Gisela Uhlen 01; Copyright Virginia Shue Gisela Uhlen wurde am 16. Mai 1919 in Leipzig als Gisela Friedhilde Schreck und Tochter des Spirituosen-Fabrikanten und ehemaligen Wagner-Sängers Augustin Schreck geboren; der Stummfilmstar Max Schreck*) (1879 – 1936), der vor allem durch seine dämonische Titelrolle in Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm-Klassiker "Nosferatu, eine Symphonie des Grauens" (1921) einen enormen Bekanntheitsgrad erlangt hatte, war ihr Onkel. Schon mit fünf Jahren erhielt die kleine Gisela am Leipziger Konservatorium Unterricht im Ausdruckstanz bei Mary Wigman1) (1886 – 1973), an der Opernschule erlernte sie klassisches Ballett und Akrobatik und machte mit 15 Jahren ihre Abschlussprüfung. Bereits zu dieser Zeit trat sie schon heimlich in Leipziger Kabaretts auf und gab sich den Künstlernamen Gisela Uhlen. Später absolvierte sie in Berlin eine Schauspielausbildung bei Lilly Ackermann1) (1891 – 1976).

Das Foto wurden mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Unter der Intendanz von Saladin Schmitt stand die 17-jährige Gisela Uhlen 1936 erstmalig auf der Bühne des Bochumer Schauspielhauses, ab 1938 spielte sie dann neun Jahre am Berliner "Schiller-Theater" unter der Regie von Heinrich George und konnte sich so in der Theater-Szene profilieren.
Bereits ein Jahr zuvor hatte sie ihre erste tragende Leinwandrolle in Fritz Peter Buchs Literaturverfilmung "Annemarie"2) (1936, nach dem Roman "Lauter Sonnentage" von Bruno Wellenkamp) erhalten, einem Melodram, welches die Geschichte der Liebe einer jungen Dörflerin zu einem Kriegsfreiwilligen (Victor von Zitzewitz) erzählt, der im Ersten Weltkrieg fällt. Der Streifen wurde nach Kriegsende 1945 wegen der nationalistischen Tendenzen mit einem Aufführungsverbot belegt.
Mit weiteren populären Produktionen war Gisela Uhlen schnell einem breiten Publikum bekannt geworden. 1938 beispielsweise triumphiert sie an der Seite von Gustaf Gründgens als Angèle Destouche in Hans Steinhoffs "Tanz auf dem Vulkan"1): Der Film ist eine Mischung aus Spielfilm, Historienfilm und Revuefilm. Heute gilt er als ein Gesamtkunstwerk aus Schauspiel, Ballett und Musik und als eine der perfektesten Inszenierungen ihrer Zeit. Vor allem die schauspielerische Leistung Gründgens' und die Musik Mackebens haben zum Erfolg dieses Films beigetragen.3)
  

Nach Streifen wie "Morgen werde ich verhaftet"2) (1939), "Zwischen Hamburg und Haiti"2) (1940) oder auch dem bis heute als "Vorbehaltsfilm"1) geltenden Propagandafilm "Ohm Krüger"1) (1941), spielt Gisela Uhlen 1942 in ihrem persönlichen Lieblingsfilm "Ewiger Rembrandt"1) erneut unter der Regie von Hans Steinhoff eindrucksvoll die Hendrickje Stoffels, Lebensgefährtin des berühmten Malers, dargestellt von Ewald Balser.

Das Foto wurden mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Gisela Uhlen 02; Copyright Virginia Shue
Gisela Uhlen zählte zu den "Ufa-Diven" jener Jahre, agierte neben so bekannten Stars wie Paul Wegener oder Gustaf Gründgens, wurde von den Regisseuren jener Zeit gerne in Historienfilmen und Geschichten mit propagandistischen Inhalten besetzt. Meist verkörperte sie stille Frauengestalten, wie beispielsweise 1943 in Erich Waschnecks "Die beiden Schwestern"2) . Mit Will Quadflieg drehte sie unter der Regie von Herbert Maisch "Die Zaubergeige"1) (1943) und mimte die Freundin des Violinisten Andreas Halm, Harald Braun besetzte sie als Partnerin von René Deltgen in "Der stumme Gast"1) (1945), einem Kriminalfilm nach Theodor Fontane.
 
Heinrich George (Mitte) bei einem Gastspiel des Gastspiel des Berliner Schiller-Theaters mit Robert Ley und Gisela Uhlen (1941); Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-R1213-0502; Fotograf: Unbekannt / Datierung: Januar 1941 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Gisela Uhlen bei einem Gastspiel des Gastspiel des Berliner Schiller-Theaters
im besetzten Frankreich mit Heinrich George*) (Mitte) und Robert Ley1) (1941)
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-R1213-0502;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: Januar 1941 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-R1213-0502 bzw. commons.wikimedia.org
  
Nach dem Krieg erhielt Gisela Uhlen eine Arbeitserlaubnis als "nicht betroffen" und spielte zunächst nur am Theater, nahm jedoch Ende der 1940er Jahre ihre Tätigkeit für den Film wieder auf, auch wenn sie an ihre früheren Ufa-Erfolge nicht mehr ganz anschließen konnte. Sie trat an den Bühnen von Wiesbaden, Stuttgart, München und Berlin auf, zwischen 1954 und 1957 war sie an verschiedenen Theatern in Ostberlin engagiert. Neben Klassikern brillierte sie in verschiedensten Boulevard-Komödien und zeigte immer wieder ihre schauspielerische Dominanz → wichtige Theaterrollen bei Wikipedia.
Portrait von Gisela Uhlen um 1955; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001232_005); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1955 (?); Quelle: www.deutschefotothek.de In diversen Produktionen der DEFA fand sie interessante Aufgaben, später stand sie in Westdeutschland, Österreich und der Schweiz vor der Kamera. Unter anderem drehte sie mit Werner Krauss und Dieter Borsche den eigenwilligen, etwas versponnenen Film "Der fallende Stern" (1950), Karl Hartl besetzte sie in der Literaturverfilmung "Der schweigende Mund" (1951, nach einem Roman von Hugo Maria Kritz) neben Oskar Homolka und Curd Jürgens, nach Hans Bertrams Abenteuer "Türme des Schweigens"1) (1952, mit Philip Dorn, Carl Raddatz) und der DEFA-Produktion "Das Traumschiff"1) (1956) sah man sie zwei Jahre später als Gräfin Orsina in der von Martin Hellberg in Szene gesetzten Theaterverfilmung "Emilia Galotti"1), neben Karin Hübner in der Titelrolle.
In mehreren Edgar-Wallace-Krimis war Gisela Uhlen mit von der Partie, so 1962 als Mrs. Tilling in "Das Indische Tuch"1), ein Jahr später als Emely Cody in "Die Tür mit den 7 Schlössern"1) oder 1966 als Mrs. Tyndal in der "Der Bucklige von Soho"1). 1968 wirkte sie als "Puffmutter" Mrs. Love in Christian-Jacques Historienfilm "Lady Hamilton – Zwischen Schmach und Liebe"1) mit, hatte 1978 besonders großen Erfolg als Mutter in Rainer Werner Fassbinders Gesellschaftsdrama "Die Ehe der Maria Braun"1) mit Hanna Schygulla; für diese Darstellung wurde Gisela Uhlen 1979 mit dem "Bundesfilmpreis in Gold"1) ausgezeichnet.
 
Portrait von Gisela Uhlen um 1955
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001232_005)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1955 (?)
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Daneben arbeitete Gisela Uhlen ab den 1960er Jahren intensiv fürs Fernsehen und war beispielsweise in verschiedenen Folgen des "Kriminalmuseums", "Der Alte", "Derrick", "Kommissar Rex" oder "Tatort" – u.a. "Als gestohlen gemeldet"1) (1975), "Zwei Leben"1)  (1976) und "Bildersturm"1) (1998) – ebenso präsent wie in unterhaltsamen Serien, zu denen der Dauerbrenner "Der Landarzt"1) zählt, wo sie Anfang der 1990er Jahre wiederholt auftrat. Seit 1989 spielte Gisela Uhlen mit Unterbrechungen erfolgreich in der populären Serie "Forsthaus Falkenau"1) als "Oma Inge" die leicht exzentrische Mutter des Försters Martin Rombach alias Christian Wolff, obwohl sie es anfangs ablehnte in Serien aufzutreten, da sie die Festlegung auf ein bestimmtes Rollenklischee fürchtete. Noch kurz vor ihrem Tod hatte Gisela Uhlen am 22. Dezember 2006 in der letzten Folge "Der Aufbruch" einen kurzen Auftritt mit dieser Rolle.
 

Foto: Gisela Uhlen (mit Martin Benrath*)) in 
Die Zimmerschlacht – Übungsstück für ein Ehepaar" (1969)
Autor: Martin Walser1)
Produktion: SWR; Regie: Franz Peter Wirth1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; ©: SWR

Gisela Uhlen (mit Martin Benrath) in "Die Zimmerschlacht – Übungsstück für ein Ehepaar" (1969); Autor: Martin Walser; Produktion: SWR; Regie: Franz Peter Wirth; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services mit weiteren Infos zu dem Fernsehspiel; Copyright SWR
Szenenfoto mit Klaus Höhne aus "Patt oder Spiel der Könige", Ende der 1980er Jahre auch aufgeführt im "Theater Haus im Park" in Hamburg-Bergedorf; Copyright Virginia Shue  Mehr als 60 Filme, 80 Fernsehspiele und mehr als 100 Bühnenrollen haben Gisela Uhlen zu einer der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen gemacht, die während ihrer Karriere mit legendären Filmpartnern wie Paul Hörbiger, Gustav Knuth, Willy Fritsch, Gustaf Gründgens oder O. W. Fischer gemeinsam vor der Kamera stand. Zu einer ihrer letzten Arbeiten für das Kino zählt "Toto der Held"1) (1991, Toto der Held), dem von der Kritik hoch gelobten Spielfilmdebüt des Belgiers Jaco van Dormael.
In den 1980er Jahren gründete Gisela Uhlen, die dem Theater stets verbunden blieb, ihre eigene "Wanderbühne Gisela Uhlen" und absolvierte zahlreiche Tourneen quer durch Deutschland, begeisterte unter anderem mit Tochter Susanne in Ibsens "Gespenster" oder mit ihrem vierten Ehemann Wolfgang Kieling in "Die Party" das Publikum. Gemeinsam mit Klaus Höhne brillierte sie Ende der 1980er Jahre auch in dem anspruchsvollen Schauspiel "Patt oder Spiel der Könige. Eine pausenlose Partie" von Pavel Kohout, das monatelang in vielen deutschen Städten aufgeführt wurde.
 

Szenenfoto mit Klaus Höhne*) aus "Patt oder Spiel der Könige", 
Ende der 1980er Jahre auch aufgeführt im "Theater Haus im Park" in Hamburg-Bergedorf. 
Das Foto wurden mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Die Schauspielerin Gisela Uhlen, welche zu den großen Ufa-Stars gehörte, starb am 16. Januar 2007 nach längerer Krankheit im Alter von 87 Jahren in Köln, wo sie nach vielen Jahren in der Schweiz zuletzt zurückgezogen lebte; ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Kölner "Melaten-Friedhof". Der Theaterkritiker Friedrich Luft hat über Gisela Uhlen einmal geschrieben: "Sie hatte eine ironische Frische, war hochintelligent und hatte eine zielsichere Anmut. Sie war, sozusagen auf Deutsch, eine Französin." Treffender kann man diese Schauspielerin, der Bühne, Film und Fernsehen viele unvergessliche Momente verdanken, kaum charakterisieren. Ob sie nun mit Heinrich George in Berlin die Luise in Schillers "Kabale und Liebe" spielte oder in dem Gründgens-Film "Tanz auf dem Vulkan" wie ein Irrwisch über die Leinwand wirbelte oder mysteriöse Ladies bei Edgar Wallace gab oder in der TV-Serie "Forsthaus Falkenau" die überlegene Reife einer entschlossenen Frau auf den Bildschirm zauberte – sie war immer sie selbst, souverän, couragiert, neugierig.4)

Foto: Grabstelle von Gisela Uhlen auf dem Kölner "Melaten-Friedhof" (Lit. D)
© Wilfried Paqué

Grabstelle von Gisela Uhlen auf dem Kölner "Melatenfriedhof" (Lit. D); Copyright Wilfried Paqué
Die Schauspielerin konnte auf ein bewegtes und prall gefülltes Leben zurückblicken, ihre Erinnerungen veröffentlichte sie erstmals 1978 unter dem Titel "Mein Glashaus. Roman eines Lebens" und beschreibt darin ihre eigene Geschichte als "ein Frauenleben voller Widersprüche, Irrtümer und Katastrophen". 1993 erschien "Meine Droge ist das Leben", zuletzt kam im Jahre 2002 eine erneute Lebensgeschichte mit dem Titel "Umarmungen und Enthüllungen. Collage eines Lebens." auf den Markt. Einen Teil ihrer privaten Sammlung mit zahlreichen Fotos und Zeitungsartikeln, die ihr Filmschaffen dokumentieren, übergab Gisela Uhlen Ende 2005 dem "Filmmuseum Potsdam"; weiterhin enthält die Sammlung unveröffentlichte Gedichte und Kurzgeschichten sowie einen Teil des Schmucks, den die Künstlerin für ihre Rollen erworben hatte.
Gisela Uhlen 03; Copyright Virginia Shue Gisela Uhlen war insgesamt sechs Mal verheiratet, ihre erste Ehe mit dem Ballettmeister Herbert Freund, den die damals blutjunge Schauspielerin noch währen ihrer Ausbildungszeit in Berlin geheiratet hatte, scheiterte ebenso wie die zweite mit Regisseur Kurt Wessels und dritte Verbindung mit dem Flugpionier und Regisseur Hans Bertram1) (1906 – 1993), der verschiedene Filme (u. a. 1942 "Symphonie eines Lebens") mit ihr drehte; aus der Ehe stammt die 1945 geborene Tochter Barbara Bertram1), die ebenfalls Schauspielerin wurde. 1953 heiratete Gisela Uhlen ihren Schauspielerkollegen Wolfgang Kieling*) (1924 – 1985); aus dieser vierten Verbindung stammt die 1955 geborene Tochter Susanne Uhlen1), die sich ebenfalls als erfolgreiche Film- und Theaterschauspielerin einen Namen machte. Um im Rechtstreit mit Bertram nicht das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Barbara zu verlieren, ließ sich Gisela Uhlen mit der neuen Familie zunächst in die Schweiz nieder, ein Jahr später in der ehemaligen DDR. Nach der Trennung von Kieling im Jahre 1957 heiratete sie in fünfter Ehe den DEFA-Regisseur Herbert Ballmann1) (1924 – 2004), mit dem sie unter anderem 1956 den Streifen "Das Traumschiff" gedreht hatte; 1961 kam es zu einer neuerlichen Scheidung. Ihre sechste Ehe mit dem 34 Jahre jüngeren Tontechniker Beat Hodel zerbrach ebenfalls und endete 1985 vor dem Scheidungsrichter.

Das Foto wurden mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Siehe auch Wikipedia und www.cyranos.ch, tls.theaterwissenschaft.ch, filmportal.de sowie
die Nachrufe bei www.faz.net, www.spiegel.de und www.welt.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: *) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 1) Wikipedia, 2) filmportal.de
Quelle: 3) Wikipedia, 4) mobil.morgenpost.de (Seite nicht mehr abrufbar)
 
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia)
Fernsehen (Auszug)
(Fremde Links: Die Krimihomepage, fernsehenderddr.de, Wikipedia, deutsches-filmhaus.de)
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de