Peer Schmidt wurde am 11. März 1926 als Sohn eines
Graphikers und Kunstmalers in Erfurt geboren, als der kleine Peer 3 Jahre alt war, verstarb seine Mutter. In Berlin aufgewachsen, besuchte er nach dem Realgymnasium
Berlin-Charlottenburg die Schauspielschule an den Staatlichen Schauspielbühnen
Berlins. Sein Theaterdebüt gab der junge Schauspieler am 1. April 1943 am
damaligen "Preußischen Staatstheater am Gendarmenmarkt" in einer
"Faust"-Inszenierung, neben der Theaterlegende Gustaf Gründgens. Schmidts
beginnende Schauspielerkarriere wurde jedoch durch den 2. Weltkrieg
unterbrochen, da er als Soldat seinen Dienst tun musste.
Erst nach 1945 konnte der junge Schauspieler seine Laufbahn fortsetzen, begann 1946 am
Deutschen Theater in Berlin, ein Jahr später wurde er von Gründgens an das
Düsseldorfer Schauspielhaus berufen, wo er bis 1955 zum Ensemble gehörte
und in vielen Stücken seine darstellerische Vielseitigkeit unter Beweis
stellte. Weitere Stationen wurden unter anderem in München die "Kleine Komödie", das Schauspielhaus Zürich
sowie bis Mitte der 80er Jahre in Berlin das "Renaissance-Theater",
das "Theater am Kurfürstendamm" und die "Komödie".
Darüber hinaus erlebte man Schmidt beispielsweise bei den Ruhrfestspielen
in Recklinghausen, am Theater Baden-Baden, am Rheinischen Landestheater Neuss,
der "Komödie" in Frankfurt a.M. oder der Stuttgarter "Komödie im Marquardt".
Bei den Salzburger Festspielen gastierte er verschiedentlich ab Anfang der 50er Jahre, war 1951
als "Sylvius" in der Gründgens-Inszenierung von Shakespeares
"Wie es euch gefällt" oder ein Jahr später als "Arlecchino"
in Carlo Goldonis Komödie "Der Lügner" zu sehen.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Schmidt überzeugte sowohl mit klassischen als auch modernen Bühnenfiguren,
sein darstellerisches Spektrum blieb stets breit gefächert. So glänzte er
als "Just" in Lessings "Minna von Barnhelm" oder als
"Leon" in Grillparzers "Weh' dem, der lügt" ebenso wie
als "Beckmann" in Borcherts Drama "Draußen vor der
Tür", gab einen brillanten "Besseren Herrn" in Hasenclevers
gleichnamiger Komödie. In der Bühnenversion von Steinbecks "Von
Mäusen und Menschen" war er als "Georg" ebenso überzeugend
wie als "Lohman" in Millers "Der Tod eines
Handlungsreisenden", die Figur des "des braven Soldaten
Schwejk" gehörte nach eigenen Aussagen zu Schmidts Lieblingsrollen.
Peer Schmidt als braver Soldaten Schwejk
Foto: Privatarchiv Peer Schmidt
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Bei ausgedehnten Tourneen begeisterte Schmidt immer wieder das Publikum,
zeigte vor allem in zahlreichen Boulevardstücken sein komödiantisches
Talent. Zu nennen sind etwa Neil Simons Erfolgsstücke "Barfuß im
Park" und "Der letzte der feurigen Liebhaber",
Peter Shaffers "Komödie im Dunkeln", Herb-Gardners
"Tausend Clowns" oder Georg Axelrods "Meine Frau erfährt
kein Wort".
Noch in jüngerer Zeit stand Schmidt als nörgelnder Vater
und Großvater mit Chariklia Baxevanos in Stefan Vögels amüsanten
weihnachtlichen Familiengeschichte "Süßer die Glocken" auf der
Bühne, hatte sich bewegen lassen, nach mehr als zehn Jahren wieder auf
Tournee zu gehen.
Bild rechts: Peer Schmidt an der Komödie Frankfurt in "Der letzte der feurigen
Liebhaber" mit Ehefrau Helga Schlack
Foto: Privatarchiv Peer Schmidt
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Schmidts Filmkarriere begann Anfang der 50er Jahre in unterhaltsamen
Nachkriegsstreifen, sein Leinwanddebüt hatte er 1953 an der Seite von
Johannes Heesters in "Liebeskrieg nach Noten" sowie neben
Hardy Krüger und Ruth Leuwerik in "Muß man sich gleich
scheiden lassen?" gegeben. Es folgten zahlreiche erfolgreiche
Produktionen, vornehmlich heitere Komödien und Heimatfilme, in denen sich
Schmidt mit seinem jungenhaften Charme in die Herzen des Kinopublikums
spielte. In nachhaltiger Erinnerung bleibt er auch als Marquis de Venosta
in Kurt Hoffmanns Thomas Mann-Adaption "Bekenntnisse des
Hochstaplers Felix Krull" (1957) neben Horst Buchholz in der
Titelrolle. In Thomas Engels "Junger Mann, der alles
kann" (1957) agierte er als Musiker Eugen neben
Georg Thomalla, stand mit Johanna von Koczian und
Carlos Thompson für Axel von Ambessers "Bezaubernde
Arabella" (1959) oder mit Grethe Weiser für "Lemke's
sel. Witwe" (1957) vor der Kamera – um nur einige
der mehr als 40 Spielfilme zu nennen.
Als jugendlicher Held und Liebhaber war sein Herz immer im Hochland (wie ein
bezeichnender Film hieß).
Er spielte die lustigen Rollen, war musikalisch im
"Wunschkonzert", ging munter, manchmal tapsig
über die grünen Heiden des deutschen Heimatfilms, hatte
immer einen flotten Spruch auf den Lippen und grinste
breit im Angesicht der Probleme des Lebens oder der skurrilen Bösewichte der Edgar-Wallace-Streifen.
Ein Berliner mit sympathischem Schuss. (Quelle: "Lexikon der
deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)
Ab den 60er Jahren kamen zahlreiche Arbeiten für das Fernsehen hinzu,
Schmidt war auch in verschiedensten Rollen zu sehen, die er bereits auf der
Bühne verkörpert hatte. Man erlebte ihn unter anderem in dem von Rolf Hädrich
nach John Steinbecks Klassiker inszenierten TV-Spiel "Von Mäusen und Menschen" (1968),
in dem Schmidt als Landarbeiter George beeindruckte, der gemeinsam mit seinem
Freund, dem bärenstarken debilen Lennie (Wolfgang Reichmann), von einer
schöneren Zukunft träumt.
Bild rechts: Peer Schmidt als "George" in
"Von Mäusen und Menschen"
Foto: Privatarchiv Peer Schmidt
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Ungeheure Bildschirm-Popularität erlangte der
Schauspieler Mitte der 70er mit der Figur des Dr. Jean Dollent in "Der kleine
Doktor"*) (Foto links), der gleichnamigen 13-teiligen TV-Serie nach
George Simenon. Bis weit in die 80er Jahre folgten neben ambitionierten
TV-Spielen weitere Serien-Auftritte, beispielsweise in beliebten Reihen wie
"Sonderdezernat K1", "Café Wernicke", "Jakob
und Adele", "Berliner Weiße mit Schuß" oder "Es muß
nicht immer Mord sein". Zuletzt war Schmidt zusammen mit
Chariklia Baxevanos in der Komödie "Zwiebeln und
Butterplätzchen" (1990) auf dem Bildschirm zu sehen.
*) Link: Beschreibung innerhalb dieser HP
Foto: Privatarchiv Peer Schmidt
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Neben seiner Arbeit als Schauspieler war Peer Schmidt, der stets die Bühne
als seine künstlerische Heimat betrachtete, mit seiner markanten Stimme auch
als Synchronsprecher u. a. für den jungen Marlon Brando, Jean Paul Belmondo und Gérard Philippe zu hören.
Literarische Abende mit Gedichte und Geschichten von Erich Kästner und Joachim Ringelnatz,
den Lieblingsdichtern des Charakterdarstellers, waren stets ein
Highlight für das Publikum.
Nur wenige Wochen nach seinem 84. Geburtstag starb der sympathische
Schauspieler am 8. Mai 2010 nach längerer Krankheit in einem Berliner
Klinik an den Folgen einer Lungenfibrose.
Peer Schmidt war seit 1966 glücklich mit Schauspielerkollegin Helga Schlack
verheiratet, mit der er oft gemeinsam auf der Bühne gestanden hatte. Das Paar lebte zurückgezogen in Berlin sowie in seinem alten Friesenhaus
auf der Nordseeinsel Amrum. Medienberichten zufolge wird die Asche des
beliebten Künstlers Ende Juni 2010 in der Nordsee vor Amrum ins Meer gestreut.
Das Foto, welches Peer Schmidt mit seiner Frau Helga
zeigt, wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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