Annemarie Düringer
Annemarie Düringer wurde am 26. November 1925 als Tochter eines Industriellen in Arlesheim bei Basel geboren und wuchs in der Ortschaft Muri in der Nähe von Bern auf. Nach einer Ausbildung an einer Berner Handelsschule begann sie 1946 in Paris bei René Simon (1898 – 1971) an dessen 1925 gegründeten "Cours Simon"1) eine Schauspielausbildung, die sie ab 1947 zwei Jahre lang am Wiener "Max Reinhardt-Seminar" vertiefte. 1949 wurde sie Ensemblemitglied des berühmten Burgtheaters, welches ihre künstlerische Heimat blieb, triumphale Gastspiele gab sie unter anderem am Berliner Schiller-Theater, an den Münchner Kammerspielen sowie am Bayerischen Staatsschauspiel und auch bei den Salzburger Festspielen begeistert sie bis vor ein paar Jahren das Publikum.
Annemarie Düringer gehört zu den herausragenden und bedeutendsten Schauspielerinnen des Burgtheaters, brillierte sowohl in klassischen als auch in modernen Stücken, zeigte mit über hundert Rollen ihre darstellerische Dominanz und Wandlungsfähigkeit. Ihr Repertoire ist breit gefächert, sie interpretierte (und interpretiert) eindrucksvoll die großen Frauenfiguren beispielsweise in Stücken von Aischylos, Shakespeare, Grillparzer, Ibsen, Gorki, Hauptmann, Miller, Strindberg, Pinter, Wedekind und Tschechow. Im Theater am Kurfürstendamm in Berlin war sie eine einzigartige "Lavinia" in O'Neills "Trauer muss Elektra tragen", am Schillertheater glänzte sie unter Fritz Kortner in Schillers "Räuber" oder in Molières "Don Juan". Annemarie Düringer, der 1963 der Titel "Kammerschauspielerin" verliehen worden war, stand mit den meisten der großen Schauspielerinnen und Schauspieler des 20. Jahrhunderts auf der Bühne, spielte an der Seite so legendärer Kollegen wie Werner Krauß2) (1884 – 1959) oder Paula Wessely2) (1907 – 2000).
Ende 2000 beispielsweise interpretierte sie am Wiener Akademietheater unter der Regie Peter Zadeks die abergläubische Haushälterin Frau Helseth in Ibsens "Rosmersholm"1) an der Seite von Angela Winkler, Gert Voss, Peter Fitz und Otto Schenk, eine ihrer Paraderollen in den letzten Jahren war die Wirtschafterin Frau Zittel in Thomas Bernhards "Heldenplatz"1) unter der Regie von Claus Peymann.
  
Auch auf der Leinwand oder im Fernsehen zeigte die Schauspielerin oftmals ihre Vielseitigkeit: 1953 hatte Regisseur Ernst Marischka die Düringer zum Film geholt, ihre erste Rolle spielte sie unter dessen Regie in "Feldherrenhügel" an der Seite von Heinz Conrads. Für Marischka stand sie in "Du bist die Welt für mich" (1953) vor der Kamera, Rudolf Jugert besetzte sie als Partnerin von Curd Jürgens in "Gefangene der Liebe" (1954). Es folgten eindrucksvolle Rollen in Filmen wie Fritz Kortners "Die Stadt voller Geheimnisse" (1954), Paul Verhoevens "Ewiger Walzer" (1954), Volker von Collandes "Ein Mann vergisst die Liebe" (1955) mit Willy Birgel, Falk Harnacks "Der 20.Juli"1) (1955) mit Wolfgang Preiss oder "Oberwachtmeister Borck" (1955) mit Gerhard Riedmann in der Titelrolle. In der Hauptmann-Adaption "Vor Sonnenuntergang" (1956) spielte sie die Inken Peters an der Seite von Hans Albers, in Robert Siodmaks Thriller "Nachts, wenn der Teufel kam"1) (1957) erlebte man sie unter anderem mit Mario Adorf und Claus Holm; für ihre Leistung wurde sie während der Internationalen Filmfestspiele in Berlin mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.
International erregte sie ebenfalls Aufmerksamkeit, Victor Vicas besetzte sie in seinem Spionagedrama "Count Five and Die" (1958, Der Ring des Gejagten) sowie in "SOS Gletscherpilot" (1959). Der Schweizer Regisseur Franz Schnyder gab ihr die Rolle der Sophie in seiner zweiteiligen Klassiker Verfilmung "Anne Bäbi Jowäger" (1960/1962), nach dem Roman von Jeremias Gotthelf. Danach machte sich Annemarie Düringer auf der Leinwand rar, spielte beispielsweise die Wirtin Frau Jenny in Kurt Früh's "Dällebach Kari" (1970) oder die Mrs. Müller in Daniel Schmids Drama "Schatten der Engel" (1976), einem Film zu dem neben Schmid auch Rainer Werner Fassbinder für das Drehbuch verantwortlich zeichnete und die Rolle des Raoul übernommen hatte. In Douglas Sirks Kurzfilm "Bourbon Street Blues" sah man sie 1978 erneut mit Rainer Werner Fassbinder, der ihr wenig später die Rolle der Cilly in seinem TV-Mehrteiler "Berlin Alexanderplatz"2) (1980) übertrug. In Fassbinders "Die Sehnsucht der Veronika Voss"1) (1982) spielte sie dann die Dr. Marianne Katz und erst zwanzig Jahre später war Annemarie Düringer wieder in einem Kinofilm präsent: In der Romanverfilmung von Robert Schindel und Lukas Stepaniks "Gebürtig" (2002) hatte sie eine kleinere Rolle übernommen. 
2006 spielte sie an der Seite von John Malkovich die Rolle der Mutter von Gustav Klimt in der Filmbiografie von Raúl Ruiz "Klimt"1), im gleichen Jahr tauchte sie in der Schweizer Tragikomödie "Die Herbstzeitlosen"1) mit der Rolle der Frieda Eggenschwyler auf, Freundin der 80-jährigen Protagonistin Martha (Stephanie Glaser). Mit Charme und Witz erzählt Regisseurin Bettina Oberli vom Aufstand der Alten, der Film lebt von den charismatischen Miminnen. Neben Stephanie Glaser1), einer routinierten Theaterschauspielerin mit Kinoerfahrung, sowie der Burgschauspielerin Düringer brillieren noch Heidi Maria Glössner1) und Monica Gubser1) (siehe auch www.moviemaster.de). Zuletzt gehörte sie als Äbtissin Tengwich zur Besetzung von Margarethe von Trottas filmischem Frauenportrait "Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen"1) (2009) mit Barbara Sukowa in der Titelrolle.
  
Dazwischen lagen vereinzelte Auftritte in Fernsehspielen wie "Tatort – Mord auf Raten" (1980), "Das Gläserne Wappen" (1983) oder "Die Gunst der Sterne" (1988); in Dieter Wedels Mehrteiler "Der Große Bellheim"1) (1993) zeigte sie sich als Filmmutter von Richard Mayers alias Manfred Zapatka, zu ihren jüngeren Fernsehauftritten zählt 1998 die Erzherzogin Sophie in dem Filmportrait über "Sissi" von Norbert Beilharz unter dem Titel "Wie eine schwarze Möwe"3). In der Episode "Was geschah mit Vera Z.?" (EA: 02.03.2007) aus der Krimiserie "SOKO Kitzbühel" überzeugte sie als verwirrte Melanie Gretsch bzw. Schwester des Mordopfers, in der vergnüglichen Krimikomödie "Detektiv wider Willen" (EA: 30.04.2009) mimte sie die vom Canasta-Fieber befallenen Schwiegermutter des Staranwalts Mark Degen alias Sky du Mont. Als Viviane tauchte sie in der österreichisch-französischen Produktion "In einem anderen Licht" (2009, Sous un autre jour) auf, ein von Alain Tasma in Szene gesetztes bewegendes Drama über eine starke Frau (Marthe Keller) auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater (Kurt Sobotka). Die Dreharbeiten zu dem ZDF-Krimi "Der letzte Weynfeldt"1), von dem Schweizer Regisseur Alain Gsponer nach dem gleichnamigen Bestseller von Martin Suter inszeniert, begannen Anfang November 2009 und sind inzwischen abgeschlossen; neben Stefan Kurt als Adrian Weynfeldt und Marie Bäumer als Lorena Steiner in den Hauptrollen ist Annemarie Düringer als Frau Hauser zu sehen. Die Premiere der Synchronfassung fand am 31. August 2010, in Anwesenheit des Romanautors und seiner Frau, im Kino "Metropol" in Zürich statt. Der Film wurde am 12. September 2010 erstmals im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. (…) Der Film wurde auf deutsch gedreht und für den Schweizer Markt auf Schweizerdeutsch nachsynchronisiert.4)

Annemarie Düringer, die 1977 bereits mit der "Kainz-Medaille" ausgezeichnet wurde, ist seit November 2000 als Nachfolgerin von Paula Wessely Trägerin des "Alma-Seidler Ringes"1), dem weiblichen Pendant zum berühmten "Iffland-Ring"1); gestiftet wurde der "Alma-Seidler-Ring" 1978 von der österreichischen Bundesregierung nach dem Tod der Burgschauspielerin Alma Seidler1) (1899 – 1977); 2001 wurde Anna Düringer zur "Doyenne" des Wiener Burgtheaters ernannt, 2005 folgte das "Goldene Ehrenzeichen" für "Verdienste um das Land Wien". Annemarie Düringer habe die Geschichte des Burgtheaters von 1949 an miterlebt und mitgeprägt, betonte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bei der Verleihung und sagte unter anderem: "Keine bedeutende Frauenrolle, die Annemarie Düringer nicht gespielt hätte, kein wichtiger Regisseur, mit dem sie nicht zusammengearbeitet hätte". Laudator Achim Benning1), der von 1976 bis 1986 das Burgtheater leitete, würdigte die Leistungen der Schauspielerin mit den Worten "Niemand stellt das Existenzproblem der Einsamkeit in ihren Figuren so dar wie Annemarie Düringer". Wendepunkt ihres Schauspielerlebens sei die Zusammenarbeit mit Regisseur Kortner gewesen, in dieser Zeit habe sie sich vom netten Schweizer Mädel zur ernsthaften Schauspielerin entwickelt. (siehe auch www.wien.gv.at)
Zu ihren weiteren Ehrungen zählen unter anderem, neben ihrer Ernennung zur Kammerschauspielerin (1963), das "Kreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse" (1968), das "Große Ehrenzeichen der Republik Österreich", die "Goldene Ehrenmedaille" der Stadt Wien sowie der Schweizer "Hans Reinhard-Ring"1) (1974).
 
Im Jahre 2003 veröffentlichte Marie-Theres Arnbom die Memoiren der Burgschauspielerin unter dem Titel "Blitzlichter, Erinnerungen von Annemarie Düringer"; hierin schildert sie unter anderem Begegnungen mit großen Kollegen, lässt ihre faszinierenden Rollen Revue passieren, gewährt dem Leser aber auch Einblicke in ihr Privatleben. Im Anhang findet sich ein Rollen- und ein Personenregister sowie ein Verzeichnis ihrer Filme.
 
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) prisma-online.de
4) Quelle: Wikipedia, abgerufen 20.01.2011
Stand August 2011
Annemarie Düringer bei der Agentur Kelterborn
Siehe auch Wikipedia und www.cyranos.ch
Filmografie bei www.imdb.de
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