Helene Weigel wurde am 12. Mai 1900 als Tochter eines Prokuristen in Wien geboren; die Mutter war Inhaberin eines Spielwarengeschäftes und jüdischen Glaubens. Nach dem Gymnasium begann die junge Helene im Januar 1918 in Wien eine dreimonatige Ausbildung als Schauspielerin bei Arthur Holz, seit 1919 war sie in Frankfurt/Main am "Neuen Theater" engagiert und erhielt dann 1921 eine erste bedeutende Rolle als "Marie" in Büchners "Woyzeck". Zwei Jahre später wechselte sie an das Berliner Staatstheater zu Leopold Jessner1) (1878 – 1945), wo sie in den folgenden Jahren alle bedeutenden Frauenfiguren der Theaterliteratur verkörperte, wie beispielsweise 1925 die Klara in Hebbels "Maria Magdalena".
In Berlin kam es Ende 1923 auch zu der schicksalhaften Begegnung mit dem Dramatiker Bertolt Brecht1) (1898 – 1956), den Helene Weigel am 10. April 1929 nach dessen Scheidung von der Opernsängerin Marianne Zoff1) (1893 – 1984) heiratete. Der gemeinsame Sohn Stefan1) (1924 – 2009) war bereits vor der Hochzeit geboren worden, am 28. Oktober 1930 erblickte Tochter Barbara1) das Licht der Welt. Barbara Brecht-Schall, seit 1961 verheiratet mit dem Schauspieler und Regisseur Ekkehard Schall (1930 – 2005), starb am 31. August 2015 im Alter von 84 Jahren in Berlin.
 

Portrait Helene Weigel
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0001502_018)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: ungenannt;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Portrait Helene Weigel; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0001502_018); Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (19011983); Datierung: ungenannt; Quelle: www.deutschefotothek.de
In den kommenden Jahren beeinflusste Helene Weigel, die von den Kritikern als "die lärmendste Schauspielerin Berlins" bezeichnet wurde, dessen großen Frauengestalten und übernahm fast nur noch Rollen in dessen Theaterstücken wie beispielsweise die Titelrolle in der Uraufführung (31.01.1932) des Brecht-Stückes "Die Mutter"1). Ein Jahr später musste die nach damaligen Sprachjargon "nichtarische" Schauspielerin, die bereits 1930 in Berlin Mitglied der "Kommunistischen Partei" geworden war, mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten Deutschland verlassen.
Sie emigrierte mit ihrer Familie zunächst in die Schweiz, später nach Dänemark, Schweden und Finnland und ging im Juni 1941 schließlich in die USA, wo sie bis 1947 zusammen mit ihrem Ehemann Bertolt Brecht sowie ihren Kindern in Los Angeles lebte. Während der gesamten Zeit im Exil stand sie kaum auf der Bühne, eine Situation unter der die Vollblutschauspielerin sehr litt; hinzu kamen private Probleme durch Brechts verschiedene Beziehungen zu anderen Frauen.
Die Zeit in der Emigration bedeutete für Helene Weigel weniger als fünf Rollen in 15 Jahren. 1932 und 1938 spielte sie in Paris und Dänemark für deutsche Emigranten die Titelfigur in "Die Gewehre der Frau Carrar"1). In der US-Verfilmung von Anna Seghers' "Das siebte Kreuz"1) (1944) trat sie kurz stumm auf. So wenig die Hollywood-Produzenten über das europäische Theater auch wissen mochten, "allein ihre Augen, das ist schon purer Kommunismus", so das Fazit eines Studio-Chefs. In der "Mutter Courage" legte Brecht ursprünglich die Rolle der stummen Kattrin für den Fall einer Aufführung im Ausland für Weigel an.2)
  
Nach Kriegsende kehrte Helene Weigel über die Schweiz nach Deutschland zurück und konnte Ende der 1940er Jahre als Schauspielerin wieder an alte Erfolge anknüpfen. Erstmals stand sie im Februar 1948 im schweizerischen Chur als "Antigone" in Brechts Sophokles-Bearbeitung wieder auf der Bühne, das grandiose "Comeback" kam dann ein Jahr später in Berlin mit ihrer legendären Hauptrolle in Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder"1) – eine Paraderolle der Weigel, mit der sie auch bei Gastspielen in Paris, London oder Moskau brillierte. Ihren letzten Bühnenauftritt hatte sie sechs Wochen vor ihrem Tod am 3. April 1971 im französischen Nanterre mit ihrer herausragenden Interpretation der Brechtschen "Mutter".
1949 wurde die Schauspielerin in Ost-Berlin Intendantin des "Berliner Ensemble"1), das sie zusammen mit Brecht, der als künstlerischer Leiter fungierte, gegründet und aufgebaut hatte und das sie nach dessen Tod am 14. August 1956 in den folgenden 15 Jahren zum "besten und erfolgreichsten Theater deutscher Sprache" – so der Theaterkritiker Friedrich Luft – machte. Das "Berliner Ensemble" avancierte zum "Kulturexportartikel Nr. 1" der ehemaligen DDR, nach Brechts Tod zur Kultstätte und wurde und nur noch als "Brecht-Museum" bezeichnet. Die Theaterlandschaft Ost-Berlins wurde von Helene Weigel maßgeblich geprägt und die Künstlerin mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter anderem erhielt sie 1949, 1953 und 1960 den "Nationalpreis der DDR". 1960 verlieh man ihr aus Anlass ihres 60. Geburtstages den Professorentitel, 1965 würdigte man ihre Leistungen mit dem "Vaterländischen Verdienstorden in Silber".

Foto: Helene Weigel 1967 als "Mutter" in Bertolt Brechts
gleichnamigem Schauspiel (Berliner Ensemble)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df Pk 89); © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek (19011983; Link Wikipedia)
Datierung: 30. September 1967 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia

Helene Weigel 1967 als "Mutter" in Bertolt Brechts gleichnamigem Schauspiel (Berliner Ensemble); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df Pk 89); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek (19011983); Datierung: 30. September 1967 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Helene Weigel, die 1950 zu den Gründungsmitgliedern der "Deutschen Akademie der Künste" in Ost-Berlin gehört, starb am 6. Mai 1971 in Ost-Berlin – sechs Tage vor ihrem 71. Geburtstag. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof (Abt. CAM) in Berlin neben ihrem Mann → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Weigel galt bis zu ihrem Tod 1971 als eine der bedeutendsten Bühnenschauspielerinnen der Welt. Eine Ausnahmestellung, denn ungeteilte Anerkennung in Ost und West wurde außer ihr in den Zeiten der atomaren Konfrontation nur sehr wenigen anderen Künstlerinnen und Künstlern zuteil.2)
Berliner Gedenktafel für Bertolt Brecht und Helene Weigel; Spichernstraße 16, Berlin-Wilmersdorf; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW, Berlin, Lizenz CC-BY-SA 3.0.

Anlässlich des bevorstehenden 100. Geburtstags von Helene Weigel kamen im Jahre 2000  zahlreiche Biografien auf den Markt: Der Theater- und Literaturwissenschaftler Werner Hecht1), seit 1959 Mitarbeiter Helene Weigels, setzte der Schauspielerin mit "Helene Weigel  Eine große Frau des 20. Jahrhunderts" ein Denkmal, die Publizistin und Journalistin Carola Stern1) (1925  2006) veröffentlichte die Geschichte des Ehepaares Brecht/Weigel unter dem Titel "Männer lieben anders  Helene Weigel und Bertolt Brecht". Mit einem Vorwort der Schauspielerin Katharina Thalbach erschien von Vera Tenschert in einer Neuauflage der Bildband "Helene Weigel – In Fotografien" und von Sabine Kebir1) das Buch "Abstieg in den Ruhm – Helene Weigel. Eine Biographie". 2006 publizierte Anita Wünschmann "Helene Weigel. Wiener Jüdin, große Mimin des Epischen Theaters".
 
 
Berliner Gedenktafel für Bertolt Brecht und Helene Weigel
Spichernstraße 16, Berlin-Wilmersdorf
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW, Berlin, Lizenz CC-BY-SA 3.0.
 

Neben der Gedenktafel in Berlin-Wilmersdorf erinnert unter anderem der "Helene-Weigel-Platz" in Berlin-Marzahn an die legendäre Künstlerin. Im Seitenflügel des "Brecht-Hauses" in der Chausseestraße 125 befindet sich die am 10. Februar 1978 eröffnete "Brecht-Weigel-Gedenkstätte". Helene Weigel bewohnte zu Brechts Lebzeiten Räume in der zweiten Etage des Seitenflügels, die sie nach Brechts Tod dem von ihr gegründeten "Bertolt-Brecht-Archiv" zur Verfügung stellte. Sie ließ eine zum Garten führende Veranda anbauen und zog 1957 ins Erdgeschoss. In dieser Wohnung lebte sie bis zu ihrem Tod am 6. Mai 1971.3) 
Siehe auch Wikipedia, Stiftung Deutsches Historisches Museum (LeMo),
www.cyranos.ch, www.fembio.org sowie
die Informationen zur "Brecht-Weigel-Gedenkstätte"
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Quelle: 2) www.br.de (Seite nicht mehr abrufbar),  3) Akademie der Künste (Brecht-Weigel-Gedenkstätte)
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