"Der Kreis" (→ theatertexte.de) von William Somerset Maugham1)
an der Berliner "Tribüne"1); Regie: Viktor de Kowa
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000546_003)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 01.1947
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Paul Henckels 1947 mit Thea Grodtczinsky in dem Theaterstück "Der Kreis" von William Somerset Maugham an der Berliner "Tribüne" Regie: Viktor de Kowa; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000546_003); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 01.1947; Quelle: www.deutschefotothek.de
Paul Henckels starb am 27. Mai 1967 im Alter von 81 Jahren in Kettwig1) (heute Essen-Kettwig). Zuletzt hatte er mit seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Thea Grodtczinsky1) (1893 – 1978) im Schlosshotel Hugenpoet1) bei Kettwig gelebt. Die letzte Ruhe fand er auf dem Düsseldorfer "Südfriedhof"1), wo später auch Thea Grodtczinsky an der Seite ihrs Gatten beigesetzt wurde  → Foto der Grabstelle bei knerger.de sowie Wikimedia Commons
 
In erster Ehe war Henckels mit der 1884 in Breslau1) geborenen, ehemaligen Schauspielerin Cecilia Brie, Tochter des Staatsrechtlers Siegfried Brie1), verheiratet gewesen, die er am 27. März 1909 in Breslau ehelichte. Aus dieser Verbindung gingen drei Kinder hervor: Sohn Timm, später "Timoteo" genannt (* 1914, † 1993 in Argentinien) und die Töchter Hanna und Anneliese (* 1912). Wikipedia führt aus: "1912 lebte die Familie in der Gartenstadt Meererbusch1) in einer Villa, die der Architekt Fritz August Breuhaus de Groot1) entworfen hatte. Die Ehe wurde am 23. Dezember 1920 durch das Landgericht Düsseldorf geschieden. 1921 heiratete Cecilie den Maler Eberhard Viegener1). Da die geschiedenen Eltern beruflich viel außer Haus waren, besuchten ihre Kinder später ein Schullandheim, die "Freie Schul- und Werkgemeinschaft"1) in Letzlingen1) bei Magdeburg, gegründet von Bernhard Uffrecht1). 1933 wurde die Schule vom NS-Regime geschlossen. Obwohl alle drei Kinder katholisch getauft waren, waren sie nun gefährdet, da ein Teil ihrer Großeltern jüdischer Herkunft war. Die Geschwister lernten auf Rat ihres Vaters jeweils einen praktischen Beruf, um so besser auswandern zu können. Timm absolvierte auf einem Gutshof bei Zernickow1) eine Ausbildung als Landwirtschaftlicher Gehilfe und Anneliese am Berliner "Paulinenhaus" eine Ausbildung zur Krankenschwester. Als erste emigrierte Anneliese 1936 nach Argentinien1), im gleichen Jahr folgte ihr Bruder Timm. Er arbeitete zunächst in dem Kolonieprojekt in "Villa Gesell"1), später fast 30 Jahre auf dem Agrarbetrieb "Estancia y Cabaña Orion" bei Las Rosas (Provinz Santa Fe1)). In den 1950er Jahren kam auch die Mutter Cecilie in das lateinamerikanische Land († 1984 in Villa Gesell, Argentinien). Hanna war vor Kriegsausbruch als Dienstmädchen nach Neuseeland entkommen." Die zweite Ehe mit Thea Grodtczinsky blieb kinderlos.
Abbildung Büste Paul Henckels in der Rolle des Schneider Wibbel am Eingangs der "Schneider-Wibbel-Gasse" in Düsseldorf; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: gemeinfrei  An Henckels berühmte Rolle als "Schneider Wibbel" bzw. an das Schauspielerehepaar in ihren Paraderollen und den Autor des Stücks Hans Müller-Schlösser erinnern seit 1956 drei vom Bildhauer Rudolf Christian Baisch1) geschaffene Büsten am "Schneider-Wibbel-Haus" in der Düsseldorfer Altstadt1), gelegen an der Ecke "Bolkerstraße" und "Schneider-Wibbel-Gasse". Das bekannteste Zitat aus dieser Verwechslungskomödie, in der der Schneider seine eigene Beerdigung erlebt, ist der Satz von Schneider Wibbel: "Nä, watt bin ich für ’ne schöne Leich."4)
In Berlin-Steglitz1) gibt es seit 1975 im Gedenken an den legendären Mimen den "Paul-Henckels-Platz" → Foto bei  Wikimedia Commons. In seiner Geburtsstadt Hürth wurde im Juni 2006 die Bürgerhausgastronomie in "Henckels" umbenannt.

Abbildung Büste Paul Henckels in der Rolle des Schneider Wibbel
am Eingangs der "Schneider-Wibbel-Gasse" in Düsseldorf
Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: gemeinfrei 

Abbildung Büste Thea Grodtzinsky (l.) in der Rolle der Frau Wibbel, Autor Hans-Müller-Schlösser (Mitte), Paul )Henckels (r.) in der Rolle des Schneider Wibbel, angebracht am Eingangs der "Schneider-Wibbel-Gasse" in Düsseldorf; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: gemeinfrei 

Thea Grodtzinsky (l.) in der Rolle der Frau Wibbel,
Autor Hans-Müller-Schlösser (Mitte),
Paul Henckels (r.) in der Rolle des Wibbel
(Zur Vergrößerung bitte auf das Foto klicken;
Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: gemeinfrei )
Quelle (unter anderem): "Henschel Theaterlexikon"*)
Siehe auch Wikipedia, cyranos.ch sowie
"Portal rheinische Geschichte"
*) Henschel Theaterlexikon (Hrsg. C. Bernd Sucher; Henschel Verlag, 2010, S. 336)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) Die Krimihomepage
3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzlmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 155)
4) Quelle: Wikipedia (abgerufen: 12.09.2021)
Genehmigung/Lizenz Foto Paul Henckels (Urheber Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
       
Filme
Stummfilme / Tonfilme: bis 1945 / Nachkriegsproduktionen
Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia (deutsch/englisch) filmportal.de, Murnau Stiftung,
theaterwissenschaft.ch, defa-stiftung.de, Die Krimihomepage)
Stummfilme (Auszug) Tonfilme Fernsehen
  • 1954: Schneider Wibbel (nach dem gleichnamigen Theaterstück von Hans Müller-Schlösser; Inszenierung: "Bühnen der Stadt Köln";
    als Schneider Wibbel; auch Regie
    )
  • 1957: Der Herzspezialist (nach der Komödie von Hans Holt; als Erich Reigert sen.)
  • 1958: Ein idealer Gatte (nach der gleichnamigen Komödie von Oscar Wilde; Regie: Hanns Farenburg; als Lord Caversham) → IMDb
  • 1958: Bäume sterben aufrecht (nach der Komödie von Alejandro Casona; als Großvater Balboa, Lil Dagover als Großmutter)
  • 1958–1960: Nachsitzen für Erwachsene (Serie; als Professor) → Die Krimihomepage (Spezial)
  • 1961: Bridge mit Onkel Tom (als Thomas Bradley, Onkel von Schriftsteller Edward Bradley = Ernst Stankovski;
    Die: Krimihomepage urteilt: "ORF-Urgestein Erich Neuberg inszeniert mit "Bridge mit Onkel Tom" einen ebenso spannenden
    wie grandios besetzten TV-Krimi in einem wunderbar britisch anmutendem Szenenbild, mit viel Tempo und überraschenden
    Wendungen. Ein überaus begabter Regisseur, der ein Gespür für geniale Besetzungen hatte: Ernst Stankovski als Journalist, der
    um jeden Preis berühmt werden will, brilliert neben Paul Henckels als dessen Onkel oder P. Walter Jacob als Gefängnisdirektor.
    Selbst in kleinen Nebenrollen sind hervorragende Darsteller zu sehen, unter anderem der damals noch unbekannte Herbert Fux.
    Die Musik von Hans Hagen tut das ihrige zu diesem gelungenen Fernsehspiel (mit Studioatmosphäre)."
    )
    "Bridge mit Onkel Tom": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax Film, welche den Krimi Anfang Juli 2019 auf DVD herausbrachte. "Bridge mit Onkel Tom": Szenenfoto mit Paul Henckels als Onkel Thomas Bradley; mit freundlicher Genehmigung von Pidax Film, welche den Krimi Anfang Juli 2019 auf DVD herausbrachte. "Bridge mit Onkel Tom":
    Abbildung DVD-Cover
    sowie Szenenfoto
    mit Paul Henckels als
    Onkel Thomas Bradley
      
    Mit freundlicher Genehmigung
    von Pidax Film, welche
    den Krimi Anfang Juli 2019
    auf DVD herausbrachte.
  • 1961: Der Vogel, scheint mir, hat Humor… (nach Wilhelm Busch; als ?) → IMDb
  • 1964–1968: Die fröhliche Weinrunde (Unterhaltungsshow mit Margit Schramm als Wirtin und Willy Schneider als Kellermeister;
    Vorsitzender (bis 1967) der Weinrunde; Mitglieder des Stammtischs: Arno Paulsen, Frank Barufski, Jupp Hussels und Kurt Großkurth
    )
  • 1965: … und heute ins Theater: Ich, erste Person Einzahl (nach der Komödie von Lewis Grant Wallace (1910–2002);
    Inszenierung: "Berliner Theater"; Regie: Detlof Krüger; als Henry Fanshaw Beringer; Kurzinfo: Ein vom Erfolg
    verwöhnter Schriftsteller, von der Ehefrau liebevoll umsorgt, doch vom Leben durchaus echauffiert, feiert seinen
    80.Geburtstag. Ausgerechnet an seinem Jubeltag wird er von einem jungen Mann, ebenfalls Schriftsteller, wenngleich
    noch ohne Fortune, mit der Pistole bedroht. Das aufstrebende Talent verspricht sich dadurch den nötigen Karriereschub.
    Ein Feuerwerk skurriler Pointen.
    (Quelle: www.stv.bz.it)) → IMDb
  • 1967: Im Busch von Mexiko – Das Rätsel B. Traven (5-teilige Dokufiktion von und mit Jürgen Goslar; als er selbst)
    • 1. Postfach 2701
    • 2. Ergebnis der Fahndung: flüchtig 
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia, theatertexte.de)
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