Horst Tappert wurde am 26.Mai 1923 in Wuppertal-Elberfeld als Sohn eines
preußisch geprägten Postbeamten
geboren. Nach dem Hauptschulabschluss und einer kaufmännische Ausbildung
wurde er zunächst zum Wehrdienst eingezogen. Entlassen aus amerikanischer Gefangenschaft stellte sich
Tappert nach Kriegsende im August 1945 am Theater in Stendal (Sachsen-Anhalt) als Buchhalter vor. Dort fragte
ihn Theaterdirektor Kurt Mühlhardt, warum er nicht Schauspieler werden
wolle, kurz darauf spielte er in dem Lustspiel "Die Flitterwochen"
von Paul Helwig den Dr. Striebel. Von 1945 bis 1947 nahm er dann
Schauspielunterricht bei seinem Freund und Mentor, dem Theaterintendanten Paul Rose1)
(1900 1973), der ihm auch ein erstes Engagement am Stadttheater in Köthen
verschaffte, das Rose zu dieser Zeit leitete. Dann wechselte Tappert
gemeinsam mit Paul Rose an das Landestheater Württemberg-Hohenzollern in Tübingen,
weitere Stationen seiner Theatertätigkeit wurden das Stadttheater Göttingen (1949/50),
das Staatstheater Kassel (1950/51) und das Theater der Stadt Bonn (1951 1953).
Nach Verpflichtungen an den Städtischen Bühnen in Wuppertal
ging Tappert 1956 an die Münchner Kammerspiele, wo er bis 1967 viele
herausragende Rollen interpretierte und sich als Charakterdarsteller
profilierte. Danach widmete er sich, von Theater-Tourneen abgesehen, hauptsächlich seiner
Film- und Fernseharbeit, arbeitete seither als freier Schauspieler.
Foto: Horst Tappert 1959 in dem vom SWR produzierten TV-Spiel "Ruf ohne Echo"
nach dem Roman "Die Heiligen gehen in die Hölle" von Gilbert Cesbron
Drehbuch: Helmut
Pigge2),
Regie: Rainer Wolffhardt2)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR
Media Services
mit weiteren Infos
zu dem Fernsehspiel; © SWR
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Der großgewachsene Schauspieler debütierte erst spät in kleinen Charakterrollen
beim Film, wie beispielsweise 1958 als Lehrer Schindler in Kurt Hoffmanns
Hugo Hartung-Adaption "Wir Wunderkinder"2).
Es folgten kleinere Aufgaben in Kinoproduktionen wie "Der Engel, der seine Harfe versetzte" (1959),
"Das schöne Abenteuer" (1959, mit Liselotte Pulver),
"Er kann's nicht lassen" (1962, mit Heinz Rühmann) oder "Zwei Whiskey und ein Sofa" (1963, mit
Maria Schell). Nach seinem Erfolg 1966 als Posträuber-Boss in der dreiteiligen Kriminal-Semidokumentation
"Die Gentlemen bitten zur Kasse"1)
wurde Tappert auch im Kinofilm als Gangster
eingesetzt. Er spielte 1966 zunächst in dem Jerry Cotton-Streifen "Die Rechnung eiskalt
serviert"2) an der Seite von George Nader, ehe er im Zuge
der Edgar-Wallace-Filmserie als Inspektor Perkins
in " Der Gorilla von Soho"2) (1968),
"Der Mann mit dem
Glasauge"2) (1969) bzw. als Kriminalkommissar in "Sieben Tage Frist" (1969) und
"Inspektor Perrak greift ein"(1970), jeweils unter der Regie des routinierten Genre-Spezialisten
Alfred Vohrer, zu jenem Rollenfach fand, das ihn zum Star machte.
Eine erinnerungswürdige, wenn auch ganz anders geartete Figur war die des
Rechtsanwalts Forster in der Simmel-Verfilmung "Und
Jimmy ging zum Regenbogen"2) (1971).
Foto: Horst Tappert 1971; Ausschnitt aus einem Foto "Bundeskanzler
Willy Brandt empfängt Filmschauspieler" (23. Juni 1971)
Quelle: Deutsches
Bundesarchiv, Digitale
Bilddatenbank, B 145 Bild-F034156-0025;
Fotograf: Engelbert Reineke / Datierung: 23. Juni 1971 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser
Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F034156-0025 bzw. commons.wikimedia.org
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Seine Charakterisierung des Scotland-Yard-Inspektors wich vom gängigen Klischee
ab, Tapperts Kommissar war einerseits eher humorlos, aber menschlich,
vornehmlich ein deutscher Beamter mit dem Hang zum cholerischen.
Diese Qualitäten machten ihn zur ersten Wahl, als in der TV-Krimiserie
"Derrick"2) 1974 die Titelrolle des Kommissars zu besetzen
war. Zwischen 1974 und 1997 spielte er 281 Mal den
Oberinspektor Derrick, der mit seinem Assistenten Harry Klein alias Fritz Wepper
seine Fälle auf ganz
eigene Art löste. Der zum geflügelten Wort gewordenen Satz "Harry, hol schon mal den
Wagen" ging jedoch nie über "Derricks" Lippen. Die Krimi-Serie wurde schnell ein "Renner"
und schon bald kam Tappert mit "Derrick" an die Popularität von
Erik Ode als "Der Kommissar" heran; er wurde durch die
Verbreitung der Serie in ganz Europa bekannt. Doch im Dezember 1997 war es
soweit, der letzte "Derrick" wurde gedreht. Die internationale Fangemeinde
schrie auf das Drama wart groß. Derrick könnte doch erschossen werden,
welch eine Tragödie! Nach 23 Jahren sollte nun Schluss sein mit
Tappert und Derrick.
Immerhin noch ein Jahr
blieben Tappert & Co uns erhalten. Erst Ende 1998 strahlt das ZDF
den letzten "Derrick" aus.
Als am 16. Oktober 1998 die erfolgreiche ZDF-Krimiserie mit der Folge
"Das Abschiedsgeschenk" zu Ende ging und Horst Tappert alias Oberinspektor
Stephan Derrick mit hochgeschlagenem Trenchcoatkragen in der Dunkelheit
einer Münchner Straße verschwand,
war es dann endgültig vorbei mit dieser "Kult"-Serie.
Mit seinem melodramatischen
Abschied unter Tränensäcken hatte
"Derrick" eine Epoche beendet.
Und seien wir ehrlich: Auch wenn das legendäre Dienstzimmer,
dessen Inventar sich in den vergangenen 24 Jahren nicht verändert hat,
zum Symbol bürokratischer Beständigkeit wurde eine Anpassung an
den Zeitgeist hätte es nicht verkraftet. Stephan Derricks grobe Hand auf
einer Computer-Maus und Harry Klein beim Eingeben des fotografischen
Beweismaterials in den digitalen Flachbettscanner? Undenkbar!
Foto: © Rainer
Binder
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwandt werden.
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Sein Kommissar Derrick lassen Tapperts frühe Filmrollen vergessen: Aufrecht
und bedächtig, mit sorgenvoller Miene, betritt er den Schauplatz des
Verbrechens und der Zuschauer erlebt live, wie es in seinen Gehirnwindungen
arbeitet. Derrick wirkt manchmal weich, mal cholerisch und oft humorlos,
bleibt aber als Moralist unerbittlich. In Wahrheit kennt er den Mörder
schon, er muss ihn nur noch dazu überreden, die Tat auch zu gestehen.
Überall auf der Welt lieben sie ihn unseren Oberinspektor Stefan Derrick.
In über 100 Ländern lösen Stefan und Harry die kniffligen Fälle.
Selbst in China und auf dem tropischen Eiland Mauritius lassen
sich die Fans keine Folge des deutschen Superduos entgehen.
Der Comicstreifen "Derrick Die Pflicht ruft", der am
1. April 2004 in die Kinos kam, lässt den berühmten Kommissar
wieder auferstehen; Infos zum Film findet man unter www.derrick-derfilm.de.
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Zu Tapperts letzten Arbeiten vor der Kamera zählt die deutsch-italienische Fernsehproduktion
"Der Kardinal Der Preis der Liebe", in der er die
ungewöhnliche Figur eines Kardinals verkörperte, der von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt
wird. Zu seinem 80. Geburtstag am 26. Mai 2003 ehrte
ihn das ZDF mit der Ausstrahlung des Fernsehfilms "Herz ohne Krone";
Tappert mimte darin einen aus dem Exil zurückgekehrten transsylvanischen König.
Damit wollte sich der Ex-Inspektor auch gleichzeitig von seinem Fernsehpublikum verabschieden.
Doch Tappert hatte noch ein zweites Leben als Theaterschauspieler,
als Filmstar, als Privatmann. In seiner Autobiographie
"Derrick und ich Meine zwei Leben" legte er 1998 davon
Zeugnis ab und erzählt von seinem Theaterdebüt in Stendal
bis zu den großen Bühnenerfolgen an den Münchner Kammerspielen,
von seiner Glanzleistung als Posträuber Donegan in dem Fernsehknüller
"Die Gentlemen bitten zur Kasse" und von seinem
ganz speziellen Verhältnis zu Oberinspektor Derrick.
Auch in seine private Welt gewährt Tappert Einsicht Erinnerungen
an Kindheitstage in Wuppertal, Kriegserlebnisse, persönliche Enttäuschungen
und Augenblicke des Glücks. Tappert gibt vieles, bislang noch völlig Unbekanntes preis.
Er erzählt aus seinem Leben, von seinen Erfahrungen, seinen Hoffnungen und seinen Ängsten.
Dem Mann hinter Derrick verleihen die Lebenserinnerungen von Horst Tappert ein
facettenreiches und völlig neues Gesicht.
1979 wurde Tappert mit dem "Bambi"-Publikumspreis geehrt; an weiteren
Auszeichnungen erhielt der Schauspieler unter anderem 1980 die Ernennung zum Ehren-Kriminalhauptkommissar,
1981 die "Goldene Kamera", 1986 den " Telegatto"
(ein italienischer Fernsehpreis),
1988 das Bundesverdienstkreuz, 1998 den " Telestar" für sein
Lebenswerk sowie 2003 den "Blauen Panther" das Symbol des Bayerischen Fernsehpreises.
Tapperts öffentliche Auftritte waren in den letzten Jahren selten geworden,
gemeinsam mit seiner Frau Ursula hatte
sich der populäre Film- und Fernsehschauspieler ganz ins Privatleben
zurückgezogen, verbrachte viel Zeit in einem Häuschen in Norwegen. Am 13. Dezember 2008 starb der
zuletzt in Gräfelfing nahe München lebende Tappert im Alter von 85 Jahren
im oberbayerischen in Planegg in einem Krankenhaus. Seit 1957 war er in
dritter Ehe mit Ursula Tappert verheiratet. Aus seinen beiden ersten Ehen
stammen Tochter Karin sowie Sohn Ralph, der als Privatdozent an der Universität
Aachen tätig ist. Der jüngere Sohn Gary war 2001 mit nur 52 Jahren an plötzlichem
Organversagen verstorben.
Sowohl deutsche
als auch internationale Medien würdigten den Schauspieler in Nachrufen mit Begriffen wie
"Legende" und "Kultfigur", in zahlreiche Zeitungen
erschien sein Foto auf der Titelseite. "Derrick"-Produzent Helmut Ringelmann
äußerte unter anderem gegenüber der Nachrichtenagentur DPA
"Horst war eine eigene Persönlichkeit in der Branche. Er war
ein hervorragender Schauspieler mit großer Wandlungsfähigkeit, der auch die leisen Töne
beherrschte."
Mit Horst Tappert ging ein Mann, der als ewiger Kriminaloberinspektor
"Derrick" zu einem der populärsten Fernsehfiguren der Nachkriegszeit
avancierte, auch international bekannt war und weltweit Ruhm genoss.
"Es gibt nicht viele Schauspieler, die die Person, die sie spielen,
derart verkörpern wie Horst Tappert Derrick. Der Grund dafür ist vielleicht, dass
ihm die Rolle nicht von außen aufgezwungen worden war vielmehr erschuf er sie von Grund auf neu.",
schrieb DIE WELT anlässlich seines Todes (siehe auch www.welt.de).
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