Angelo Ferrari um 1928; Urheber: Alexander Binder) (1888–1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 1775/2 (Ausschnitt); Lizenz: gemeinfrei Der Schauspieler Angelo Ferrari wurde am 14. August 1897 in der italienischen Gemeinde Fara Gera d'Adda1) (Lombardei1)) geboren. Der Sohn eines leitenden Eisenbahn-Angestellten tat sich als Jugendlicher sportlich hervor und hatte 1913 sowie 1914 die italienische Rollschuh-Meisterschaft gewonnen. Nach eigenen Angaben*) soll ihm die Stummfilm-Diva Diana Karenne (1888 – 1940) den Ehrenpreis überreicht haben und den für Kunst- und Theater schwärmenden 15-Jährigen zum Film gebracht haben: "Da ich sie mit meinen träumenden Knabenaugen bezauberte, engagierte sie mich für eine Hauptrolle in ihrem Film "Sophia von Krakovia". Ich wurde ein Filmprinz während meiner Schulferien, ohne Wissen der Eltern, verdiente mein erstes Geld und – errang bei der Aufführung einen großen Erfolg. Meine Eltern waren überrascht und begeistert und erlaubten mir nun, meinem Filmstern weiter zu folgen."*) Nach der Premiere von "Sofia di Kravonia" (1916) mit Karenne als Operettenfürstin folgte in dem Melodram "La sepolta viva" (1916) eine weitere tragende Rolle für den jungen Nachwuchs-Schauspieler, der dann jedoch zunächst eine Pause einlegen musste, da er während des 1. Weltkrieges eingezogen und zum Fliegeroffizier ausgebildet wurde.
Nach Kriegsende nahm Ferrari seine unterbrochene Filmkarriere wieder auf, stand bis Anfang der 1920er Jahre für etliche italienische Produktionen vor der Kamera und arrivierte mit Hauptrollen zum Publikumsliebling, zeigte sich unter anderem als Partner der berühmten algerisch-französischen Tänzerin bzw. Sängerin Polaire1) (1920, "La farina del diavolo") sowie der italienischen Leinwandstars Francesca Bertini (1922, "La donna nuda") und Rina De Liguoro (1923, "Savitri Satyavan").  
 
Foto: Angelo Ferrari um 1928
Urheber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 1775/2 (Ausschnitt);
Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier
1922 erhielt der attraktive Italiener ein Angebot aus Berlin, in dem von Ewald André Dupont1) nach dem Roman von Clara Ratzka1) in Szene gesetzten Drama "Die grüne Manuela"1) (1923) mit dem Untertitel "Ein Film aus dem Süden" neben Titelheldin Lucie Lábass (1892 – 1932) eine Rolle zu übernehmen, konnte sich nun auch in Deutschland mit dem Part des Grafen Henri d'Amirón "als Liebhaber mit südländischem Verführer-Flair vor allem beim weiblichen Publikum etablieren."2) Ferrari "sieht so aus, wie man sich einen römischen Jüngling vorstellt – dunkelhaarig, dunkeläugig, markant-sanfte Gesichtszüge. An seiner hochgewachsenen Statur gibt es nicht zu mäkeln. Ob Frack oder Fantasieuniform, alles sitzt bei ihm wie angegossen." schreiben Udo Ehrentreich und Heinz Fiedler in "Zelluloid-Erinnerungen" ("Sächsische Zeitung", 22.08.2008). In den folgenden Jahren trat Ferrari mal mit Hauptrollen, mal mit prägnanten Nebenrollen an der Seite der weiblichen Stars jener Ära in Erscheinung, drehte beispielsweise mit Lya de Putti das kammerspielartige Melodram "Eifersucht"1) (1925; Regie: Karl Grune1)), mit Lee Parry das Abenteuer "Die Motorbraut"1) (1925, Regie: Richard Eichberg1)) und stand auch mehrfach mit Henny Porten wie für Carl Froelichs1) Komödien "Rosen aus dem Süden"1) (1926) und "Meine Tante – Deine Tante"1) (1927) sowie dem Melodram "Prater"1) mit dem Untertitel "Die Erlebnisse zweier Nähmädchen" (1924; Regie: Peter Paul Felner1)) vor der Kamera. Immer wieder mimte er den Typus des Charmeurs und smart-intriganten Verführers, der die Frauen umgarnte. Nach eigenen Aussagen, war er mit seinen Rollen nicht immer einverstanden: "Vor allem mag ich keinen Intriganten spielen. Ich will der lustige Liebhaber bleiben, denn ich bin nun einmal lustig, die Filmerei macht mir sehr viel Vergnügen, und nicht zuletzt tragen hierzu die vielen, vielen Briefe bei, die ich von netten, lustigen Backfischen bekomme!"*)

Foto: Angelo Ferrari um 1928
Urheber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
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Angelo Ferrari vor 1929; Urheber: Alexander Binder (1888–1929); Lizenz: gemeinfrei
Angelo Ferrari vor 1929; Urheber: Alexander Binder (1888-1929); Quelle: www.virtual-history.com; Ross-Karte Nr. 1775/1; Lizenz: gemeinfrei Auch privat haftete Ferrari der Ruf des Herzensbrechers und Frauenhelden an, er liebt es, sich in hautengen Badetrikots fotografieren zu lassen. Berühmt wird die Anekdote, nach der Greta Garbo während der Dreharbeiten zu "Die freudlose Gasse"1) bei einem privaten Abendessen mit ihm in der Küche verschwindet und nach dreißig Minuten derangiert und mit zerkochten Nudeln zurückkehrt, die in Filmkreisen fortan "Nudeln à la Garbo" genannt werden (Geza von Cziffra1): Es war eine rauschende Ballnacht. München, Berlin: Herbig 1985).2)  
Die Filme, in denen Ferrari besetzt wurde, stellten keine besonders hohen schauspielerischen Herausforderungen an den Mimen dar, es waren die beliebten Melodramen und Lustspiele, in denen er als südländischer Typus Grafen, Barone, Offiziere oder andere Personen der Gesellschaft ebenso gut zu verkörpern wusste wie Hochstapler oder Artisten. Ende der 1920er Jahre bzw. mit Beginn des Tonfilms rückte Ferrari vermehrt in die zweite Reihe, vor allem im Tonfilm musste er sich nun aufgrund seines starken Akzents mit kleinen bis kleinsten Nebenrollen zufrieden geben. Er blieb jedoch ein vielbeschäftigter Darsteller, der in unzähligen Produktionen auftauchte und die ganze Palette der meist unbedeutenden, dennoch unverzichtbaren Nebenfiguren abdeckte. Er mimte auch hier Adelige und Offiziere, tauchte mal als Kellner und Inspizient, als Heerführer und Reporter, als Schiedsrichter und Polizeikommissar, als Gauner oder Hotel- und Operndirektor auf. Zwischen 1930 und 1945 gehörte Ferrari in rund 130 Produktionen zur Besetzung, fungierte zudem bei in Italien gedrehten Filmen als Berater. Er unterstützt als Verbindungsmann dort entstehende Produktionen ("Aufruhr in Damaskus"1), die Venedig-Szenen in "Münchhausen"1)) und richtet deutsche Filme in italienischer Sprache ein ("Heimkehr"1)).2) → Übersicht Filmografie

Foto: Angelo Ferrari vor 1929
Urheber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.virtual-history.com; Ross-Karte Nr. 1775/1;
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Die Erstaufführung verschiedener noch gegen Kriegsende gedrehten und erst nach 1945 gezeigten Filme erlebte Ferrari nicht mehr, sein Tod bzw. die Umstände konnten bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Laut "CineGraph"1) starb Angelo Ferrari am 15. Juni 1945 mit nur 47 Jahren in dem Örtchen Niederlehme1) südöstlich von Berlin, die Sterbeurkunde weise als Todesursache "Schlaganfall" aus, anderen Quellen zufolge soll sich Ferrari erhängt haben.2) Wikipedia wiederum notiert "wahrscheinlicher aber ist es, dass er im Endkampf um Berlin ums Leben kam." Fälschlicherweise wird in einigen Quellen das Jahr 1954 als Todesdatum angegeben, was vermutlich auf einem von zahlreichen Sekundärquellen übernommenen Zahlendreher beruht.
Gemäß "CineGraph" war Ferrari seit 1922 mit einer Deutschen verheiratet, mit der er Kinder hatte und von der er später offensichtlich getrennt lebte.
Quellen (unter anderem*)): Wikipedia, cyranos.ch
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 50**)
Fotos bei virtual-history.com
*) Angelo Ferrari. In: Dr. Hermann Treuner (Hrsg.): Filmkünstler – Wir über uns selbst (Sybillen Verlag, Berlin, 1928)
**) Mit den Quellen:
– Angelo Ferrari; Mein Leben. In: Ufa-Magazin (Juli 1927)
– Angelo Ferrari. In: Dr. Hermann Treuner (Hrsg.): Filmkünstler – Wir über uns selbst (Sybillen Verlag, Berlin, 1928)
– Udo Ehrentreich, Heinz Fiedler: Zelluloid-Erinnerungen. In: Sächsische Zeitung (22.08.2008)
Fremde Links: 1) Wikipedia
Quelle: 2) CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film ( LG 50)
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Angelo Ferrari vor 1929; Urheber: Alexander Binder (1888–1929); Quelle: www.virtual-history.com:; Lizenz: gemeinfrei Filme
Stummfilme / Tonfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung, felix-bloch-erben.de)

Foto: Angelo Ferrari vor 1929
Urheber: Alexander Binder (1888 – 1929)
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