Ernst Jacobi 1948/49 beim RIAS Berlin Ernst Jacobi wurde am 11. Juli 1933 in Berlin geboren und wuchs auch dort auf; die Eltern hatten sich schon kurz nach der Geburt scheiden lassen. Die Kriegsjahre verlebte der Junge in Großbösendorf bei Thorn an der Weichsel und genoss sechs Jahre lang eine strenge Erziehung im Pfarrhaus des Onkels.
Schon früh entdeckte Jacobi seine Leidenschaft für das Theater, bereits als Jugendlicher begann er ab 1947 mit Sprechrollen beim damaligen RIAS Berlin. Bevor er zu einem der bedeutenden Darsteller sowohl auf der Bühne als auch bei Film und Fernsehen avancierte, ließ er sich nach dem Abitur, dass er 1951 an der Wald-Oberschule in Berlin-Charlottenburg bestand, drei Jahre lang an der renommierten Max-Reinhard-Schule in Berlin zum Schauspieler ausbilden, außerdem vertiefte er seine Studien anschließend bei Jaques Lecoq an der "Stage d'éte sur le mime" in Paris und London; seine ursprünglichen Berufspläne, ein Gartenbaustudium zu beginnen, hatte er verworfen.

Ernst Jacobi 1948/49 im Studio II des RIAS Berlin als "Klaus"
in der Sendung "Die RIAS-Kinder besuchen Onkel Tobias" mit Fritz Genschow1)
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi
Ein erstes Engagement erhielt er noch während seiner Ausbildung 1951 von Rudolf Noelte am Berliner "Hebbel-Theater" und gab sein Bühnendebüt in Shakespeares "Die Lustigen Weiber von Windsor", weitere Theaterstationen wurden unter anderem in Berlin das "Theater am Kurfürstendamm", die "Tribüne" und das "Schiller-Theater" sowie weitere bedeutende deutschsprachige Bühnen, beispielsweise in Frankfurt am Main, Köln, Hamburg (Deutsches Schauspielhaus) und München (Kammerspiele). 1977 folgte er einem Ruf an das berühmte Wiener "Burgtheater", dem er bis 1984 angehörte, ab 1987 wurde für fünf Jahre das "Zürcher Schauspielhaus" seine künstlerische Heimat.
 

Foto: Ernst Jacobi während seiner Ausbildung an der "Max-Reinhard-Schule" in Berlin
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi; Ernst Jacobi wurde von dem Fotografen Fritz Eschen (1900 – 1964) aufgenommen.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Klaus Eschen; © Fritz Eschen
Link: Wikipedia

Ernst Jacobi, Fotograf Fritz Eschen
Vielen klassischen und modernen Figuren verlieh Ernst Jacobi im Verlaufe der Jahre eindrucksvolle Bühnenpräsenz, alles lässt sich an dieser Stelle kaum aufzählen. Zu seinen frühen Rollen zählt beispielsweise unter der Regie von Willi Schmidt der "Schüler" in Goethes "Urfaust" (1953) oder der "Hans Meyer" in Friedrich Forsters Schauspiel "Der Graue" (1955, Regie: Christoph Groszer). Als "Lanzelot" in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" erlebte man ihn erstmals 1958 in einer Inszenierung von Karl Heinz Stroux, 1963 gestaltete er diese Rolle erneut unter Erwin Piscator – beide Male an der Seite des großen Ernst Deutsch in der Rolle des jüdischen Geldverleihers Shylock. Eindrucksvoll war 1959 die Interpretation des Homosexuellen Geoffrey neben Berta Drews in der deutschen Erstaufführung von Shelagh Delaneys Erfolgsstück "Bitterer Honig" (Regie: Ilo von Janko), welches zwei Jahre später unter dem Titel "A Taste of Honey"2) mit Rita Tushingham auch in die Kinos kam.
Ein weiterer Höhepunkt wurde 1964 Peter Shaffers Einakter "Hören Sie zu" (The private ear), den Harry Mayen an der Berliner Komödie inszeniert hatte und in dem Jacobi zusammen mit Harald Juhnke und Chariklia Baxevanos das Theaterpublikum begeisterte. Als Tischler "Andri" in Max Frischs Fabel "Andorra" (1962) war er ebenso überzeugend wie als "Andrej" in Anton Tschechows "Drei Schwestern" (1969) sowie ein Jahr später in dem Tschechow-Stück "Der Kirschgarten" mit Maria Wimmer, Cordula Trantow und Werner Kreindl, welches auch im Fernsehen gezeigt wurde; ebenfalls vom Fernsehen ausgestrahlt wurde Egon Monks Inszenierung von Schillers "Die Räuber" (1969) am "Deutschen Schauspielhaus" Hamburg mit einem beeindruckenden Jacobi als "Franz Moor". 
Ernst Jacobi als Redillon Mit Peter Palitzsch erarbeitete der Schauspieler am Wiener "Burgtheater" Rollen in verschiedenen Aufführungen, so den Philosophiedozenten Teddy in Pinters "Die Heimkehr" (1977, The Homecoming) und die Jugendliebe der Titelheldin, den genialisch-labilen Ejlert Lövborg in Henrik Ibsens "Hedda Gabler". Unter der Regie von Achim Benning glänzte er als Schriftsteller Schalimow in Maxim Gorkis "Sommergäste" (1980, auch TV) und als versnobten Liebaber "Redillon" in "Einer muss der Dumme sein", einer Beziehungskomödie des Franzosen George Feydeau, der auch als auch der "Molière des 19. Jahrhunderts" bezeichnet wird.

Foto: Ernst Jacobi als "Redillon" in "Einer muss der Dumme sein"
am "Akademietheater Wien", der zweiten Spielstätte des "Burgtheaters".
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi
Eine Glanzrolle als "Möbius" hatte Jacobi auch in Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker" (1987) am "Schauspielhaus Zürich", in Arthur Schnitzlers "Professor Bernhardi" (1989) gab er den Gegenspieler Professor Ebenwald und in Ibsens "Ein Volksfeind" (1990) brillierte Jacobi mit der Titelrolle an der Seite des unvergessenen Martin Benrath, der als dessen Bruder den Untergang des "Volksfeindes" und Badearztes Dr. Stockmann betreibt.

Das Foto zeigt Ernst Jacobi und Renate Steiger in Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker" am "Schauspielhaus Zürich" (Szene: Möbius nimmt Abschied von seiner ehemaligen Ehefrau.)
© Leonard Zubler

Ernst Jacobi und Renate Steiger in Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker"
Ernst Jacobi und Michael Degen An weiteren wichtigen Theaterstücken, in denen Ernst Jacobi mit seinem facettenreichen Spiel seine darstellerische Dominanz unter Beweis stellte, sind Hauptrollen in Heinar Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer" (1981, Regie: Heribert Sasse), Bertolt Brechts "Das Leben des Galilei" (1986, Regie: Walter Adler, auch TV), Tschechows "Onkel Wanja" (Regie: Heribert Sasse) sowie Peter Zadeks legendäre "Ghetto"-Inszenierung zu nennen; das Stück des israelischen Dramatikers Jehoschua Sobol, welches im jüdischen Ghetto von Wilna (heute Vilnius, Litauen) in den Jahren 1942 und 1943 spielt, hatte Zadek bereits Anfang 1984 erstmals spektakulär an der Berliner "Freien Volksbühne" herausgebracht, am 10. November 1984 hatte es am "Deutschen Schauspielhaus" in Hamburg Premiere und wurde dort bis 1986 überaus erfolgreich aufgeführt; Jacobi interpretierte den Bibliothekar Kruk, auf dessen Aufzeichnungen das Stück basiert.
 

Foto: Ernst Jacobi und Michael Degen1) während der Proben zu "Ghetto"
Das Foto stammt  von der Fotografin Roswitha Hecke; © Roswitha Hecke
Zum Film kam Ernst Jacobi Ende der 1950er Jahre und trat anfangs mit kleineren Rollen in Kinofilmen wie Hans Quests musikalischer Komödie "Die Große Chance"2) (1957) und Gerd Oswalds Krimi "Am Tag, als der Regen kam"2) (1959) in Erscheinung; Helmut Käutner besetzte ihn in dem Streifen "Schwarzer Kies" (1961), Egon Monk in der Parabel "Schlachtvieh" (1962) und Werner Klingler in dem Problemfilm "Die Nacht am See" (1963. In nachhaltiger Erinnerung bleibt die Figur des Gauleiters Löbsack in Volker Schlöndorffs Oscar-gekrönten Grass-Adaption "Die Blechtrommel"2) (1979) an der Seite von David Bennent (Oskar Matzerath), Mario Adorf (Alfred Matzerath) und Katharina Thalbach (Maria Matzerath), ein Jahr später erlebte man ihn als "Hans" und Partner von Eva Mattes in "Deutschland bleiche Mutter"2) (1980), der Geschichte einer Ehe vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges, die Helma Sanders-Brahms einfühlsam in Szene gesetzt hatte. Bereits für deren zweiten Langfilm "Der Angestellte" (1971, TV) hatte Jacobi vor der Kamera gestanden und wurde ein Jahr später beim "Mostra Internazionale del Film d'Autore" in San Remo für seine Leistung als "Bester Darsteller" ausgezeichnet.
 

Foto: Ernst Jacobi in den 1960ern
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi

Ernst Jacobi in den 60ern
Szenenfoto aus HAMSUN Zur Filmografie des Charakterdarstellers zählt weiterhin Franz Seitz' Literaturverfilmung "Erfolg" (1991) nach dem gleichnamigen Roman2) von Lion Feuchtwanger, er agierte in internationalen Produktionen wie in Guy Jacques Liebesfilm "Je m'appelle Victor" (1993, Mein Name ist Victor) mit Jeanne Moreau und Micheline Presle, stand als Leonard Haas für Leidulv Risans "Pakten" (1995, auch "The Sunset Boys") zusammen mit Robert Mitchum und Cliff Robertson vor der Kamera oder spielte den Adolf Hitler in Jan Troells "Hamsun"4) (1996), der preisgekrönten Film-Biographie über das Leben des norwegischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Knut Hamsum mit Max von Sydow in der Titelrolle. 
  
Szenenfoto aus "Hamsun" mit Ernst Jacobi als Hitler und Max von Sydow1)  in der Titelrolle: Hitler empfängt Knut Hamsun auf der Berghof-Terrasse.
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi
Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb Mitte Mai 1997 anlässlich der Ausstrahlung von "Hamsun" in der ARD unter anderem "… Es sind solche genau ausgespielten Szenen, die dieses Familiendrama, in dem es nur Opfer gibt, sehenswert machen. Ein immer ungeduldiger auf seinem Sessel hin- und herrutschender Hitler (Ernst Jacobi) zum Beispiel, der ein Gespräch unter Künstlern führen will und sich bei dieser Begegnung mit dem Schriftsteller auf dem Obersalzberg nun ein Plädoyer zugunsten des freien Norwegens anhören muss." Die "New York Times" besprach den Film ebenfalls ausführlich und merkte an "The story begins in 1935 and follows Hamsun's deepening commitment to the Nazis, who cynically exploited him as a high-culture poster boy for their cause. His involvement builds to a climactic meeting with Hitler (Ernst Jacobi) at the Führer's montain retreat. The egotistical Hamsun imagines the encounter as comparable to a meeting between Goethe and Napoleon."
  
Im Zusammenhang mit Jacobis Filmschaffen ist die Rolle des alten Kinderschänders Sievers in Martin Enlens packendem, zugleich beängstigenden Psychothriller "Roula" (1995) zu nennen, "Die Welt" schrieb am 9.5.1996 unter anderem: "… Klar umrissene Symbole, komplexe Figuren, tolle Schauspieler." (siehe auch www.dieterwunderlich.de) "Seine Präsenz prägt die Film- und Fernsehgeschichte des Landes und sorgt für unvergessene filmische Momente.  (…) Er verleiht seinen Rollen jene Tiefe und Abgründigkeit, die ihn bis an die Grenzen führen und seinen Zuschauern eben jene menschlichen Grenzbereiche vor Augen bringen."
(Quelle: www.wdr5.de)
Auch mit seinem astronomieversessenen Schuldirektor "Herrn Watermann" in Ben Verbongs unterhaltsamen Familiengeschichte "Sams in Gefahr"2) (2003), nach "Das Sams" (2001) die zweite Verfilmung des Kinderbuch-Bestsellers von Paul Maar, erntete Jacobi positive Kritiken.  
 
Seit den ersten Versuchsendungen Anfang der 1950er Jahre arbeitete Ernst Jacobi für das Fernsehen, spielte (live!) Haupt- und Nebenrollen in Stücken wie "Die Glücklichen Tage" (1953), "Nicodemus" (1953), "Möven über Sorrent" (1956), "Im sechsten Stock"1) (1959) oder "Die Dame ist nicht fürs Feuer" (1960), einer Frühlingskomödie von Christopher Fry. Seit Anfang der 1960er Jahre hatte Ernst Jacobi seine Tätigkeit für das Fernsehen intensiviert und zeigte vor allem in anspruchsvollen Literaturverfilmungen immer wieder seine enorme schauspielerische Wandlungsfähigkeit. 1960 erlebte man ihn unter der Regie von Erik Ode neben Inge Meysel und Rudolf Platte als Medizinstudenten Herbert in dem Curth Flatow-Volksstück "Das Fenster zum Flur" (auch: "Ihr schönster Tag"2)), zwei Jahre später  beeindruckte er beispielsweise mit der Titelrolle in Rolf Hädrichs Ost-West-Geschichte "Nachruf auf Jürgen Trahnke" (nach einem Handlungsstrang aus Dieter Meichsners Roman "Die Studenten von Berlin". 
Für Egon Monk stand Jacobi wiederholt vor der Kamera, so beispielsweise in dessen TV-Drama "Mauern" (1963) mit der Figur des Hans Nast neben Siegfried Wischnewski (als Werner Nast) und Camilla Spira (als Trude Nast) oder als Pfarrer in dem mit eingeblendeten Originalaufnahmen versetzten anspruchsvollen Fernsehfilm "Ein Tag – Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager"5)  (1965, Drehbuch: Günther Lys).  Monk betraute ihn auch mit der Hauptrolle in "Goldene Städte" (1969), einer TV-Inszenierung nach dem Schauspiel "Their Very Own and Golden City" von Arnold Wesker, in der das Leben des sozialistischen Architekten Andrew Cobham geschildert wird, eines Mannes, der sich vom Bergarbeiter zum Architekten hocharbeitet hat.
Viele namhafte Regisseure bedienten sich des facettenreichen Spiels des Ernst Jacobi, unter der Regie von Robert A. Stemmle agierte er 1965 als "Kubinke" in dem gleichnamigen Drama nach dem Roman von Georg Hermann, ebenfalls 1965 spielte er den "Arnold Kramer" in Peter Beauvais' Gerhart Hauptmann-Verfilmung "Michael Kramer" an der Seite von Martin Held in der Titelrolle.

Foto: Ernst Jacobi 1967 im Kibbutz in Israel
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi

Ernst Jacobi 1967 im Kibbutz in Israel
Wenig später überzeugte er als "Camille" in Hanns Korngiebels "Thérèse Raquin" (1966, nach Emile Zola) an der Seite von Ingrid Andree sowie unter der Regie von Rainer Wolffhardt in "Der Mitbürger" (1966), zu dem Wolfgang Menge das Drehbuch geschrieben hatte. Rolf Hädrich besetzte ihn als den Mörder in "Graf Öderland" (1968, mit Bernhard Wicki und Agnes Fink) nach Max Frisch und Claus Peter Witt in dem Fernsehspiel "Mathilde Möhring" (1969) nach Theodor Fontane. Den Schreiber Licht interpretierte Ernst Jacobi 1973 in Franz Peter Wirths Fernsehfassung von Kleists "Der zerbrochene Krug" neben Wolfgang Reichmann als Dorfrichter Adam.
  
Ernst Jacobi als "Camille" in "Thérèse Raquin" (SFB, 1966) Ernst Jacobi in "Michael Kramer" (ZDF 1965) Ernst Jacobi in "Der Mitbürger"  (SDR 1966)
Ernst Jacobi als "Camille"
 in "Thérèse Raquin"
 (SFB, 1966) 
Ernst Jacobi als "Arnold Kramer"
in "Michael Kramer"
 (ZDF 1965)
Ernst Jacobi in
 "Der Mitbürger"
 (SDR 1966) 

Fotos: Privatarchiv Ernst Jacobi

  
1972 übernahm Ernst Jacobi die Rolle des Kommissar Pflüger in dem Tatort "Wenn Steine sprechen"6) und musste zwei Mordfälle in der gehobenen Gesellschaft Baden-Badens lösen. Ein Jahr später lieferte er als Abonnentenwerber Tredup in Egon Monks fünfteiligen Literaturverfilmung "Bauern, Bonzen und Bomben"1) nach dem Roman von Hans Fallada eine eindrucksvolle Leistung ab, war 1975 der Erzähler in dem vielbeachteten Mehrteiler "Tadellöser & Wolff", Eberhard Fechners TV-Verfilmung von Walter Kempowskis gleichnamigen Roman. 
   
Ernst Jacobi als Präsident in Schillers "Kabale und Liebe" Ernst Jacobi als Abonnentenwerber Tredup in "Bauern, Bonzen und Bomben"
Vielseitig und facettenreich:
Ernst Jacobi war auf der Bühne als Präsident in Schillers "Kabale und Liebe" (links) 
ebenso eindrucksvoll wie im Fernsehen
 als Abonnentenwerber Tredup in "Bauern, Bonzen und Bomben" (rechts).

Fotos: Privatarchiv Ernst Jacobi

Mit Egon Monk drehte Jacobi "Die Gewehre der Frau Carrar" (1975, nach Bert Brecht), für Vojtech Jasny stand er mit der Titelrolle in dem Fernsehspiel "Leben des schizophrenen Dichters Alexander März" (1975) von Heinar Kipphardt vor der Kamera und zeigte einmal mehr seine enorme Ausdruckskraft: Kipphardt schildert darin den Krankheitsverlauf eines Mannes, der sich unter dem Druck der Umwelt in Wahnvorstellungen flüchtet, in eine Heilanstalt eingewiesen wird und dort schließlich Selbstmord begeht. Für seine Leistung wurde Ernst Jacobi im gleichen Jahr mit dem "prix italia" gewürdigt, ebenfalls 1975 erhielt er für seine Interpretation des "Alexander März" von der Berliner Akademie der Künste den "Großen Berliner Kunstpreis" – gemeinsam mit Peter Watkins, der die Auszeichnung für sein hochgelobtes dreistündiges Portrait über den expressionistischen Maler Edvard Munch entgegen nahm.

ZDF 21:15:  Das Fernsehspiel der Gegenwart:
Leben des schizophrenen Dichters Alexander März

von Heinar Kipphardt
Regie: Vojtech Jasny, Kamera: Igor Luther
  
Darsteller:
Alexander (Ernst Jacobi), Dr. Kofler (Michael Hinz)
Direktor (Rudolf Wessely), Hanna (Susanne Schaefer)
Karl (O. A. Bück), Albert (Heinrich Giskes)
Hans (Jan Groth), Malchen (Gisela Trowe)
Alexanders Mutter (Eva Brumby), Alexanders Vater (Gert Schaefer)
Öchsel (Udo Schön), u. a.
  
In einer geschlossenen Anstalt vegetiert ein Patient dahin, bis ein junger Arzt in anregt, Gedichte zu schreiben. Das Resultat sind kleine Meisterwerke, die den Schizophrenen jedoch nicht vor dem Selbstmord retten. Der Film, mit dem überragenden Ernst Jacobi in der Titelrolle, beschreibt genau und authentisch die Qual des Irreseins durch das Leiden an der Welt.
(Quelle: Lexikon "Filme im Fernsehen" von Adolf Heinzlmeier, Bernd Schulz)
  
Autor Heinar Kipphardt ("In der Sache J. Oppenheimer"), nach Kriegsende zum Dr. med. promoviert und selber Psychiater, untersucht kritisch die Möglichkeiten der Psychiatrie in der Bundesrepublik. Die Figur des Alexander hat Kipphardt aus typischen Daten authentischer Fälle zusammengesetzt.
Ernst Jacobi als "Alexander " in Leben des schizophrenen Dichters Alexander März
Ernst Jacobi als "Alexander"
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi
Siehe auch www.deutsches-filmhaus.de

Enst Jacobi als HOFMEISTER

Es folgten viele weitere interessante Rollen in ambitionierten Fernsehspielen, so unter anderem die des "Läuffer" in der Komödie "Der Hofmeister oder Die Vortheile der Privaterziehung" nach Jakob Michael Reinhold Lenz1) (1751 – 1792). Unter der Regie von Harry Buckwitz brillierte Jacobi als junger studierter Theologe Läuffer, der für einem Hungerlohn als Hofmeister, also als Hauslehrer, bei Major von Berg in Ostpreußen dessen Sohn und dessen schwärmerisch veranlagte Tochter Gustchen unterrichten soll; "Der Hofmeister" wurde 1976 in der Bearbeitung von Bertolt Brecht im Hessischen Rundfunks ausgestrahlt.

Szene mit Läuffer (Ernst Jacobi), der der der Majorin von Berg (Edda Seippel1)) als Hofmeister für deren Sohn vortanzt.
 
Bildquelle: "Geschichten der Weltliteratur" von Gert Richter,
mit freundlicher Genehmigung des Bertelsmann-Verlages.

In einer Jürgen-Flimm-Inszenierung überzeugte er als "Goldberg" in dem Pinter-Stück "Die Geburtstagsfeier" (1978), in der BBC-Produktion "Unity Mitford" (1980) war er als Adolf Hitler zu sehen und agierte neben Lesley-Anne Down. In Franz Josef Wilds Fontane-Verfilmung "Frau Jenny Treibel" (1981, mit Maria Schell) war er der Professor Schmidt, in Heinz Schirks vielbeachteten historischen Sechsteiler "Vom Webstuhl zur Weltmacht"1) (1982), der Chronik der Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger zwischen 1368 und 1560, übernahm er die Hauptrolle des Jakob Fugger, genannt "der Reiche". Die Geschichte des Hauses Fugger basierte auf dem Buch "Kauf dir einen Kaiser" von Günter Ogger, Leopold Ahlsen hatte das Drehbuch geschrieben → www.fernsehserien.de.
 

Ernst Jacobi als Jakob Fugger
in dem ARD-Sechsteiler "Vom Webstuhl zur Weltmacht" (1982)
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi

Ernst Jacobi als Jakob Fugger

Bis Ende der 1980er Jahre erlebte man den Vollblutschauspieler unter anderem in der "Tatort"-Folge "Ordnung ist das halbe Sterben" (1985) und Ulrich Starks packendem dreiteiligen Thriller "Der Bastard" (1989), in Karl Fruchtmanns "… trotzdem!" (1988) verkörperte er authentisch den Schriftsteller Emile Zola, der sich mit seiner berühmten Kampfschrift "J'accuse" vehement für den zu Unrecht verurteilten Alfred Dreyfus einsetzt und so seinen eigenen Prozess provoziert.

Ernst Jacobi als Emile Zola Ernst Jacobi in "Der Bastard" (ARD, 1989)
Ernst Jacobi als Emile Zola
in "… trotzdem!" (1988)
Ernst Jacobi als "Vandenberg"  in "Der Bastard"
(ARD, 1989, mit Peter Sattmann  und Gudrun Landgrebe)
Fotos: Privatarchiv Ernst Jacobi
  
Egon Monk inszenierte für das ZDF eindrucksvoll den fünfteiligen Fernsehfilm "Die Bertinis"2) (1989) nach dem autobiographischen Werk des Fernsehjournalisten und Schriftstellers Ralph Giordano. In dieser nachdenklich stimmenden (Über)Lebensgeschichte um eine jüdische Familie in der Zeit des Nationalsozialismus spielte Jacobi den alten Musikprofessor von Lea Bertini (Hannelore Hoger). Nach Dagmar Dameks spannendem Fernsehspiel "Wie du mir…" (1989) tauchte Jacobi in der hochkarätig besetzten internationalen Produktion "Lenin: The Train"2) (1990, Lenin: Der Zug) auf, eine erneute Zusammenarbeit mit Karl Fruchtmann ergab sich in dem gesellschaftskritischen Stück "Tote Briefe" (1991) und der tragisch-komischen Allegorie "Der Affe Gottes" (1992).
 
*) Link: Wikipedia

  
Ernst Jacobi als Musikprofessor in DIE BERTINIS
Szenenfoto aus "Die Bertinis":
Lea (Hannelore Hoger1)) bittet 
ihren alten Musikprofessor (Jacobi) um Hilfe.
Bildveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung
der UFA Film- und Fernsehproduktion.

Zum Fernsehschaffen Jacobis zählen in den 1990ern Peter Wecks "Von Frau zu Frau: Die Sammlerin" (1994), die Hauptrolle des Staatsanwaltes Esch, der in Rüdiger Sünners "Der Nachlass" (1994) während eines Prozesses in die Abgründe der eigenen Kindheit gerät, Heinrich Breloers Dokudrama "Einmal Macht und zurück – Engholms Fall" (1994) sowie Detlef Rönfeldts Zweiteiler über eine Schweizer Bankiersfamilie, "Tödliches Geld – Das Gesetz der Belmonts" (1994), u.a. mit Marthe Keller, Michel Piccoli und Karlheinz Hackl; weiterhin Karl Fruchtmanns "Die Grube" (1995), einer eindringlichen nach Berichten von Zeugen und Angeklagten entstandenen Spieldokumentation über neunzig jüdische Kinder, die im August 1941 in Bjelaja Zerkow, einer Stadt, 70 km südlich von Kiew, von Mitgliedern der deutschen Wehrmacht gefangengehalten und ermordet wurden. Schließlich sind noch das Melodram "Zerrissene Herzen" (1996), die Thriller "Das Siegel des Todes" (1996), "Sperling und die verlorenen Steine" (1997), "Anwalt Abel – Das schmutzige Dutzend" (1997) sowie das Psychodrama "Tödliche Schatten" (1999) zu nennen.
Darüber hinaus wirkte Ernst Jacobi wiederholt in so beliebten Krimi-Serien wie beispielsweise "Derrick", "Die Krimistunde" oder "Der Alte" mit, so zuletzt im April 2005 in der Episode "Der Nachruf" aus der Reihe "Der Alte".
In den letzten Jahren spielte Jacobi in Gero Erhardts TV-Thriller "Ein Mann gibt nicht auf" (2000) mit,  2002 war er ein Arzt in Diethard Klantes "Im Chaos der Gefühle", im gleichen Jahr der Professor Graefe in dessen "Hannas Baby"3).

Ernst Jacobi 01 Im Juli 2005 agierte er in dem SAT1-Thriller "Mörder in Weiß – Der Tod lauert im OP"3) als skrupelloser Professor Winkler, der eine Koryphäe auf dem Gebiet der Organzucht ist, wenige Wochen zuvor hatte man den Schauspieler im April in Christine Kabischs Tragikkomödie "Neue Freunde, neues Glück"3) nach einem Roman von Leonie Ossowski erlebt: Hier verkörperte er wunderbar den charmanten Ex-Banker Rupert Neumann, der Nele Ungureit (Christiane Hörbiger), die nach nach 35 Jahren von ihrem Mann wegen einer Jüngeren verlassen wurde, den Hof macht und die Single-Frau gemeinsam mit der tüddeligen Gerda Griese (Heidelinde Weis) und dem pensionierten Architekten Ulrich Windeck (Martin Lüttge) bei der Gründung einer Senioren-WG unterstützt. Turbulenzen mit Behörden, vor allem aber mit Neles Sohn Hannes sind da vorprogrammiert…
In dem Anfang Januar 2006 ausgestrahlten differenzierten Zweiteiler "Papa und Mama"2), mit dem Regisseur Dieter Wedel die Geschichte von Trennungen und deren Folgen auf verschiedenen Ebenen aus der Perspektive der betroffenen Kinder erzählt, war Ernst Jacobi neben vielen anderen TV-Stars als Seniorchef einer Anwaltskanzlei zu erleben, dessen smarter, arbeitssüchtiger Scheidungsspezialist Peter Ullrich (Fritz Karl) selbst zum Scheidungsopfer wird. Auch in Wedels neuem, von der Presse ambivalent diskutiertem TV-Film "Mein alter Freund Fritz"3) (2007), von Wedel selbst angekündigt als "Enthüllungsfilm über den Alltag in deutschen Krankenhäusern" und als "Signal gegen die Pilcherisierung im deutschen Fernsehen", war Jacobi auf dem Bildschirm präsent. Er spielte einen abgeklärten Mediziner im Ärzteteam um den Protagonisten Professor Seidel alias Ulrich Tukur.
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi
 © Christian Kohlund
 
"GELD.MACHT.LIEBE"2) hieß eine neue, von der ARD und dem ORF in Auftrag gegebene, vorerst 19-teilige Familiensaga, in dessen Mittelpunkt die alteingesessene und mächtig Familiendynastie von Rheinberg steht. Die Geschichte um Geld, Macht, Liebe, Neid und Intrigen wurde ab Ende April 2008 in Frankfurt am Main sowie Bad Homburg und Umgebung gedreht, Regie führte bei der ersten Staffel Christine Kabisch, bei der zweiten Staffel Helmut Metzger. Burgschauspieler Roland Koch ist als smartes Familienoberhaupt Markus von Rheinberg zu sehen, Susanne Schäfer als dessen Ehefrau, Angela Roy als das "Schwarze Schaf" der Familie Mona, sowie Gerlinde Locker als Patriarchin der Familie und Witwe des legendären Max von Rheinberg. Zahlreiche andere populäre Schauspieler wie Johannes Zirner, Michael Brandner oder Andrea L'Arronge sorgten für hohe Einschaltquoten. Ernst Jacobi hatte in der ersten Folge die Rolle des Friedrich Blessmann übernommen, Vater von Alexander Blessmann (Peter Kremer), dem größten Rivalen der Reinbergs. Serienstart war der 6. Juli 2009, die weiteren Folgen wurden immer Montags um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt → www.geldmachtliebe.tv.  
Im Herbst 2008 begannen dann die Dreharbeiten zu dem großen historischen ZDF-Film mit dem Titel "Dr. Hope" – Eine Frau gibt nicht auf"3) für das ZDF, mit Heike Makatsch in der Titelrolle. Das Biopic zeichnet das Leben von Dr. Hope Adams Bridges Lehmann2) (1855 – 1916) nach, erste praktische Ärztin und Gynäkologin Münchens sowie Reformerin, Frauenrechtlerin und Visionärin. In dem von Martin Enlen in Szene gesetzten Fernseh-Zweiteiler verkörperte Jacobi den Richter, der den Vorsitz im Prozess gegen Deutschlands erste Ärztin inne hat; Premiere feierte der sehenswerte Zweiteiler Anfang Juli beim 27. Filmfest München (26.06. – 04.07.2009), die Ausstrahlung im ZDF erfolgte am 22. bzw. 24.03.2010.
 
Fertiggestellt war auch der Kinofilm "Das weiße Band"2) mit dem Untertitel "Eine deutsche Kindergeschichte" des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. Der prominent besetzten Film –  u.a. mit Susanne Lothar, Burkhart Klaußner, Josef Bierbichler und Ulrich Tukur – spielt am Vorabend des Ersten Weltkriegs 1913/14 in einem Dorf im protestantischen Norden Deutschlands und erzählt die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors, der kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien wie dem Gutsherr, dem Pfarrer, dem Gutsverwalter, einer Hebamme, einem Arzt und einiger Bauern. Dann passieren seltsame Unfälle, die nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen annehmen. Wer steckt dahinter? (siehe auch www.dieterwunderlich.de)
In dem Film ist Jacobi als exzellenter Erzähler zu hören, er schildert die Ereignisse aus der Perspektive des inzwischen gealterten Dorflehrers und kommentiert das Geschehene immer wieder in literarisch anmutenden Tiraden. Er beginnt seinen Bericht mit den folgenden Worten: "Ich weiß nicht, ob die Geschichte, die ich Ihnen erzählen will, in allen Details der Wahrheit entspricht."
"Das weiße Band" nahm im Mai 2009 am offiziellen Wettbewerb der 62. Internationalen Filmfestspiele im französischen Cannes teil und feierte damit seine Weltpremiere. Hanekes Sozialstudie über eine autoritäre Gesellschaft, deren Kinder sich 20 Jahre später begeistert in den Nationalsozialismus stürzen werden, wurde in Cannes mit der "Goldenen Palme" ausgezeichnet. Einen weiteren Preis konnte Michael Haneke mit dem "Grand Prix de la FIPRESCI" für den "besten Film des Jahres" entgegennehmen, jährlich verliehen von der internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung "FIPRESCI". Am 26. August 2009 wählte die Organisation "German Films" die Produktion "Das weiße Band" als offiziellen deutschen Bewerber für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" aus, dass er nominiert wurde, gab die Academy am 2. Februar 2010 in Los Angeles bekannt.
Am 15. Oktober 2009 kam die Produktion in die deutschen Kinos, anschließend wurde an "The White Ribbon" für den amerikanischen Verleih gearbeitet, auch hier konnte Jacobi für den Part des Erzählers gewonnen werden. Für den amerikanischen Verleih sollte der Erzählertext nicht mit Untertiteln versehen werden, berichtet Herr Jacobi. Da der historische Lehrer später auswandert, wünschten sich die Verantwortlichen eine englische Fassung mit deutschem Akzent. Michael Haneke fragte an, ob ich mir das zutrauen würde und ich stürzte mich in ein wochenlanges Training mit der Stoppuhr. Wir erarbeiteten die Fassung und ich hörte lange nichts mehr, bis ich es wagte, nachzufragen. "Hat man Ihnen das nicht übermittelt – sie sagten "yea – it's great!".   
Am 12. Dezember 2009 ging der "Europäische Filmpreis" an "Das weiße Band" in den Kategorien "Bester europäischer Film", "Beste Regie" und "Bestes Drehbuch".  Knapp einen Monat später – am 17. Januar 2010 – gehörte die deutsch-österreichische Produktion zu den Gewinnern des "Golden Globe Award" in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Die jährlich in Hollywood verliehenen "Golden Globes" sind eine der wichtigsten Preisverleihungen in der Filmbranche und gelten als Barometer für die Oscar-Verleihung; leider ging Hanekes Meisterwerk am 7. März 2010  jedoch leer aus und der "Oscar" für den "Besten fremdsprachigen Film" an das argentinische Drama "El secreto de sus ojos" von Regisseur Juan José Campanella. Am 15. Februar kamen weitere Preise für Hanekes herausragenden Film hinzu: Bei der "Cinema for Peace"-Verleihung im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt nahmen Produzent Stefan Arndt und Schauspieler Burghart Klaußner stellvertretend für das Filmteam den "Cinema for Peace-Award" als "wertvollsten Film des Jahres" ("Most Valuable Film of the Year") entgegen. Am gleichen Abend wurde in Berlin im Rahmen der Berlinale der "Preis der deutschen Filmkritik" verliehen: "Das weiße Band" konnte in allen vier nominierten Kategorien Preise abräumen: Neben der Auszeichnung als "Bester Spielfilm" sowie das "Beste Drehbuch" gewann Christian Berger den Preis für die "Beste Kamera" und Burghart Klaußner wurde als "Bester Darsteller" ausgezeichnet. Michael Hanekes Film "Das weiße Band" gelingen Bilder, die im Kopf bleiben. Und sie sind schwarz-weiß. "Schwierigkeiten, die Bilder zu glauben", bereiteten ihm Farbfilme über historische Themen, sagt der Regisseur: "Mein Bildgedächtnis ist schwarz-weiß, anders kann ich es mir nicht vorstellen." Seine Bilder scheinen in der Tradition des schwedischen Meisterregisseurs und Pfarrersohns Ingmar Bergmann zu stehen. Ähnlich kraftvoll und scharf sind sie. (Quelle: www.sonntagsblatt-bayern.de)
Als dann am 23. April 2010 im Rahmen einer festlichen Gala im Berliner Friedrichstadt-Palast die "Lolas" für den Deutschen Film vergeben wurden, gab es einen herausragenden Gewinner, Michael Hanekes "Das weiße Band" konnte zehn der begehrten Trophäen erringen: Die "Lola in Gold" (Bester Spielfilm, bestes Drehbuch, beste Regie), Burkhart Klaußner erhielt die "Lola" für die "Beste männliche Hauptrolle", Maria-Victoria Dragus für die "Beste weibliche Nebenrolle"; weitere "Lolas" gingen an Christian Berger (Beste Kamera/Bildgestaltung), Christoph Kanter (Bestes Szenenbild), Moidele Bickel (Bestes Kostümbild), Waldemar Pokromski und Anette Keiser (Bestes Maskenbild) sowie an Guillaume Sciama und Jean-Pierre Lafore (Beste Tongestaltung). Damit ist "Das weiße Band" der bisher erfolgreichste Film in der Geschichte des Deutschen Filmpreises.
Ernst Jacobi im September 2009; Copyright Ernst Jacobi bzw. Barbara Wolf Zu Ernst Jacobis (vorerst) letzten Arbeiten vor der Kamera gehörte die Verfilmung des neuen Buches "Masserberg" der Schriftstellerin, Journalistin und Fernsehmoderatorin Else Buschheuer2) für die ARD. Unter der Regie von Martin Enlen wurde der Roman mit deutlich autobiografischen Zügen ab 28. April 2009 szenisch umgesetzt. Die Handlung spielt in einem trostlosen Krankenhaus im thüringischen Masserberg und erzählt hauptsächlich die Liebesgeschichte zwischen der 17-jährigen Patientin Melanie Tauber (Anna Fischer) und dem verheirateten kubanischen Arzt Carlo Sanchez (Pasquale Aleardi), Mitte der 1980er Jahre in der Stasi-lastigen DDR. Neben weiteren Darstellern wie Jürgen Heinrich, Kyra Mladeck oder Maria Simon gibt Jacobi einen renommierten Augenarzt namens Professor Heinrich; die Erstausstrahlung fand am 19. Mai 2010 statt → Filmbeschreibung bzw. Kritik bei tittelbach.tv.
 
  
Ernst Jacobi im September 2009
Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi; © Ernst Jacobi bzw. Barbara Wolf
  
Eine Übersicht zum Theater- und Filmschaffen Ernst Jacobis kann man als PDF-Dokument (49  KB) downloaden.
  
Doch nicht nur in mehr als 200  Fernsehproduktionen stellte Ernst Jacobi immer wieder mit mannigfaltigen Rollen seine darstellerische Dominanz unter Beweis, neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater und Film arbeitet der Schauspieler seit Jahrzehnten für den Hörfunk. Er verfasste eigene Hörspiele wie "Rattenbronn", "Auf eigenen Wunsch", "Iguaçu", "Flusskilometer 554 – oder was Ausschlag gebend war" sowie "Der Stich", wo er auch für die Regie verantwortlich zeichnete; weitere Regiearbeiten für den Funk waren beispielsweise die Hörspiele "Erste Begegnung" (SFB), "Insel des Irrsinns" (HR) sowie "Katzengeschrei" (HR) nach dem gleichnamigen Roman von Adolf Schröder.
In vielen weiteren preisgekrönten Hörspielen, die nach Literaturvorlagen entstanden, trat er als Erzähler oder mit Hauptrollen auf, so sind etwa beispielhaft Walter Adlers "Centropolis", Walter Kempowskis "Moin Vaddr läbt", Dieter Kühns "Goldbergvariationen", Reinhard Lettaus "Frühstücksgespräche in Miami" und Christoph Gahls "Intensivstation oder Das unverändert pflanzenhafte Dahinvegetieren" zu nennen.
 

Das Foto zeigt Ernst Jacobi 1985 bei der Regiearbeit zu "Der Stich".
(Die Rechte liegen bei dem Fotografen Werner Bethsold, 
der freundlicherweise einer Veröffentlichung des Fotos zugestimmt hat.)
© Werner Bethsold

Ernst Jacobi 1985 bei der Regiearbeit zu DER STICH
Mit seiner sanften, angenehmen Stimme lässt der Künstler Figuren in inzwischen mehr als 400 Audio-Produktionen, von denen auch einige als Hörkassetten bzw. CDs erhältlich sind, lebendig werden: So interpretiert er unter anderem in Jules Vernes Unterwasser-Mythos "20.000 Meilen unter dem Meer" den ebenso grausamen wie genialen Erfinder Kapitän Nemo oder in "Niemandsland", nach der Kriegstrilogie "Regeneration" von Pat Barker, den Neurologen und Freud-Anhänger Dr. Rivers, der mit der Behandlung seelisch verkrüppelter Soldaten beauftragt ist und – anders als seine Kollegen – seine traumatisierten Patienten mittels Gesprächen über die schrecklichen Kriegserlebnisse zu heilen versucht, wohl wissend, dass er sie wieder fronttauglich macht. Herausragend auch sein kleiner Beamter "Winston Smith" in George Orwells Klassiker "1984"; die hochkarätig besetzte, im Jahre 1977 entstandene Hörspielversion wurde Mitte 2003 anlässlich des 100. Geburtstages des Schriftstellers als CD neu auf den Markt gebracht. Mit Ernst Jacobi als Held Winston Smith ist eine hervorragende Besetzung gelungen. Aber auch Dieter Borsche als O'Brian und Angela Winkler als Julia sind glänzende Sprecher. Die Verhöre und Foltern sind eindrucksvoll in Szene gesetzt. Grauen macht sich breit. Alle Geräusche kommen direkt und echt rüber, man bekommt Gänsehaut. – so damals nachzulesen in der Audiobook-Rezension von Jörg Schieb. 
In "Otherland", einer atemberaubenden Reise durch virtuelle Welten nach der vierbändigen, gleichnamigen Saga des amerikanischen Erfolgsautors Tad Williams, ist er der sonderbare Herr Sellars, der nie das Haus verlässt, aber mehr über " Otherland" weiß, als andere. Das Stück, welches als die bisher größte Hörspiel-Produktion der Radiogeschichte gilt, wurde seit Anfang 2004 in den Studios des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main produziert und Ende August 2005 abgeschlossen.
Anfang April 2006 war Jacobi bei der von Walter Adler für den Südwestrundfunk in Szene gesetztem Hörspiel "Victors Leute" von Jürgen Becker mit von der Partie, in der FIGARO-Hörspielreihe des MDR erlebte man ihn Ende Juni 2006 unter der Regie von Leonhard Koppelmann in "Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung. Eine Komödie" von Jakob Michael Reinhold Lenz (1751 – 1792) – diesmal nicht als "Läuffer" sondern mit der vollkommen gegensätzlichen Rolle des Dorfschullehrers Wenzeslaus.
  
In der opulenten Hörspiel-Inszenierung "Der Orientzyklus" nach den Reiseerzählungen von Karl May gestaltet Ernst Jacobi den Festungskommandanten Mutesselim; in einer Bearbeitung von Regisseur Walter Adler wurde Mays zwischen 1881 und 1888 entstandene Vorlage vom WDR  mit insgesamt zwölf Teilen zu je 54 Minuten in Szene gesetzt, die zwischen dem 10. Dezember 2006 und 1. Mai 2007 ausgestrahlt wurden bzw. werden. Jacobi selbst sagte über seine Rolle: Sie ist eine von den vielen "saftigen" Figuren, saftig in den Niederlagen und saftig im Triumph. Man liebt sie und man hasst sie. Sie sind nie indifferent, nicht intellektuell verschlüsselt, man kann sie mit kindlichen Sinnen erfassen. (Quelle: www.wdr5.de; Seite nicht mehr existent)
Am 4. und 11. April 2007 ging im NDR das zweiteilige Hörspiel "Das Evangelium nach Jesus Christus" nach dem gleichnamigen Roman von José Saramago in einer Bearbeitung bzw. unter der Regie von Hans Gerd Krogmann auf Sendung: Der portugiesische Nobelpreisträger erzählt die Geschehnisse des Neuen Testaments auf spannende Weise als eine Art Reportagebericht über das Leben Jesu. Darin lässt er Jesus – wie auch Gott (gesprochen von Ernst Jacobi) und den Teufel – selbst zu Wort kommen.
Als Erzähler ist Jacobi einmal mehr unübertrefflich, fungiert beispielsweise meisterhaft in Ken Folletts opulentem Mittelalter-Epos "Die Säulen der Erde" (zusammen mit Gisela Trowe) oder in "Der talentierte Mr. Ripley" nach dem Roman von Patricia Highsmith. Erwähnenswert ist auch seine Mitwirkung bei der Hörspielbearbeitung des packenden Bestsellers von Donna W. Cross' "Die Päpstin", ebenso wie bei "Der Graf von Monte Christo" (nach Alexandre Dumas) oder "Wilhelm Meisters Lehrjahre" von Johann Wolfgang von Goethe.
An Synchronarbeiten ist unter anderem der Disney-Zeichentrickfilm "Peter Pan" (1953) zu nennen, wo er für Bobby Driscoll den "Peter Pan" sprach, weiterhin die spektakuläre amerikanische TV-Serie "Holocaust" (1978) und seine exzellente deutsche Umsetzung der Rolle des Erik Dorf (Michael Moriarty), sowie der "Doc Brown" (Christopher Lloyd) im ersten Teil der Abenteuer "Back to the Future" (Zurück in die Zukunft). 

Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi; © Ernst Jacobi

Ernst Jacobi 02
Im Frühjahr 2010 zog sich Ernst Jacobi nach einer rund 60 Jahre dauernden erfolgreichen Karriere weitgehend von der Schauspielerei zurück, übernimmt jedoch noch sporadisch interessante Aufgaben, wie bei dem "Festspiel der Deutschen Sprache" am 10. September 2010 im "Goethe-Theater" Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt). Unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen–Anhalt Prof. Dr. Wolfgang Böhmer fand diese Veranstaltung dort zum 5. Mal statt. Das "Festspiel der deutschen Sprache" wurde erstmals 2006 von der Kammersängerin Prof. Edda Moser ins Leben gerufen. Sie ist bis heute die künstlerische Leiterin des Festspiels. "Seit 2007 findet diese Veranstaltung traditionell im "Goethe-Theater" Bad Lauchstädt statt, wo sich einmal im Jahr Schauspieler und Autoren treffen, um die deutsche Sprache zu feiern, ihre Eigenart und ihre Schönheit zu genießen und zugleich ihrer Banalisierung entgegenzuwirken." heißt es auf der Webseite des Theaters. Im ersten Programmteil wurden Lyrik und Prosa von Goethe, Rainer Maria Rilke, Botho Strauss, Karoline von Günderode, Joseph von Eichendorff und Börris von Münchhausen präsentiert, neben Jacobi rezitierten und lasen Pauline Knof, Gudrun Landgrebe, Sebastian Koch und Axel Milberg. Der zweite Teil bestand aus Szenen aus Friedrich Schillers Drama "Kabale und Liebe", Hans Stetter interpretierte den Präsident von Walter, Sebastian Koch den Ferdinand, Ernst Jacobi den Stadtmusikus Miller, Axel Milberg den Sekretär Wurm, Gudrun Landgrebe die Lady Milford und Pauline Knof die Luise. Die Vorstellung war ausverkauft, der MDR übertrug die Veranstaltung live auf einer Großbildleinwand vor dem Theater; als Hörbuch ist die "hohe Kunst der Interpretation" inzwischen auf CD verfügbar → www.goethe-theater.com.
Auch 2011 konnte das "Festspiel der Deutschen Sprache" wieder mit einer wunderbaren Aufführung bzw. prominenten Besetzung aufwarten, am 9. September 2011 hob sich vor hochkarätigen Gästen im "Goethe-Theater" Bad Lauchstädt der Vorhang zu einer szenischen Lesung von Goethes Drama "Faust, der Tragödie erster Teil". Zusammen mit Ernst Jacobi als Herrgott bzw. Wagner begeisterten in der von dem Film- und Fernsehregisseur Michael Knof erarbeiteten "Lesefassung für sieben Schauspieler" allen voran Burghart Klaußner als Faust und Ulrich Matthes als Mephistopheles, weiterhin erlebte man Katharina Thalbach (Marthe Schwerdtlein/Hexe/Lieschen/Die Schöne/Die Alte), Pauline Knof (Margarethe), Hans Stetter (Zueignung/Geist) und Markus Meyer (Schüler/Valentin). Lange anhaltender Beifall und "standing ovations" waren der Lohn für die exzellente Darbietung dieser hervorragenden Schauspielerriege, die "Mitteldeutsche Zeitung" notierte unter anderem "Die Zuhörer, darunter neben dem Ministerpräsidenten Haseloff auch sein Vorgänger und Parteifreund Wolfgang Böhmer, der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) sowie wenigstens das halbe Landeskabinett Sachsen-Anhalts, sind, wie stets zum "Festspiel der deutschen Sprache", reich belohnt worden für das Sitzen auf Lauchstädts historisch harten Bänken." Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) strahlte am 11. September 2011 von 22:10 Uhr bis 22:40 Uhr eine Zusammenfassung aus, das Hörbuch ist im Juni 2012 bei "Lübbe Audio" erschienen.
 
Das Fernsehen bot Jacobi noch einmal eine neue Herausforderung, seit dem 11. März 2011 bzw. Folge 992 war er in der ARD-Telenovela "Rote Rosen"2) mit der Figur des ehemaligen Diplomaten bzw. Gutsbesitzers Konstantin von Walden, Vater der Landschaftsarchitektin Caroline von Walden (Birgit Würz) zu sehen (Folge 992 (11.03.2011) bis Folge 999 (24.03.2011); Folge 1041 (26.05.2011) bis Folge 1087 (17.08.2011)). Damit gehört auch Jacobi zu der Riege prominenter und renommierter Schauspieler wie Doris Kunstmann, Brigitte Janner, Rolf Nagel, Arthur Brauss oder Friedhelm Ptok, die zur Attraktivität der Montags bis Freitags erfolgreich ausgestrahlten Geschichten beitragen und somit auch in den Focus der jüngeren Generation von Fernsehzuschauern rücken.

Fortan will sich der inzwischen über 75-jährige Charakterdarsteller jedoch vermehrt seiner Passion, der Schriftstellerei und der Fotografie widmen. Seit vielen Jahren betätigt sich der in München lebende Ernst Jacobi zunehmend als Fotograf und macht seine Werke der Öffentlichkeit zugänglich: Erstmals präsentierte er seine Fotografien 1994 in Berlin am Prenzlauer Berg, im gleichen Jahr fand eine Ausstellung in der "Villa Ichon" in Bremen statt. 1997 folgte eine Ausstellung in Ulrichsberg (Oberösterreich), zuletzt hatte er 1998 zusammen mit Gerd Wöß eine Vernissage "Bilder im Dialog" im Wiesleitner Hof, Marchtrenk/Oberösterreich. Nach längerer Pause präsentierte Ernst Jacobi seine Werke erneut: Mit der Vernissage "Ernst Jacobi – Arbeiten 1993– 2005" am 19. Mai 2006 im ostwürttembergischen Aalen anlässlich der FOTONALE brachte der Künstler dem Publikum sein Verhältnis zur Fotografie nahe und führte anschließend durch seine Ausstellung der abstrakten Fotoarbeiten.
  
Ernst Jacobi: Ikarus I   Ernst Jacobi: Judas Ischariot
Ikarus I
©Ernst Jacobi
Judas Ischariot
©Ernst Jacobi

  
Ernst Jacobi sagt zu seinen Werken folgendes:
Ich habe einen Satz im Kopf – das Bruchstück eines Rilke-Satzes.
Seit mehr als dreißig Jahren hat es sich im Gedächtnis festgehakt
und kommt mir nicht mehr aus dem Sinn:
 
"… und wenn Sie diese Liebe haben, zu dem Geringen …"
 
Ich habe den Zusammenhang vergessen, und weiß nicht mehr,
was diese Liebe dem, der sie hat, in Aussicht stellt –
aber als ich begann mich nach "Motiven" umzusehen, war dieser Halbsatz
offenbar mein Leitmotiv und lenkte meine Augen auf das Unbeachtete,
das Aufgegebene, den Rest, das Überbleibsel –
und ich verliebte mich in Bilder, die nur sprechen, wenn man fragt
Zeugnisse von Verletzungen – die nicht verletzen.
Zeichen, die keine Werbebotschaft tragen. Sinnloses Zeug,
das Sinnlichkeit bewahrt.
Räume für Phantasie, die jedem offen stehen.
Man muß nur etwas ratlos sein.
Das hilft.
Und sollte – wenn das möglich ist – die Frage:
"was soll das sein?" – als Zauberwort versteh'n, um einzutreten.

  

Die "Schwäbische Post"1) schrieb anlässlich der aktuellen Ausstellung am 22.5.2006 unter anderem folgendes:
FOTONALE / Künstlergespräch mit dem Fotografen und Schauspieler Ernst Jacobi
Phantasieräume fürs Geringe
von Dagmar Oltersdorf

Rostrote Farbe blättert, Blasen wuchern, unter Rissen zeigt sich die nackte Haut von Stahl, Metall, Holz totes Material, das aussieht, wie von Künstlerhand komponiert, gemalt von einem Meister. Doch es ist Fotografie, genauer gesagt Abstrakte Fotografie, die im Rahmen der Fotonale im 3. Stock des Aalener Torhaus zu sehen ist. (…) Bei einem Künstlergespräch mit ihm am Freitagabend im Torhaus ging es um diese Arbeiten 1993 – 2005. (…) In den Fotografien des Künstlers spiegele sich viel von dieser künstlerischen Qualität des Schauspielers, der sich während seiner gesamten beruflichen Laufbahn nie in eine Schublade habe stecken lassen, so Wasella2): "Er ringt mit der Wahrheit. Er sucht nach Strukturen und neuen Arrangements."
Jacobis Ringen um Wahrheit, es zieht sich durch sein ganzes künstlerische Schaffen: Es findet sich auch in seinen bisher noch unveröffentlichten Kindheitserinnerungen und in seinen Fotografien. Wie er dazu kam, solch wie er selbst sagt – sinnlose Dinge wie Ausschnitte von Güterwaggons, Hauswände oder Stahlrohre zu fotografieren? Das wisse er nicht mehr genau, so Jacobi. Geprägt habe ihn in diesem Zusammenhang aber schon als Schauspielschüler der Rilke-Satz: "… und wenn sie diese Liebe haben, zu dem Geringen …"
Gering sind aber nicht nur die Motive, gering ist auch der Aufwand, den Jacobi um sie betreibt: Denn nichts ist arrangiert, nichts technisch verändert (…) Nicht für jeden Betrachter seien die Fotos verständlich. Was soll denn das sein?, diese Frage stelle sich mancher – auch, weil er den Werken üblicherweise keine Namen gebe: Ein Name entzieht der Phantasie den Boden, so Jacobi. Doch Phantasieräume zu schaffen, das sei ihm wichtig, auch in Hinblick auf den Kunstbegriff des Dritten Reiches, den er damals akzeptiert habe.
Am Ende tut Jacobi es aber doch – wohl auch vor Begeisterung über das fruchtbare Gespräch im kleinen Rahmen: er stellt sich vor eines der Bilder und erklärt, was ihm beim ersten Sehen des Motivs in den Sinn kam: Leonardo da Vincis Abendmahltisch, darauflehnend Judas Ischariot. Welches Foto Jacobi damit meint?: "Schauen Sie selbst und lassen Sie Ihrer Phantasie Raum."

1) Textveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitung "Schwäbische Post"
2) Leiter der VHS AAlen

Sieben Jahre lang schrieb der vielseitige Künstler überdies an den Erinnerungen an seine Kindheit. Ebenfalls in Aalen las Ernst Jacobi am 18. Mai 2006 erstmals aus diesen Aufzeichnungen unter dem Titel "geb. '33". Die "Schwäbische Post" schrieb am 20.5.2006 anlässlich der Lesung unter anderem: "geb. 33" lautet der Titel von Jacobis bisher unveröffentlichten Erinnerungen. Im Aalener Rathaus las er im Rahmen der Fotonale zum ersten Mal vor einem Publikum Auszüge daraus. Eine Premiere, die fesselte, berührte, auch erheiterte. Er ist einer der Großen, zählt zur ersten Riege deutscher Charakterschauspieler. Doch als Ernst Jacobi im kleinen Sitzungssaal vor rund 30 Zuhörern aus seinen Erinnerungen zu lesen beginnt, muss auch er anfangs ein wenig innehalten, nochmals Atem holen: Es geht um Persönliches, es geht um Politisches. Jacobis Buch handelt von seinem Bemühen um Liebe, von seiner Kindheit in Nazi-Deutschland, von Schuld und ihrer Aufarbeitung. (…) Über zwei Stunden lang hielt Jacobi sein Publikum mühelos in konzentrierter Zuhör-Lust. (…) Viel Nähe kam auf an diesem Abend. Eine aussergewöhnliche Premiere.
Ernst Jacobi: "geb. '33"

Jacobis Jugenderinnerungen mit dem Titel "geb. '33" erschienen im März 2008 im Berliner "TRANSIT-Verlag" (weitere Infos findet man hier auf der Website des Verlages); auch eine Hörbuch-Fassung ist  – rechtzeitig zum 75. Geburtstag des Schauspielers – vom Schweizer Verlag "Hörkultur Medien AG" in Vorbereitung.
Ernst Jacobi erzählt von seiner Kindheit und Jugend in einer Zeit, wo Propaganda, Diktatur, Verblendung und Anpassung den Alltag prägten. Jacobi schreibt über beglückende und beklemmende Erfahrungen, über die Trennung von seiner Mutter, Sekretärin im Reichsluftfahrtministerium, die ihre beiden Kinder über sechs Jahre im Krieg verließ. Über seinen Vater, Akademiker und Offizier, dessen Familie dafür sorgte, daß er sich von der nicht "standesgemäßen" Frau wieder scheiden ließ, und mit seinem Sohn bei dessen seltenen Besuchen mit Holzsoldaten spielte. Über den Onkel, zu dem ihn seine Mutter "abgegeben" hatte, einen stramm nationalen Pfarrer im westpreußischen Großbösendorf, später versetzt in ein thüringisches Rhön-Dorf. Über seine Bereitschaft, sich im Jungvolk politisch verführen zu lassen, und schließlich das Kriegsende mit Amerikanern und Russen, die Rückkehr ins zerstörte, geteilte Berlin und dann die Entdeckung der lange vermissten Sprache und Literatur – eine Liebe, die ihn schließlich zum Theater führt und auch seine Erinnerungen so besonders lesenswert macht. Ein überraschendes, literarisch anspruchsvolles, ganz und gar uneitles Buch.
Textquelle und Buchcover: www.transit-verlag.de

Anlässlich des bevorstehenden 75. Geburtstages von Ernst Jacobi befasste sich auch die prominente Journalistin und Filmkritikerin Ilse Kümpfel-Schliekmann ("Ponkie") in der Münchener "Abendzeitung" (AZ, 11.7.2008, Rubrik "Kultur") unter dem Titel "Der innere Widerspruch" mit den "spannenden Memoiren" des Künstlers und schrieb unter anderem "Längst ist das mediengeübte Publikum daran gewöhnt, dass Schauspieler, Popsänger und Show-Selbstdarsteller ihre Lebensläufe zu Plauder-Memoiren und literarischem Brausepulver verarbeiten: gefällig, nett, anekdotenreich. Hier ist ein Gegenmodell: (…) Die Impressionen aus dem alten Westberlin, das Sperrige und Komplizierte, die Widersprüche, die er immer wieder spielen wird auf der Bühne, in Film und Fernsehen, bei Egon Monk (als Fernsehspiele noch einen Inhalt hatten, wie "Das Leben des schizophrenen Dichters Alexander März", Falladas "Bauern, Bomben, Bonzen"). (…) in vielen Film- und Fernseh-Rollen ein prägender Kopf, begegnet er als alter Mann sich selbst, dem 11- bis 14-jährigen Pimpf und Hitlerjungen aus Berlin. (…) Das Buch von Jacobi heißt "geb. "33" und beschreibt wesentliche Erfahrungen deutscher Zeitgeschichte. (…) Erst die Menschen auf der Bühne ("Des Teufels General") geben Antwort auf die ungestellten Fragen eines Hitlerjungen: "Man hatte mich mit Unschuld eingeseift. Aber nicht dick genug." Das liest sich wie ein Aufstand – als Zeitzeuge eines sprachlosen Jahrgangs. Empfehlenswert."
Zusätzliche Informationen auf der Webseite von "Prittwitz & Partner": Eine Buchbesprechung sowie ein Interview mit Ernst Jacobi (PDF-Dateien).
Vorgestellt wurde "geb. '33" erstmals während der Leipziger Buchmesse, Ernst Jacobi las aus seinen facettenreichen Lebenserinnerungen am 15. März 2008 in der Villa Rosental. Eine weitere Lesung fand am 13. April 2008 im Berliner Renaissance-Theater in der Reihe "Literarische Streifzüge" statt, am 27. Mai 2008 wurde die Lesereise in Köln in der Buchhandlung Klaus Bittner fortgesetzt.  Im Rahmen des "Berliner Bücherfestes 2008" (21./22.6.2008) gehörte auch Ernst Jacobi zu den zahlreichen Autoren bzw. Verlagen, die auf dem Bebelplatz neben der "Staatsoper Unter den Linden" ihre Werke präsentierten; weitere Lesungen schlossen sich an.
Aktuell hält Jacobi am 17. März 2013 (11:00 Uhr) erneut eine Lesung aus seinen Kindheitserinnerungen ab und lässt interessierte Zuhörer in Wiesbaden im Historischen Saal des Hessischen Justizministeriums an seiner wechselhaften Lebensgeschichte teilhaben. 

Foto: Ernst Jacobi, aufgenommen anlässlich des "Berliner Bücherfestes 2008"
Foto mit freundlicher Genehmigung des Berliner Fotografen Christian Behring
© Christian Behring (www.christian-behring.com

Ernst Jacobi, aufgenommen anlässlich des "Berliner Bücherfestes 2008"; Copyright Christian Behring
Am 6. Juni 2008 gab Jacobi in der SWR-Sendung "Nachtkultur" ein Interview, wenig später konnte man den Künstler am 16. Juni 2008 um 20:15 Uhr bei BR-alpha im "alpha-Forum" erleben. Am 25. Juli 2008 war Ernst Jacobi in der NDR-Talkshow "3 nach 9"einer der prominenten Gästen von Amelie Fried und Giovanni di Lorenzo und erzählte auch hier von seiner belasteten Kindheit, seinem Kampf nach Liebe und Anerkennung sowie der Suche nach dem eigenen Ich. Ein weiteres Hörfunk-Interview wurde am 28. August 2009 im Kultur-Radio HR2 im Rahmen der Sendung "Doppel-Kopf" ausgestrahlt ("Am Tisch mit Ernst Jacobi, "Phantast").
Am 3. Mai 2010 wurde im Ö1-Radio im Rahmen der Sendereihe "Texte – Neue Literatur aus Österreich" Jacobis erstveröffentlichte Erzählung "Die Stewardess" gesendet – gelesen vom Autor selbst, der längere Zeit in Oberösterreich lebte. Die Geschichte – ein "Essay" zum Männer- und zum Frauenbild  – wie sie der Autor umreißt: Auf einem Frachtschiff befindet sich der Ich-Erzähler auf der Fahrt nach Fernost. Der zweite Offizier des Frachters und der Passagier freunden sich auf See an. Bangkok ein Hafen der Matrosenträume, das "älteste Gewerbe" blüht. Der Offizier sucht das Besondere, der Passagier geht mit. Sie werden angeschmiert, zum Schluss läuft eines der "Mädchen" auf dem Schiff dem Passagier – um Hilfe rufend – in die Arme und es geht anders aus, als man erwartet …
 
Auf der Leipziger Buchmesse präsentiert der Hörkultur-Verlag überdies die CD "Eros" nach dem gleichnamigen Roman von Helmut Krausser: Der todkranke und schwerreiche Industrielle Alexander von Brücken lädt den Ich-Erzähler, einen Schriftsteller, zu sich ein um diesem seinen Lebensbericht für einen Roman zu diktieren. Es geht dabei um eine lebenslange unerfüllte Liebe, die ihr Schlüsselerlebnis kurz vor dem Ende des II. Weltkrieges bei einem pubertären Annäherungsversuch in einem Luftschutzkeller findet. Die Geschichte endet in der Gegenwart und beschreibt damit ein aufregendes Stück deutscher Nachkriegsgeschichte.*) Dem Industrielle von Brücken leiht Ernst Jacobi seine unverwechselbare Stimme, der Ich-Erzähler wird von Sylvester Groth gesprochen. (Siehe auch das Interview (PDF-Datei) mit Ernst Jacobi über "Eros" bei "Prittwitz & Partner") 
*) Quelle: www.hoerkultur.com (Seite nicht mehr existent)
Ernst Jacobi beim Schreiben; Copyright Ernst Jacobi bzw. Barbara Wolf Seit vielen Monaten sitzt Ernst Jacobi wieder am Schreibtisch und befasst sich mit alten Reisetagebüchern. Eine Reise führte ihn 1965/66 mit einem polnischen Frachter bis nach Yokohama, ein Jahr später machte er sich von Berlin über Moskau, Kabul, Singapur bis nach Tel Aviv auf – immer als "Rucksacktourist" mit wenig Geld und wenig Vorkenntnissen. Nun schreibt er seine Erlebnisse für interessierte Leser auf –  man darf gespannt sein.
 

Foto: Privatarchiv Ernst Jacobi
© Ernst Jacobi bzw. Barbara Wolf

Am 17. März 2013 trat Ernst Jacobi im "Historischen Saal" des Hessischen Justizministeriums in Wiesbaden im Rahmen einer Lesung ein letztes Mal vor sein Publikum. Noch einmal stellte stellte er die eigenen Kindheitserinnerungen "geb. '33" vor, beschloss den Abend mit dem Oscar-Wilde-Märchen "Der glückliche Prinz". "Eigentlich, räumt Ernst Jacobi ein, passten die beiden Lesetexte überhaupt nicht zusammen. Auch nicht, wenn man das Märchen als versöhnlichen Schlusston interpretieren wollte? Ernst Jacobi bleibt skeptisch, schenkt Wilde im Text aber einen kleinen eigenen Beitrag. Und Wiesbaden eine große Geste, wenn der Schauspieler dort, wo er seine Theaterkarriere beenden musste, nun seinen allerletzten Abschied vom Podium nimmt." schrieb die "Allgemeine Zeitung" (Rhein Main Presse). Anfang der 1990er Jahre beendete ein Bandscheiben-Einriss Jacobis brillante Bühnenkarriere.
beendet.
Anlässlich des 80. Geburtstages am 11. Juli 2013 sendete der MDR noch einmal das Hörspiel "Klamms Krieg" von Rainer Puchert, in dem man Jacobi mit der Rolle des Lehrers Klamm erleben kann; BR-alpha wiederholte einen Tag später ein bereits am 11.7.2008 ausgestrahltes Interview.
  
Ernst Jacobi gehört zu den großen Charakterdarstellern der deutschsprachigen Theaterszene, seit mehr als sechs Jahrzehnten hat er zudem mit seinem emphatischen Spiel nachhaltige Spuren in der deutschen Fernsehgeschichte hinterlassen. "Die Produktionen, in denen er mitwirkte, geben im Rückblick Aufschluss über die Stimmungen und Entwicklungen in Deutschland und die Figuren Jacobis sind oft von einer inneren Zerrissenheit geprägt, sind teilweise undurchschaubar und dann wieder so schockierend eindeutig, dass es einem vor seinem Mitmenschen angst und bange werden könnte". (Zitat: www.zidz.com)

  
Der Schwierige
Schauspieler Ernst Jacobi 65
Und hätte er nur den Alexander März gespielt in dem ZDF-Fernsehspiel, das Vojtech Jasny 1976 nach Heinar Kipphardts Theaterstück über den schizophrenen Dichter einrichtete – ein Logenplatz unter den herausragenden deutschsprachigen Schauspielern wäre Ernst Jacobi sicher.
Doch der März, diese tragische Künstlerexistenz, ist nur eine Station in der Laufbahn des großen Menschenbildners, der heute 65 Jahre alt wird. Seit viereinhalb Jahrzehnten, seit er die Reinhardt-Schule in Berlin absolvierte, überrascht und begeistert Jacobi durch seine Kunst, schwierige, verquere Charaktere zu verkörpern.
Die Menschen in ihrem Scheitern, deren Darstellung durch den gebürtigen Berliner gerade auch deshalb so eindringlich gerät, weil Jacobi stets intelligente, manchmal fast zynische Distanz zu den Rollen wahrt – diese Menschen vergißt man nicht mehr.
Den Andri etwa aus "Andorra" von Max Frisch, den J. R. Oppenheimer (wieder Kipphardt), den Möbius aus Dürrenmatts "Die Physiker", aber auch Figuren des klassischen Repertoires wie Schillers Franz Moor. Die großen Häuser in Wien, Berlin, Hamburg, München und Zürich holten ihn, aber auch das Fernsehen versicherte sich ganz früh seiner Dienste.
Der Schauspieler wirkte bereits bei den ersten Versuchssendungen Anfang der 50er Jahre mit; inzwischen ist die Liste der TV-Rollen auf fast 200 angewachsen. 08/15-Unterhaltungsware war kaum einmal dabei, und wenn (in Krimis), dann spielte Ernst Jacobi konsequent gegen die stromlinienförmige Serien-Routine an. Allein deshalb ist der Schauspieler, der auch eine Reihe vielbeachteter Hörspiele verfaßt hat, wohl ein Branchen-Star, nie aber ein sogenannter Publikumsliebling geworden.
 
Quelle: Artikel von Wolfgang Platzeck, Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) vom 11.07.1998  
  
Ernst Jacobi 03 Anlässlich des 70. Geburtstages gratulierte 2003 Professor Peter Voß in Vertretung des ARD-Vorsitzenden dem Jubilar und würdigte die schauspielerischen Leistungen Ernst Jacobis unter anderem mit den Worten: "Seit mehr als 50 Jahren setzen Sie als Schauspieler Maßstäbe. Ihre besondere Treue gilt dem Fernsehen. In weit über 200 Bildschirmrollen haben Sie die Zuschauer begeistert und die Kritiker überzeugt. An Ihre Arbeit und sich selbst stellen Sie stets höchste Ansprüche. Die Tiefe und die Authentizität mit der Sie auch dunklen und vielschichtigen Charakteren Gestalt geben, fasziniert und begeistert Ihr Publikum gleichermaßen. Nicht weniger eindrucksvoll wirken Sie als Sprecher und Autor zahlreicher erfolgreicher Hörspiele. Die Arbeitsgemeinschaft dankt Ihnen besonders dafür, dass Sie mit Ihrem künstlerischen Schaffen in so vielen herausragenden Produktionen das Profil des ARD-Programms nachhaltig mitgeprägt haben."
 
Foto: © Christian Kohlund
Auch die damalige Beauftragte der Bundesrepublik für Kultur und Medien, Frau Dr. Christina Weiss, ehrte das Schaffen des Künstlers und schrieb: "(…) Sie spielten auf faszinierende Weise schwierige, zerrissene Charaktere, unvergesslich bleibt die Titelrolle in "Das Leben des schizophrenen Dichters Alexander März", wofür Sie mehrfach ausgezeichnet wurden. Sie haben, wie in "Roula – Dunkle Geheimnisse" in Abgründe schauen lassen, und dabei ein Maß gewahrt, das dem Publikum die Rückschlüsse überließ. Sehr zu recht hat man Sie als "kostbaren Kopf" gewürdigt, dem man abnehme, "wie gründlich und intelligent er mit Gedanken und Skrupeln spielt." (…)  
Link: 1) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia (deutsch), 3) prisma.de, 4) Wikipedia (englisch), 5) deutsches-filmhaus.de, 6) tatort-fundus.de
Ernst Jacobi wird vertreten durch die Schauspieleragentur MARC ROSENBERG MANAGEMENT
www.mr-management.de

 
Mein Dank geht an Ernst Jacobi, der mir viele Informationen sowie die Bilder aus seinem Privatarchiv zur Verfügung gestellt hat.
Eine Weiterverwertung des Textes bzw. der Fotos ist nur mit Genehmigung Ernst Jacobis gestattet.
© Ernst Jacobi und Stephanie D'heil
Stand: Juli 2014
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