Schauspieler Karl John präsentiert sich als Sänger von Hans-Albers-Liedern anlässlich der Olympischen Segelwettbewerbe 1972; Urheber: Friedrich Magnussen (1914–1987); Quelle: Bildnachlass Friedrich Magnussen (KN, 30.08.1972); Rechteinhaber: Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte/Stadtarchiv Kiel; Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE; Quelle: Wikimedia Commons Karl John (auch Carl John) wurde am 24. März 1905 in Köln geboren, wuchs jedoch in Zoppot1) bei Danzig (heute Sopot, Polen) auf und besuchte dort auch das Gymnasium. Bereits als Gymnasiast war er vom Theater begeistert, übernahm etliche Rollen bei Schüleraufführungen. Auf Wunsch seiner Eltern begann er nach dem Abitur zunächst ein Architekturstudium an den Technischen Hochschulen in Danzig und Berlin, wechselte aber schon nach wenigen Semestern zur "Staatlichen Schauspielschule" in Berlin, wo unter anderem Leopold Jessner1) (1878 – 1945) sein Lehrer wurde. Johns Theaterlaufbahn begann 1932 und führte ihn über Bunzlau (heute Bolesławiec1), Polen), Dessau und Kassel ins preußische Königsberg1), wo ihn 1938 Heinz Hilpert1) (1890 – 1967) entdeckte und den jungen Schauspieler an das "Deutsche Theater"1) nach Berlin verpflichtete.
 
Zum Film kam John Anfang der 1930er Jahre, sporadisch sah man ihn anfangs mit kleineren, aber eindrucksvollen Nebenrollen in Streifen wie dem Hans  Albers-Abenteuer "Der weiße Dämon"1) (1932), der Komödie "Kind, ich freu' mich auf Dein Kommen"1) (1933) oder der Literaturadaption "Wenn der Hahn kräht"2) (1936).  Dem NS-Propagandafilm konnte sich John nicht entziehen, in den 1940er Jahren agierte er unter anderem mit Uniform-Rollen in den bis heute als "Vorbehaltfilme"1) geltenden Streifen "Unternehmen Michael"1) (1937), "U-Boote westwärts!"1) (1941), "Stukas"1) (1941) und "Über alles in der Welt"1) (1941), populär wurde John vor allem durch seinen Part des jungen Fliegerfeldwebels Bernd Birkhoff in der Komödie "Zwei in einer großen Stadt"1) (1942) als Partner von Monika Burg.
 
 
Foto: Schauspieler Karl John präsentiert sich 1972 als Sänger von Hans Albers-Liedern
anlässlich der Olympischen Segelwettbewerbe 1972
Urheber: Friedrich Magnussen (1914–1987)
Quelle: Bildnachlass Friedrich Magnussen (KN, 30.08.1972)
Rechteinhaber: Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte/Stadtarchiv Kiel
Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE; Quelle: Wikimedia Commons
Im Folgejahr später trat er unter der Regie Wolfgang Liebeneiners1) in dessen Melodram "Großstadtmelodie"1) (1943) letztmalig in einer Kriegsproduktion auf. Es wird berichtet, dass John kurz nach der Uraufführung während einer Teegesellschaft die scherzhaft-bittere Prognose über Hitlers Schicksal nach dem Kriege gestellt haben soll: "Er wird an einer Kette mit einer Sammelbüchse des Winterhilfswerks quer durch Deutschland geführt. Jeder darf ihn anspucken. Einmal anspucken kostet eine Mark". Um dem zu erwartenden Zugriff durch die Gestapo zu entgehen, täuschte er am Berliner Bahnhof Friedrichstraße einen Treppensturz vor und wurde wochenlang auf "Schädelbasisbruch" behandelt; tatsächlich blieb er auf diese Weise verschont, während ein anderer Teilnehmer jener Teerunde, der Kabarettist Bobby Dorsey, mit dem Leben bezahlen musste.3) → www.stern.de

Für den deutschen Nachkriegsfilm stand der Schauspieler ab Ende der 1940er Jahre wieder regelmäßig vor der Kamera, so sah man ihn unter anderem 1947 als Peter Keyser in einer Episode von Helmut Käutners Episodenfilm "In jenen Tagen"1), als Kriegsheimkehrer Beckmann überzeugte er in Liebeneiners Borchert-Adaption "Liebe 47"1) (1949), gedreht nach dem Bühnenstück "Draußen vor der Tür"1), als gesuchter Gestapo-Agent Hösch alias Novak in dem Drama "Der Verlorene"1) (1951) von und mit Peter Lorre. Als Inspektor Kleiber trat John in Carol Reeds Spionagethriller "The Man Between" (1953, Gefährlicher Urlaub) und als Betriebsleiter Schulz in Victor Vicas' Flucht-Drama "Weg ohne Umkehr"1) (1953) in Erscheinung. Unvergessen bleibt vor allem 1955 seine Verkörperung des Ingenieurs Karl Oderbruch in Helmut Käutners Zuckmayer-Verfilmung "Des Teufels General"1) an der Seite von Curd Jürgens. In Frank Wisbars Stalingrad-Drama "Hunde, wollt ihr ewig leben"1) mimte er 1959 den Generaloberst Hoth, in Alfred Weidenmann Heimatfilm "An heiligen Wassern"1) (1960) den Seppi Blatter, Vater des jungen Roman (Hansjörg Felmy).
Zu Johns Leinwandauftritten bis Ende der 1960er Jahre zählen unter anderem Frank Wisbars Widerstandsdrama "Fabrik der Offiziere"1) (1960) nach dem gleichnamigen Roman von Hans Hellmut Kirst1), die Simmel-Verfilmung "Diesmal muß es Kaviar sein"1) (1961)", die hochkarätig besetzte US-amerikanische Produktion "Der längste Tag" (1962, The Longest Day) sowie die Wallace-Streifen "Der Hexer"1) (1964) und "Neues vom Hexer"1) (1965). 1974 übernahm John eine Rolle in dem von Adrian Hoven in Szene gesetzten Streifen "Pusteblume" und 1977 in William Friedkins Thriller "Atemlos vor Angst"1) (Sorcerer/The Wages of Fear). Die Fernsehzuschauer erlebten Karl John neben verschiedenen Theateraufzeichnungen sowie Auftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie "Die fünfte Kolonne", "Der Kommissar", "Derrick" oder "Das Kriminalmuseum" beispielsweise als Bill Drews1)  in dem TV-Spiel "Die Flucht nach Holland" über die Flucht Wilhelm II.1) (1967, gespielt von Hans Caninenberg) 1918 in die Niederlande oder als angeblich ertrunkener Hohmann in dem spannenden Mehrteiler "Babeck" (1968). Eine seiner letzten Rollen vor der TV-Kamera war die des Binnenschiffers Burmann in der "Tatort"-Folge "Finderlohn"1) (1977) → Übersicht Filmografie.
 
Seinen schauspielerischen Schwerpunkt verlegte Karl John seit Kriegsende jedoch vornehmlich auf die Theaterbühne, insbesondere in Hamburg am "Deutschen Schauspielhaus"1) und am "Thalia Theater"1). Zu seinen bekanntesten Bühnenrollen gehörten der Friedrich Wetter Graf vom Strahl in Kleists Ritterschauspiel "Das Käthchen von Heilbronn"1) und der Kleist'sche "Prinz von Homburg" sowie der Mackie Messer in Brechts "Die Dreigroschenoper"1). Hatte John in seinen frühen Jahren vor allem als jugendlicher Held geglänzt, etablierte er sich später fest im Charakterfach. Man sah Karl John – vielfach auf Tourneen – unter anderem in Komödien wie "Die kleine Hütte" ("La petite hutte", auch Regie) von André Roussin1), "Mein Name ist Hase" von Willy Honauer/Peter Lodynski1) oder "Die Liebe der vier Obersten" ("The Love Of Four Colonels") von Peter Ustinov. John brillierte unter anderem in dem Kriminalstück "Lockende Tiefe" ("The Deep Blue Sea") von Terence Rattigan1), ebenso wie in dem Shakespeare-Lustspiel "Viel Lärm um nichts"1). 1965 zeigten die "Ruhrfestspiele"1) in Recklinghausen die deutsche Erstaufführung des Hamburger "Thalia Theaters" von Arthur Millers1) Schauspiel "Zwischenfall in Vichy" über Nazis und Nazi-Verfolgte. Regisseur Willi Schmidt konnte eine prominente Besetzung präsentieren, unter anderem gab Ullrich Haupt den Maler Lebeau, Max Eckard den deutschen Wehrmachtsmajor, Will Quadflieg den Schauspieler Monceau, Adolf Wohlbrück den emigrierte österreichischen Aristokraten Herrn von Berg, Karl John den marxistischen Arbeiter Bayard und Peter Mosbacher den jüdischen Psychiater Leduc → www.zeit.de. Besonders profilierte sich John bei den "Bad Hersfelder Festspielen"1), wo er unter anderem 1968 mit der Rolle des Jean Paul Marat1) in dem Schauspiel "Marat/Sade"1) von Peter Weiss1) gefeiert wurde.
Neben seiner Arbeit für das Theater, Film und Fernsehen machte sich Karl John auch einen Namen als Sänger vor allem mit Seemannsliedern, die er meist selbst vertonte. So trat er beispielsweise auch in Münchens berühmtem Nachkriegskabarett "Die Schaubude"1) auf. Er schrieb zudem den Text zu dem Hans-Albers-Song "Einmal noch nach Bombay" aus dem Film "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins"1) (1954).
Auch in einer ganzen Reihe von Hörspielen war John als Sprecher im Einsatz. Zu seinen bekanntesten Rollen zählt 1959 der Part des Londoner Schriftstellers und Privatdetektivs Paul Temple1) in der achtteiligen Durbridge-Produktion "Paul Temple und der Conrad-Fall"1), bei der Willy Purucker1) Regie führte; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
  
Karl John starb während einer Tournee am 22. Dezember 1977 im Alter von 72 Jahren im Gütersloher "Städtischen Krankenhaus" an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Zwei Tage zuvor war er kurz vor der Vorstellung des Stückes "Mond über dem Fluss" von Pavel Kohout1) im "Theater Gütersloh"1) zusammengebrochen. Die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Heerstraße1) im Berliner Stadtteil Charlottenburg → Foto der Grabstelle bei knerger.de sowie Wikimedia Commons. Hier wurde auch Johns Ehefrau Dolores Johns beigesetzt, die am 28. Februar 2007 im Alter von 88 Jahren in Berlin starb. Sie war in erster Ehe mit dem deutschen Olympiateilnehmer (1928, Amsterdam), dem Springreiter und späteren Major Richard Sahla, Sohn des berühmten österreichischen Violinvirtuosen, Dirigenten und Komponisten Richard Sahla1), verheiratet gewesen, der 1942 in Russland fiel und einen Sohn Peter hinterließ, den Fernsehredakteur und Buchautor Peter Sahla.

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de
Quelle: 3) www.berlin.friedparks.de
    
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de

(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage,
tls.theaterwissenschaft.ch, frnsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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