Ellen Schwiers wurde am 11. Juni 1930 als Tochter eines Schauspielers in
Stettin geboren. Schon als Kind zog sie mit ihrem Vater, der bei
Wanderbühnen engagiert war, quer durch Deutschland, wechselte unzählige Male
die Schule und war während der Kriegsjahre mit ihrer Familie auf der Flucht.
Das "Zigeunerleben" fand erst ein Ende, als ihr Vater nach dem Krieg
im hessischen Marburg den "Schauspielring" gründete, wo die junge
Ellen Schwiers zunächst als Souffleuse, später auch als Schauspielschülerin unterkam. Nach ihrer
Ausbildung erhielt Ellen Schwiers ein erstes Engagement am Stadttheater
in Koblenz, über München und Frankfurt a.M. kam sie nach Göttingen zu
Heinz Hilpert. Im Züricher Schauspielhaus war sie später u. a. in
den Uraufführungen von Friedrich Dürrenmatt's
"Der Meteor" sowie in "Biografie: Ein Spiel" von Max Frisch
zu sehen. Außerdem gab sie im Verlaufe ihrer langen Schauspielerkarriere zahlreiche
Tourneen und Festwochen-Gastspiele.
1949 wurde Ellen Schwiers von Kurt Hoffmann für den Film entdeckt
und war erstmalig als Hildegard in dessen heiteren Romanze "Heimliches Rendezvous"
auf der Leinwand zu sehen. Einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte
sie jedoch erst Mitte der 50er Jahre mit Kassenschlagern
wie "Anastasia Die letzte Zarentochter"1) (1956)
oder dem dem Kinoklassiker
"08/152. Teil"1).
Das Foto wurde mir
freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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1956 spielte sie neben O.W. Fischer
und Lilo Pulver die Magd Louka in "Helden"1), mimte in Gustav Ucickys Trygve Gulbranssen-Adaption
"Das Erbe von Björndal"1) (1960) die
junge obdachlose Gunvor oder war neben Martin Held und Hanns Lothar
in Wolfgang Staudtes Krimi "Der
letzte Zeuge" (1960) zu sehen. In der Filmversion von Hugo von Hofmannsthals
"Jedermann" (1961) gab sie neben Walter Reyer in der Titelrolle eine
glänzende Buhlschaft, der Film der 60er Jahre nutzte jedoch ansonsten wenig
ihre darstellerische Vielseitigkeit. Streifen wie "Die Banditen vom Rio
Grande" (1965), "Der Würger vom Tower" (1966) oder "Das Rasthaus der grausamen
Puppen" (1967) gehören zur Filmografie jener Jahre. Die Schauspielerin
wirkte auch in internationalen Produktionen mit, so z. B. 1976
in Bernardo Bertoluccis deutsch-italienisch-französischer Kinoproduktion
"1900 Gewalt, Macht, Leidenschaft"
neben Robert de Niro, Gérard Depardieu und Donald Sutherland.
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Ellen Schwiers trifft Gert Fröbe (in der Mitte: Peter Jacob).
Das Foto wurde mir
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Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
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Seit Anfang der 60er Jahre war Ellen Schwiers mit unterschiedlichen
Rollen auch auf dem Bildschirm präsent, spielte unter anderem in der
Erfolgsserie "Gestatten Mein Name ist Cox" (1961) oder in Gert Westphals
TV-Fassung des Goethe-Dramas "Götz von Berlichingen" (1967). Als
die Filmangebote nachließen, konzentrierte sich die Schauspielerin vermehrt
auf die Arbeit beim Fernsehen und war in zahlreichen Produktionen zu sehen. So
unter anderem 1973 als Lydia Gwilt (die Frau mit dem roten Schal) in dem
spannenden Dreiteiler
"Der rote Schal"2) nach dem Roman von Wilkie Collins, der nicht
zuletzt durch die grandiose schauspielerische Leistung von Ellen Schwiers und
der unvergessenen Ida Ehre zu den Krimiklassikern zählt. 1977 beispielsweise
wirkte sie als französische Gouvernante Madame Rougierre neben Hannes Messemer
als finsterem Onkel Silas in dem zweiteiligen Krimi "Onkel
Silas" mit, den Wilhelm Semmelroth nach dem Thriller "Onkel Silas oder Das verhängnisvolle Erbe"
von Sheridan Le Fanu packend
in Szene gesetzt hatte. Prägnant
war auch die Figur der Katharina von Medici in dem Sechsteiler "Heinrich, der gute König"
(1979, Le Roi qui vient du sud), der Verfilmung der Romane "Die Jugend
des Königs Henri Quatre" und "Die Vollendung des Königs Henri
Quatre" von Heinrich Mann über die Zeit der französischen
Glaubenskriege im 16. Jahrhundert.
Auftritte in beliebten Krimireihen wie "Derrick", "Polizeiruf 110", "Der Bulle von Tölz"
oder Tatort" sind ebenso wie
andere populäre Serien zu nennen. In den letzten Jahren sah man Ellen Schwiers als Dolly O'Malley in
dem TV-Film "Meine grüne Freiheit Ein Frühling in Irland" (2000);
im Frühjahr 2004 mimte sie in dem romantischen Barbara Wood-Melodram "Lockruf der Vergangenheit"
die Hausdame Camille, die in das Geheimnis der reichen, verwitweten Lady Adele Pemberton
alias Eva Pflug verstrickt ist. Zu den aktuelleren TV-Arbeiten der
Schauspielerin zählt unter anderem Matti Geschonneks hochgelobter spannender
Polit-Thriller "Mord am Meer" (2005), Rolf Silbers
Tragikkomödie "Mein Vater und ich" (2005, mit Dietmar Schönherr und Heio von Stetten)
sowie ein kurzer, dennoch prägnanter Auftritt als Clara Steinhoff in
"Eine Liebe in Königsberg", einer tragikomischen Liebesgeschichte
mit Wolfgang Stumph und Suzanne von Borsody. Seit Juli 2007 ist
Ellen Schwiers in der amüsanten ZDF-Serie "Doktor Martin" erneut mit
einer schönen Rolle auf dem Bildschirm präsent und mimt die bodenständige
Tante Alma des Protagonisten Martin Helling alias Axel Milberg, den es als
Landarzt in das verschlafene Dorf Neuharlingersiel an der ostfriesischen Küste
verschlagen hat. Zuletzt sah man die Schauspielerin 2009 in der Episode "Amok"
aus der Krimireihe "SOKO 5113".
Seit Juni 2010 stand Ellen Schwiers für den ARD-Fernsehfilm "Im
Fluss des Lebens" nach dem gleichnamigen Roman von Ruth Maria Kubitschek
vor der Kamera. In der von Wolf Gremm inszenierten Romanadaption spielt
sie neben Ruth Maria Kubitschek und Charles Brauer ebenfalls eine
Hauptrolle; ein Sendetermin steht noch nicht fest, mehr zu der Produktion bei Ziegler-Film.
Ellen Schwiers war seit 1956 mit dem 1992 verstorbenen
Kulturfilmproduzenten/-regisseur
und früheren Leni-Riefenstahl-Ehemann Peter Jacob verheiratet. Aus
der Verbindung stammt die 1958 geborene Tochter Katerina Jacob1), die ebenfalls
eine bekannte Schauspielerin geworden ist, sowie der Schauspieler Daniel Jacob,
der 1985 mit nur 21 Jahren an den Folgen seines Krebsleidens verstarb.
Ihr Bruder Holger Schwiers1) ist als Schauspieler und Synchronsprecher tätig.
Foto: Ellen Schwiers und ihre Tochter Katerina Jacob
Das Foto wurde mir
freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
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Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Die Hauptaufgabe sieht Ellen Schwiers in den letzten Jahren
vornehmlich in ihrer Arbeit für die Bühne, auch als Regisseurin und
Intendantin machte sie sich einen Namen, wie 1972/73 mit Shakespeares "Was ihr wollt"
bei den Burgfestspielen in Jagsthausen, deren künstlerische
Leiterin sie von 1984 bis 1989 und von 1992 bis 1994
war; mehrmals inszenierte sie dort
auch Goethes "Götz von Berlichingen".
Mit Peter Jacob gründete die Schauspielerin das Tourneeunternehmen "Das Ensemble",
welches sie heute noch gemeinsam mit Tochter Katerina Jacob leitet. Dass
sie dort nach wie vor auf der Bühne steht, ist selbstverständlich, so spielte sie
in dem Schauspiel von Beate Langmaack und Knut Koch die Titelrolle der
"Martha Jellneck", ging mit dem Stück auf ausgedehnte Tournee und
wird auch 2007 mit dieser Rolle zu sehen sein. Die ebenso einfach wie
gradlinig erzählte Geschichte einer 72jährigen einsamen und behinderten
Frau, die sich in einem Akt von Selbstjustiz opfert, damit ein zurückliegendes
Verbrechen gesühnt werden kann, wurde von Ellen und Holger Schwiers in genaue
und eindringliche Bildergebracht. Besonders die überaus großartige Ellen Schwiers beeindruckte
in der Titelrolle. Faszinierend zu sehen, wie sie ein
genaues Abbild der Alltagsrealität der Titelheldin zeichnet, ihre Erinnerung,
Zweifel und Befürchtungen Bühnenwirklichkeit werden lässt. Eine große
Rolle für eine große Darstellerin. (Quelle: www.dasensemble.de)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Schauspieleragentur
MARC ROSENBERG
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Zu den jüngeren Produktionen des "Ensemble" zählt die Komödie von
Sam Bobrick "Sara soll unter die Haube" mit Tochter Katerina Jacob
in der Titelrolle und Ellen Schwiers als exzentrische "Tante
Martha".
1989 erhielt Ellen Schwiers das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie 1995
die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, u. a. für ihre
Verdienste um die Burgfestspiele Jagsthausen.
Die vielseitige Künstlerin, die heute am Starnberger See lebt, verkörperte
auf der Leinwand meist dunkle, leidenschaftliche, schwerblütige
Frauentypen, die in eigene Sinnlichkeit oder äußere Verhängnisse verstrickt
sind. Ob als Lysistrata, Medea oder Lady Macbeth am Theater,
ob als Nju oder Katharina von Medici im Film, immer war sie die absichtsvolle Frau mit Vergangenheit, die in die
veränderungswürdige Gegenwart mit der Glut ihres ganzen Wesens einbricht
und Verwirrung, nicht selten Tragik stiftet. (Quelle: "Lexikon der deutschen
Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)
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