| Camilla Spira | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Camilla Spira wurde am 1. März 1906 als Tochter eines
Schauspielerehepaares in Hamburg geboren; ihr Vater war der jüdische
Schauspieler und Filmpionier Fritz Spira1) (geb. 1877),
der 1943 im damals in Jugoslawien gelegenen KZ Ruma von den Nazis ermordet wurde, ihre Mutter
die Bühnen-Schauspielerin Lotte Spira-Andresen1)
(1883 1943). Sie wuchs gemeinsam mit ihrer jüngeren
Schwester Steffie Spira1) (1908 1995)
auf und besuchte bereits mit
13 Jahren das "Max-Reinhardt-Seminar"1)
in Berlin. Nach ihrer Ausbildung startete die junge Schauspielerin ihre
Karriere am Berliner "Wallner-Theater"1),
erhielt später unter anderem ein Engagement am Wiener "Theater in der
Josefstadt". Zurück in Berlin wirkte sie bis 1933 an mehreren
Theatern, schaffte 1930 als singende und tanzende Wirtin Josepha Vogelhuber in
der von Regisseur Erik Charell1)
(1894 1959) produzierten Revue-Operette "Im weißen Rössl"
nach Ralph Benatzkys Singspiel den künstlerischen Durchbruch. Die
Uraufführung der gigantischen Revue am "Berliner Schauspielhaus",
dem umgebauten Zirkus Schumann, fand am 8. November 1930 statt und
geriet zum größten Theatererfolg der Weimarer Republik, nicht zuletzt wegen
Stars wie Max Hansen2) (1897 1961)
als verliebter
Zahlkellner Leopold und Siegfried Arno2) (1895 1975) als
"schöner" Sigismund. Weitere Akteure waren unter anderem Otto Wallburg1) (1889 1944)
als unzufriedener Gast
bzw. Fabrikant Wilhelm Giesecke und Paul Hörbiger2) (1894 1981) als der alte österreichische
Kaiser Franz Joseph I. 1933 erhielt Camilla Spira Auftrittsverbot und durfte, als "Halbjüdin" diffamiert, nicht mehr auf deutschen Bühnen spielen, lediglich Auftritte auf Bühnen des Jüdischen Kulturbundes1) wurden ihr noch gestattet. 1938 emigrierte die Schauspielerin zusammen mit ihrem Mann, dem Rechtsanwalt bzw. stellvertretenden Generaldirektor der damaligen "Engelhardt-Brauerei"1) Hermann Eisner (1897 1977), und den beiden gemeinsamen Kindern in die Niederlande und tauchte in Amsterdam unter. 1943 wurde Camilla Spira mit ihrer Tochter Susanne, der späteren Politikerin Susanne Thaler (verstorben am 11. Januar 2003) in das Durchgangslager Westerbork1) verschleppt; ihr Mann und ihr Sohn überlebten in Amsterdam den Nazi-Terror, Camilla Spira blieb bis Ende des Krieges in Westerbork inhaftiert, kehrte 1947 nach Berlin zurück. Zum Film kam Camilla Spira 1926 und war erstmals als Köchin in dem stummen Streifen "Wir sind vom K. u. K. Infanterie-Regiment" auf der Leinwand zu sehen. Zahlreiche weitere Filme folgten bis zu ihrer Emigration; so erlebte man sie beispielsweise in "Mein Leopold" (1932) und "Gehetzte Menschen" (1932), in der Hermann Löns-Verfilmung "Grün ist die Heide"1) (1932) mimte sie neben Theodor Loos als Förster Walter die weibliche Hauptrolle der jungen Grete, zeigte sich mit prägnanten Figuren in dem U-Boot-Drama "Morgenrot"1) (1933) und dem Krimi "Das Testament des Dr. Mabuse"1). Nach dem 2. Weltkrieg und der Rückkehr nach Deutschland wirkte Camilla Spira ab 1947 am Berliner "Hebbel-Theater" sowie an der "Staatlichen Schauspielbühne". Auch beim Film konnte sie wieder Fuß fassen und spielte in den folgenden Jahrzehnten in zahlreichen Produktionen mit. Ihre erste Nachkriegsrolle war 1949 die der jungen bis hin zur gealterten Arbeiterfrau Guste Schmiedecke in der DEFA-Produktion "Die Buntkarierten"1), welche ihr den ersten "Nationalpreis der DDR" einbrachte. Die Presse schrieb damals "Was sonst drei Schauspielerinnen hätten spielen müssen, das gelang ihr scheinbar mühelos". Nach zwei weiteren DEFA-Produktionen, u.a. "Semmelweis Retter der Mütter" (1950), arbeitete Camilla Spira ausschließlich für den westdeutschen Film. Sie zeigte sich in vielen weiteren erfolgreichen Nachkriegsstreifen, verkörperte meist Frauen, die das "Herz auf dem rechten Fleck" haben, und liebenswerte Mütter. So agierte sie beispielsweise 1952 als Ulrike in Georg Jacobys Verfilmung des Schwanks "Pension Schöller"1), in Robert A. Stemmles Kästner-Adaption "Emil und die Detektive"1) (1954) mimte sie Emils Tante. Als Kammersängerin Olivia Geiss tauchte sie in Helmut Käutners Zuckmayer-Verfilmung "Des Teufels General"1) (1955) auf, in Harald Brauns "Der letzte Mann" (1955), dem Remake des gleichnamigen Stummfilmklassikers von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1924, agierte sie im gleichen Jahr als Lenchen Knesebeck an der Seite von Hans Albers und Romy Schneider. Erneut mit Hans Albers stand sie für Rolf Thieles Komödie "Der tolle Bomberg"1) (1957) als Frau Kommerzienrat Mühlberg vor der Kamera, in Wolfgang Staudtes Gesellschaftssatire "Rosen für den Staatsanwalt"1) sah man sie 1959 als Hildegard Schramm und angepasste Ehefrau der Titelfigur alias Martin Held. In nachhaltiger Erinnerung ist Camilla Spira mit der Figur der patenten Mutter Martha Schiller bzw. Filmehefrau von Heinz Erhardt in Erich Engels' turbulent-heiteren Geschichte "Vater, Mutter und neun Kinder"1) (1958) geblieben. Auch das Fernsehen setzte die erfahrene Schauspielerin in verschiedensten Stücken ein: Sie wirkte u. a. 1962 in "Affäre Blum" mit, in der TV-Serie "Großer Mann, was nun?"2) (1967) überzeugte sie als Marie König bzw. leidgeprüfte Ehefrau des Titelhelden, gespielt von Gustav Knuth, und in dem Mehrteiler "Die Powenzbande"2) gab sie 1973 herrlich die sittenstrenge, reiche Apothekerwitwe Thusnelda Quiebus; einen letzten kleineren Fernsehauftritt hatte Camilla Spira in "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (1986), einem TV-Spiel, dass Eberhard Itzenplitz nach dem gleichnamigen Roman von Theodor Fontane in Szene gesetzt hatte. Die Schauspielerin verkörperte in all ihren Rollen stets lebenslustige Frauentypen, die in den frühen Jahren auch mit einer gewissen Koketterie ausgestattet waren; reifer geworden gab sie mütterliche Frauen mit Lebenserfahrung. Allen Figuren war gemeinsam, dass sie unbestechlichen, praktischen Alltagsverstand besaßen, mit dem sie auch zu intelligenten Zeitzeuginnen wurden und ernst genommen werden konnten.3) Camilla Spira, die zuletzt verwitwet in Berlin lebte, starb dort am 26. August 1997 im Alter von 91 Jahren; ihre letzte Ruhestätte fand die Schauspielerin auf dem Berliner Waldfriedhof Dahlem1) an der Seite ihres 1977 verstorbenen Mannes; siehe auch das Foto der Grabstätte bei www.knerger.de. Ihre ebenfalls schauspielernde Schwester Steffie (Stephanie) Spira-Ruschin, mit der sie in den letzten Jahren zusammen auftrat, war zwei Jahre zuvor am 10. Mai 1995 von ihr gegangen. Noch wenige Jahre zuvor entstand 1991 gemeinsam mit ihrer Schwester der zweiteilige Dokumentarfilm bzw. die Biografie "So wie es ist, bleibt es nicht. Die Geschichte von Camilla und Steffie Spira". |
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Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 340 |
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Siehe auch www.defa-sternstunden.de,
Wikipedia,
www.cyranos.ch,
www.exilarchiv.de Fotos bei film.virtual-history.com |
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