Walter Gross wurde am 5. Februar 1904 in Eberswalde als Sohn eines Schneidermeisters bei Berlin geboren und wuchs auch dort auf. Nach dem Besuch der Oberrealschule machte er ab 1921 eine dreijährige Ausbildung als Speditionskaufmann, entschied sich dann aber für eine Theaterlaufbahn und besuchte die Berliner "Max-Reinhard-Schauspielschule". Zunächst spielte er an Laienbühnen, begann dann aber in den 1920er Jahren seine Karriere als Komparse in den Revuen von Erik Charell1) (1894 – 1974). 1926 debütierte Gross in der Revue "Von Mund zu Mund" am "Großen Berliner Schauspielhaus", 1928/29 sah man ihn am "Lustspielhaus" und am "Theater unter den Linden", seine Betätigungsfelder wurden vor allem die Berliner Kabaretts wie beispielsweise das "Kabarett der Komiker"1) und bis Kriegsende war er nahezu allen Berliner Bühnen tätig.
Große Erfolge feierte er im Kabarett "Tingeltangel"1), wo Gross allerdings im Mai 1935 zusammen mit Werner Finck2) (1902 – 1978) und Günther Lüders2) (1905 – 1975) wegen einer anzüglichen Szene verhaftet wurde; sechs Wochen lang verbrachte der Schauspieler im Konzentrationslager Esterwehe, wurde dann mit einem zeitweiligen Berufsverbot belegt.
 
 
Foto: Walter Gross Ende August 1956 bei einem Gastspiel 
der "Insulaner" im Bonner "Metropol"-Kino1)
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F004068-0004;
Fotograf: Teske / Datierung: 27.08.1956 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F004068-0004 bzw. Wikimedia Commons
Walter Gross Ende August 1956 bei einem Gastspiel der "Insulaner im Bonner "Metropol"; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F004068-0004; Fotograf: Teske / Datierung: 27.08.1956 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Nach Kriegsende erlangte Gross als unentwegt schwatzender, phrasendreschender "Jenosse Funzionär" bzw. als Mitglied der legendären "Insulaner"1) ungeheure Popularität, gehörte lange Jahre zum "Stammpersonal" der gleichnamigen Sendung des damaligen RIAS Berlin, die während der Blockade Berlins 1948 von dem Kabarettisten Günter Neumann1) (1917 – 1972) aus der Taufe gehoben worden war und mit der eine moralische Unterstützung der Bevölkerung organisiert wurde. "Und damit, Jenossen, kommen wir zu unseres heutiges Themata!" galt jahrelang als eine Art Markenzeichen des Schauspielers, der neben so legendären Kollegen wie Bruno Fritz2) (1900 – 1984), Edith Schollwer2) (1904 – 2002), Tatjana Sais1) (1910 – 1981) und Ewald Wenck1) (1891 – 1981) das Publikum begeisterte. Die damalige Erkennungsmelodie mit dem Refrain "Der Insulaner verliert die Ruhe nicht"? gehörte zu den populärsten Songs der Nachkriegszeit.
 
1933 hatte die Leinwandkarriere des Schauspielers mit der Rolle des Mr. Winter in "Es war einmal ein Musikus" begonnen, drei weitere Filme folgten im gleichen Jahr: "Die Nacht der großen Liebe", "Nordpol – Ahoi!" und "Zwei im Sonnenschein"3). Bis Kriegsende trat Gross in zahllosen Filmlustspielen auf und gab meist den Typus des hilflosen, sich etwas sperrig bewegenden Mannes mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Der kleine Mann mit der hohen Stirn und dem verschmitzten Blick hinter der dicken Hornbrille war nie der Star, spielte aber liebenswerte Gesellen, die etwas täppisch waren, überall aneckten und immer das Publikum auf ihrer Seite hatten.4)
Walter Gross 01; Copyright Virginia Shue Diesen Figurentypus behielt Gross auch im Unterhaltungsfilm der Nachkriegsjahre mit unzähligen Chargenrollen bei, mimte auch hier meist den gutmütigen, schlitzohrigen Zeitgenossen. So war er beispielsweise 1951 der kleine schmuggelnde Ganove in "Königin einer Nacht"3), 1955 der Kellner Otto in "Der Letzte Mann", 1959 das Paulchen in "Gitarren klingen leise durch die Nacht"1) oder 1962 der Prof. Marhold in "Café Oriental", um nur einige der zahllosen Kinoproduktionen, in denen Gross mitwirkte, zu nennen. Die Kinobesucher sahen ihn auch in den 1950er Jahren Woche für Woche als "Schussel" an der Seite von "Clever" (Jupp Hussels) in Sachen Kurzfilm-Verkehrserziehung in den Einblendungen der Reihe "Welt im Bild – Wochenschau".
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Auch das Fernsehen nutzte, wenn auch spät, die Qualitäten des herzerfrischenden, berlinernden Komikers für sich. Gross wirkt in insgesamt über 120 Produktionen mit und war unter anderem 1977 neben Brigitte Mira in der TV-Serie "Drei Damen vom Grill"1) zu sehen. Seine letzte Fernsehrolle hatte der sympathische Schauspieler 1983 in dem Stück "Die Beine des Elefanten".
Neben seiner umfangreichen Arbeit für Film und Fernsehen blieb Walter Gross immer der Bühne treu, so glänzte er beispielsweise Mitte der 1970er Jahre als Professor Gollwitz in dem Lustspielklassiker "Der Raub der Sabinerinnen"1)
  oder Anfang der 80er Jahre in Zadecks Fallada-Revue "Jeder stirbt für sich allein".
Darüber hinaus war Gross ein gefragter Synchronsprecher, lieh Stars wie Gene Kelly, Red Skelton oder Harold Lloyd seine Stimme. Auch die Zeichentrickfigur "Schweinchen Dick" erweckte er in der deutschsprachigen Version mit seiner unverwechselbaren Quietschstimme zum Leben.
1979 hatte man den Schauspieler für seine Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, 1988 zeichnete man ihn mit dem "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" aus.
  
Wenig später erlitt Walter Gross 1988 einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Der seit vielen Jahren in Berlin-Dahlem lebende Künstler starb dort am 17. Mai 1989 mit 86 Jahren an Herzversagen; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof Berlin-Dahlem. In erster Ehe war Gross mit der Schauspielerin Lou Seitz1) (1899 – 1985) verheiratet gewesen, 1950 hatte er in zweiter Ehe die ehemalige Schauspielerin Ingeborg (Inge) Strakosch geheiratet.
 
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Walter Gross 02; Copyright Virginia Shue
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung
4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 135
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, Günter Neumann Stiftung
  
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
1933: Die Nacht der großen Liebe 1933: Zwei im Sonnenschein
1933: Nordpol – Ahoi! 1933: Es war einmal ein Musikus
1934: Alte Kameraden 1934: Der Herr Senator
1934: Am Telefon wird gewünscht 1934: Die Beiden Seehunde
1934: Bitte ein Autogramm! 1934: Abschiedswalzer
1936: Der Weg nach Shanghai 1936: Es geht um mein Leben
1937: Wenn du eine Schwiegermutter hast 1937: Gleisdreieck
1937: Capriolen 1938: Frühlingsluft
1938: Napoleon ist an allem schuld 1939: Das Gewehr über
1939: D III 38 1939: Die Fromme Lüge
1939: Paradies der Junggesellen 1939: Renate im Quartett
1940: Seitensprünge 1943: Ein glücklicher Mensch
1943: Großstadtmelodie 1944: Ich habe von dir geträumt
1944: Die Jahre vergehen 1944: Eine Kleine Sommermelodie
1945: Dr. phil. Doederlein (unvollendet) 1945: Shiva und die Galgenblume
1945: Der Fall Molander (unvollendet) 1945: Unter den Brücken
1946: Sag' die Wahrheit 1947: Razzia
1947: Kein Platz für Liebe 1949: Unser täglich Brot
1949: Nächte am Nil 1949: Quartett zu fünft
1949: Die Buntkarierten 1949: Der Andere
1950: Wenn Männer schwindeln 1950: Maharadscha wider Willen
1951: Tanz ins Glück 1951: Durch dick und dünn
1951: Königin einer Nacht 1951: Rhythm Inn
1952: Heimweh nach dir 1952: Mikosch rückt ein
1952: Wenn abends die Heide träumt 1952: Der Fürst von Pappenheim
1953: Schlagerparade 1953: Quax in Afrika
1953: So ein Affentheater 1953: Von Liebe reden wir später
1953: Der Onkel aus Amerika 1954: Glückliche Reise
1954: Emil und die Detektive 1954: Der Treue Husar
1955: Wunschkonzert 1955: Der Letzte Mann
1955: Musik im Blut 1956: Wenn wir alle Engel wären
1956: Die Schöne Meisterin 1957: Drei Mann auf einem Pferd
1957: Der Fuchs von Paris 1957: Die Prinzessin von St. Wolfgang
1957: Frühling in Berlin 1957: Die Unschuld vom Lande
1957: Der Kühne Schwimmer 1958: Die Grünen Teufel von Monte Cassino
1958: Mein Mädchen ist ein Postillion 1958: Der Schwarze Blitz
1958: Mein Schatz ist aus Tirol 1958: Das gab's nur einmal
1958: Kleine Leute mal ganz groß 1958: Zwei Herzen im Mai
1959: Gitarren klingen leise durch die Nacht 1959: Mandolinen und Mondschein
1959: Ja, so ein Mädchen mit sechzehn 1959: Mikosch, der Stolz der Kompanie
1959: Kein Mann zum Heiraten 1959: Mikosch im Geheimdienst
1959: Immer die Mädchen 1960: Kauf dir einen bunten Luftballon
1960: Meine Nichte tut das nicht 1960: Conny und Peter machen Musik
1960: Schön ist die Liebe am Königssee 1960: Das Kunstseidene Mädchen
1960: Schlagerparade 1961: Blond muss man sein auf Capri
1961: Davon träumen alle Mädchen 1961: So liebt und küsst man in Tirol
1961: Eheinstitut Aurora 1961: Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen
1961: Toller Hecht auf krummer Tour 1961: Immer Ärger mit dem Bett
1962: Die Türkischen Gurken 1962: Der Zigeunerbaron
1962: Verrückt und zugenäht 1962: Café Oriental
1963: Übermut im Salzkammergut 1964: Die Drei Scheinheiligen
1973: Einer von uns beiden 1974: Auch ich war nur ein mittelmäßiger Schüler
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