Sigfrit Steiner; Copyright Virginia Shue Sigfrit Steiner wurde am 31. Oktober 1906 als Sohn eines Zahnarztes und einer Schauspielerin im Schweizerischen Basel geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in St. Gallen, wo er bis zum Abitur die Kantonsschule besuchte. Anschließend begann Steiner zunächst ein Studium der Innenarchitektur, entschied sich dann aber für die Schauspielerei. 1927/28 ließ er sich am Pariser "Studio des Théàtre de l'Atelier" sowie in Berlin an der Schauspielschule des "Deutschen Theaters" unter Max Reinhardt1) (1873 – 1943) entsprechend ausbilden. Sein Theaterdebüt gab Steiner 1928 am "Reuss'schen Theater" in Gera, wo er nach einem Engagement am "Deutschen Theater" Berlin (1930/31) bis 1933 Ensemblemitglied war.
Als die Nazis im gleichen Jahr in Deutschland die Macht ergriffen, ging Steiner zurück nach St. Gallen und war kurze Zeit als Leiter einer Strickereifirma tätig, 1935 wurde er in das Ensemble des Stadttheaters Luzern berufen, dem er zwei Jahre lang angehörte. Eine weitere Station wurde für eine Spielzeit das Stadttheater Bern (1937/38), wo er auch bereits mit ersten Regiearbeiten überzeugte. 1939 kam er an das Schauspielhaus Zürich, welches bis 1957 seine künstlerische Heimat blieb. Für zwei weitere Jahre ging Steiner an die Städtischen Bühnen in Frankfurt/Main, wechselte dann 1959 an das "Bayerische Staatsschauspiel München", verkörperte dort bis 1967 zahlreiche prägnante Rollen. Darüber hinaus zeigte Steiner bei zahlreichen Gastspielen seine darstellerische Vielseitigkeit, etwa am Frankfurter "Theater im Zoo", am Wiener "Burgtheater" (1972 – 1974) oder bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen und den Grillparzer-Festspielen in Forchtenstein. 
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin  Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Steiners Bühnenrepertoire war breit gefächert, sowohl in klassischen als auch in Stücken der Moderne zeigte der Charakterdarsteller immer wieder eindrucksvolle Leistungen. So glänzte er etwa in Frankfurt als Großschatzmeister Burleigh in Schillers "Maria Stuart", als Idealist Graf Übelohe in Dürrenmatts "Die Ehe des Herrn Mississippi" oder als herzloser, jähzorniger Vater und irischer Farmer Phil Hogan in O'Neills "Ein Mond für die Beladenen"; mit letztgenanntem Stück ging Steiner in den 1980er Jahren zusammen mit Günter Lamprecht (James Tyrone) und Claudia Amm (Josie Hogan) auch auf Tournee. Am "Bayerischen Staatsschauspiel" erlebte man Steiner unter anderem als Vater Flamm in Hauptmanns "Rose Bernd", als alten Diener Waitwell in Lessings Trauerspiel "Miss Sara Sampson", als Paul Schippel in Sternheims Komödie "Tabula rasa" oder als alternden Sorin in Tschechows "Die Möwe". Bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen brillierte er 1974 als Stan Mann in dem im englischen Arbeitermilieu angesiedelten Drama "Tag für Tag" von Arnold Wesker – um nur einiges zu nennen.
 

Das Foto, welches Steiner und  Günter Lamprecht in "Ein Mond für die Beladenen" (31.8.1984, Theater " Haus im Park", Hamburg-Bergedorf) zeigt,  wurde mir freundlicherweise von der Fotografin  Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Steiner und  Günter Lamprecht in Ein Mond für die Beladenen; Copyright Virginia Shue
Der Weg zum gefragten Schauspieler hatte sich für Steiner in den ersten Jahren mühsam gestaltet, er bekam zwar einige Rollen beim Theater, konnte davon jedoch nicht leben, hielt sich mit Statistenrollen bei der Ufa über Wasser und sammelte so erste Erfahrungen vor der Kamera.
Einen erste größere Leinwandrolle erhielt Sigfrit Steiner 1938 als Oberleutnant in Leopold Lindtbergs Robert Faesi-Adaption "Füsilier Wipf"1), im Verlaufe der Jahre avancierte Steiner nicht nur als Schauspieler sondern auch als Regisseur zu einer unverzichtbaren Größe des Schweizer Films. Der 1942 von ihm gedrehte Film "Steibruch"1) (mit der damals 16-jährigen Maria Schell), zu dem Steiner auch das Drehbuch geschrieben hatte, wurde ein wichtiger Erfolg, 1946 beispielsweise folgte "Matura-Reise" oder 1967 "Polizist Wäckerli in Gefahr".
Sigfrit Steiner 02; Copyright Werner Bethsold In den 1940er Jahren zeigte sich Steiner mit prägnanten Nebenrollen in verschiedenen erfolgreichen, auch amerikanischen Kinoproduktionen, war beispielsweise als Militärarzt in Lindtbergs Kriegsdrama "Die letzte Chance" (1945) zu sehen, Fred Zinnemann besetzte ihn in seinem halb-dokumentarischen Film über das Schicksal vertriebener Kinder nach dem zweiten Weltkrieg "The Search"1) (1948, Die Gezeichneten, mit Montgomery Clift) und Gustav Ucicky in dem Melodram "Nach dem Sturm" (1948, mit Marte Harell), welches auf einer Erzählung von Zuckmayer basierte. Weitere Arbeiten für den internationalen Film waren beispielsweise John Houghs Thriller "Brass Target" (1978, Verstecktes Ziel) mit John Cassavetes, George Kennedy und Sophia Loren, die mehrteilige TV-Biografie "Wagner" (1983) mit Richard Burton, Vanessa Redgrave und Laurence Olivier) oder das Drama "Duet For One" (1986) mit Julie Andrews, Max von Sydow und Liam Neeson. 
  
Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1984 während einer Hörspielproduktion.
Als Filmschauspieler erlangte Steiner vor allem in den 1950er Jahren auch in Deutschland große Popularität, mimte beispielsweise 1958 den Detektiv Feller in dem Kriminalfilm "Es geschah am helllichten Tag"1), einer von Ladislao Vajda in Szene gesetzten Kinoversion des Dürrenmatt-Romans "Das Versprechen" mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle des Matthäi, oder den Baron Achbach in Helmut Käutners "Der Schinderhannes"1) mit Curd Jürgens in der Titelrolle. 1981 erhielt Steiner das "Goldene Filmband" für seine Darstellung des knorrigen Einödbauern in Jörg Grasers bayerischen Bauernballade "Der Mond ist nur a nackerte Kugel"2). Zu einer seiner letzten Arbeiten für das Kino gehörte 1986 die Rolle des James Dryden in der internationalen Produktion "Fatherland" (Vaterland) unter der Regie von Ken Loach. 
Ab den 1960er Jahren arbeitete Steiner vermehrt für das Fernsehen. Neben Auftritten in so beliebten Krimi-Serien wie "Der Alte", "Derrick", Kriminalmuseum" oder "Der Kommissar" sah man den Schauspieler mit den markanten Gesichtszügen beispielsweise 1966 als Patricio neben Michael Degen und Heinz Schubert in "Der Ritter vom Mirakel" nach Lope de Vega oder als Lofty in "Ohne festen Wohnsitz" mit Hans Pössenbacher. Zu Steiners Glanzrollen zählte 1976 der alte Schuhmacher, der in Kurt Gloors "Die plötzliche Einsamkeit des Konrad Steiner" nach dem Tod seiner Frau Werkstatt und Wohnung räumen muss, Beruf und Heimat verliert, dadurch jedoch eine neue Autonomie und Selbstbestimmung gewinnt.  1984 übernahm der Schauspieler die Titelrolle in "Die Platzanweiserin" und ein Jahr später stand er für die Marlitt-Verfilmung "Die Frau mit den Karfunkelsteinen" vor der Kamera.
  
Der Schweizer Schauspieler und Regisseur Sigfrit Steiner starb am 21. März 1988 mit 81 Jahren in München. "Er war ein knorriger Schweizer, mit einem wettergegerbten Charakterkopf und struppigem Schnurrbart: So hat er sich – als aufrechter Störenfried – auf der Bühne, im Film und vor allem in weit über hundert Fernsehrollen eine erstaunliche Alterspopularität erworben." notierte DER SPIEGEL (13/1988) anlässlich des Ablebens von Steiner.
Der Charaktermime war in zweiter Ehe seit Mitte der 1960er Jahre mit der Journalistin und Schriftstellerin Anne Rose Katz1) verheiratet; aus seiner ersten Ehe stammt eine Tochter.
Link: 1) Wikipedia, 2) deutsches-filmhaus.de
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
  
Kinofilme
Filmografie bei der
Internet Movie Database
(Link: Wikipedia)
  • 1960: Der Teufel hat gut lachen
  • 1989: Die Nacht des Schleusenwarts (La nuit de l'eclusier)
  • 1962: Anne Bäbi Jowäger – 2. Teil: Jakobli und Meyeli
  • 1964: Ein Mann im schönsten Alter
  • 1966: Um Null Uhr schnappt die Falle zu
  • 1967: Polizist Wäckerli in Gefahr (Regie, Drehbuch)
  • 1972: Der Fall
  • 1972: Der Schrei der schwarzen Wölfe
  • 1973: Der Fußgänger
  • 1975: Die Magd
  • 1976: Die plötzliche Einsamkeit des Konrad Steiner
  • 1977: Waldrausch
  • 1977: Heinrich
  • 1978: Verstecktes Ziel (Brass Target)
  • 1979: Brot und Steine
  • 1979: Die Leidenschaftlichen
  • 1981: Das gefrorene Herz
  • 1981: Der Mond is nur a nackerte Kugel
  • 1982: Imperativ
  • 1983: Die schwarze Spinne
  • 1983: Eine Liebe in Deutschland
  • 1984: Glut
  • 1986: Lisa und die Riesen
  • 1986: Vaterland (Fatherland)
  • 1987: Wenn ich die Antwort wüsste
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