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Anfang der 1970er Jahre begann die Karriere der Mira als anerkannte Charakterdarstellerin, 1972 war sie von Peter Zadek für seine Fallada-Revue "Kleiner Mann? was nun?" an das Bochumer Schauspielhaus engagiert worden, wo sie Rainer Werner Fassbinder kennen lernte. Zunächst auf der Leinwand vor allem mit komischen Nebenrollen besetzt, holte dieser sie 1973 für sein filmisches Psychodrama "Angst essen Seele auf"2) neben El Hedi Ben Salem2) als verwitwete Putzfrau Emmi Kurowski, die einen viel jüngeren arabischen Gastarbeiter heiratet, vor die Kamera; für diese Hauptrolle wurde Brigitte Mira 1974 in Cannes mit einem "Filmband in Gold" ausgezeichnet und stand seither in der vordersten Reihe der deutschen Schauspielerinnen.
Mit Fassbinder drehte Brigitte Mira dann noch weitere Filme, so das Drama "Faustrecht der Freiheit"2) (1975) und "Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel"4) (1975), gefolgt von "Satansbraten"4) (1976), "Chinesisches Roulette"4) (1976) und "Lili Marleen"2) (1981) und auch in Fassbinders hochgelobtem Mehrteiler "Berlin Alexanderplatz"1) (1980) gehörte Brigitte Mira als Biberkopfs Zimmerwirtin Frau Bast zur Besetzung. Die Künstlerin erhielt auch von anderen Regisseuren des "Neuen Deutschen Films" tragende Rollen und machte sich in deren Produktionen unverzichtbar. Als "Fröhliche vom Dienst" begann die Künstlerin ihre Karriere in Lustspielen, Operetten und Volksstücken, sang und "blödelte" im deutschen Nachkriegsfilm, und mit ihrer Mixtur aus Herz, Berliner Schnauze und Gefühl wurde sie für die leichte Unterhaltung unverzichtbar. Doch erst mit ihren Charakterrollen zeigte Brigitte Mira, was in ihr steckt.5) Das Fernsehen bot Brigitte Mira ab Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre ein breites Betätigungsfeld und die "Soubrette vom Dienst" wurde auch mit gelegentlichen Ausflügen ins Charakterfach zu einer TV-Institution. Besonders mit ihrer Rolle des Urberliner Originals Margarete Faerber in dem TV-Dauerbrenner "Drei Damen vom Grill"2) avancierte sie ab 1977 zum Publikumsliebling eine liebenswerte Figur, die sie mehr als 100 Mal, mit Unterbrechungen, bis 1991 mimte
Auch noch im hohen Alter war die "Grand Dame des Films" immer wieder im Fernsehen und Theater zu erleben und trat dazwischen auch gelegentlich als Diseuse solistisch auf. Ab 1997 feierte die Mira zusammen mit ihren Kolleginnen Helen Vita1) (1928 2001) und Evelyn Künneke1) (1921 2001) Erfolge mit dem Tourneeprogramm "Drei alte Schachteln", welches das Trio quer durch Deutschland führte. Zu ihrem 90. Geburtstag rühmte sie die FAZ als eine "Phänomenale Schauspielerin, die von Zote bis Aperçu, vom Schwank bis zur Tragödie beherrscht, was darstellende Kunst fordern kann ". Mit dem Älterwerden hatte die Mira kein Problem. Sie sorgte selbst dafür, dass sie gar nicht erst älter wurde. Zehn Jahre lang war sie 39, dann zehn Jahre 49. Und ihren 75. Geburtstag feierte sie fünfmal, was die offiziellen Glückwunsch-Übermittler aus dem Bundespräsidialamt, dem Kanzleramt und der Berliner Senatskanzlei zum Grübeln brachte. Bundeskanzler Helmut Kohl soll sich amüsiert haben darüber, wie oft er der liebenswürdigen Schauspielerin zum 75. Geburtstag gratuliert hatte Immerhin: 1995 "outete" sie sich als 85jährige, überredet von ihren Freundinnen Regina Ziegler und Brigitte Grothum. Von diesem Zeitpunkt an kokettierte die charmante Lügnerin gelegentlich mit ihrem Alter, ließ in Interviews auch Nachdenklichkeiten einfließen, etwa mit Sätzen wie "Man sieht nicht mehr so gut und hört dafür schlechter". Oder: "Im Alter ist es mit den Zähnen wie mit den Sternen da kommen sie raus " "In meinem Beruf", hat sie mal gesagt, "gibt es kein Alter. Es gibt nur Leistung." Und die brachte sie in Vollendung, oft zum Erstaunen ihrer wesentlichen jüngeren Kollegen. Sie hatte immer ihre Texte parat, was beim aufstrebenden Nachwuchs nicht selbstverständlich ist. "Ohne Arbeit würde ich eingehen wie eine Primel", meinte sie, und ihr Mitgefühl galt bei Auftritten in Seniorenheimen den "armen, alten Omis", die oft viel jünger waren als sie.6)
Brigitte Mira wurde während ihrer Karriere mit unzähligen Auszeichnungen geehrt: Neben dem "Deutschen Filmpreis" (1974) für ihre schauspielerische Leistung in "Angst essen Seele auf" erhielt sie unter anderem 1981 das "Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland", 1989 den "Filmpreis in Gold" für ihr "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" sowie 1995 die höchste Auszeichnung in Deutschland, das "Bundesverdienstkreuz". Ein Jahr später ehrte sie das Land Berlin mit dem "Verdienstorden", im Februar 2000 wurde ihr die "Goldene Ehrenkamera" für ihr Lebenswerk verliehen. Mit dem "Goldenen Wuschel"2) (2003) des ARD-Boulevardmagazins "Brisant" und dem Kulturpreis "Berliner Bär"2) (2005) der Boulevardzeitung "B.Z." konnte die Künstlerin weitere Trophäen für ihr Lebenswerk entgegen nehmen. Bereits 1988 hatte Brigitte Mira erstmalig ihre Autobiografie unter dem Titel "Kleine Frau, was nun? Erinnerungen an ein buntes Leben" veröffentlicht, im März 2002 erschien die Neuauflage "Von ganzem Herzen. Erinnerungen" in der Horst Pillau2) die Lebensgeschichte aktuell vervollständigt hat basierend auf Gesprächen mit der humorvollen Künstlerin. Im "Mannheimer Morgen" stand zu lesen: "Vom üblichen Jahrmarkt der Eitelkeiten vieler Künstler-Erinnerungen hebt sich dieses Buch ab. Es ist, was man vergeblich von vielen erwartet, ein Zeitdokument"; im Mai 2002 erschien zusätzlich die CD von Brigitte Mira "Gespräch mit Horst Pillau über ihr Leben." In der Kurzbeschreibung heißt es unter anderem: "Mein Leben das ist nicht nur Glanz und Glamour. Aber es ist das beste, das ich kenne", sagt Brigitte Mira und blickt auf gut 70 Jahre Bühnenleben zurück. Sie berichtet von ihrer gefährlichen Überlebensstrategie im Dritten Reich und ihrem Weg aus der Provinz nach Berlin. Und sie erzählt von ihren fünf Ehemännern sowie von ihrer Karriere, die durch Peter Zadek und Rainer Werner Fassbinder zu neuen Höhen führte. Brigitte Mira hat nichts von ihrer sprichwörtlichen Schlagfertigkeit, ihrer Vitalität und Lebensfreude verloren. Es ist ein Gespräch unter Freunden, sehr persönlich mit urwüchsigem Humor und viel Selbstironie." |
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Link: 1) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 4) deutsches-filmhaus.de, 5) prisma.de, 7) www.filmmuseum-hamburg.de Quelle: 3) Wikipedia (abgerufen 05.10.2011), 5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 248 6) "Die Welt" vom 11. März 2005, 8) "Berliner Morgenpost" vom 10.06.2005: "Brigitte Mira ist tot" |
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Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de, www.whoswho.de sowie die Artikel bei www.spiegel.de und www.faz.net anlässlich des Todes der Künstlerin |
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