Ursula Herking
Ursula Herking wurde am 28. Januar 1912 als Ursula Natalia Klein und Tochter eines Künstlerehepaares in Dessau geboren; ihre Mutter war die gefeierte Kammersängerin Lily Herking, die 1922 bei einem Theaterbrand ums Leben kam. Zwei Jahre später verlor sie ihren Vater, wuchs in Weimar bei einer Kinderfrau auf. Nach dem Besuch des dortigen Realgymnasiums nahm sie ab 1920 an der Staatlichen Schauspielschule Unterricht, bestand 1930 bei Leopold Jessner die Abschlussprüfung und spielte anschließend an zahlreichen Bühnen; seit 1934 war sie am Berliner Staatstheater engagiert. Vor allem als Kabarettistin machte sie sich einen Namen, trat in Werner Fincks "Katakombe" auf, dem "Chat noir", der "Schaubude" und nach dem 2. Weltkrieg in der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft".
Zum Film kam Ursula Herking 1932 und war erstmals in der Nebenrolle des Dienstmädchens Minna in "Hier irrt Schiller" auf der Leinwand zu sehen. In der Folgezeit übernahm sie kleinere Chargenrollen und gab Zofen, Mägde, Dienstmädchen und Sekretärinnen, die sie abwechselnd als einfältige Trampel oder loyale Perlen gestaltete. Besonderer Beliebtheit erfreute sie sich, wenn sie mit Filmpartner Rudolf Platte ein komisches Paar mimte, wie beispielsweise 1937 in "Gasparone". In "Onkel Bräsig" gab sie beispielsweise 1936 eine herrlich tranige Dienstmagd, in "Ein Mann mit Grundsätzen" sah man sie 1943 als Frl. Baudensieck, die eine Seemannskneipe erbt. Eine Hauptrolle hatte sie 1938 neben Ingrid Bergmann in "Die vier Gesellen" als freche, exzentrische und sehr emanzipierte Zeichnerin Franziska.  

1944 spielte sie ihre letzte Vorkriegsfilmrolle in Prag und wurde dann dort in eine Rüstungsfabrik dienstverpflichtet. Tschechische Arbeiter brachten sie heimlich über die Grenze als sowjetische Truppen in Prag einmarschierten. Auf abenteuerliche Weise trampte sie nach Deggendorf in Bayern, wohin sie schon von Berlin aus ihre Kinder evakuiert hatte. Sie arbeitete bei Bauern, später als Dolmetscherin bei der amerikanischen Militärregierung in Straubing, organisierte dort mit Curd Jürgens ein improvisiertes Theater. 1946 gründete Rudolf Schündler in München das Kabarett "Die Schaubude", in der die Herking außerordentliche Triumphe feierte; zu ihren weiteren Kabarett-Stationen zählen unter anderem "Die Hinterbliebenen" und "Der Rauchfang" in Berlin; außerdem spielte sie dort am "Hebbeltheater" sowie an der "Komödie", 1948 beteiligte sie sich an der Gründung der "Kleinen Freiheit", später an der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft" und wurde auch dort als Kabarettistin an der Seite von Sammy Drechsel, Hans Jürgen Diedrich, Klaus Havenstein und Dieter Hildebrandt, der sie einmal als "kompromisslos, vulkanisch und von grenzenlosem Optimismus" bezeichnete, umjubelt. "Lulatschweib, x-beinig mit Kasperlgesicht" wurde ihr Aussehen von ihren Kritikern beschrieben, "kess, komisch und ungeniert resolut" waren Adjektive, die ihre Bewunderer fanden.

Nach Kriegsende wurde die Künstlerin im Film häufiger mit großen Rollen besetzt, war 1955 herausragend als Mutter und Ärztin Dr. Behrens in dem Antikriegsfilm "Kinder, Mütter und ein General". Daneben holte man sie immer vor die Kamera, wenn verschroben-schrullige "Schreckschrauben" gebraucht wurden und ihre Trampel, Heulsusen oder schusseligen Sekretärinnen hatten bei aller Zickigkeit stets einen Schuss Frechheit und Chupze im strahlenden Blick; hinter diesen Figuren stand eine Frau, die Bescheid wusste, die mit Gefühl und Esprit Kleinkunst zum Volksschauspiel werden ließ. ("Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)
  
Sie war in mehr als 120 Filmen auf der Leinwand präsent, letztmalig sah man sie 1965 als Josefa in "Mädchen hinter Gittern" auf der Leinwand; danach wirkte sie verstärkt bei verschiedensten Fernsehproduktionen mit.
Im Jahre 1967 erhielt "die Herking", wie sie inzwischen hieß, den Schwabinger Kunstpreis, 1973 erschien ihr Erinnerungsbuch "Danke für die Blumen".

Ursula Herking, die seit 1963 in dritter Ehe mit dem Übersetzer Dr. Ulrich Glass verheiratet war, starb am 17. November 1974 mit 62 Jahren in München an den Folgen eines Herzinfarktes. Aus ihrer ersten Ehe (1937 – 1943) mit dem Industriemanager und späteren CSU-Mitbegründer Dr. Johannes Semler  stammt Tochter Susanne (geb. 1937) sowie Sohn Christian (geb. 1938).
 

Siehe auch wikipedia.org, www.cyranos.ch
  
Kinofilme
Filmografie bei der german.imdb.com
1932: Hier irrt Schiller 1935: Wer wagt – gewinnt
1936: Onkel Bräsig 1936: Susanne im Bade
1936: Stärker als Paragraphen 1937: Die Kronzeugin
1937: Meine Frau, die Perle 1937: Gasparone
1937: Sherlock Holmes 1937: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit
1937: Togger 1938: Rote Orchideen
1938: Die Vier Gesellen 1938: Eine Nacht im Mai
1939: Zwölf Minuten nach zwölf 1939: Heimatland
1940: Fahrt ins Leben 1940: Kora Terry
1940: Frau nach Maß 1940: Was wird hier gespielt?
1940: Das Herz der Königin 1940: Alles Schwindel
1941: Frau Luna 1941: Auf Wiedersehen, Franziska!
1942: Hab mich lieb 1942: Die Nacht in Venedig
1942: Liebeskomödie 1942: Ein Windstoß
1943: Akrobat Schööön! 1943: Mann mit Grundsätzen?
1943: Kollege kommt gleich 1943: Geliebter Schatz
1944: Ein Fröhliches Haus 1944: Eine Frau für drei Tage
1944: Die Affäre Rödern 1944: Nora
1945: Das Mädchen Juanita 1945: Das Seltsame Fräulein Sylvia
1948: Danke, es geht mir gut 1949: Einmaleins der Ehe
1949: Krach im Hinterhaus 1950: Wer fuhr den grauen Ford?
1950: Mädchen mit Beziehungen 1950: Dreizehn unter einem Hut
1950: Wenn eine Frau liebt 1950: Absender unbekannt
1950: Export in Blond 1950: Schatten der Nacht
1951: Das Späte Mädchen 1951: Schatten über Neapel
1951: Die Frauen des Herrn S. 1951: Schön muss man sein
1952: Der Tag vor der Hochzeit 1952: Der Keusche Lebemann
1952: Tanzende Sterne 1953: Ich und Du
1953: Die Kaiserin von China 1953: Hollandmädel
1953: Keine Angst vor großen Tieren 1954: Ball der Nationen
1954: Keine Angst vor Schwiegermüttern 1954: Columbus entdeckt Krähwinkel
1955: Unternehmen Schlafsack 1955: Kinder, Mütter und ein General
1955: Vom Himmel gefallen 1956: Ich und meine Schwiegersöhne
1956: Nichts als Ärger mit der Liebe 1956: Das Alte Försterhaus
1956: Skandal um Dr. Vlimmen 1956: Kirschen in Nachbars Garten
1957: Weißer Holunder 1957: Die Unentschuldigte Stunde
1958: Der Lachende Vagabund 1958: Münchhausen in Afrika
1958: Solange das Herz schlägt 1958: Das gab's nur einmal
1959: Frau im besten Mannesalter 1959: Das Blaue Meer und Du
1959: Heimat, deine Lieder 1959: Traumrevue
1959: Ja, so ein Mädchen mit sechzehn 1960: Immer will ich dir gehören
1960: Pension Schöller 1960: Sooo nicht, meine Herren
1961: Bankraub in der Rue Latour 1961: Davon träumen alle Mädchen
1962: Verrückt und zugenäht 1965: Mädchen hinter Gittern
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