Heli Finkenzeller
Heli (Helene) Finkenzeller wurde am 17. November 1914*) in der bayerischen Landeshauptstadt München geboren und wuchs auch dort auf; ihre Eltern betrieben dort ein Familienunternehmen, welches Büroeinrichtungen verkaufte. Schon als Kind wollte die kleine Helene Opernsängerin werden und interessierte sich für alles, was mit dem Theater zusammenhing. Nach Abschluss der Schule besuchte sie wegen ihrer schönen Stimme zunächst ein Konservatorium, kam aber dann zur Einsicht, dass die Stimme für die Opernbühne zu schwach war. Sie nahm ab 1933 Unterricht bei Otto Falckenberg1) (1873 – 1947) an dessen neu gegründeter Schauspielschule in Münchner – unter anderem bei Therese Giehse2) (1898 – 1995) – und gab ein Jahr später an den "Kammerspielen" ihr Bühnendebüt. In den nächsten zwei Jahren spielte sie dort u. a. neben Ferdinand Marian, Elisabeth Flickenschild, Maria Bard und Heinz Rühmann, lernte ihren Kollegen und späteren Man Will Dohm2) (1897 – 1947) kennen und lieben.
 
Als die junge Schauspielerin in dem bayerischen Dialektstück "Josef Filser" die Hauptrolle einer kernigen Bäuerin spielte, wurde sie 1935 von Ufa-Regisseur Karl Ritter für den Film entdeckt und stand erstmals in der von Georg Jacoby inszenierten heiteren Geschichte "Ehestreik"3)
als Bürgermeistersfrau Pepi vor der Kamera. Die Ufa holte sie dann nach Berlin und schon mit dem von den Herbert Maisch inszenierten zweiten Film "Königswalzer"3), in dem sie 1935 die Theres Tomasoni spielte, kam der Erfolg. Bald erhielt Heli Finkenzeller Hauptrollen, wie 1937 die der Doddy neben Heinz Rühmann in Wolfgang Liebeneiners Gesellschaftskomödie "Der Mustergatte" oder die der Helene in Géza von Bolvárys Operettenverfilmung "Opernball"1) (1939). Heli Finkenzeller war z. B.  1936 die Fiametta in "Boccaccio"3), spielte 1938 neben Filmehemann Viktor de Kowa die Marianne Delius in "Die Scheidungsreise"3), ein Jahr später die Komtess Eugenie in "Eine kleine Nachtmusik"3) oder war 1943 neben ihrem Mann Will Dohm als Bürgermeister Hendrik die Antje Hendrick in dem Lustspiel "Das Bad auf der Tenne"3) – eineihrer wohl einprägsamsten Leinwandauftritte.
Schnell war Heli Finkenzeller einem breiteren Publikum bekannt geworden, bis Anfang der 1960er Jahre wirkte die Schauspielerin in rund 40 Filmproduktionen mit und zählte zu den beliebtesten deutschsprachigen Filmstars. Sie ließ sich nie auf einen bestimmten Rollentypus festlegen und verkörperte unterschiedlichste Frauentypen. So glänzte sie unter anderem 1943 in der Doppelrolle der schönen Veronika und ihrer hässlich, erfundenen Schwester Annamirl in "Kohlhiesels Töchter"3), Kurt Hoffmanns Adaption des klassischen Bauernschwanks von Hans Kräly.

Auch nach dem 2. Weltkrieg konnte Heli Finkenzeller ihre Filmkarriere ungebrochen fortsetzen, mimte sie beispielsweise neben Heinz Rühmann in "Briefträger Müller"1) (1953) dessen Ehefrau Charlotte. In Wolfgang Staudtes "Ciske – Ein Kind braucht Liebe" zeigte sie sich 1955 mit der wichtigen Nebenrolle der Tante Jans oder war als Emils Mutter in Robert A. Stemmles Kästner-Verfilmung "Emil und die Detektive"1) (1954) zu sehen. Ab den 1960er Jahren konzentrierte sich Heli Finkenzeller verstärkt auf ihre Theaterarbeit und trat überwiegend in München in der "Kleinen Komödie" oder im Berliner "Renaissance Theater" auf. Daneben wirkte sie auch vereinzelt bei verschiedenen Fernsehproduktionen mit, wie in der Reihe "Traumschiff" oder zuletzt 1988 in der TV-Serie "Lorentz & Söhne".
Die Filme, in denen Heli Finkenzeller mitwirkte, waren meist heiter-volkstümlicher Natur, oft recht freizügig und frivol, schwankhaft, aber nie seicht. Natürliche Anmut und urwüchsiges Temperament kennzeichneten dieses "Münchner Kindl", das im Dirndl ebenso wie im Abendkleid das bajuwarische Element im deutschen Film verkörperte. Lebenslustig war sie im leichten Komödienstil, dem sie auch melancholische Zwischentöne abgewann. Wo sie anfangs junge Mädchen aus gutem Hause spielte, lieferte sie später kokette Frauen und am Ende fröhliche Großmütter ab.4)

Heli Finkenzeller war –  bis zu dessen frühen Tod am 28. November 1948 – mit dem Schauspieler Will Dohm verheiratet; aus der Verbindung stammen Sohn Michael sowie die 1943 geborene Tochter Gabriela, die später als Gaby Dohm2) selbst eine Schauspielerkarriere machte und durch die TV-Serie "Schwarzwaldklinik" einem breiten Publikum bekannt wurde. In zweiter Ehe war Heli Finkenzeller seit 1950 bis zu dessen Tod 1971 mit dem Filmproduzenten Alfred Bittin verheiratet.
Heli Finkenzeller starb am 14. Januar 1991 in ihrer Heimatstadt München an den Folgen ihres Krebsleidens. Ihre letzte Ruhestätte fand die beliebte Schauspielerin neben ihrem ersten Mann Will Dohm auf dem alten Teil des Münchner Waldfriedhofs.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb am 21. Januar 1991 in einem Nachruf unter anderem: "Der unwiderstehliche Charme dieser Schauspielerin…6nbsp;gründete zum einen auf ihren liebenswürdig-bayerischen Tonfall, zum anderen auf das Heiter-Damenhafte, das um sie schon als junge Frau war, und das sie bis ins Alter lebendig halten konnte… Sie verkörperte München und das, wofür die Stadt gern steht, von der unverstellt herzlichsten Seite."
 

*) nach anderen Quellen 1911; siehe Abbildung der Grabstätte (1914-1991) bei www.knerger.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz, 3) Murnau Stiftung
Quelle: 4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier und Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 99
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch; Fotos bei film.virtual-history.com
  
Kinofilme
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
1935: Ehestreik
1935: Königswalzer
1935: Der Höhere Befehl
1936: Weiberregiment
1936: Boccaccio
1937: Mein Sohn, der Herr Minister (VB-Film)
1937: Der Mustergatte
1937: Der Schimmelkrieg in der Holledau
1937: Wie der Hase läuft
1937: Spiel auf der Tenne
1937: Gleisdreieck
1938: Konzert in Tirol
1938: Die Scheidungsreise
1938: Diskretion – Ehrensache
1939: Eine kleine Nachtmusik
1939: Opernball
1941: Hochzeitsnacht
1941: Alarmstufe V
1941: Ehe man Ehemann wird
1941: Der Siebente Junge
1942: Fronttheater (VB-Film)
1943: Alles aus Liebe
1943: Ich werde dich auf Händen tragen
1943: Das Bad auf der Tenne
1943: Kohlhiesels Töchter
1945: Wo ist Herr Belling? (unvollendet)
1945: Münchnerinnen (Erstaufführung: 10.02.1949)
1949: Zwölf Herzen für Charly
1949: Hallo – Sie haben Ihre Frau vergessen
1950: Die Frau von gestern Nacht
1951: Stips
1951: Es begann um Mitternacht
1952: Am Brunnen vor dem Tore
1952: Mikosch rückt ein
1953: Briefträger Müller
1953: So ein Affentheater
1954: Emil und die Detektive
1955: Ciske – Ein Kind braucht Liebe
1955: Suchkind 312
1956: Tausend Melodien
1956: Der Erste Frühlingstag
1957: Acht Mädels im Boot
1959: Ein Sommer, den man nie vergisst
1960: Wegen Verführung Minderjähriger
1961: Heute gehn wir bummeln
1961: Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen
1961: Und so was nennt sich Leben
1964: Die Lustigen Weiber von Tirol
1976: Satansbraten
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