Karl Lieffen
Karl Lieffen wurde am 17. Mai 1926 als Carel Frantisek Lifka und Sohn eines Bergbeamten und einer Köchin im böhmischen Osek (heute Tschechien) geboren. Da er schon als Kind den Wunsch hatte, Musiker zu werden, bekam der kleine Carel bereits mit acht Jahren bei einem Dorflehrer Geigenunterricht. Als Hitler die Tschechoslowakei, besetzte, entschied Carels Vater, dass sein Sohn die Heeresmusikschule im niedersächsischen Bückeburg besuchen solle. Dort erzwang Carel Lifka dann 1938 mit einem vorgetäuschten Selbstmordversuch sein vorzeitiges Ausscheiden, weil er statt an der Violine mehr an der Waffe ausgebildet wurde. Er ging nach Braunschweig, nahm Schauspielunterricht an der dortigen "Akademie für Musik und Darstellende Kunst", wurde dann aber zum Wehrdienst einberufen. Als Soldat geriet er in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er fliehen konnte und tauchte in Deutschland unter; seinen Geburtsnamen änderte er nach Kriegsende in "Karl Lieffen" um.
Seine Karriere als Schauspieler begann Lieffen 1945 an den Städtischen Bühnen in Freiburg, wo er für zwei Jahre engagiert wurde. Spätere Stationen seiner Theaterlaufbahn waren das "Hessische Staatstheater" in Wiesbaden, die "Städtischen Bühnen" in Frankfurt a.M. und ab 1975 die "Münchner Kammerspiele"; siehe auch die Auswahl der Theateraufführungen, in denen Karl Lieffen auf der Bühne stand, bei Wikipedia.
 
Zum Film kam Karl Lieffen bereits 1949 und gab sein Leinwanddebüt unter der Regie von Karl-Heinz Stroux mit einer kleinen Nebenrolle in "Begegnung mit Werther". Ab Mitte der 1950er Jahre war er dann regelmäßiger auf der Leinwand vertreten und mimte meist zwielichtig-fiese Typen und Bösewichte, aber auch auch skurrile Figuren und Comic-Helden, wie 1958 mit seiner ersten und zugleich einzigen Hauptrolle als Meisterdetektiv Nick Knatterton in "Nick Knattertons Abenteuer". Drei Jahre später holte ihn Billy Wilder für seinen Kultfilm "Eins, Zwei, Drei"1) (1961, One, two, three) vor die Kamera – herrlich Lieffen in seiner Rolle des ewig und drei Tage salutierenden Fahrers Fritz, neben James Cagney, Lieselotte Pulver und Horst Buchholz. Zuletzt war der Schauspieler 1995 als Budelmeier in der Verfilmung des Kinderbuchs "Rennschwein Rudi Rüssel" von Uwe Timm und ein Jahr später als Großvater Gustav in der schwarzen Komödie "Rohe Ostern"1) im Kino zu sehen.

Auf dem Bildschirm zeigte sich Lieffen ab Anfang der 1960er Jahre mit schöner Regelmäßigkeit, so agierte er unter anderem zwischen 1967 und 1973 als Inspektor Janot in der 22 Folgen umfassenden ZDF-Krimireihe "Dem Täter auf der Spur"1). In nachhaltiger Erinnerung ist der Schauspieler als pedantisch-kauziger Vater Karl Kempowski in "Tadellöser & Wolff"2), der von Eberhard Fechner1) (1926 – 1992) inszenierten zweiteiligen TV-Verfilmung von Walter Kempowskis gleichnamigen Roman, geblieben, dessen Aussprüche wie "Tadellöser & Wolff", "Ansage mir frisch!", "primig" oder "Miesnitzdörfer & Jensen" (was soviel wie "schlecht" bedeutet) eine ganze Fernsehgeneration begleitete. Mehrfache Gastauftritte in dem Dauerbrenner "Derrick" – hier spielte er sowohl in der 1. Episode "Waldweg"1) (1974) wie auch in der letzten Folge "Das Abschiedsgeschenk" (1998) – oder Serien wie "Nicht von schlechten Eltern"1) (1993), wo er als Lateinlehrer Dr. Reckensihl auftauchte, zählen zu Lieffens TV-Filmografie. In der witzigen BR-Vorabendserie "Schlossherren"3) (1986) glänzte er als spleeniger Komponist Sebastian Peukert, der sich mit dem bodenständigen Kfz-Werkstattbesitzer Franz Bauer (Willy Harlander) nach einer Erbschaft zusammenraufen muss, eine schöne Figur war auch die des schlitzohrigen Hardy van Bellen in der heiteren Krimiserie "Lutz & Hardy"3) (1994/96) als Partner von Hans Korte, der den pensionierten Kommissar Robert Lutz mimte.
1991 wurde dem vielbeschäftigten Schauspieler, der in mehr als 200 Kino- und Fernsehproduktionen mitwirkte, der Titel eines "Bayerischen Staatsschauspielers" verliehen.
  
Karl Lieffen, Träger des "Bundesverdienstkreuzes am Bande" starb am 13. Januar 1999 in Starnberg im Alter von 72 Jahren an einem Gehirntumor. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof der oberbayerischen Gemeinde Schäftlarn (Landkreis München). Nur wenige Jahre zuvor hatte der damals 65-Jährige erstmals den Weg zum Standesamt gewagt und seine Ehefrau Sigrid geheiratet.4)
1974 veröffentlichte er seine Erinnerungen unter dem heute vergriffenen Buchtitel "Was fällt ihnen ein, Lieffen!".
 

Link: 1) Wikipedia, 2) Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) www.fernsehserien.de
Quelle: 4) www.berliner-zeitung.de sowie www.knerger.de (Foto der Grabstelle)
Siehe auch Wikipedia
  
Kinofilme
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Wikipedia)
1949: Begegnung mit Werther 1956: Der Bettelstudent
1957: Eva küsst nur Direktoren 1957: Haie und kleine Fische
1958: Auferstehung 1958: Ein Lied geht um die Welt
1958: Dorothea Angermann 1958: Nick Knattertons Abenteuer
1958: Wir Wunderkinder 1959: Das Schöne Abenteuer
1959: Das Totenschiff 1959: Ein Mann geht durch die Wand
1959: Melodie und Rhythmus 1959: Ein Tag, der nie zu Ende geht
1959: Mikosch, der Stolz der Kompanie 1960: Agatha, lass das Morden sein!
1960: Der Schleier fiel 1960: Conny und Peter machen Musik
1960: Eine Frau fürs ganze Leben 1960: Die Brücke des Schicksals
1960: Orientalische Nächte 1961: Die Ehe des Herrn Mississippi
1961: Toller Hecht auf krummer Tour 1961: Eins, Zwei, Drei (One, two, three)
1962: Drei lustige Gauner im Knast 1963: Die Flusspiraten vom Mississippi
1963: Piccadilly null Uhr zwölf 1965: Adrian, der Tulpendieb
1966: Lautlose Waffen 1967: Der Diamantenprinz
1967: Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn 1969: Die Engel von St. Pauli
1969: Josefine – das liebestolle Kätzchen 1972: Die Erbschaft
1972: Mensch, ärgere dich nicht 1979: Der Durchdreher
1979: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand 1982: Ein Gutes Land
1983: Die Wilden Fünfziger 1983: Lass das – ich hass das
1983: Nägel mit Köpfen 1985: Otto – Der Film
1995: Rennschwein Rudi Rüssel 1996: Rohe Ostern
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