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Nach seinem Abitur hatte Richter zunächst ein Studium der Kunstgeschichte begonnen, ab 1943 nahm er Schauspielunterricht bei Albert Florath2). Auch während der Kriegsjahre trat er in verschiedenen Kinoproduktionen auf, 1944 wurde er zum Kriegsdienst einberufen, geriet in Gefangenschaft. Nach Ende des 2. Weltkrieges übernahm Richter weiterhin Aufgaben im westdeutschen Nachkriegsfilm, lebte zunächst in München, später in Hamburg, und gehörte nach wie vor zu den vielbeschäftigten, populären Darstellern der Filmszene. Er spielte in unzähligen Unterhaltungs- und Heimatfilmen mit wenn auch überwiegend nur in Nebenrollen, in denen er jedoch als Interpret meist fröhlicher, dramaturgisch wichtiger Randfiguren durchaus Profil zeigte. Als einzige Hauptrolle bekam Richter 1949 die des Antonio und dessen Doppelgängers in dem Streifen "Artistenblut" anvertraut; hier mimte er überzeugend den Musical-Clown, der den Schritt in eine bürgerliche Existenz nicht schafft und in den Künstlerberuf zurückkehrt. Die 1950er Jahre zeigen ihn in Unterhaltungsfilmen an der Seite vieler populärer Stars jener Jahre, beispielsweise neben dem "Traumpaar" Sonja Ziemann und Rudolf Prack in "Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen" (1951) und dem Heimatfilm-Klassiker "Grün ist die Heide"1) (1951), mit Johanna Matz und Adrian Hoven spielte er in "Saison in Salzburg" (1952), mit Rudolf Schock in "König der Manege" (1953), mit Gerhard Riedmann in "Der Vetter aus Dingsda" (1953), mit Hans Albers in "Das Herz von St. Pauli" (1957), mit O.E. Hasse in Wolfgang Staudtes Spoerl-Adaption "Der Maulkorb" (1958) oder mit Zarah Leander in "Der Blaue Nachtfalter" (1959). Richter agierte unter anderem als "Geist Jockel" in Kurt Hoffmanns erfolgreichen Komödie "Das Spukschloss im Spessart"1) (1960) und war auch in der Fortsetzung "Herrliche Zeiten im Spessart"1) (1967) mit von der Partie, drehte mit Nadja Tiller und Walter Giller die Romanze "Geliebte Hochstaplerin" (1961), machte mit "Die Schwarze Kobra" (1963) auch schon mal einen Ausflug ins Krimi-Fach und mimte einen Inspektor. Als Helmut Käutner 1970 mit Walter Giller ein Remake des "Feuerzangenbowle"-Klassikers1) drehte, gehörte auch Richter mit zur Besetzung, diesmal nicht mehr als frecher Schüler sondern als "Lehrkörper" Dr. Brett. Seine letzte Leinwandrolle war die des Bürgermeisters in "Neues vom Räuber Hotzenplotz" (1979) mit Peter Kern in der Titelrolle. Der Versuch, Richter zusammen mit dem Österreicher Rudolf Carl2) (1899 - 1987) in den 1950ern als Berliner Pendant zu dem Komikerpaar "Pat und Patachon" aufzubauen, misslang. Richter mimte den "Knall" in "Knall und Fall als Hochstapler" (1952) und "Knall und Fall als Detektive" (1953), das Duo Richter/Carl konnte sich jedoch nicht so recht durchsetzen. Als in den 1960er Jahren die Filmangebote weniger wurden, übernahm Richter neben seiner Theatertätigkeit sporadisch Aufgaben für das Fernsehen. Man sah ihn beispielsweise in der TV-Fassung von Beaumarchais' "Der Tolle Tag" (1962) neben Heinz Reincke und Nicole Heesters oder in der internationalen, mehrteiligen Produktion "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1982) von Regisseur Bernhard Sinkel. In der ARD-Familienserie "Karl, der Gerechte" (1976/1978) erlebte man ihn 13 Folgen lang als Otto Martschinske, misstrauischer Freund des Schrotthändlers Karl Pelzig alias Fritz Muliar. Nur wenige Male stand Richter auch hinter der Kamera, 1955 hatte er mit der Komödie "Vatertag" sein Regiedebüt gegeben, weitere Regiearbeiten waren 1955 die heiteren Fernsehspiele "Der Kleine Napoleon" und "Die Husaren kommen" sowie der Kinostreifen "Hurrah die Firma hat ein Kind" (1955). Hans Richter wandte sich ab Mitte der 1950er Jahre immer mehr der Bühne zu, zwischen 1958 und 1960 war der Schauspieler Mitglied des Hamburger Schauspielhauses und trat in zahlreichen Stücken unter der Regie von Gustaf Gründgens auf; 1960 wechselte er an die Städtischen Bühnen Frankfurts a. M. Richter bewies als Theaterschauspieler, dass er nicht auf das "leichte Fach" abboniert war und zeigte sich als Charakterdarsteller mit ernsten Rollen, so beispielsweise in "Woyzeck" von Georg Büchner, in Bertolt Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" oder in "Warten auf Godot" von Samuel Beckett. 1974 gründete er gemeinsam mit seiner Ehefrau Dr. Ingeborg Richter im südhessischen Heppenheim die "Heppenheimer Theater-Festspiele". Eröffnet wurden die Festspiele vor dem Dom der Bergstraße mit dem Stück "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal, in dem Richter die Titelrolle spielte. Die Leitung der Heppenheimer Festspiele übertrug Richter 1992 seinem Sohn Thomas; siehe auch www.festspiele-heppenheim.de. Hans Richter, der dem Publikum mit mehr als 80 Filmen als der "ewige Lausbub" in Erinnerung geblieben ist und einer der frühen Kinderstars des deutschen Tonfilms war, starb am 5. Oktober 2008 im Alter von 89 Jahren in einem Altenpflegeheim in Heppenheim. Richter war seit 1945 mit der inzwischen ebenfalls verstorbenen Verlegerin und Autorin Dr. Ingeborg Bieber verheiratet; aus der Verbindung stammen die Söhne Thomas (geb. 1947) und Hansjoachim (geb. 1946). 1971 und 1989 erhielt der Schauspieler, Regisseur und Theaterintendant Hans Richter das "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film", 1983 wurden seine Leistungen mit dem "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse" gewürdigt. Noch wenige Jahre vor seinem Tod hatte der Schauspieler 2005 gemeinsam mit seiner Frau seine Autobiografie "Hans Richter kaum zu glauben, aber wahr! / Hans Richter und Ingeborg Richter erzählen" veröffentlicht, in der er den Leser an seiner eigenen langen Karriere in Film und Theater teilhaben lässt sowie an viele seiner großen Kollegen erinnert. (siehe auch www.festspiele-heppenheim.de) Hans Richter war der ewige Lausbub des deutschen Films; mit seinem pfiffigen Gesicht, Sommersprossen, abstehenden Ohren und Stupsnase wurde er in den 30er und 40er Jahren zur Idealbesetzung für Schuljungen, Liftboys, Schuhputzer, Zeitungsverkäufer und "Max-und-Moritz"-Typen. Aus dieser Filmkindheit in der Vorkriegszeit blieb das jugendliche Komikerklischee an ihm haften.4) |
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Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3)
Murnau Stiftung Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 299 |
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Siehe auch Wikipedia,
www.cyranos.ch,
www.film-zeit.de sowie das Portrait bei www.festspiele-heppenheim.de Fotos bei film.virtual-history.com |
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