Filmografie / Hörspiel
Gerd Baltus; Copyright Virginia Shue Gerd Baltus wurde am 29. März 1932 als Sohn eines Kaufmanns in der Hansestadt Bremen1) geboren; nach dem Abitur absolvierte er zunächst vier Semester lang ein Jura-Studium, entschied sich dann für den Beruf des Schauspielers. Ohne jemals Unterricht genommen zu haben, sprach er 1953 in Hamburg am "Deutschen Schauspielhaus"1) vor und erhielt auf Anhieb ein Engagement. In Hamburg stand er dann bis 1956 bei Albert Lippert1) bzw. dem legendären Gustaf Gründgens auf der Bühne, wechselte anschließend nach Bonn und Berlin und gehörte ab 1959 bis 1966 zum Ensemble der "Münchner Kammerspiele"1), war zudem eine Zeitlang Mitglied des Hamburger "Thalia Theaters"1).
Bereits während seiner Zeit am Theater war Baltus ab Anfang der 1960er Jahre in den verschiedensten Fernsehfilmen auf dem Bildschirm zu sehen und avancierte schnell zu einem beliebten Darsteller. 1964 feierte er mit seiner Rolle des dekadenten Leutnants Beckerath in Rolf Thieles Thomas-Mann-Verfilmung "Wälsungenblut"1) auf der Leinwand einen großen Erfolg, Publikum und Kritiker waren begeistert und Baltus wurde für seine Leistung mit dem "Deutschen Filmpreis"1) als "Bester Nachwuchsschauspieler" ausgezeichnet. Neben regelmäßigen Auftritten in so beliebten TV-Krimis wie "Tatort", "Der Alte", "Derrick", "Polizeiruf 110" oder "Dem Täter auf der Spur", verkörperte er beispielsweise 1967 den Harry Brenton in dem spannenden ZDF-Mehrteiler "Der Tod läuft hinterher" oder war 1969 als Oberleutnant Kurt Vogel1) in dem Dokumentarspiel "Der Fall Liebknecht-Luxemburg"2) zu sehen. Mitte der 1970er Jahre kehrte Baltus dem Theater den Rücken und konzentrierte sich vornehmlich auf die Arbeit vor der Kamera.
 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Seine Stärke war die Verkörperung schwieriger Individualisten und Sonderlinge, Baltus gab gehörnte Ehemänner, liebenswerte Biedermänner aber auch doppelbödige Charaktere und begeisterte das Publikum vor allem mit seiner gespielten "Behäbigkeit" in unzähligen Familienserien und Komödien. In nachhaltiger Erinnerung ist er wohl mit der Figur des von Nächstenliebe besessenen Fürsten Myschkin in dem Dreiteiler "Der Idiot" (1968) geblieben, gedreht nach dem berühmten gleichnamigen Roman1) von Fjodor Dostojewski1) → fernsehserien.de. Man sah ihn beispielsweise 1975 in dem dreiteiligen Krimi "Der Strick um den Hals" als ehrgeizigen Untersuchungsrichter Galpin sowie in einigen Folgen der Karl May-Adaption "Kara Ben Nemsi Effendi" als engen Vertrauter des Schut (Eduardo Fajardo1)). In der Serie "PS – Geschichten ums Auto"1) (1975/76) kämpfte er als Herr Schmitting mit den Tücken seines neuen Amalfis. 1977 zeigte er sich in der Ostrowski-Verfilmung "Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste"3) als junger Gorodúlin neben Protagonist Martin Lüttge als junge Satiriker Glumow oder 1978 mit der Hauptrolle des Dr. Steinhausen in dem Kinostreifen "Die Anstalt"4). In der Serie "Konsul Möllers Erben"5) mimte er 1983 den Waldemar Himmelheber, in "Lorentz & Söhne"1) 1988 den Gerhard Lorentz neben Hans Korte und Heli Finkenzeller. Baltus zeigte sich in Quotenrennern wie "Mit Leib und Seele"1) zusammen mit Günter Strack (ab 1989), als Lehrer Hohlbein in "Unser Lehrer Dr. Specht"1) alias Robert Atzorn (ab 1992) , als Bürgermeister Donatius Domberger in "Ein Bayer auf Rügen"1) zusammen mit Wolfgang Fierek1) (ab 1992) oder als schlitzohriger Conrad Bach in "Zwei Männer am Herd"5) (ab 1999), erneut mit Wolfgang Fierek sowie Florian Fitz1).

Das Foto zeigt Gerd Baltus (Mitte) gemeinsam mit Hansjörg Felmy und Ulli Philipp
in der witzigen Krimi-Serie "Unternehmen Köpenick" (1986).
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue. (Link: fernsehserien.de)

Gerd Baltus (Mitte) gemeinsam mit Hansjörg Felmy und Ulli Philipp; Copyright Virginia Shue
In jüngerer Zeit erlebte man den sympathischen Schauspieler unter anderem 2001 als Max Arnold in der Komödie "Ehemänner und andere Lügner"2) zusammen mit Evelyn Hamann sowie 2002 herrlich mit der Hauptrolle des Rentners Thomas Wünsche in "Zweikampf"6), wo er als genervter Sammler seine putzwütige Ehefrau alias Hedi Kriegeskotte kurzerhand übers Balkongeländer beförderte.  
Seit Anfang 2005 war Gerd Baltus endlich mal wieder einmal in einer Serie zu sehen: In der zunächst zehnteiligen humorvollen Krimi-Reihe "Jetzt erst recht!"1) mimte er den Vorsitzenden Richter am Lübecker Landgericht Dr. Heribert Koch, der so manches Mal von den unkonventionellen Methoden der neuen Schöffin Rike Horak, gespielt von Petra Kleinert1), genervt ist. Herrlich die Mimik von Baltus, wenn Rike Horak mal wieder die Sitzung mit ihren, in seinen Augen völlig überflüssigen, Fragen störte. In der "Tatort"-Episode "Blutschrift"1) (2006) gab er den Besitzer eines Antiquariats, auf den das Leipziger Ermittlerduo Ehrlicher/Kain alias Peter Sodann und Bernd Michael Lade1) während der Aufklärung eines brisanten Mordfalles stoßen. Bereits zum fünften Mal stand Baltus damit für einen "Tatort" vor der Kamera, bereits 1978 hatte er als Kommissar Schumacher gemeinsam mit Kommissar Behnke (Hans Peter Korff) in der Story "Sterne für den Orient"1) selbst die Ermittlungen geleitet, es folgten prägnante Rollen in "Tödliche Freundschaft"1) (1995) und "Mord hinterm Deich"1) (1997) mit den Hamburger Kommissaren Paul Stoever (Manfred Krug) und Peter Brockmöller (Charles Brauer) sowie "Todes-Bande"1) (2004) mit Robert Atzorn als Kommissar Casstorff.
Zu den Auftritten des beliebten Schauspielers zählten Episodenrollen in Dauerbrennern wie "Notruf Hafenkante", "Großstadtrevier" und "In aller Freundschaft". Baltus stand auch für die durchaus sehenswerte ARD-Krimikomödie "Der Mann, der alles kann"1) (EA: 26.01.2012) neben Peter Heinrich Brix1) und Anica Dobra1) vor der Kamera und mimte den Rentner Friedrich Lahnstein, der in einen mysteriösen, anfänglich klaren Selbstmord verwickelt wird und sich zum Schluss als gar nicht so harmlos herausstellt. Zuletzt trat er als der an Alzheimer erkrankte Fred Ritter in der Episode "Der letzte Tanz" (EA: 08.04.2013) aus der Sat.1-Serie "Danni Lowinski"1) auf dem Bildschirm in Erscheinung → Übersicht TV-Produktionen.
Erwähnt werden muss. dass Gerd Baltus mit seiner unverwechselbaren Stimme ein gefragter Hörspiel-Sprecher war, der mit seiner präzisen Sprache und gekonnten Betonung zahllose Hörspiele bereicherte; eine Auswahl der bei der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten, mehr als 400 Sendungen mit Baltus findet man hier am Ende des Artikels.
Gerd Baltus in den 1980er Jahren mit Ehefrau Brigitte Rohkohl; Copyright Virginia Shue "Aus dem Phlegma, das Baltus in so vielen seiner mehr als 100 Rollen an den Tag legte, schöpft er auch privat. Im Film wurde dieser Hang zur Behäbigkeit zu seinem Markenzeichen: Wenn es die Rolle eines Stubenhockers, eines Buchhalters, gehörnten Ehemanns, eines Sonderlings, eines Verlierers oder schwierigen Individualisten zu besetzen galt, dann stand Baltus stets oben auf den Wunschlisten der Regisseure." notiert prisma.de.
 
In zweiter Ehe war Gerd Baltus seit 45 Jahre mit der Moderatorin und Schauspielerin Brigitte Rohkohl1) verheiratet und lebte mit ihr in Hamburg. Dort starb er am 13. Dezember 2019 im Alter von 87 Jahren.
Privat galt Baltus als zurückhaltend, sprach ungern über sich selbst und mied weitgehend die Öffentlichkeit. Der 1978 geborene Schauspieler Philipp Baltus1) ist sein Sohn.

Gerd Baltus in den 1980er Jahren mit Ehefrau Brigitte Rohkohl
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Textbausteine des Kurzportraits von prisma.de 
Gerd Baltus bei der Agentur Regine Schmitz
Siehe auch Wikipedia sowie den Artikel zum 80. Geburtstag bei www.focus.de
Nachrufe unter anderem bei spiegel.de, www.zeit.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2)  prisma.de, 3) deutsches-filmhaus.de, 4) filmportal.de, 5) fernsehserien.de, 6) tittelbach.tv
   
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, deutsches-filmhaus.de, filmportal.de, Die Krimihomepage,
prisma.de, fernsehserien.de, tittelbach.tv)
Kinofilme Fernsehen  (Auszug)
   
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch), Krimilexikon)
  
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