Willy Millowitsch wurde am 8. Januar 1909 in Köln geboren. Mit fünf
Jahren
zog er mit seinen Eltern Peter und Käthe Millowitsch,
einer Wienerin, nach Köln-Lövenich, wo er bis zu seinem Tod lebte. Schon als Kind
nahm er regen Anteil am Theatergeschehen, damals in der Schildergasse (Colosseum), und erlebte alle Premieren, wirkte bereits in kleinen Kinderrollen mit und
machte sich auch sonst nützlich. Willy Millowitsch über sich selbst:
"Gelernt habe ich im Grund nichts, nicht einmal einen Beruf. Aber ich war von Anfang an
dabei."
Die Ursprünge des Millowitsch-Theaters lagen im Puppenspiel. Erst der Großvater von
Willy Millowitsch, Wilhelm Millowitsch
(gest. 1909) und dessen Ehefrau Emma (gest. 1930) belebten die Bühne ihrer
"Plattkölnischen Volksbühne" mit Menschen. 1908 mieteten sie das
"Colosseum" an der Schildergasse, der erste feste Theaterbau
der bis dahin herumreisenden Schauspielertruppe, deren Kern die Eltern und die
sechs Kinder, darunter Peter, der Vater Willys, bildeten.
Nach Wilhelms Tod wurde seine Ehefrau erfolgreiche Theaterdirektorin.
Inzwischen war Peter Millowitsch zum Publikumsliebling avanciert und mit
dessen Sohn Willy stand auch schon die nächste Generation in den Startlöchern.
Foto: © Rainer
Binder
(Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwandt werden.)
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Noch als Schüler ohne förmlichen Schulabschluss wechselte Willy Millowitsch
"hauptberuflich" über ins Schauspielfach, obwohl er
ursprünglich Ingenieur werden wollte. Im Theater seines Vaters, der nach
der Inflation auf Tourneen gehen
musste und bis 1936 in den verschiedensten Spielstätten in
Köln und Umgebung Theater spielte, war der junge Millowitsch Mädchen für alles. Ab 1936 gab es
dann endlich eine feste Spielstätte, das heutige Volkstheater Millowitsch im damaligen
Coloniahaus.
Während des Krieges war Millowitsch auf Fronttheatertournee eingesetzt worden, weil das
"Kraft Durch Freude-Haus" ausgebombt wurde. 1940 übernahm er von seinem
Vater die Leitung der Familienbühne.
Glücklicherweise waren die Kriegsschäden am Theater Millowitsch relativ gering, so
dass der Spielbetrieb nach Kriegsende bereits im Oktober 1945 wieder aufgenommen werden konnte.
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Der damalige Oberbürgermeister von Köln, Dr. Konrad Adenauer,
hatte sich persönlich dafür verwendet. Er wollte, dass Millowitsch so
schnell wie möglich wieder spielte. "Die Leute müssen wieder was zu
lachen haben", befand Adenauer damals.
1946 heiratet Willy Millowitsch seine Frau Gerda, geb. Feldhoff. Vier
Kinder entstammen Ehe: Katharina (Oberstudienrätin), Peter (Schauspieler),
Susanne (Buchhändlerin), Mariele (Tierärztin und Schauspielerin).
Von 1945 bis 1949 wurde täglich gespielt. Zusätzlich dazu gab es
ab 1947 auch Kinovorführungen, um die Betriebskosten einzuspielen und
den Bühnebetrieb fortsetzen zu können. "Das Theater Millowitsch hat
nie Subventionen bekommen", stellte Willy Millowitsch einmal mit
Stolz fest.
Links:
Willy Millowitsch und seine Frau Gerda
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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1949 ging der erste Theaterboom in Köln mit der Währungsreform zu Ende,
die Menschen verlagerten ihre Interessen und blieben dem Theater zunehmend fern.
Für Millowitsch erwies es sich deshalb als sehr nützlich, auch sein Kino zu haben.
1949 kam Millowitsch erstmalig mit dem Film in Berührung: er übernahm in
"Gesucht wird Majora" die Rolle eines jungen Heimkehrers;. Eine ernste Rolle spielte er nur
einmal 1950 in "Madonna in Ketten", wo er einen Frauenarzt verkörperte.
Er war jedoch schon damals so populär, dass seine Wirkung unbeabsichtigt komisch war.
In den 50er und 60er Jahren folgten eine Anzahl weiterer Filme. Bereits
in den frühen 50er Jahren sah man ihn in Filmen wie
"Mönche, Mädchen und Panduren" (1952) und "Der fröhliche
Weinberg" (ebenfalls 1952). 1957 spielte er in Kurt Meisels Gaunerkomödie "Drei Mann auf einem
Pferd" mit, wieder 1957 in Alfred Weidenmanns
Liebeskomödie "Scampalo" mit der jungen Romy Schneider, sowie im gleichen Jahr
in Géza von Bolvárys Komödie
"Zwei Herzen im Mai".
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Danach folgten Helmut Weiss' Heimatfilm "Alle Tage ist kein Sonntag" (1959),
Rudolf Schündlers "Willy, der Privatdetektiv" (1960), Géza von Cziffras Musikkomödie
"Die Fledermaus" (1961), mit Peter Alexander, Marianne Koch
und Hans Moser, 1961 Hans Deppes Heimatkomödie "Robert
und Bertram" sowie der Streifen "Der Hochtourist". Die Komödie
"Die drei Scheinheiligen" zeigte ihn 1964 an der Seite von Harald Juhnke,
in Kurt Hoffmanns
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967) waren Liselotte Pulver,
Gila von Weitershausen und Hannelore Elsner seine Partnerinnen, die Komödien
"Heubodengeflüster in Oberbayern" und "Paradies der flotten
Sünder" (beide 1967) waren zwei der zahlreichen
Regiearbeiten von Rolf Olsen, in denen der Kölner mitwirkte.
1968, die Zeit der Studentenunruhen, Willi spielte weiter drauflos: Werner Jacobs
besetzte ihn wieder neben Peter Alexander und
Hannelore Elsner in
"Die Lümmel von der ersten Bank Zum Teufel mit der
Penne" und
Franz Antel in der Verwechslungskomödie
"Otto ist auf Frauen scharf" mit Gunther Phillip.
Und immer weiter Filme, Filme, Filme
In Franz Antels "Die lustigen Vier von der
Tankstelle" (1972) spielte Willi neben Uschi Glas und dem
Eiskunstlaufstar Hans-Jürgen Bäumler,
"Alter Kahn und junge Liebe" (1973) war ein Heimatfilm mit Roy Black,
"Unsere Tante ist das Letzte" (1973) eine Komödie mit Eddie Arent.
Schließlich besetzte ihn 1975 Regisseur Franz Josef Gottlieb in der Hauptrolle der Komödie
"Der Geheimnisträger".
Doch auch die 80er Jahre hielten neben anspruchsvollen Theaterrollen weitere
Komödien-Rollen für Willy Millowitsch bereit: Unter Peter Zadeks
Regie spielte er 1982 in "Die wilden Fünfziger", eine
Hauptrolle folgte in "Ein dicker Hund" (1982), und sogar in
der US-Komödie "Hilfe, die Amis kommen" (1985, National
Lampoon’s European Vacation) mit
Chevy Chase und Beverly D'Angelo hatte er einen Gastauftritt.
Kinofilme
(Links: Wikipedia) |
| 1949: Gesucht wird Majora |
1955: Zwei blaue Augen |
| 1957: Zwei Matrosen auf der Alm |
1957: Schön ist die Welt |
| 1957: Drei Mann auf einem Pferd |
1958: Vater, Mutter und neun Kinder |
| 1958: Liebe, Mädchen und Soldaten |
1958: Zwei Herzen im Mai |
| 1958: Scampolo |
1958: Die Landärztin vom Tegernsee |
| 1959: Lass mich am Sonntag nicht allein |
1959: Alle Tage ist kein Sonntag |
| 1960: Willy, der Privatdetektiv |
1960: Der wahre Jakob |
| 1961: Der Hochtourist |
1961: Robert und Bertram |
| 1962: Der Zigeunerbaron |
1962: Die Fledermaus |
| 1962: Dicke Luft |
1964: Die drei Scheinheiligen |
| 1967: Otto ist auf Frauen scharf |
1967: Herrliche Zeiten im Spessart |
| 1968: Paradies der flotten Sünder |
1968: Zum Teufel mit der Penne |
| 1969: Warum hab ich bloß 2x ja gesagt |
1969: Heubodengeflüster |
| 1969: Charleys Onkel |
1969: Klassenkeile |
| 1970: Frau Wirtin bläst auch gern Trompete |
1972: Die lustigen Vier von der Tankstelle |
| 1973: Unsere Tante ist das Letzte |
1973: Alter Kahn und junge Leute |
| 1976: Der Geheimnisträger |
1982: Ein dicker Hund |
| 1983: Die wilden Fünfziger |
1985: Hilfe,
die Amis kommen
National Lampoon’s European Vacation |
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Doch zurück zum Theater: Schon 1953 tat sich im Fernsehen für Willy Millowitsch eine
neue Bühne auf: am 27. Oktober 1953 sendete der NWDR die erste Live-Übertragung aus
seinem Theater mit Publikum. An damals 4.600 Bildschirmen sah man eines seiner berühmtesten
Stücke, den "Etappenhasen" mit Willy Millowitsch in der
Hauptrolle, ein Volksstück in rheinischer Mundart aus dem Militärleben von Karl
Bunje.
Bis heute wurde dieses Stück über 1.000 Mal aufgeführt. Das Fernsehen brachte für
das Theater Millowitsch und seinen Hauptdarsteller eine neue Ära. Niemand hatte anfänglich mit
dem außerordentlichen Erfolg dieser Live-Sendung gerechnet.
"Das Fernsehen ist eine kulturelle Institution", entrüstete sich
noch Adolf Grimme, der Direktor des Nordwestdeutschen Rundfunks, "der
Millowitsch hat da nichts zu
suchen!" Aber die Resonanz war so
positiv, dass schon sechs Wochen danach wieder der Ü-Wagen des Kölner Senders
vor dem Millowitsch-Theater stand, und der "Etappenhase" zum zweiten Mal über
die kleinen Schwarz-Weiß-Bildschirme flimmerte.
Man entdeckte rasch die besondere Attraktivität des Volkstheaters und das Theater Millowitsch
inszenierte in kürzester Zeit die verschiedensten Stücke.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Edmond Frederik
zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik
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Sie wurden zu wahren
"Straßenfegern" in ganz Deutschland, nicht
nur am Rhein, und das Rheinische eine weithin bekannte Mundart, die für
Gemütlichkeit und augenzwinkernden Humor stand. Das plattdeutsche
"Ohnsorg-Theater" und das bayerische "Komödienstadel" beeilten sich nachzuziehen.
Der Erfolg der Fernsehübertragungen wirkte sich auf das Theater aus; der Besuch
war plötzlich wieder gefragt;
es folgten Hunderte von Aufführungen. In vielen kölschen Klassikern spielte
Millowitsch, der nie eine Schauspielschule besucht hatte, die Hauptrolle, etwa in dem berühmten Stück "Fussig
Julche", "Schneider Wibbel", das "Glücksmädel"
oder "Tante Jutta aus Kalkutta".
Auf dem musikalischem Sektor hatte Willy Millowitsch auch so einiges zu
bieten, mit 30 bis 40 Schallplattenproduktionen war er als
"Stimmungssänger" überaus erfolgreich, brachte mit
"Schnaps, das war sein letztes Wort" oder
"Wir sind alle kleine Sünderlein" bei ungezählten öffentlichen Auftritten und Großveranstaltungen
nicht nur Generationen von Karnevalisten zum Schunkeln.
1996 übergab Millowitsch die Leitung seines Theaters an den Sohn Peter; bereits 1995
hatte der Senior das Theaterspielen aus gesundheitlichen Gründen
aufgeben.
Im Laufe seines Lebens erhielt Millowitsch zahlreiche Ehrungen; unter
anderem 1961/62 "Goldener Bravo-Otto", 1984 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse,
1989 wurde er Ehrenbürger von Köln, 1990 den " Bambi". Er ist Deutschlands
einziger Volksschauspieler,
der schon zu Lebzeiten über ein eigenes Denkmal verfügt; es wurde 1992 am Eisenmarkt
in Köln aufgestellt.
Am 8. Januar 1999 wurde Willy Millowitsch 90 Jahre alt. Auch bei seinem 90. Geburtstag
fand eine aufwendige TV-Show
statt sein letzter öffentlicher Auftritt. Der 90. Geburtstag dieses
großen Volksschauspielers war Anlass für viele Größen aus Politik und Kultur, den Urkölner in
dieser bunten Gala mit einem begeisterten Publikum nochmals hochleben zu lassen.
Am 20. September 1999 starb Willy Millowitsch für alle zu früh an Herzversagen. Das Kölner "Urgestein" wurde unter großer
Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt, dicht
gedrängt stehen Tausende an der abgesperrten Domplatte. Als der Sarg Willy Millowitschs
aus dem Dom getragen wurde, brandet unter den Wartenden großer Applaus auf.
Dass er bis zuletzt immer noch voller Tatendrang gesteckt hatte, bewiesen seine im Sommer 1999
aufgenommenen Titel:
"Wenn d'r Herrjott nit will", "Das Leben ist doch herrlich" und das
Weihnachtslied
"Wenn ich su ahn fröher denke" die nach seinem Tod Ende Oktober 1999 veröffentlicht
wurden.
Der frühe Erfolg Millowitschs beruhte wohl darauf, dass die Deutschen
einen Unbefleckten brauchten, der auf demonstrative Weise das
Lachen nicht verlernt hatte, seine spätere Wirkung bestand darin,
Humor mit Güte, Plumpheit mit Beweglichkeit zu paaren und aufbrausend komisch zu
sein:
Der Name Millowitsch wird stets als Markenzeichen für rheinischen Frohsinn und kölsches
Mundwerk gelten.
Der "Pausenclown", wie er sich selbst nannte, lachte unaggressiv über
andere, ohne denunziatorisch zu sein und verfügte über ein gerüttelt Maß an Selbstironie. Als
"Lachsack der Nation" schien er für differenzierte Rollen nicht verhalten und leise
genug aber sein Kommissar Klefisch bewies das Gegenteil. Millowitsch hatte den Wunsch geäußert, einen gestandenen Kommissar spielen zu wollen. Für den WDR
schrieb daraufhin Hans Werner Kettenbach, Journalist und Krimiautor, das maßgeschneiderte
Drehbuch. Der erste Klefisch-Krimi,
"Ein Fall für Onkel", wurde 1990 ausgestrahlt; es
folgten 1991 "Dienstvergehen", 1993 "Tod
am Meer", 1995 "Klefischs schwerster Fall"1) und 1996" Vorbei ist vorbei".
Rechts: Willy Millowitsch und Loki Schmidt
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue. |
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