Luis Trenker; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; von "Die bunte Welt des Films", veröffentlicht 1934 von der "Haus Bergman Tobacco Company"; Urheber: Unbekannt; Dieses Werk ist älter als 70 Jahre und sein Erschaffer nicht bekannt. Nach der "Berner Konvention" und den Gesetzen vieler Länder gilt dieses Werk als gemeinfrei. Luis Trenker wurde am 4. Oktober 1892 in St. Ulrich in Gröden (Südtirol, Italien) als Sohn des Malers und Bildschnitzers Jakob Trenker und dessen Frau Karolina geboren; einer von Trenkers Vorfahren, Josef Trenker, tat sich zusammen mit Andreas Hofer am Berg Isel im Kampf gegen Napoleon hervor.
Nach dem Besuch der Volksschule (1898 bis 1901) und der Bürgerschule im Bozener Knabenseminar Josefinum (1902/03) absolvierte Luis Trenker ab 1903 zwei Jahre lang die Bau- und Kunsthandwerkerschule in Bozen, anschließend bis zum Abitur 1912 die k.u.k. Realschule in Innsbruck. Danach begann er ein Architekturstudium an der "Technischen Hochschule" in Wien, welches er 1914 durch die Einberufung zum Kriegsdienst bis 1918 unterbrechen musste. Trenker wurde Soldat, nahm zunächst als Kanonier in Galizien, später, nach einer Verwundung, ab 1916 als Offizier einer Bergführerkompanie in den Dolomiten am 1. Welzkrieg teil. 1920 nahm er sein Studium der Architektur in Wien wieder auf und schloss dieses 1924 an der "Technischen Universität" in Graz ab. Bis 1927 arbeitete er als Architekt in Bozen, außerdem war er Skilehrer und Bergführer; schon als Schüler hatte er die schwierige Bergführerprüfung abgelegt. Als Bergführer wurde er dann 1923 auch für den Film entdeckt, der ihn dann nicht mehr loslassen sollte.
 
Foto: Luis Trenker
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
von "Die bunte Welt des Films", veröffentlicht 1934 von der "Haus Bergman Tobacco Company"
Urheber: Unbekannt
Genehmigung siehe hier
Der Regisseur und Bergfilmpionier Dr. Arnold Franck1) (1889 – 1974), der Trenker zunächst als alpinen Berater engagiert hatte gab ihm die Hauptrolle in dem stummen Streifen "Der Berg des Schicksals"2) (1924). In den folgenden Bergfilmen "Der Heilige Berg"2) (1926) und der "Der Große Sprung"2) (1927) war Trenker Partner von Leni Riefenstahl3) (1902 – 2003). Um seine eigenen Ideen umsetzen zu können, drängte es ihn schon bald zur Regie. In der Stummfilmversion von "Kampf ums Matterhorn" (1927) nach dem Roman von Carl Haensel1) (1889 – 1968) leitete er die Außenaufnahmen, mimte unter der Regie von Nunzio Malasomma gleichzeitig den Bergführer Jean-Antoine Carrel, mit dem der Engländer Edward Whymper1) (1840 – 1911), gespielt von Peter Voß1) (1891 – 1979), um die Erstbesteigung des Matterhorns konkurriert. Trenker beschritt erstmals neue Wege, verbannte den Bergfilm aus den Ateliers, ging hinaus in die Natur. Die Produzenten schickten ihn in die Arktis nach Spitzbergen, wo "Der Ruf des Nordens" (1929) entstand, in dem erstmals Ansätze zum heroischen Epos sichtbar werden. Es folgten die ersten Tonfilme "Die heiligen drei Brunnen" (1930), "Die Große Sehnsucht" (1930) und "Der Sohn der weißen Berge" (1930), wo er bereit Co-Regie führte; seine Kriegserlebnisse verarbeitete Trenker dann 1931 im ersten eigenen Spielfilm "Berge in Flammen"1). Als Regisseur bearbeitete Trenker die Themen seiner Heimat; in fast allen Filmen, in denen er Regie führte, übernahm er auch die Hauptrolle. Sein Andreas-Hofer-Drama " Der Rebell" (1932) wurde von John Ford für ein Meisterwerk gehalten. Die Filme realisierte er meist nach eigenen Vorlagen, die ihn selbst als Helden in den Mittelpunkt stellten.  
  
Trenker drehte auch in den Vereinigten Staaten Filme, die schicksalhaft die Weltwirtschaftkrise verarbeiteten, so beispielsweise " Der verlorene Sohn" (1934). Nach "Der Kaiser von Kalifornien"1) (1936) entstand das legendäre Leinwand-Epos "Der Berg ruft!"1) (1938), der Rebellenfilm "Condottieri"2) (1937) wurde von den Katholiken als zu antiklerikal, von den Protestanten als zu katholisch und von den Nazis als Verrat am Führertum an gesehen. Nach "Liebesbriefe aus dem Engadin" (1938) sowie dem 1940 entstandenen Streifen "Feuerteufel"2), der verdeckte Kritik am Hitler-Regime enthielt, konnte Trenker bis Kriegsende in Deutschland keine eigenen Filme mehr realisieren. Auch seine Weigerung in Südtirol für die Nationalsozialisten zu optieren, hatte zu einer starken Verstimmung mit Goebbels und dem Propagandaministerium geführt. Trenker setzte nun seine Filmtätigkeit in Italien fort, drehte unter anderem "Im Banne des Monte Miracolo" (1943, Monte Miracolo) sowie den Jubiläums-Dokumentarfilm des Papstes "Pastor Angelicus".
1941 wurden das Drehbuch und die Finanzierung eines neuen Films abgelehnt, da Trenker darauf bestanden hatte, in den italienischen Alpen zu drehen. Auch andere Filmprojekte wurden von der Reichsleitung abgelehnt. 1942 spielte er als Hauptdarsteller mit Genehmigung der Reichsfilmkammer im nationalsozialistischen Propagandafilm "Germanin – Bayer 205". Das Drehbuch stammte diesmal allerdings nicht von Trenker selbst; die Regie führte Goebbels' Schwager Max W. Kimmich. Die Hauptrolle in "Germanin" trug Trenker nach 1945 "den Ruf eines Nazi-Schauspielers" ein (König/F.Trenker, Bera Luis, S. 219). Wie aus einem Brief an den Stab Himmlers hervorgeht, wurde Trenker nach diesem Film offiziell mit Berufsverbot belegt. 1940 hatte er Berlin verlassen und war nach Rom gezogen, wo er sich bessere Bedingungen erhoffte und 1942 "Pastor Angelicus" drehte. Er konnte 1943, diesmal auch wieder in der Funktion des Regisseurs und Autors, in Italien mit den Dreharbeiten zum Film "Im Banne des Monte Miracolo2 beginnen, die er jedoch erst sechs Jahre später, in Österreich, beenden konnte. König/F.Trenker (S. 221) bezeichnen diesen Film "als eigentliche letzte filmische Tätigkeit Trenkers zur Zeit des Dritten Reiches". Er zog sich schließlich nach Bozen zurück und versuchte weiterhin, Finanzmittel für neue Filmprojekte aufzutreiben.5)

Auch auf Riefenstahls Gefolgsmann Luis Trenker lastete ein Nazi-Fluch; sein Nationalepos "Der Rebell" war einer von Goebbels' Lieblingsfilmen. Vielleicht mimte er deswegen in den 1950er Jahren den arglosen und immer leicht vertrottelt wirkenden Plauderonkel im Fernsehen. Dabei war der Südtiroler in den 1930er Jahren ein begnadeter Filmemacher gewesen, dessen zwischen Expressionismus und Naturalismus schwankender Stil sogar in Hollywood Aufsehen erregte. Gefälschte Kraxel-Touren auf Studio-Felsen hätte der Naturbursch als ein Sakrileg empfunden. Zur Nazi-Ideologie hielt Trenker trotz seines Hangs zur Heimattümelei immer Sicherheitsabstand. Stets sind seine Filmhelden beseelt von einer betont antizackigen, immer ein wenig chaotischen Gemütlichkeit, die mit faschistischem Über- und Herrenmenschentum wenig zu tun hatten. Trenkers Meisterwerk "Der verlorene Sohn", in dem er obdachlos und gepeinigt von der Sehnsucht nach den Bergen auf der Suche nach einem Teller Suppe durch New Yorker Hochhausschluchten taumelt, war ein Vorbild für den erst zehn Jahre später sich entfaltenden italienischen Neorealismus.
Bis 1949 lebte Trenker in Venedig und Rom, danach kehrte er in seine Südtiroler Heimat zurück, gründete eine eigene Produktionsfirma und drehte bis in die 1980er Jahre zahlreiche Heimat- und Bergdramen wie "Wetterleuchten um Maria"1) (1957) oder das Remake von "Schicksal am Matterhorn", das unter dem Titel "Von der Liebe besiegt"1) (1956) in die Kinos kam, jeweils mit Marianne Hold in der Titelrolle. Aber auch etliche Dokumentarstreifen, etwa "Kleine Kletterfahrt"1) (1952), "Grüß Gott, Herr Pfarrer" (1962) oder "Südtirol und seine Bergführer" (1982) tragen seine Handschrift.
Sein vielseitiges Talent bewies Trenker auch mit seinen zahlreichen Bestseller-Romanen wie "Helden der Berge" (1936) oder "Duell in den Bergen" (1951), die zum Teil mehr als acht Millionen Auflage erreichten. Seine Erinnerungen veröffentlichte Trenker unter den Titeln "Alles gut gegangen. Geschichten aus meinem Leben" (1965), bereits 1959 hatte er im Bayerischen Rundfunk mit der Sendung "Luis Trenker erzählt" das Publikum an seinem Leben teilhaben lassen.. In seinen letzten Lebensjahren setzte er sich in Wort und Schrift besonders für den Umweltschutz ein; 1978 gehörte er zu den Unterzeichnern einer Wählerinitiative der "GRÜNEN".
Sein wettergegerbtes Gesicht, das je nach Bedarf finstere Entschlossenheit oder naive Lebensfreude ausstrahlte, stand für den Typ des rauen Berghelden, der jeden Gipfel stürmt und die waghalsigste Herausforderung annimmt. Der "James Bond der Berge" war ein Genie der Selbstdarstellung, in ihm verband sich der hemdsärmelige Naturbursch mit dem sendungsbewussten Patrioten zu einer Figur von archaischer Größe. Er rettete vergessene Werte wie Glaube, Daseinsfreude, Heimatliebe aus einer anderen Zeit in die Gegenwart.
6)

Der Regisseur, Schauspieler und Schriftsteller Luis Trenker starb am 12. April 1990 mit 97 Jahren in Bozen; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Ortsfriedhof seiner Heimatgemeinde St. Ulrich in Gröden in einem Familiengrab.
Trenker war von 1928 bis zu deren Tod im Jahre 1988 mit der Leipziger Fabrikantentochter Hilde Bleichert verheiratet gewesen; aus der Verbindung stammen die Kinder Florian, Luis Ferdinand, Barbara und Josef. Eine neue Lebensgefährtin fand Trenker in seiner jungen Privatsekretärin Martina Höller, mit der er noch im hohen Alter ein Kind gezeugt haben soll.
Während seiner langen künstlerischen Karriere wurde Trenker vielfach ausgezeichnet: So erhielt er unter anderem 1936 auf dem Festival in Venedig einen Preis für "Der verlorene Sohn", 1955 die "Große Goldmedaille" des Bergfilmfestivals in Trient, 1978 den "Karl-Valentin-Orden", 1982 ein "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film". Außerdem war er Träger des "Komturkreuzes" der Republik Italien (1966), des "Goldenen Verdienstkreuzes" des Landes Tirol (1977) und des "Bayerischen Verdienstordens" (1979). Seit 1962 war Trenker Ehrenbürger seiner Geburtstadt St. Ulrich sowie seit 1956 Ehrenmitglied des Bergführervereins Zermatt.

Nach jahrelanger Odyssee wurde das "Luis-Trenker-Zentralarchiv" Mitte März 2004 von Trenkers Nachkommen dem "Museum Gröden"1) (Museum de Gherdëina) im Zentrum von St. Ulrich in Gröden übergeben. Der Nachlass umfasst über 220 Objekte wie Bilder, Fotos, Bücher und sonstige Exponate aus dem persönlichen Besitz des Künstlers, eine Dauerausstellung erinnert an Trenkers Filmschaffen und hält den Mythos "Luis Trenker" wach. 
Von Stefan König und Florian Trenker stammt die im Oktober 2006 erschienene Biografie "Bera Luis – Das Phänomen Luis Trenker".
Der 1930 geborene Sohn Florian Trenker verstarb 2003, Dr. Luis Ferdinand Trenker ist Jurist und betreut mit Bruder Josef Trenker unter anderem das digitalisierte "Luis Trenker Archiv" im "Museum Gröden".

  
Link: 1) Wikipedia, 2)  Murnau-Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) www.globus-film.de
Quelle: 5) Wikipedia (abgerufen 09.10.2011),  6) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 355
Genehmigung Foto Luis Trenker: Dieses Werk ist älter als 70 Jahre und sein Erschaffer nicht bekannt. Nach der "Berner Konvention" und den Gesetzen vieler Länder gilt dieses Werk als gemeinfrei.

Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de, www.cyranos.ch sowie
den Artikel bei www.br-online.de
Fotos bei film.virtual-history.com

  
Filme (Auszug)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de