Filmografie / Hörspiel
Der Schauspieler und Kabarettist Bruno Fritz wurde am 4. März 1900 in Berlin geboren. Nach dem Besuch der Oberrealschule absolvierte er in seiner Geburtsstadt eine Ausbildung an der von Max Reinhardt1) gegründeten Schauspielschule des "Deutschen Theaters" (heute "Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch"1)); anschließend trat er verschiedenen Berliner Bühnen auf und betätigte sich bereits beim Hörfunk. 1935 gründete er gemeinsam mit Günter Neumann1) (1917 – 1972) und dessen späteren Ehefrau Tatjana Sais1) (1910 – 1981) das Kabarett "Tatzelwurm".
Bruno Fritz als "Kummer" in einem Programm der "Insulaner" am 6. Oktober 1959 in der Freiburger Stadthalle; Urheber: Willy Pragher; Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg; Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons Bekannt wurde der Künstler mit dem unverwechselbaren "Mundwerk" Ende der 1940er Jahre als Gründungsmitglied der legendären "Insulaner"1). Bis 1963 gehörte er zum "Stammpersonal" der gleichnamigen Sendung des damaligen "RIAS Berlin"1), die während der Berlin-Blockade1) 1948 von Günter Neumann aus der Taufe gehoben worden war und mit der eine moralische Unterstützung der Bevölkerung organisiert wurde. Die damalige Erkennungsmelodie mit dem Refrain "Der Insulaner verliert die Ruhe nicht"? gehörte zu den populärsten Songs der Nachkriegszeit.
Mit dem Programm, das aus Scherz, Satire und Ironie, aber auch einer Portion Ernsthaftigkeit bestand, bewies Bruno Fritz gemeinsam mit seinen Kolleginnen/Kollegen wie unter anderem Edith Schollwer (1904 – 2002), Tatjana Sais, Walter Gross (1904 – 1989) und Ewald Wenck1)  (1891 – 1981) scharfzüngig und mit "Berliner Schnauze" seinen einzigartigen Humor. Als "Berufsberliner" trat er bis 1967 in verschiedenen Rollen auf, wobei er besonders den "Herrn Kummer" darstellte, der mit seinem imaginären Gesprächspartner "Herrn Pollowetzer" über die kleinen und großen Sorgen der Berliner telefonierte. "Man brauchte ihm nur ein Telefon in die Hand zu geben und schon sprudelte er los, ließ er ganze Pointenketten explodieren und traf so herzbewegend wie wunderbar ordinär den Ton der Stadt und ihrer Bewohner", so der Feuilletonist und Theaterkritiker Friedrich Luft1) anlässlich des Todes von Bruno Fritz.
    
Bruno Fritz als "Herr Kummer" in einem Programm der
"Insulaner" am 6. Oktober 1959 in der Freiburger Stadthalle
Urheber: Willy Pragher1); Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg
Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons
Daneben stand der Künstler immer wieder auf der Theaterbühne und auch auf der Leinwand zeigte er sein komödiantisches Talent. Bereits seit Mitte der 1930er Jahre hatte er vereinzelt Aufgaben für das Kino übernommen, spielte Nebenrollen in Streifen wie der Romanadaption "Oberwachtmeister Schwenke"1) (1934) oder in der von Veit Harlan in Szene Komödie "Der müde Theodor" (1936) nach dem Schwank von Max Ferner1) und Max Neal1) mit Weiß-Ferdl in der Titelrolle. Eine tragende Rolle, die des Schriftstellers Franz von Unruh, stellte er in dem Kurz-Spielfilm "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" (1937) dar. Mehrfach zeigte er sich an der Seite von Heinz Rühmann, so in "Die Umwege des schönen Karl"1) (1938), "Der Florentiner Hut"1) (1939) und in "Hurra! Ich bin Papa!"1) (1939). Die von Theo Lingen inszenierte Produktion "Frau Luna1) (1941) nach der gleichnamigen Operette1) von Paul Lincke1) (Musik) mit Lizzi Waldmüller und seinen Part des Inspizienten Milke blieb seine letzte Arbeit vor der Kinokamera während des Nazi-Regimes, deren Propaganda-Maschinerie sich Bruno Fritz somit entzog.
  
Im deutschen Nachkriegsfilm bediente er mit nachhaltigen Chargenrollen meist den Urberliner, konnte jedoch oft sein wahres komödiantisches Können nicht voll unter Beweis stellen. Er mimte überzogen gezeichnete "Militärs" wie den Major von Itzenblitz  in dem Schwank "Mikosch rückt ein"1) (1952) oder den Hauptfeldwebel Kuhnke in der in der Militärsatire "Der Hauptmann und sein Held"1) (1955), welche Max Nosseck1) nach dem Roman bzw. Bühnenstück von Claus Hubalek1) mit Ernst Schröder (Hauptmann/Major Eisenhecker) und Jo Herbst (Paul/Franz Kellermann) in den Hauptrollen für das Kino verfilmte. Oft wurde Bruno Fritz im Film mit "Leitungsfunktionen" betraut, so als Verleger Felix Sommer in der Liebeskomödie "Stips"1) (1951), als Generaldirektor Bruckmann in der Posse "Der keusche Josef"1) (1953), als Direktor Otto Hallersperg in dem Musikstreifen "Die große Chance"1) (1957) mit Freddy Quinn, als Generaldirektor Brennicke in der Internatsklamotte "Davon träumen alle Mädchen"1) (1961) oder als Bankdirektor Mayer in Helmut Käutners Wirtschaftswunder-Satire "Der Traum von Lieschen Müller"1) (1961).  Dazwischen lagen Auftritte in Kinoproduktionen wie dem Lustspielklassiker "Pension Schöller"1) (1952), dem Rühmann-Film "Keine Angst vor großen Tieren"1) (1953), dem Heimatstreifen "Hoch droben auf dem Berg"1) (1957) oder dem Musikfilm "Solang noch Untern Linden"1) (1958) von Willi Kollo1) über seinen Vater Walter Kollo1), dargestellt von René Kollo. In  "Der eiserne Gustav"1) (1958) nach dem Roman von Hans Fallada1) mit Heinz Rühmann als Droschkenkutscher Gustav Hartmann1) mimte er einen Amtsarzt, in der heiteren Familiengeschichte "So angelt man keinen Mann"1) (1959) sah man ihn unter anderem mit Grethe Weiser. Letzte Arbeiten für den Kinofilm waren das Fluchtdrama "Tunnel 28"1) (1962) sowie die Literaturverfilmung "Rheinsberg"1) (1967) nach der Erzählung "Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte"1) von Kurt Tucholsky1) → Übersicht Kinofilme.
Im Fernsehen trat Bruno Fritz ab Mitte der 1950er Jahre vornehmlich in Übertragungen/Aufzeichnungen von Theater-Inszenierungen in Erscheinung, so aus dem Berliner "Renaissance-Theaters"1), der "Komödie am Kurfürstendamm"1), dem "Hebbel-Theater"1) und dem Kölner "Millowitsch-Theater"1).  Er übernahm jedoch auch Aufgaben vor der TV-Kamera, so unter anderem als Herzog von Glendale in "Mylord weiß sich zu helfen"2) (1958) nach der Novelle "Lord Arthur Saviles Verbrechen"1) von Oscar Wilde1) mit Boy Gobert als Lord Arthur Savile oder als Pensionär Ernst Friedrich Ziermann in der Serie "Unser Pauker1) (1965/66) mit Georg Thomalla
Letztmalig erlebte man ihn 1973 als Weinhändler Karl Groß in dem unverwüstlichen Schwank "Der Raub der Sabinerinnen"1) von Franz und Paul von Schönthan1) neben Rudolf Platte (Theaterdirektor Emanuel Striese) und Friedrich Schoenfelder (Gymnasialprofessor Dr. Martin Gollwitz) auf dem Bildschirm, inszeniert von Stefan Meuschel am Berliner "Hebbel-Theater" → Übersicht TV-Sendungen.
Zudem stand der Künstler immer wieder im Hörspielstudio, bereits Mitte der 1920er Jahre hatte er bei der Berliner "Funk-Stunde AG"1) in verschiedenen Live-Sendungen mitgewirkt; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier. Im Synchronstudio war er ebenfalls zu finden, lieh unter anderem Bud Abbott (u.a. "Abbott und Costello treffen Frankenstein", 1948), Richard Widmark ("Herrin der toten Stadt", 1948) und Walter Slezak ("Weiße Frau am Kongo"3), 1953) seine Stimme → mehr bei synchronkartei.de.

Das Foto, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Werner Bethsold1) (1925–2019), 
entstand 1980 während einer Hörspielproduktion; © Werner Bethsold

Bruno Fritz
Bruno Fritz starb am 12. Juni 1984 im Alter von 84 Jahren in Berlin-Grunewald1), die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Berlin-Schmargendorf1) (Abt. F–3–19/20) → Foto der Grabstelle bei knerger.de. In der "Berliner Morgenpost" schrieb der bedeutende Theaterkritiker Friedrich Luft1) (1911 – 1990) zwei Tage später in einem Nachruf unter anderem: "Sein Mundwerk schien immer wie unter Dampf zu stehen und nur darauf zu warten, sich in einem Schwall von Worten zu ergießen. Er stand wie unter Rededruck. Seine Komik war von der besten, aggressivsten Art. Er konnte soviel mehr, als er meistens nur zeigen durfte. Ich habe ihn im "Renaissance-Theater" einmal als Gastwirt in Lessings "Minna von Barnhelm"1) gesehen. Theo Lingen spielte den Riccaut. Bruno Fritz war hinreißend und echt berlinisch und auf seine vorsichtige Spielart klassisch. … Er ist 84 Jahre alt geworden. Dienstag ist er gestorben. Jedesmal, wenn ein bedeutender Spaßmacher die Welt verlässt, möchte einem scheinen, als sei die Welt selber wieder etwas trauriger geworden. Bruno Fritz fehlt.";
Siehe auch cyranos.ch, Günter Neumann Stiftung, Wikipedia
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) Die Krimihomepage, 3) filmdienst.de
    
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de

(Fremde Links: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia, Die Krimihomepage, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
1920er Jahre nach 1945 Geschichten aus dem alten Berlin
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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