Paul Bildt wurde am 19. Mai 1885 als Sohn eines Gemischtwarenhändlers bzw. späteren Gastwirts in Berlin geboren und war eines von sechs Kindern der Familie. Auf Wunsch seiner Eltern sollte er nach dem Besuch der Oberrealschule eigentlich Beamter werden, doch der junge Mann entschied sich für eine künstlerische Laufbahn. Er nahm Schauspielunterricht bei Friedrich Moest1) (1866 – 1948), der in Berlin eine Theaterschule betrieb, stand anschließend an Provinztheatern auf der Bühne und wurde schließlich von Max Reinhardt nach Berlin geholt. 
Porträtaufnahme von Paul Bildt, Schauspieler und Regisseur am Deutschen Theater Berlin, im SEptember 1945;  Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek; Datierung 09.1945; Lizenz CC-BY-SA 3.0.  Dort trat Paul Bildt an zahlreichen Bühnen auf, spielte häufig in Komödien, aber auch 1926 in der berühmten "Räuber"-Inszenierung1) von Erwin Piscator1). In den 1920er Jahren entwickelte er sich unter Max Reinhard1) und Erwin Piscator zu einem der profiliertesten Charakterdarsteller seiner Zeit.
Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wirkte Bildt am "Preußischen Staatsschauspiel", danach an Ost- und Westberliner Bühnen, spielte in den ersten Inszenierungen des "Berliner Ensembles" unter Bertolt Brecht sowie ab 1954 an den "Münchner Kammerspielen". Während des Naziregimes bewahrte ihn sein Engagement an dem von Gustaf Gründgens geleiteten "Staatstheater" vor dem drohenden Berufsverbot. Seine Frau, die jüdische Schauspielerin Charlotte Friedländer, mit der er seit 1908 verheiratet war, erlag Anfang 1945 ihrem Krebsleiden. Bildt konnte deren Tod sowie die grauenhaften Untaten der Nazis nicht verkraften und unternahm im Frühjahr 1945 gemeinsam mit seiner 1916 geborenen Tochter Eva einen Selbstmordversuch, den er jedoch glücklicherweise nach tagelangem Koma überlebte. Eva Bildt1), die mit dem Theologen und Schriftsteller Helmut Gollwitzer1) (1908 – 1993) verlobt war, konnte nicht gerettet werden.
  
Foto: Porträtaufnahme von Paul Bildt, Schauspieler und Regisseur
am Berliner "Deutschen Theater" im September 1945
 
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000025_033)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983; Link Wikipedia)
Datierung: 1945.09 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
Sein Leinwanddebüt gab der Schauspieler bereits 1910, spielte in Streifen wie "Gräfin Ankarström" (1910), "Rehabilitiert" (1910), "Schuld und Sühne" (1910) oder "Zu Tode gehetzt"1) (1912) und stand im Laufe der Jahre für zahlreiche weitere Stummfilme vor der Kamera. Häufig agierte er mit Henny Porten, so unter anderem als Buchhändler August Keil in der frühen Hauptmann-Adaption "Rose Bernd"1) (1919), weitere Produktionen wie "Die Schuld der Lavinia Morland"1) (1920), "Nachtgestalten"1) (1920) oder "Die Verrufenen"1) (1925) sollten folgen. Erinnerungswürdig ist auch die Figur des Baron Safferstätt, den er in Friedrich Wilhelm Murnaus stummen Kriminaldrama "Schloß Vogelöd"1) (1921) verkörperte oder der Günther Wahnheim in dem Lustspiel "Das Mädchen mit den fünf Nullen"1) (1927).
Seinen ersten Tonfilm drehte Bildt 1930 und spielte in Robert Wienes Krimi "Der Andere"1) einen Professor. Zwischen 1920 und 1950 war Paul Bildt in über 150 Filmen zu sehen, meist in kleinen, prägnanten Nebenrollen, nach 1945 dann vereinzelt auch in Hauptrollen. Bildt sagte einmal selbst, "Die kleinste Rolle muss immer den Charakter des Einmaligen haben". Zu den Figuren, die im Gedächtnis bleiben, gehört die des scharfzüngigen Untersuchungsrichters Konrat in der DEFA-Produktion "Affaire Blum"1) (1948), besonders populär wurde er auch durch die Rolle des "Glasmännleins" in dem DEFA- Märchenklassiker "Das kalte Herz"1). In Kurt Maetzigs Film über die Verstrickung des IG-Farben-Konzern zur Zeit des Nazi-Regimes mit dem Titel "Der Rat der Götter"1) glänzte er 1950 als Vorstandsvorsitzender Geheimrat Mauch (eine Anspielung auf den verurteilten Kriegsverbrecher Carl Krauch1) (1887 – 1968)), beeindruckend war auch seine Darstellung des Richard Wagner1) in Helmut Käutners Biopic "Ludwig II."1) (1954). Letztmalig erlebte man den Schauspieler 1956 mit einer kleinen Rolle in "Anastasia – Die letzte Zarentochter"
1) auf der Kinoleinwand.
Oftmals gestaltete Bildt historische Persönlichkeiten, so schon zu Stummfilmzeiten den Herzog Francesco Caracciolo1) (1752 – 1799) in Richard Oswalds Historienstreifen "
Lady Hamilton"1) (1921), den Musiker Andreas Streicher1)  (1761 – 1833) in dem von Curt Goetz in Szene gesetzten Biopic "Friedrich Schiller – Eine Dichterjugend"1) (1923) und den Kaiser Napoléon Bonaparte1) (1769 – 1821) in Richard Oswalds "Lützows wilde verwegene Jagd" (1927) über das Lützowsche Freikorps1). Einmal mehr für Oswald verlieh er in "Dreyfus"1) (1930), dem Drama über die "Dreyfus-Affäre"1) , dem französischen Staatsmann Georges Clemenceau1) (1841 – 1929) Kontur, stellte den Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig1) (1751 – 1815) in "Schwarzer Jäger Johanna"1) (1934) oder den berühmten britischen Krimi-Autor Sir Arthur Conan Doyle1) (1859 – 1930) in dem Rühmann/Albers-Spaß "Der Mann, der Sherlock Holmes war"1) (1937) dar.
Paul Bildt 1947 als Wilhelm Voigt in "Der Hauptmann von Köpenick" von Carl Zuckmayer am Berliner "Deutschen Theater"; Regie: Ernst Legal; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000597_014); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 09.1947; Quelle: www.deutschefotothek.de Er verkörperte Professoren ebenso eindrucksvoll wie einfache Bürger, gab Generäle, Anwälte, Minister und auch schon mal einen Oberkellner. Mit zunehmendem Alter erinnerte seine Erscheinung nicht nur auf der Leinwand immer stärker an einen preußischen Geheimrat. Paul Bildt war ein Charaktermime, der Chargen von großer Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit verkörperte. Ihnen gab er Leben und Kontur mit "der Genauigkeit eines seelischen Landvermessers", so einmal der bedeutendste Theaterkritiker der Weimarer Republik, Herbert Georg Albrecht Gustav Ihering, der Bildt als den "kunstvollen Meister der minutiösen vorgefassten Verwandlung" bezeichnete
 
Paul Bildt, dem 1949 als einer der Ersten der "Nationalpreise der DDR"1) verliehen worden war, starb am 13. März 1957 wenige Wochen vor seinem 72. Geburtstag in West-Berlin. Die letzte Ruhe fand er auf dem St. Annen Kirchhof in Berlin-Dahlem, wo später auch seine zweite Ehefrau Katharina (1895 – 1972) beigesetzt wurde → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
1963 erschien von Karl Voss die Biografie "Paul Bildt – Ein Schauspieler in seinen Verwandlungen".
 

Paul Bildt 1947 als Wilhelm Voigt in "Der Hauptmann von Köpenick"1)
von Carl Zuckmayer am Berliner "Deutschen Theater"
Regie: Ernst Legal
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000597_014)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 09.1947
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Textbausteine des Kurzportraits aus: 
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 39)
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de sowie
einige frühe Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, defa.de
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