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Harald Juhnke wurde am 10. Juni 1929 als Harry Heinz
Herbert Juhnke und Sohn eines Polizeibeamten in Berlin-Charlottenburg
geboren, wuchs im damaligen Arbeiterbezirk Wedding auf. Nach dem Besuch der
Oberschule begann er ein Medizinstudium, brach dieses jedoch wieder ab und
nahm Schauspielunterricht bei Marliese Ludwig1)
(1886 1982).
Am 9. November 1948 stand Juhnke in Berlin erstmals auf einer Bühne: Im
"Haus der Kultur der Sowjetunion" spielte er in dem Revolutionsstück
"Ljubow Jarowaja" einen russischen Offizier. Bei dem damals noch umherziehenden Ensemble
"Die Vaganten" spielte er unter anderem in dem christlichen Stück
"Ihr werdet sein wie Gott."2) Eine weitere Station
von Juhnkes Bühnenlaufbahn wurde 1949 das Theater in Neustrelitz
(Mecklenburg-Vorpommern), wo er unter anderem mit der Hauptrolle des Dr. Trench
in dem Stück
"Die Häuser des Herrn Sartorius" von George Bernard Shaw zu sehen war, anschließend ging
er an die "Freie Volksbühne" in Berlin. Verpflichtungen in Hamburg,
Köln, Düsseldorf und München schlossen sich im Verlaufe der Jahre an.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Bereits 1953 kam Harald Juhnke zum Film und war erstmals in dem Streifen
"Die Blaue Stunde" auf der Leinwand zu sehen. In den 1950er und
60er Jahren mimte er in leichten Unterhaltungsstreifen und
Musikfilmen die verschiedensten Rollen, sein Hauptbetätigungsfeld blieb
jedoch das Theater, wo er in Boulevardstücken, Komödien, aber auch in
Musicals glänzte; insgesamt wirkte er Juhnke in über
70 Kinoproduktionen mit.
Einem breiteren Publikum wurde er dann ab 1977 durch seine
Fernsehauftritte zusammen mit Grit Böttcher in der Sketch-Reihe "Ein verrücktes
Paar"1) bekannt. In TV-Mehrteilern wie "Ein
Mann für alle Fälle" oder "Ein
Mann will nach oben"3) bewies Juhnke 1978, dass
er als Schauspieler weit mehr zu bieten hatte, als man aus seinen
Filmanfängen von ihm kannte. Ungeheure Popularität erlangte Juhnke dann ab
Ende der 1970er Jahre vor allem als Sänger, Moderator und Entertainer
mit Sendungen wie z. B. "Musik
ist Trumpf"1) (1979 bis 1984). Als
Nachfolger des beliebten Peter Frankenfeld3)
(1913 1979) avancierte Juhnke damit zu einem der
beliebtesten Unterhalter des Deutschen Fernsehens und wurde zum "König
des großen Samstagabend-Programms". Ab Ende der 1980er Jahren zeigte er
zusammen mit Eddi Arent3) sein komödiantisches Talent in
der NDR-Sketch-Reihe "Harald & Eddie"1) und das Duo
lockte damit Millionen vor den Bildschirm. Auch in dem Quotenrenner "Drei
Damen vom Grill"1) konnte Juhnke nach dem Ausstieg von Günter Pfitzmann zwischen 1987 und 1991
mehr als 50 Folgen lang mit der männlichen Hauptrolle des
Trödelhändlers Ottmar Kinkel das Publikum begeistern.
DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von www.e-m-s.de |
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Neben seiner Arbeit für Theater, Film- und Fernsehen veröffentlichte
das Allround-Talent Juhnke unzählige Schallplatten und CDs mit seinen Songs
und wurde bald der "deutsche Frank Sinatra" genannt. Lieder wie
"Barfuß oder Lackschuh" oder seine Versionen der Sinatra-Evergreens
wie "My Way", "New York, New York" oder "That's
life" gerieten zu Kassenschlagern.
In den letzten Jahren wandte Juhnke sich vom Tingeltangel und Boulevard immer mehr hin zum
Charakterschauspiel: Anfang 1992 zeigte er dem Kinopublikum sein
darstellerische Können, übernahm in dem Film "Schtonk!"1) die
Rolle des Ressortleiters Pit Kummer und erhielt für seine Leistung den
"Ernst-Lubitsch-Preis".
Im gleichen Jahr brillierte er in der Polit-Satire "Der Papagei"4)
und wurde hierfür mit dem "Bayerischen Fernsehpreis" geehrt. In der TV-Verfilmung von
Falladas
"Der Trinker"4)
interpretierte er 1995 grandios die Titelrolle des Erwin Sommer und zwei
Jahre später waren sich Kritik und Publikum über seine exzellente
Darstellung in Frank Beyers Verfilmung von Carl Zuckmayers Tragikomödie "Der Hauptmann von Köpenick"4)
einig, eine Figur, mit der er zuvor am Berliner "Maxim Gorki Theater"
brilliert hatte.
Links: Harald Juhnke in "Der Hauptmann von Köpenick"
Foto mit freundlicher Genehmigung von Ingo Heine (Fotograf
in Berlin)
© Ingo Heine
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Doch nicht nur mit seinen professionellen Bühnenauftritten erregte Juhnke
Aufsehen, sondern auch mit seinem turbulenten Privatleben. Mit seinen
Alkoholexzessen war er Dauergast in den einschlägigen Gazetten, wochenlanger
trauriger Höhepunkt war im April 1996 sein Zusammenbruch und
anschließendes Koma nach einem Haarriss im Herzen, wovon er sich jedoch
glücklicherweise erholte. Wiederholte Klinikaufenthalte wegen seiner Alkoholkrankheit,
erneute Rückfälle, Entziehungskuren sowie anschließende Beteuerungen, er
sei "trocken", gingen jahrelang durch die Presse.
1998 drehte Juhnke
das TV-Weihnachtsmärchen "Letzte Chance für Harry"1),
er selbst hat es seine Chancen nicht nutzen können. Der erfolgreiche
Schauspieler und Entertainer, der am 10. Juni 2004 seinen 75. Geburtstag feiern konnte,
erkrankte unheilbar an Demenz und lebte seit dem Sommer 2001 in einem Pflegeheim
nahe Berlin.
Anlässlich des 75. Geburtstages ehrte das ZDF den Ausnahmekünstler mit einer
Galaveranstaltung: Carmen Nebel präsentierte die Sendung "Harald
Juhnke Ein Leben für die Show!" und erinnerte gemeinsam
mit engen Freunden und Weggefährten Juhnkes sowie dessen Ehefrau Susanne
Juhnke an die unvergessenen Leistungen des großen deutschen
TV-Entertainers, Sängers und Schauspielers. Zu den Gästen zählten unter
anderem auch der legendäre Johannes Heesters sowie die großen Berliner
Damen Brigitte Mira und Edith Hancke.
Nur ein knappes Jahr später war Deutschlands beliebtes Multitalent tot. Wie
Juhnkes langjährige Manager Peter Wolf bekannt gab, erlag Harald Juhnke
am 1. April 2005 nach längerer Krankheit in einem Krankenhaus in
Berlin-Rüdersdorf den Folgen seiner chronischen Erkrankung.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Ingo Heine (Fotograf
in Berlin)
© Ingo Heine
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Bereits Ende November 2004 war Juhnke wegen einer schweren
Lungenentzündung in eine brandenburgische Klinik gebracht worden, von der er
sich nicht mehr erholte. Mit Juhnke sei einer der größten deutschen
Fernsehstars und Volksschauspieler gestorben, hieß es in zahlreichen
Beileidsbekundungen von Künstlern und Politikern, auch der Regierende
Bürgermeister Klaus Wowereit würdigte Juhnke als "echten Berliner
Volksschauspieler mit Herz und Schnauze".
Mit einer bewegenden Trauerfeier in der Berliner
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche nahmen Angehörige, Freunde und zahlreiche
Prominente aus Kultur, Showgeschäft und Gesellschaft am Samstag, den
9. April 2005 Abschied von Allround-Talent Harald Juhnke. Der
regierende Bürgermeister Klaus Wowereit würdigte in seiner Rede den
"großen deutschen Schauspieler, Erzkomödianten und Entertainer",
mit Juhnke sei auch eine Ära zu Ende gegangen: "Hildegard Knef,
Wolfgang Gruner, Günter Pfitzmann, Horst Buchholz,
Brigitte Mira, Harald Juhnke diese großartigen
Künstler haben die Theater- und Filmstadt Berlin geprägt."; der
Politiker beendete seine Ansprache mit den Worten: "Harald, you did it
your way". ZDF-Intendant Markus Schächter rief den Zuhörern
Juhnkes künstlerische Leistungen in Erinnerung und sprach von dem
"Ausnahmetalent und Tausendkünstler", bezeichnete Juhnke als
"Deutschlands beliebtesten, begabtesten, bizarrsten Schauspieler, der
Millionen vor den Fernseher gelockt hat."
Im Anschluss gedachte ZDF-Moderator Thomas Gottschalk mit einer sehr
persönlichen Rede den vielen Talenten seines verstorbenen Kollegen:
"Dies ist die Woche, in der ein toter Märchenfürst aufgebahrt in Monaco
liegt, in der wir den Nachfolger Petri zu Grabe getragen haben und in der wir
uns von Deutschlands größtem Entertainer Harald Juhnke verabschieden
müssen. Fast scheint es, als sei der liebe Gott es leid gewesen, sich im
Himmel unter seinem Niveau amüsieren zu müssen. Er wird an Harald seine
Freude haben. Wer von uns aus der Zunft der Gaukler und Entertainer an die
christliche Lehre der Auferstehung glaubt, der weiß auch, dass es vor Gott
keine Zwei-Klassen- Gesellschaft gibt und wird mit einer gewissen Genugtuung
zur Kenntnis nehmen, dass der fromme Mann aus Rom und der Spötter aus Berlin
heute auf einer Augenhöhe vor ihrem Schöpfer stehen. … Wir
wollen uns an einen großen Unterhalter erinnern, der den Menschen in den
vielen Jahren seiner Karriere viele glückliche Stunden geschenkt hat. Dabei
hat er mit seiner Kunst das Beste aus ihnen herausgeholt echte
Gefühle. Das Publikum hat über den Entertainer gelacht und geweint, es hat
den Menschen bewundert und mit ihm gelitten. Und, man mag es mir im Angesicht
des Todes von zwei Persönlichkeiten unserer Generation, die beide auf ihre
Art Menschenfischer waren, zugestehen, noch einmal einen christlichen
Grundgedanken aufzugreifen: 'Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.' Harald Juhnke war ein Held der kleinen Leute
gewesen, er hat ihnen viel gegeben, und ich bin überzeugt, Harald, Du wirst
den Lohn dafür erhalten." Für die Familie sprach Juhnkes Sohn
Dr. Peer Juhnke und hob das berufliche Engagement seines Vaters
hervor, das sein Lebensinhalt, "sein Ein und Alles war, die Familie kam
da erst an zweiter Stelle, das mussten wir akzeptieren".
Im Anschluss an die Trauerfeier fand Harald Juhnke im engsten Familien-
und Freundeskreis auf dem Berliner Waldfriedhof Dahlem in einem Ehrengrab
seine letzte Ruhe in den Herzen seines Publikums wird er weiter
leben.
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1980 hatte der Entertainer und "Grandseigneur des Boulevards"
seine Biografie unter dem Titel "Die Kunst ein Mensch zu sein"
veröffentlicht, 1987 folgte eine Neuauflage mit dem Titel "Na wenn
schon": In "Was ich Ihnen noch sagen wollte …" erzählt
Juhnke voller Humor und Lebensweisheit von den wichtigsten Stationen seines
bewegten Lebens, seinen persönlichen Wünschen, Ansichten, Plänen und
Erwartungen; 1998 kam sein neues Buch "Meine sieben Leben" auf
den Markt. Eine weitere Biografie ist das Buch "Harald Juhnke" von
dem Theaterkritiker und Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung
Rüdiger Schaper, der das Leben des "Entertainers der Nation"
auf eine Weise dokumentiert, die zugleich kritisch und wohlwollend ist.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Ingo Heine (Fotograf
in Berlin)
© Ingo Heine
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Juhnke war in erster Ehe seit dem Frühjahr 1952 mit der Schauspielerin und
Tänzerin Sybil Werden1)
(1924 2007) verheiratet gewesen. Aus der Verbindung stamm(t)en Tochter
Barbara (1953 1955) und Sohn Peer
(geb. 1956), der heute als Arzt bzw. Chirurg in München tätig ist. 1962 ließ sich das Paar scheiden,
anschließend lebte Juhnke mit seiner Kollegin Chariklia Baxevanos3)
zusammen, von der er sich 1971 wieder trennte. Am 8. April 1971 heiratete
Juhnke in
zweiter Ehe die Halbchinesin Susanne Hsiao1), ebenfalls
Schauspielerin
und in Berlin geborene Tochter eines chinesischen Vaters und einer
ostpreußischen Mutter; aus dieser Verbindung stammt der 1972 geborene Sohn Oliver.
Im
September 2003 veröffentlichte Susanne Juhnke unter dem Titel
"In guten und in schlechten Tagen Mein Leben" ihre
Erinnerungen an die Zeit mit Deutschlands populärstem Entertainer. Das Buch
war in Zusammenarbeit mit der Journalistin Beate Wedekind entstanden und
schildert auf eindringliche Weise ihr Leben an der Seite von
Harald Juhnke.
Zu Ehren Juhnkes wurde am 25. Oktober 2005 im Berliner Ortsteil
Gesundbrunnen in der Fordoner Straße ein Gedenkstein enthüllt, der ein Relief
des Schauspielers zeigt, und von der Bildhauerin Eike Stielow entworfen wurde.
Nachdem die Gestaltung des Gedenksteins in der Öffentlichkeit überwiegend auf Ablehnung stieß,
wurde er von Joachim Brunken, einem Jugendfreund Juhnkes, verändert.
Ende März 2007 wurde eine neue Variante des Denkmales wiederum
durch Brunken in den Medien präsentiert. Dafür mussten 70.000 Euro aufgebracht werden.2)
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Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen
belegen die Popularität aber auch die
schauspielerischen Leistungen Juhnkes:
(Quelle und Link: Wikipedia)
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