Der Schauspieler Hans Elwenspoek zählt zu den Künstlern, die in zahlreichen Filmen prägnante Nebenrollen spielten und seit den Anfängen des Fernsehens mit dabei waren – dennoch scheint auch Elwenspoek heute fast vergessen zu sein. Geboren am 8. Juli 1910 in Köthen (Sachsen-Anhalt) als ältester Sohn des Schriftstellers, Dramaturgen und Schauspielers Dr. Curt Elwenspoek1) (1884 – 1959) und dessen ersten Ehefrau Lotte Hirschberg (geb. Rübsam), nahm Sohn Hans gleich nach der Schule in Berlin Unterricht bei dem Regisseur und Schauspieler Ernst Legal2) (1891 – 1955).
Hans Elwenspoek als Wirt in dem TV-Spiel "Sansibar oder der letzte Grund" (1961) von Leopold Ahlsen nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Andersch; Regie: Rainer Wolffhardt; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Sein Bühnendebüt gab Elwenspoek 1930 an der Württembergischen Landesbühne Esslingen, weitere Verpflichtungen führten ihn bis Mitte der 1980er Jahre unter anderem an das Berliner "Hebbel-Theater", das "Volkstheater" in Frankfurt a.M., die "Kleine Komödie" München, die "Komödie" in Düsseldorf sowie an das "Boulevard-Theater im Künstlerhaus" in München; vorwiegend war Elwenspoek jedoch als Gast an verschiedensten deutschsprachigen Bühnen tätig und ging auf umfangreiche Tourneen. Zu seinen herausragenden Theaterinterpretationen zählt beispielsweise die des Papstes in Bethencourts "Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde" oder der "alte Knie" in Zuckmayers "Katharina Knie", er brillierte in Simons "Sonny-Boys" ebenso wie in Hauptmanns "Fuhrmann Henschel" und Shakespeares "Der Sturm" – um nur einiges zu nennen.
 
Foto: Hans Elwenspoek als Wirt mit mit Beatrice Schweizer als Judith Levin
in dem TV-Spiel "Sansibar oder der letzte Grund"*) (1961)
von Leopold Ahlsen1) nach dem gleichnamigen Roman1) von Alfred Andersch1)
Regie: Rainer Wolffhardt1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services;  © SWR
Link: *) www.dieterwunderlich.de
Im deutschen Nachkriegsfilm übernahm Elwenspoek verschiedenste Aufgaben, spielte in Märchenfilmen wie "Zwerg Nase"1) (1953), "Die Goldene Gans"1) (1953) und "Tischlein, deck dich"1) (1956), seine schwergewichtige Charaktergestalt bleibt aber auch in Melodramen, Komödien und Literaturadaptionen mit unverzichtbaren Randfiguren in nachhaltiger Erinnerung. Er verkörperte Wachtmeister wie in den beiden Teilen von Paul Mays Hans Hellmut Kirst-Adaption "08/15"1)/"08/15 – Im Krieg"1) (1954/1955), Bauern wie in Helmut Käutners "Der Schinderhannes"1) (1958) nach dem Bühnenstück von Carl Zuckmayer, Pfarrer wie in dem Melodram "Barbara – Wild wie das Meer" (1961) oder auch schon mal einen Kapitän wie in dem Musikfilm "Zwei blaue Vergissmeinnicht"1) (1963) mit Rex Gildo. Zur Filmografie gehören weiterhin beispielsweise Rudolf Jugerts Nachkriegsdrama "Nachts auf den Straßen"1) (1952) mit Hans Albers und Hildegard Knef, Arthur Maria Rabenalts "Der Unsterbliche Lump" (1953) mit Karlheinz Böhm oder Bernhard Wickis Meisterwerk "Die Brücke"1) (1959), aber auch internationale Produktionen wie "The Divided Heart" (1954), "Magic Fire" (1956, Frauen um Richard Wagner) oder der französische Kriegsfilm "Les Honneurs de la guerre" (1960, Die vor die Hunde gehen) sind zu nennen; seinen letzten Leinwandauftritt hatte Hans Elwenspoek als Senator Mellinski in Michael Verhoevens Drama "MitGift"1) (1976).
  
Seit den ersten Versuchssendungen Anfang der 1950er Jahre war Hans Elwenspoek für das Fernsehen tätig, agierte in verschiedensten Einzelproduktionen  wie beispielsweise in Fritz Umgelters Drama "Held in unserer Zeit" (1955) oder Literaturverfilmungen wie Franz Peter Wirths Brecht-Inszenierung "Der Kaukasische Kreidekreis" (1958) und Hermann Pfeiffers "Der Fröhliche Weinberg" (1961) nach dem Bühnenstück von Carl Zuckmayer. Er tauchte in Stücken mit hessischem Kolorit wie der Lokalposse "Der Datterich" (1963) oder der legendären Serie "Die Hesselbachs"2) (1961) auf, Karl-Heinz Bieber besetzte ihn in dem Krimi "Conan Doyle und der Fall Edalji" (1966) neben Paul Klinger in der Titelrolle und Boris Sagal in dem amerikanischen Science-Fiction-Thriller "Hauser's Memory" (1970, Ständig in Angst), der in Deutschland auch ins Kino kam. Elwenspoek stand weiterhin unter anderem für Kurt Wilhelms Mehrteiler "Die Reise nach Mallorca" (1973) vor der Kamera, spielte in dem Conan Doyle-Krimi "Das Zeichen der Vier" (1974, mit Rolf Becker als Sherlock Holmes), in Wolf Vollmars Kleist-Verfilmung "Michael Kohlhaas" (1979) und Frank Guthkes Krimi "Geldsorgen" (1979).
Darüber hinaus war Hans Elwenspoek in verschiedensten Serien zu sehen, mehrfach wirkte er bei "Der Kommissar", "Derrick", "Der Alte" und "Kriminalmuseum" mit, spielte im "Tatort" sowie in den Unterhaltungsreihen "Schwäbische Geschichten" (1963), "Familie Bergmann" (1969) und "Unser Dorf" (1973).
In nachhaltiger Erinnerung bleibt seine letzte Rolle des alten Witwers Matz Uhl in "Die Buddik"1) (1983) von Heinrich Kraus (Buch) und Frank Guthke (Regie): "Da die Autoren ihre Geschichte ganz natürlich erzählten, ohne Volkstümelei und ohne Arroganz gegenüber Personen und Milieu, da zudem Hans Elwenspoek die Hauptfigur mit einer gelassenen Noblesse ausstattete und die Laiendarsteller ihr Spiel beherrschten, konnte ein Film gelingen, der ganz unprätentiös seine Sache vertritt, – zuweilen komisch, zuweilen traurig oder langatmig gemütlich, aber immer ganz nah an der Realität." (Renate Hengsberger, SZ, Nr. 126, 2. Juni 1983)

Hans Elwenspoek, der lange Jahre auch ein festes Engagement beim Hörfunk des "Bayerischen Rundfunks" hatte und in zahlreichen Hörspielen mitwirkte, starb am 13. Januar 1989 im Alter von 78 Jahren. Er war verheiratet und lebte zuletzt im oberbayerischen Geretsried.
  
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP
Siehe auch Wikipedia
Filmografie bei der Internet Movie Database
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