Valeska Gert
Valeska Gert wurde am 11. Januar 1892 als Gertrude Valeska Samosch in Berlin geboren; ihr Vater, der Berliner Kaufmann Theodor Samosch, besaß eine Fabrik für Blumen und Federn. Bereits mit sieben Jahren erhielt die kleine Gertrude auf Wunsch ihrer Mutter Tanzunterricht, als junges Mädchen ließ sie sich gegen den Willen ihrer Eltern von Maria Moissi an deren Berliner Schauspielschule sowie von Alfred Breiderhoff zur Schauspielerin ausbilden. Wenig später erhielt sie ein Engagement an den Münchner Kammerspielen und im Jahr darauf konnte sie bereits große Erfolge als Solotänzerin in Berlin und München verzeichnen.
In den Jahren des ersten Weltkriegs trat sie mit Solotänzen innerhalb einer Aufführung einer Tanzschule auf und kreierte als Erste Tanzsatiren, eine Mixtur aus Pantomime, Tanz und Kabarett; bereits 1917/18 war sie am am "Deutschen Theater" in Berlin engagiert. Rasch machte sie sich mit ihren revolutionierenden Tänzen einen Namen, schockierte die sogenannte "gute Gesellschaft", avancierte zur ersten deutsche Tänzerin von internationalem Format. "Boxen", "Nervosität", "Kupplerin", "Tod" oder "Canaille" betitelte sie ihre exzentrischen Tanzpantomimen, die sie zu einer "femme scandaleuse" in den wilden 1920er Jahren werden ließ. "Weil ich den Bürger nicht liebte, tanzte ich die von ihm Verachteten, Dirnen, Kupplerinnen, Ausgeglitschte.", sagte sie später einmal. Der Schriftsteller Kurt Tucholsky1) bezeichnete ihr Menuett als das "Skelett von Potsdam", auf Wunsch von Bertolt Brecht1) tanzte sie in den Münchner Kammerspielen zu Orgelmusik, 1929/30 traf sie in Moskau während einer Russlandtournee den Regisseur Sergej Eisenstein1), mit dem sie später eng befreundet war; auch dieser zeigte sich von ihrer Kunst tief beeindruckt. Schwarzgekleidet, mit glühenden Augen, Strichmund und Raubvogelnase, war sie eine Mischung aus Vampir und weiblichem Boris Karloff2). Als Tänzerin ekstatisch, im Film mitunter ein radikaler Gegenentwurf zum Guten, Wahren, Schönen, gehörten ihre Gestalten vor allem der morbiden, dekadenten Unterschicht der Gesellschaft an.
  
Das noch junge Medium Film nutzte ihre spezielle körperliche Darstellungsweise, ihr Leinwanddebüt gab sie jedoch noch mit der Figur des "Puck" in Hans Neumanns stummen Parodie von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" (1925) neben Hans Albers als "Demetrius", Werner Krauss als "Zettel " und Alexander Granach als "Waldschrat". In Georg Wilhelm Pabsts Stummfilmklassiker "Die freudlose Gasse"1) (1925, mit Greta Garbo und Werner Krauss) spielte sie eine schmierige Bordellmutter, in Henrik Galeens "Alraune"1) (1927) ein Straßenmädchen. Weitere stumme Streifen waren Jean Renoirs Émile Zola-Adaption "Nana" (1926), Carl Kochs Experimentalfilm "Der Tod" (1929), Carl Junghans' "So ist das Leben"1) (1929), Georg Wilhelm Pabsts "Tagebuch einer Verlorenen"1) (1929; mit Louise Brooks) sowie "Menschen am Sonntag"1) (1930) von Robert Siodmak, Rochus Gliese und Edgar G. Ulmer. Auch ihren ersten Tonfilm drehte Valeska Gert mit Georg Wilhelm Pabst, herausragend war hier ihre Darstellung der Mrs. Peachum in dessen ersten Verfilmung nach Brechts "Die Dreigroschenoper"1) (1931) mit Rudolf Forster als Mackie Messer.
  
Mit der Machtergreifung der Nazis ging die Jüdin Valeska Gert 1933 zunächst nach Frankreich, später nach Großbritannien, wo sie als Tänzerin an verschiedenen Londoner Theatern auftrat und auch eine winzige Rolle in dem Film "Pett and Pott: A Fairy Story of the Suburbs" (1934) übernahm. 1935 wurde sie aufgrund der Nazi-Rassengesetze von ihrem ersten Mann Helmuth von Krause geschieden, den sie 1918 geheiratet hatte. Ein Jahr später ehelichte sie Robin Hay Anderson, um die britische Staatsbürgerschaft zu erlangen. 1938 reiste sie in die USA, wo sie sich zunächst als Tellerwäscherin und Aktmodell über Wasser hielt; ab 1941 betrieb sie in New York das Kellerkabarett "Beggar Bar", eine Mischung aus Kabarett und Restaurant, welches sie jedoch im Frühjahr 1945 wegen behördlicher Auflagen wieder schließen musste. Kurze Zeit später eröffnete sie für kurze Zeit in Provincetown das Kabarett "Valeska's", kehrte dann im März 1947 nach Europa zurück.  
Zunächst ging sie nach Frankreich, später in die Schweiz, betrieb in Zürich ein Café und kam dann schließlich am 17. Februar 1949 wieder nach Berlin, wo sie das Kabarett "Die Hexenküche" eröffnete; der junge Klaus Kinski rezitierte hier zum ersten Mal Villon. Sie selbst spielte in der "Hexenküche" die für ihre Grausamkeit berüchtigte KZ-Kommandeuse Ilse Koch1), die 1949 zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde.3) 1951 ging sie nach Kampen auf Sylt, wo sie seit 1932 ein Haus besaß, und eröffnete dort am 2. Juli die Nachtbar "Ziegenstall", wo sie ihre makabren Lieder vor einem meist bizarres Publikum sang. An den Wänden des künstlerisch gestalteten "Ziegenstalls" war zu lesen "Die Gäste sind wie die Ziegen, sie werden gemolken und meckern!" Viele Jahre lebte Valeska Gert in den Sommermonaten auf Sylt, bevor sie ihre Berliner Wohnung aufgab und sich ganz nach Sylt zurückzog.
 
Im Film feierte Valeska Gert ab Mitte der 1960er Jahre ein kleines Comeback: Fellini besetzte sie als Faktotum Pijma in "Julia und die Geister"1) (1965, Giulietta degli spiriti), Rainer Werner Fassbinder gab ihr eine Rolle in seinem TV-Mehrteiler "Acht Stunden sind kein Tag"1) (1972); 1975 sah man sie in dem Kinofilm "Die Betörung der blauen Matrosen"1) sowie als verrückte Aristokratin Tante Praskovia in Volker Schlöndorffs "Der Fangschuss"1) (1976); Schlöndorff widmete der ehemaligen exzentrischen Tänzerin 1977 eine einstündige, bemerkenswerte TV-Dokumentation unter dem Titel "Nur zum Spaß – Nur zum Spiel. Kaleidoskop Valeska Gert" → schloendorff.deutsches-filminstitut.de.
Valeska Gert, die 1970 mit dem "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" ausgezeichnet worden war, starb –  von den Medien wenig beachtet – (vermutlich) am 16. März 1978 (zwischen dem 15. und 18. 03.1978) mit 86 Jahren in ihrem Haus auf Sylt. Am 18. März 1978 machen sich Nachbarn und Bekannte Sorgen, weil Valeska Gert seit vier Tagen nicht mehr gesehen wurde. Als die Haustür in Gegenwart der Polizei gewaltsam geöffnet wird, ist Gert bereits tot.3)
Ihre letzte Ruhe fand die Tänzerin und Schauspielerin in Berlin in einem Ehrengrab der Stadt → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons. Valeska Gert wurde in ihrer Geburts- und Lieblingsstadt Berlin beerdigt, wo sie auch nach ihrer Remigration noch lange Zeit (parallel zu Sylt) eine Wohnung hatte. Sie durfte auf dem Friedhof Ruhleben (Am Hain) in (West)-Berlin nicht wunschgemäß in einem "knallroten Sarg" bestattet werden, doch war der Sarg mit einem roten Tuch bedeckt. Der schwarze Grabstein trägt ihren Namen als Autogramm in Pink. Ihr Nachlass gelangte durch ihren Biographen an das Archiv der Akademie der Künste Berlin; bemerkenswerte Dokumente besitzen auch die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln und das Deutsche Tanzarchiv Köln. Valeska Gert ist ein Stern im "Walk of Fame des Kabaretts" gewidmet. Im Berliner Stadtteil Friedrichshain ist eine Straße nach ihr benannt.3)
  
Ihre ersten Erinnerungen hatte die Künstlerin 1930 unter dem Titel "Mein Weg" veröffentlicht, 1950 folgte "Die Bettlerbar von New York", 1968 "Ich bin eine Hexe – Kaleidoskop meines Lebens", welches inzwischen auch als Hörbuch mit wenigen Originalaufnahmen auf den Markt kam; 1973 erschien das Buch "Katze von Kampen". Schon 1913/14 hatte Valeska Gert in der Zeitschrift "Elegante Welt" eigene Texte veröffentlicht, in den 1920er Jahren publizierte sie Artikel in Zeitschriften wie "Die Weltbühne" und "Berliner Tageblatt".
 
Von Dr. Frank-Manuel Peter, dem Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln/SK Stiftung Kultur, erschien 1985 das Buch "Valeska Gert. Tänzerin, Schauspielerin, Kabarettistin. Eine dokumentarische Biographie" mit einem Vorwort von Volker Schlöndorff. 
Textbausteine des Kurzportraits von www.cyranos.ch sowie aus
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 122/123
und Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
3) Quelle: Wikipedia
    
Filme
 
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia)
Stummfilme Tonfilme
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