
Valentin schrieb viele komische Szenen für seine Partnerin, als erste die vom böhmischen Komiker Ladislaus. So wie Valentin nicht ohne sie als abendliche Spielpartnerin denkbar war, so wurde Liesl Karlstadt die unentbehrliche Interpretin seines spezifischen Humors seit sie beide im Jahre 1911, von Kathi Kobus engagiert, in deren Münchener "Simplizissimus-Kabarett" aufgetreten waren. Eigentlichen Schauspielunterricht nahm die Karlstadt erst ab 1930 bei Feldern-Förster in München, ihr Theaterdebüt gab sie in "Sturm im Wasserglas". Ihre großen Erfolge erntete sie mit Valentin an den "Münchener Kammerspielen" und am "Volkstheater". Später holte sich auch der Rundfunk die Komikerin, die mit dem reiseängstlichen Valentin inzwischen auch in Berlin, in der Schweiz und in Wien das Publikum begeistert hatte. Auch im Vorkriegsfilm sah man beide vereint auf der Leinwand, so beispielsweise in den Stummfilmen "Auf dem Oktoberfest" (1921) oder "Mysterien eines Frisiersalons" (1923). Im Tonfilm agierten beide unter anderem hinreißend in kurzen Streifen wie "Die Verkaufte Braut" (1932), "Im Photoatelier" (1932), "Orchesterprobe" (1933), "Der Verhexte Scheinwerfer" (1934), "Der Theaterbesuch" (1934), "Im Schallplattenladen" (1934), "Der Firmling" (1934), "Die Erbschaft" (1936) oder "Beim Nervenarzt" (1936) alles komische Szenerien, mit denen beide auch auf der Bühne das Publikum zum Lachen gebracht hatten. Die Zusammenarbeit der beiden verlief nicht immer so reibungslos, wie die genialische gegenseitige Ergänzung denken lässt. Nachdem Valentin Teile seines Vermögens in sein Panoptikum gesteckt hatte, zeichnete sich die Trennung ab, die nie vollständig war, aber in den vierziger Jahren auch nicht mehr zu der engen Zusammenarbeit führte, die die einzigartige Verbindung von Wirklichkeit und Absurdität ausgemacht hatte. Nach Valentins Tod war Liesl Karlstadt eine volkstümliche, freundliche Schauspielerin in Filmen, im Rundfunk, wo sie die Mutter in der langlebigen Serie um die "typische" Münchner Familie Brandl spielte, sowie auf der Theaterbühne. Vor allem in Stücken von Ludwig Thoma bleibt sie den Besuchern des "Residenztheaters" unvergessen und auch im Fernsehen war die Schauspielerin ungemein populär. So sah man sie noch kurz vor ihrem Tod in der Thoma-Komödie "Die Lokalbahn".Im Gegensatz zu anderen bayrischen Schauspielern brauchte sie sich für nichts zu schämen, was sie noch gemacht hat. Bescheiden trat sie, in ziemlich überflüssigen Heimat- und Urlaubsfilmen in den Hintergrund; ein guter Geist lange vergangener Zeit, deren Gespenst, Karl Valentin, von den Zeitgenossen verhindert wurde. Zu ihren filmischen Arbeiten der 50er Jahre zählen unter anderem Auftritte in "In München steht ein Hofbräuhaus" (1952), "Feuerwerk" (1954), "Die Trapp-Familie" (1956), "Salzburger Geschichten" (1957) oder "Wir Wunderkinder" (1958). Liesl Karlstadt verstarb am 20. Juli 1960 im Alter von 67 Jahren bei einem Ausflug in die Berge in Garmisch-Partenkirchen an einem Gehirnschlag. Texte und Briefe von Liesl Karlstadt wurden unter dem Titel "Nebenbeschäftigung: Komikerin"
veröffentlicht: Als Komikerin, Schauspielerin und Partnerin von Karl Valentin ist
Liesl Karlstadt weit über ihre Heimatstadt München hinaus berühmt geworden.
Dass sie weit mehr war als bloß der künstlerische Wurmfortsatz des Ententräumers, steht inzwischen
außer Zweifel. Sie entwickelte die unvergessenen Stücke improvisierend mit und hat
einige komische Vorträge und Szenen selbst verfasst.
Detailfreude und Beobachtungsgabe zeichnen ihre Aufzeichnungen aus kleine Berichte
über ihre Erlebnisse als Anfängerin auf den Vorstadtbrettln oder Erinnerungen an Valentin,
mit dem eine Reise über den Bodensee durchaus zum
"stürmischen" Abenteuer werden konnte. Als öffentliche Person
gab sie Interviews in Presse und Radio; privat war sie eine liebenswürdige
Briefschreiberin, die gegebenenfalls aber auch kein Blatt vor den Mund nahm.
Was Liesl Karlstadt alles aufgeschrieben hat, wird hier zum ersten Mal gesammelt vorgestellt.
(Zitat der amazon-Redaktion) |
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Textpassagen aus: Michael Schulte "Karl
Valentin. Eine Biographie" Hoffmann & Campe Verlag 1982 und
"Karl Valentin. Eine Leidensgeschichte in zufällig ausgerechnet 7 Kapiteln" von Georg Seeßlen, Zweitausendeins-Verlag (1991) sowie
dem "Munzinger-Archiv". Siehe auch wikipedia.org, www.cyranos.ch, www.valentin-musaeum.de Filmografie bei der german.imdb.com |
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