Gert Haucke wurde am 13. März 1929 als Sohn eines Rechtsanwaltes in Berlin geboren und
verbrachte auch dort seine Kindheit und Jugend. Schon früh interessierte er
sich für das Theater, nach dem Abitur sprach er 1947 am Berliner
Schiller-Theater bei Boleslaw Barlog vor und erhielt auf Anhieb
einen Anfängervertrag. Haucke spielte dort bis 1951 die verschiedensten Rollen,
entschied sich auch für das Angebot des RIAS Berlin, als Nachrichtensprecher zu
arbeiten. Der Bühne
blieb der vielseitige Haucke stets treu, er wurde als Liedsänger bekannt,
als freier Schauspieler führten ihn Gastverträge unter anderem zur
Spielzeit 1968/69 an das Hamburger Schauspielhaus, als Regisseur arbeitete
er beispielsweise 1962 am Deutschen Theater in Buenos Aires sowie 1971/72 an den Bühnen der Hansestadt Lübeck.
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Zuletzt konnte man Haucke 2003 nach langer Bühnenabstinenz am
Hamburger Altonaer Theater wieder mal "Live" erleben: In der Beziehungskomödie
"Frühstück bei Kellermanns", einem Stück aus der Feder
seiner Schwester Ursula, welches er
selbst 20 Jahre zuvor mit Edith Hanke und Klaus Sonnenschein an der Berliner Tribüne inszeniert
hatte, mimte er nun an der Seite von Hannelore Droege als seiner Ehefrau
Lotte den brummelnden Kraftfahrzeugmeister Rudi. "Die Welt"
schrieb damals: "Zwei gestandene, bissige, liebevolle, ironische
Mimen: Sollten Schauspielschüler unter den Zuschauern sein: Achtung, Ausbildung!
Hier konnte man lernen, wie zwei gestandene Mimen ein Eheleben so zur Schau stellen,
dass man vergisst, dass es nur "Als ob" ist."
Im "Hamburger Abendblatt" stand unter anderem zu lesen: "Mit pointierten Wortgefechten
im ehevertraut ungezwungenen Zusammenspiel sahnen sie beim Publikum regelrecht ab. Mit
Genuss an der Selbstverleugnung gibt Gert Haucke das maulende, mimosenhafte Macho-Mannsbild.
Knochentrocken, von geradezu britischem Understatement ist sein Witz beim Paschaspielen,
dessen Selbstgewissheit nach der Pause köstlich zerbröselt. Nur mit sich beschäftigt,
kapiert Rudi gar nicht, was um ihn herum abgeht, wie Gattin Lottchen zaghaft, doch zielstrebig
aus bislang gewohnter Dienstmädchenfron ausbricht."
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Seit Anfang der 60er Jahre legte Haucke seinen Schwerpunkt neben seiner
Tätigkeit beim Rundfunk auf die Arbeit bei Film und Fernsehen, konnte
in seiner langen Karriere auf mehr als 250 Rollen in Kino- und Fernsehproduktionen
zurückblicken und auch beim Rundfunk wurde er zum Star. In der Sendung
"Papa, Charly hat gesagt
", die zwischen 1972 und 1987
im RIAS Berlin, WDR, Radio Bremen und SWF zu den erfolgreichsten Hörfunksendungen
zählte, trat er über 400 Mal als besserwisserische Vater auf,
dessen pfiffiger, altkluger Sohn ihm Löcher in den Bauch fragt. Die amüsanten Gesprächsduelle,
die das Tagesgeschehen kritisch unter die Lupe nahmen, haben inzwischen Kultcharakter erreicht, Haucke selbst wurde für seine
Leistung mit dem "Goldenen Mikrophon" ausgezeichnet. Aber auch
andere, zahllose weitere
Hörfunkrollen machten den Schauspieler überregional bekannt, vor allem in vielen
Literaturadaptionen und Lesungen war seine unverwechselbare Stimme zu
hören; in den letzten Jahren sprach er beispielsweise den Dr. Dallwitz in dem MDR-Hörspiel
"Am Sexophon: Esmeralda" von Günter Kunert, das auch als CD
erschienen ist.
Viele interessante Fernsehrollen beweisen Hauckes schauspielerische
Vielseitigkeit, hierzu gehören Auftritte in populären Krimiserien wie
"Der Kommissar", "Derrick", "Der Alte", "Großstadtrevier",
"Ein Fall für zwei" und "Tatort", aber auch
Unterhaltungsreihen wie "Geschichten aus der Heimat", "Ein Jahr ohne
Sonntag", "Kurklinik Rosenau",
"Schlosshotel Orth", "Freunde fürs Leben", "Heidi und Erni",
"Ein Bayer auf Rügen", "Berliner Weiße mit Schuß" oder "Traumschiff". In dem
Dauerbrenner "Der Landarzt" mimte Haucke seit 1986 fünfzehn Jahre
lang den schlitzohrigen Bauunternehmer Bruno Hanusch, in "Ihre Exzellenz, die Botschafterin" (1993)
tauchte er als Konsul Westphal auf.
Zu Gert Hauckes TV-Filmografie zählen viele Einzelproduktionen
unterschiedlichsten Genres: Darunter finden sich Literaturverfilmungen wie
Peter Beauvais' Adaption des Hauptmann-Dramas "Michael Kramer" (1965),
Eberhard Fechners Umsetzung des Kempowski-Romans "Tadellöser & Wolff" (1975),
Herbert Ballmanns mehrteilige Fallada-Verfilmung "Mann will nach
oben" (1978) sowie Egon Moncks Zweiteiler "Die Geschwister
Oppermann" (1983) nach dem Roman von Lion Feuchtwanger und die
fünfteilige Saga "Die Bertinis" (1989) nach dem gleichnamigen Roman von Ralph Giordano.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue. |
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Für Peter Beauvais stand der Schauspieler erneut in dem
Durbridge-Straßenfeger "Ein Mann namens Harry Brent" (1968) vor
der Kamera, Erik Ode besetzte ihn in "Preußenkorso 4548" (1977),
dem Episodenfilm um die Berliner Familie Sawatzki, und Hartmut Griesmayr in
der Komödie "Die Froschintrige" (1990). In Heinrich Breloers
Doku-Drama "Kollege Otto" (1991), der Geschichte über den Coop-Skandal
mit Rainer Hunold in der Titelrolle, spielte Haucke den Gewerkschaftsboss Alfons Lappas,
weitere nachhaltige Rollen hatte er beispielweise in Joachim Roerings
Satire um Weidmannsheil und Weidmannsgreuel "Halali oder Der Schuss ins Brötchen" (1994),
Carola Rolas Thriller "Blutige Spur", wo er neben Jan Niklas und Hannelore Elsner
den Kommissar Watzke mimte, sowie die Komödie "Männer sind was Wunderbares Nicht ganz schwindelfrei" (1998)
und der Rolle des Bankiers Arnold.
Auch verschiedenste Kinoproduktionen, in denen er prägnante Nebenrollen
spielte gehören zu Hauckes Filmografie: Zu nennen sind unter anderem Kurt Hoffmanns
Goetz-Verfilmung "Hokuspokus oder: Wie lasse ich meinen Mann verschwinden
?" (1966)
mit Heinz Rühmann und Liselotte Pulver, Wolfgang Staudtes
Krimikomödie "Ganovenehre" (1966) mit Mario Adorf und Gert Fröbe,
Harald Reinls Jerry Cotton-Thriller "Der Tod im roten
Jaguar" (1968) oder Alfred Vohrers Simmel-Verfilmung "Der Stoff, aus dem die Träume
sind" (1972). In den 70er und 80er Jahren folgten ambitionierte
Leinwandstreifen wie beispielsweise Ottokar Runzes "Der Lord von
Barmbeck" (1973) und "Verlorenes Leben" (1976) oder Reinhard Hauffs
"Die Verrohung des Franz Blum" (1974). Sein
komödiantisches Talent konnte Haucke in Komödien wie dem Gottschalk/Krüger-Klamauk
"Die Supernasen" (1983), der Polit-Satire "Is' was, Kanzler" (1984)
oder den Hallervorden-Späßen "Didi und die Rache der Enterbten" (1985),
"Didi auf vollen Touren" (1986) und "Der Experte" (1988)
voll ausleben; zu den letzten Kinoarbeiten gehören Petra Haffters Satire
"Der König von Dulsberg" (1994) mit Götz George, und Peter Wecks
Krimikomödie "Diebinnen" (1996) mit Christiane Hörbiger, Jennifer Nitsch
und Lena Stolze.
Den Künstler nur als erfolgreichen Hörfunksprecher, Schauspieler und
Regisseur zu qualifizieren, würde dem Multitalent Haucke nicht gerecht,
vielmehr hat er sich mit zahlreichen Artikeln, Features und Geschichten
einen Namen gemacht, ist darüber hinaus ein international anerkannter (und
gefürchteter) Tierschützer und Hundefachmann. Seine Bücher wie "Die Sache mit dem Hund"
(gemeinsam mit Co-Autor Heiko Gebhardt) und "Hund aufs Herz",
die sich durch viel Sachverstand und einem pointierte Schreibstil
auszeichnen, gehören inzwischen zu den Standardwerken der Branche;
mit seinem Buch "Mops und Moritz" beschreibt Haucke eine dicke Freundschaft zwischen eine kleinen Jungen und seinem
Hund und begeistert mit den humorvollen Geschichten auch bei Lesungen das
Publikum. Inzwischen sind einige seiner Werke auch als Hörbuch im Handel
erhältlich, für Hundebesitzer und solche, die es werden wollen, inzwischen
ein "Muss".
Im Februar 2004 musste Gert Haucke einen privaten Schicksalsschlag
verkraften, als seine zweite Frau, die Journalistin und Buch-Herausgeberin Ute Blaich,
65-jährig verstarb. Der Schauspieler lebte seither alleine in seinem Domizil
in der Umgebung von Garstedt am Rande der Lüneburger
Heide, treue Begleiter waren nach wie vor seine Hunde, mit denen er viel
Zeit verbrachte. Fünfzehn Jahre gehörte der Mops Kasper zur Familie, seine wehmütigen Erinnerungen an
diesen furchlosen Gefährten veröffentlichte Haucke in dem inzwischen vergriffenen Buch "Elefanten weinen nicht".
Später tollten die Bulldogge Otto und der Bostonterrier Willi sowie zwei
portugiesische Strandlaufhunden namens Schoko und Monty durchs Haus.
Ende Mai 2008 ging durch die Presse, Haucke sei hinter dem Steuer seines Wagens mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen; er
wurde in ein Krankenhaus in Lüneburg eingeliefert. Haucke, der mit mehr als
250 Rollen einen festen Platz in der deutschen TV- und Kinolandschaft gehabt
hatte, erholte sich nicht mehr von dem Zusammenbruch. Er starb am 30. Mai 2008 im Alter von 79 Jahren
im Lüneburger Klinikum an den Folgen des Herzinfarktes.
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