Porträt Hermann Thimig; aufgenommen im Fotoatelier H. Dostal, Berlin, 1914; Bildrechte/-herkunft: Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"; Originalfoto sowie weitere Infos bei "Museum digital Thüringen" (www.museum-digital.de) Hermann Thimig wurde am 3. Oktober 1890 in der österreichischen Hauptstadt Wien geboren; er stammte aus einer berühmten Schauspielerdynastie und war der Sohn von Hugo  Thimig1) (1854–1944), Bruder von Helene Thimig1) (1889–1974) und Hans Thimig1) (1900–1991) sowie der Vater der Schauspielerin Johanna Thimig (geb. 1943).
Bereits 1910 erhielt Hermann Thimig ein erstes Engagement am Hoftheater in Meiningen, wo er als "Graf Ratzeburg" in Walter Bloems "Heinrich der Löwe" debütierte und bis 1914 als jugendlicher Komiker und "Naturbursche" auf der Bühne stand. Dann wurde seine Karriere durch den 1. Weltkrieg kurz unterbrochen, doch wegen einer Erkrankung wurde er für frontuntauglich erklärt und konnte wieder Theater spielen. Er ging nach Berlin an die "Reinhard-Bühnen", wo er sich als Charakterdarsteller und Liebhaber in unzähligen klassischen Rollen bewährte und schon bald zu den Großen seines Fachs zählte.
Von 1924 bis 1932 gehörte Thimig dem ebenfalls von Max Reinhard geleiteten Wiener "Theater in der Josefstadt" an, seit 1934 wirkte er ununterbrochen am "Burgtheater". In Wien feierte er vor allem in Stücken von Raimund und Nestroy Triumphe, Kritiker nannten ihn bewundernd den "Statthalter der Commedia dell'Arte".
 
 
Foto: Porträt Hermann Thimig
aufgenommen im Fotoatelier H. Dostal, Berlin, 1914
Mit freundlicher Genehmigung (Bildrechte/-herkunft): Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"
Originalfoto sowie weitere Infos bei "Museum digital Thüringen" (www.museum-digital.de)
Zum Film kam Thimig 1916 und war erstmals in dem Stummfilm "Die Gräfin Heyers" auf der Leinwand zu sehen; er spielte oft als Partner von Henny Porten und Ossi Oswalda bis der große Regisseur Ernst Lubitsch auf ihn aufmerksam wurde und seine originelle Begabung für das komische Liebhaberfach in seinen parodistischen Komödienstil integrierte. So mimte Thimig z. B. 1916 den Lancelot in "Die Puppe"2), 1921 den schüchternen Banditen Pepo in der Expressionismus-Travestie "Die Bergkatze"2) oder 1922 den gehemmten Lebemann Adolphe in "Die Flamme"2). Der Beginn des Tonfilms steigerte noch die Popularität des Stars, der sich nun vorwiegend dem Film widmete und vor allem in Operettenfilmen- und Musikkomödien agierte. In den 1930er Jahren sah man ihn in zahlreichen Produktionen, beispielsweise als Walter Heller in "Der Kleine Seitensprung" (1931), als Hans Felix in "Mein Freund, der Millionär" (1932), als Pinneberg in "Kleiner Mann – was nun?" (1933), als Viktor Hempel in Reinhold Schünzels "Viktor und Viktoria" mit Renate Müller als Partnerin, in dem Thimig als Damenimitator von einer brillanten subversiven Komik war. "Im weißen Rössl" spielte er 1935 den Oberkellner Leopold und in "Die Austernlilli" war er 1937 der Austernkönig van Mühlen.

Ab Mitte der 1930er Jahre besann sich Thimig wieder auf sein ursprüngliches Metier, das Theater, und stand vermehrt auf der Bühne, dem Film blieb er jedoch weiterhin verbunden und gab in den 40er Jahren vor allem ältere, distinguierte Herren, aber auch leicht vertrottelte Grafen, wie z. B. 1942 in dem Lustspiel "Johann". Außerdem führte er mehrmals Regie, wie u. a. 1942 in dem Film "Brüderlein fein".
Nach dem 2. Weltkrieg trat er nur noch selten und fast ausschließlich im österreichischen Film auf; so sah man ihn 1948 als Dorfrichter Farkas in "Der Prozess", 1954 als Haslinger in Paul Verhoevens "Ewiger Walzer" oder 1956 als "Schneidernaz" in "Die Magd von Heiligenblut" – neben seiner Schwester Helene Thimig als "Kräuterwetti". Nach Produktionen wie "Eine Reise ins Glück"2) (1958) oder "Wenn die Glocken hell erklingen"2) (1959) erlebten ihn die Kinozuschauer letztmalig 1962 als Pfarrer in "Romanze in Venedig" auf der Leinwand.
Der "chaplineske" Typ Thimig spielte mit seiner rundlichen Untersetztheit und großer Ausdrucksfähigkeit gerne doppelbödige Charaktere; er "war der erste deutsche Darsteller, der aus dem Film stärkere Anregungen empfangen hat, als von der Bühne", so das "Berliner Tageblatt".3) 
  
Hermann Thimig starb am 7. Juli 1982 mit 91 Jahren in seiner Geburtsstadt Wien; seit 1939 war der Schauspieler in zweiter Ehe mit seiner Kollegin Vilma Degischer1) (1911 – 1992) verheiratet, aus der Verbindung stammen die Töchter Hedwig (geb. 1939) sowie Johanna (geb. 1943), die ebenfalls Schauspielerin geworden ist. Aus seiner 1919 geschlossenen und 19294) geschiedenen ersten Ehe mit der Schauspielerin Hanna Thimig (geb. Wisser; 1894–1989) stammt Tochter Christine (geb. 1923).
1938 war Thimig zum Staatsschauspieler ernannt worden und 1970 erhielt er das "Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien"; außerdem war er Träger des "Raimund-Ringes", Ehrenmitglied der "Raimund-Gesellschaft" sowie des "Burgtheaters".
  

Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia
3) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 348)
4) nach anderen Quellen erfolgte die Scheidung 1927
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
 
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
Stummfilme Tonfilme
  • 1930: Der unsterbliche Lump
  • 1931: Die Privatsekretärin
  • 1931: Die 3 Groschen-Oper
  • 1931: Wenn die Soldaten
  • 1931: L’opéra de quat’sous
  • 1931: Der kleine Seitensprung
  • 1931: Marys Start in die Ehe
  • 1931: Der Herr Bürovorsteher
  • 1931: Mein Leopold
  • 1932: Mein Freund, der Millionär
  • 1932: Zwei himmelblaue Augen
  • 1932: Ein bißchen Liebe für dich
  • 1932: Eine Nacht im Paradies
  • 1932: Mädchen zum Heiraten
  • 1932: Kiki
  • 1932: Traum von Schönbrunn
  • 1932: Das Blaue vom Himmel
  • 1932: Glück über Nacht
  • 1933: Eine Stadt steht kopf
  • 1933: Marion, das gehört sich nicht
  • 1933: Kleiner Mann – was nun?
  • 1933: Die Fahrt ins Grüne
  • 1933: Viktor und Viktoria
  • 1934: Der Herr ohne Wohnung
  • 1934: Früchtchen
  • 1934: Karneval und Liebe
  • 1934: Liebe dumme Mama
  • 1935: Die Fahrt in die Jugend
  • 1935: Peter, Paul und Nanette
  • 1935: Die törichte Jungfrau
  • 1935: Der Himmel auf Erden
  • 1935: Tanzmusik
  • 1935: Im weißen Rößl
  • 1936: Der geheimnisvolle Mister X
  • 1937: Die Austernlilli
  • 1939: Marguerite: 3
  • 1939: Eine Frau für Drei
  • 1942: Brüderlein fein
  • 1943: Die kluge Marianne
  • 1943: Johann
  • 1944: Liebesbriefe
  • 1944: Die goldene Fessel
  • 1944: Ein Blick zurück
  • 1945: Wie ein Dieb in der Nacht
  • 1946: Praterbuben
  • 1948: Im Namen der Menschlichkeit
  • 1949: Geheimnisvolle Tiefe
  • 1950: Prämien auf den Tod
  • 1951: Die Wirtin zum roten Ochsen
  • 1951: Das unmögliche Mädchen
  • 1952: Ich hab mich so an dich gewöhnt
  • 1952: Abenteuer im Schloss
  • 1953: Eine Nacht in Venedig
  • 1954: Ewiger Walzer
  • 1956: Die Magd von Heiligenblut
  • 1958: Eine Reise ins Glück
  • 1959: Wenn die Glocken hell erklingen
  • 1961: Frau Irene Besser
  • 1962: Romanze in Venedig
  • 1962: Die vergessenen Jahre
  • 1967: Der Arzt wider Willen
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