Gunnar (Thor) Möller wurde am 1. Juli 1928 in Berlin-Neukölln als
Sohn eines Optikermeisters geboren; mit elf Jahren kam er bereits
zum Film, spielte Kinder- und Jugendrollen wie in Erich Engels Komödie
"Unser Fräulein Doktor" (1940) oder tauchte unter der Regie von Victor de Kowa in
dem NS-Propagandastreifen Kopf hoch, Johannes"1) (1941) auf.
Bis Kriegsende spielte er in
vierzehn Produktionen mit, darunter in "Sein Sohn"1) (1941),
"Junge Adler"2) (1944),
"Die Degenhardts"1) (1944) und "Der Grüne Salon"1) (1944).
Ab 1943 hatte Möller eine Ausbildung an der Schauspielstudio von Lyda Wegener2) (1889 1968) begonnen, die er 1944 erfolgreich abschloss,
danach stand er unter anderem am Berliner
"Theater am Gendarmenmarkt" unter Gustaf Gründgens in
Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" auf der
Bühne, spielte an der "Volksbühne" und am "Hebbeltheater".
Nach Kriegsende, aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Bad Hersfeld entlassen,
wurde Möller 1945/46 Mitglied des Kasseler
Staatstheaters. Ab 1947 arbeitete er in Berlin am "Schlossparktheater"
unter der Regie von Boleslaw Barlog und
Hans Lietzau.
Nach der Übersiedelung nach München holte Hans Schweikart den Schauspieler
an die dortigen "Kammerspiele" und hier arbeitete Möller
mit Paul Verhoeven und Fritz Kortner in Stücken wie "Die tätowierte
Rose" von Tennessee Williams oder "Dunkel ist Licht genug"
von Christopher Fry zusammen.
Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1987 während einer Hörspielproduktion.
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Ab Ende der 1940er Jahre stand der Schauspieler auch wieder vor der
Kamera, drehte Filme wie "Danke, es geht mir gut" (1948),
"Fünf unter Verdacht" (1950), "Heidelberger Romanze" (1951),
"Ferien
vom Ich"2) (1952), "Ehe für eine Nacht" (1953), "Hoheit lassen bitten" (1954)
oder "Liebe und Trompetenblasen" (1954). Sein wohl schönster Film
wurde dann
Kurt Hoffmanns "Ich denke oft an Piroschka"2) (1955), in dem er neben
Lieselotte Pulver den Studenten Andreas mimte, eine Rolle, die wohl
seine bekannteste unter den über 100 Figuren wurde, die er bis
heute auf der Leinwand verkörperte. Bis Ende der 1950er Jahre wurde Möller in
unterhaltsame Streifen wie "Das Donkosakenlied"2) (1956), "Was die Schwalbe sang" (1956),
"Der Kühne Schwimmer" (1957), "Nachts im grünen Kakadu" (1957)
oder "Ist Mama nicht fabelhaft?"1) (1958) besetzt. Für Frank Wisbar
spielte er in dem Kriegsdrama "Hunde,
wollt ihr ewig leben"2) (1959), Wisbar besetzte ihn auch als Partner von Sonja Ziemann mit
der Hauptrolle des Kurt Reiser in dem Film "Nacht fiel über Gotenhafen"2) (1959),
mit dem dem Untergang der "Wilhelm Gustloff" am 30. Januar 1945 thematisiert
wurde. Mit Marion Michael
und Eddie Constantine zeigte er sich in "Bomben auf Monte Carlo" (1959),
erneut mit Eddie Constantine in "Eddie schafft alle" (1959).
Auch in den nachfolgenden zwei Jahrzehnten blieb Möller ein
vielbeschäftigter Filmdarsteller, verlegte seine Arbeit aber vermehrt auf
das Fernsehen, für das er schon seit den 1950ern tätig war. Es entstanden
Kinofilme wie "Saison
in Salzburg"2) (1961), "Drei weiße Birken" (1961), "Freddy und das Lied der Südsee"2) (1962)
oder "Liselotte von der Pfalz" (1966). Möller übernahm unter der Regie von Otakar Vávra in der tschechischen
Produktion "Tage des Verrats" (1973) die Rolle des Adolf Hitler,
den er ebenso in Otakar Vávras Historienepos "Osvobození Prahy" (1976, Befreiung Prags) sowie in dem amerikanischen
TV-Mehrteiler "Mussolini: The Untold Story" (1985) verkörperte.
Zu nennen ist auch seine Mitwirkung in den Thrillern
"The The Odessa File"2) (1974, Die Akte Odessa)
und "Der Geschichtenerzähler" (1989).
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Die Fernsehzuschauer erlebten Möller in verschiedenen Operetten-Adaptionen
und Musicals, so mimte er neben Gerhard Riedmann in "Der Vogelhändler" (1960)
den Grafen Stanislaus, an der Seite von Peer Schmidt sah man ihn als Cicero von Henkeshofen
in "Wie einst im Mai" (1961) und erneut mit Gerhard Riedmann in
"Gasparone" (1962) als Sindolfo. Es folgten Auftritte in TV-Spielen
wie "Frühstück mit Julia" (1965), "Die Spanische
Fliege" (1966), "Eine Große Familie" (1970) oder Rollen in
der beliebten Krimi-Reihe "Tatort", in dem zweiteiligen
Durbridge-Straßenfeger "Die
Kette"3) (1977) kam er als der Inspektor Tim Everson
daher.
In seiner Wahlheimat Großbritannien stand Möller
Ende der 1970er wiederholt für die TV-Serie "Secret Army" vor der
Kamera, nach den Mehrteilern "Jean-Christophe" (1978) und der
deutsch-kanadischen Produktion "Huckleberry Finn and His
Friends"2) (1979, Die Abenteuer von Tom
Sawyer und Huckleberry Finn) schien die Karriere des Schauspielers zunächst beendet.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Gunnar Möller war seit 1954 mit der Schauspielerin Brigitte Rau2)
(1933 1979), verheiratet;
im September 1979 kam es im Londoner Haus des Ehepaares Möller im Künstlerviertel
Hampstead bei Scheidungsstreitigkeiten zu einer Tragödie: Der
Schauspieler erschlug seine Frau mit einem
Saunaschemel. Im Mai 1980 sprachen ihn die
Geschworenen im Londoner Kriminalgerichtshof Old Bailey
von der Anklage des Mordes frei und verurteilten ihn wegen
Totschlages zu fünf Jahren Gefängnis. Im November 1981 wurde der
er auf Bewährung entlassen, seit 1982 arbeitete Möller auch wieder in der Bundesrepublik.
Möller setzte seine Schauspielerkarriere erfolgreich beim Fernsehen
und auf der Bühne fort, Theaterengagements
führten ihn unter anderem an das "Rheinische Landestheater" Neuss, nach Stuttgart und nach Bad Gandersheim.
Mit "Loriots
dramatische Werke" hatte Möller 1989 im Frankfurter "Theater
am Zoo" Premiere. Er spielte diese Vorstellung in
wechselnden Szenenfolgen zusammen mit seiner
Lebenspartnerin Christiane Hammacher bisher insgesamt über 600 Mal.
Anlässlich des 85. Geburtstages des als "Loriot" berühmt
gewordenen Vicco von Bülow (1923 2011) am 12. November 2008 wurde das Stück zwischen dem 27.11. und 31.12.2008
am Berliner "Schiller-Theater"
aufgeführt. "Loriots Dramatische Werke" geriet zum Dauerbrenner,
über zwei Jahrzehnte glänzen Gunnar Möller
und Christiane Hammacher damit auf deutschsprachigen Bühnen. Noch im
Sommer 2009 wurde das Stück an der "Komödie im Bayerischen Hof"
präsentiert, 2012 soll es erneut auf die Bühne gebracht werden.
Neben Charles Brauer glänzte Möller beispielsweise in Neil Simons Boulevard-Klassiker
"Sonny Boys" an der Düsseldorfer "Komödie", bis
zum 20. November 2005 konnte man die beiden Mimen dort in der witzigen
Geschichte um das berühmte Komikerpaar sehen: Willie Clark (Charles Brauer) und
Al Lewis (Gunnar Möller) haben 43 Jahre lang zusammengearbeitet, sich dann
getrennt, weil Al plötzlich genug vom Show-Business hatte. Nach dreizehn Jahren
versucht Willis Neffe und Manager, die beiden noch einmal mit einer gemeinsamen Nummer ins Fernsehen zu bringen. Beide sagen zögernd
zu, die Proben verlaufen mit Zank und bissigen Vorwürfen, die Aufnahmen müssen abgebrochen
werden
Aktuell stand Möller im Rahmen der ersten "Zwingerfestspiele Dresden" (05.21.08.2011)
unter der Regie von Dieter Wedel
als schwedischer General Beichling bzw. Großkanzler von August dem Starken in der
Uraufführung "Die Mätresse des Königs" von John von Düffel auf
der Bühne, seit 1. Dezember 2011 erfreut er das Publikum als der anfangs mürrische Earl of Dorincourt bzw. Großvater
in dem Weihnachtsklassiker "Der
kleine Lord". In dem humorvollen Familienmusical von Günter Edin (Musik) und Gabriele Misch
(Librettto) nach dem Roman von Frances Hodgson Burnett, das seine
Uraufführung am 14. November 2008 feierte, gibt Möller seit 1. Dezember 2011 den alten Lord, mehr bei "agon Theaterproduktion".
Zu Möllers Arbeiten für das Fernsehen gehört unter anderem Rainer Boldts
Drama "Im Zeichen des Kreuzes" (1983), ein Jahr später wirkte er in dem spannenden
ARD-Mehrteiler "Das Rätsel der Sandbank"3) mit,
spielte 1985 die Hauptrolle in dem
Agententhriller "Geheime Mission" oder agierte im
gleichen Jahr in dem Tatort "Die Macht des Schicksals".
Heide Pils besetzte ihn als Inspektor Vogt in dem Krimi "Tage der Angst" (1990),
Serien wie "Liebesgeschichten" (1990), "Freunde wie wir" (1997),
"Für alle Fälle Stefanie" (2001), "Drehkreuz Airport" (2001)
oder "SOKO 5113" (2006; Folge "Mord wie im Groschenroman") gehören
ebenfalls zu Möllers TV-Filmografie. Zu seinen aktuelleren
Arbeiten zählt Tilman Martins Kurzfilm "Wichtig is' auf'm Platz" (2002)
sowie Johannes Brunners Spielfilmdebüt "Oktoberfest"2) (2005).
Zuletzt stand Möller für die "Donna Leon"-Folge "Blutige Steine" (2008) vor der
TV-Kamera.
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Aus der Ehe des Schauspielers mit Brigitte Rau stammen die Kinder Michael, Florian und
Hillevi. Gunnar Möllers jetzige Lebenspartnerin und Ehefrau (seit
2003) ist Schauspielerkollegin Christiane Hammacher2),
mit der er bis heute gemeinsam auf
der Bühne steht. Das Paar erfreute das Publikum mit szenischen Lesungen
von Theodor Fontane, spielte beispielsweise neben "Loriots Dramatische Werke"
in "Fisch
zu viert", einem Theaterstück um drei Damen und ihren Diener von W. Kohlhaase und Rita Zimmer,
weiterhin in "Love Letters" von A. R. Gurney und "Das
Haus am See" von Ernest Thompson.
Im Sommer 2008 zog Möller mit seiner Frau von München nach Berlin und lebt
seither im Stadtteil Pankow.
Das Foto, welches
Gunnar Möller mit Christiane Hammacher zeigt, wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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