Horst Tappert wurde am 26.Mai 1923 in Wuppertal-Elberfeld als Sohn eines preußisch geprägten Postbeamten geboren. Nach dem Hauptschulabschluss und einer kaufmännische Ausbildung wurde er zunächst zum Wehrdienst eingezogen. Zu einem späteren Zeitpunkt war Tappert Soldat der Waffen-SS und wurde zunächst bei einer Flak-Einheit in Arolsen und 1943 bei der SS-Panzergrenadier-Division "Totenkopf" in Russland eingesetzt; 1943 war er Grenadier. Tappert selbst hat sich über seinen Lebensweg während des Zweiten Weltkriegs später nur wenig geäußert. 1998 gab er in einem Interview an, er sei zuerst beim Arbeitsdienst gewesen und habe in Russland Straßen gebaut, danach sei er zum Kompaniesanitäter ausgebildet worden.*)
Entlassen aus amerikanischer Gefangenschaft stellte sich Tappert nach Kriegsende im August 1945 am Theater in Stendal (Sachsen-Anhalt) als Buchhalter vor. Dort fragte ihn Theaterdirektor Kurt Mühlhardt, warum er nicht Schauspieler werden wolle, kurz darauf spielte er in dem Lustspiel "Die Flitterwochen" von Paul Helwig den Dr. Striebel. Von 1945 bis 1947 nahm er dann Schauspielunterricht bei seinem Freund und Mentor, dem Theaterintendanten Paul Rose1) (1900 – 1973), der ihm auch ein erstes Engagement am Stadttheater in Köthen verschaffte, das Rose zu dieser Zeit leitete. Dann wechselte Tappert gemeinsam mit Paul Rose an das Landestheater Württemberg-Hohenzollern in Tübingen, weitere Stationen seiner Theatertätigkeit wurden das Stadttheater Göttingen (1949/50), das Staatstheater Kassel (1950/51) und das Theater der Stadt Bonn (1951 – 1953). Nach Verpflichtungen an den Städtischen Bühnen in Wuppertal ging Tappert 1956 an die Münchner Kammerspiele, wo er bis 1967 viele herausragende Rollen interpretierte und sich als Charakterdarsteller profilierte. Danach widmete er sich, von Theater-Tourneen abgesehen, hauptsächlich seiner Film- und Fernseharbeit, arbeitete seither als freier Schauspieler. 

Horst Tappert 1959 in dem vom SWR produzierten TV-Spiel "Ruf ohne Echo"
nach dem Roman "Die Heiligen gehen in die Hölle" von Gilbert Cesbron 
Drehbuch: Helmut Pigge2),
Regie: Rainer Wolffhardt2)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Horst Tappert 1959 in dem vom SWR produzierten TV-Spiel "Ruf ohne Echo" nach dem Roman "Die Heiligen gehen in die Hölle" von Gilbert Cesbron; Drehbuch: Helmut Pigge, Regie: Rainer Wolffhardt; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Horst Tappert 1971; Ausschnitt aus einem Foto "Bundeskanzler Willy Brandt empfängt Filmschauspieler" (23. Juni 1971); Quelle: Bilddatenbank Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-F034156-0025; Fotograf: Engelbert Reineke / Datierung: 23. Juni 1971 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Der großgewachsene Schauspieler debütierte erst spät in kleinen Charakterrollen beim Film, wie beispielsweise 1958 als Lehrer Schindler in Kurt Hoffmanns Hugo Hartung-Adaption "Wir Wunderkinder"2). Es folgten kleinere Aufgaben in Kinoproduktionen wie "Der Engel, der seine Harfe versetzte" (1959), "Das schöne Abenteuer" (1959, mit Liselotte Pulver), "Er kann's nicht lassen" (1962, mit Heinz Rühmann) oder "Zwei Whiskey und ein Sofa" (1963, mit Maria Schell). Nach seinem Erfolg 1966 als Posträuber-Boss in der dreiteiligen Kriminal-Semidokumentation "Die Gentlemen bitten zur Kasse"1) wurde Tappert auch im Kinofilm als Gangster eingesetzt. Er spielte 1966 zunächst in dem Jerry Cotton-Streifen  "Die Rechnung – eiskalt serviert"2) an der Seite von George Nader, ehe er im Zuge der Edgar-Wallace-Filmserie als Inspektor Perkins in " Der Gorilla von Soho"2) (1968), "Der Mann mit dem Glasauge"2) (1969) bzw. als Kriminalkommissar in "Sieben Tage Frist" (1969) und "Inspektor Perrak greift ein"(1970), jeweils unter der Regie des routinierten Genre-Spezialisten Alfred Vohrer, zu jenem Rollenfach fand, das ihn zum Star machte. Eine erinnerungswürdige, wenn auch ganz anders geartete Figur war die des Rechtsanwalts Forster in der Simmel-Verfilmung "Und Jimmy ging zum Regenbogen"2) (1971).
 
Horst Tappert 1971; Ausschnitt aus einem Foto
"Bundeskanzler Willy Brandt empfängt Filmschauspieler" (23. Juni 1971)
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F034156-0025;
Fotograf: Engelbert Reineke / Datierung: 23. Juni 1971 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F034156-0025 bzw. Wikimedia Commons
Seine Charakterisierung des Scotland-Yard-Inspektors wich vom gängigen Klischee ab, Tapperts Kommissar war einerseits eher humorlos, aber menschlich, vornehmlich ein deutscher Beamter mit dem Hang zum cholerischen. Diese Qualitäten machten ihn zur ersten Wahl, als in der TV-Krimiserie "Derrick"2) 1974 die Titelrolle des Kommissars zu besetzen war. Zwischen 1974 und 1997 spielte er 281 Mal den Oberinspektor Derrick, der mit seinem Assistenten Harry Klein alias Fritz Wepper seine Fälle auf ganz eigene Art löste. Der zum geflügelten Wort gewordene Satz "Harry, hol schon mal den Wagen" ging jedoch nie über "Derricks" Lippen. Die Krimi-Serie wurde schnell ein "Renner" und schon bald kam Tappert mit "Derrick" an die Popularität von Erik Ode als "Der Kommissar" heran; er wurde durch die Verbreitung der Serie in ganz Europa bekannt. Doch im Dezember 1997 war es soweit, der letzte "Derrick" wurde gedreht. Die internationale Fangemeinde schrie auf – das Drama wart groß. Derrick könnte doch erschossen werden, welch eine Tragödie! Nach 23 Jahren sollte nun Schluss sein – mit Tappert und Derrick. Immerhin noch ein Jahr blieben Tappert & Co uns erhalten. Erst Ende 1998 strahlt das ZDF den letzten "Derrick" aus. Als am 16. Oktober 1998 die erfolgreiche ZDF-Krimiserie mit der Folge "Das Abschiedsgeschenk" zu Ende ging und Horst Tappert alias Oberinspektor Stephan Derrick mit hochgeschlagenem Trenchcoatkragen in der Dunkelheit einer Münchner Straße verschwand, war es dann endgültig vorbei mit dieser "Kult"-Serie.
Mit seinem melodramatischen Abschied unter Tränensäcken hatte "Derrick" eine Epoche beendet. Und seien wir ehrlich: Auch wenn das legendäre Dienstzimmer, dessen Inventar sich in den vergangenen 24 Jahren nicht verändert hat, zum Symbol bürokratischer Beständigkeit wurde – eine Anpassung an den Zeitgeist hätte es nicht verkraftet. Stephan Derricks grobe Hand auf einer Computer-Maus und Harry Klein beim Eingeben des fotografischen Beweismaterials in den digitalen Flachbettscanner? Undenkbar!
 
 

Foto: © Rainer Binder
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.

Horst Tappert und Fritz Wepper
Sein Kommissar Derrick lassen Tapperts frühe Filmrollen vergessen: Aufrecht und bedächtig, mit sorgenvoller Miene, betritt er den Schauplatz des Verbrechens und der Zuschauer erlebt live, wie es in seinen Gehirnwindungen arbeitet. Derrick wirkt manchmal weich, mal cholerisch und oft humorlos, bleibt aber als Moralist unerbittlich. In Wahrheit kennt er den Mörder schon, er muss ihn nur noch dazu überreden, die Tat auch zu gestehen. Überall auf der Welt lieben sie ihn – unseren Oberinspektor Stefan Derrick. In über 100 Ländern lösen Stefan und Harry die kniffligen Fälle. Selbst in China und auf dem tropischen Eiland Mauritius lassen sich die Fans keine Folge des deutschen Superduos entgehen.
Der Comicstreifen "Derrick – Die Pflicht ruft", der am 1. April 2004 in die Kinos kam, lässt den berühmten Kommissar wieder auferstehen; Infos zum Film findet man unter www.derrick-derfilm.de.

Zu Tapperts letzten Arbeiten vor der Kamera zählt die deutsch-italienische Fernsehproduktion "Der Kardinal – Der Preis der Liebe", in der er die ungewöhnliche Figur eines Kardinals verkörperte, der von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt wird → Filmlexikon. Zu seinem 80. Geburtstag am 26. Mai 2003 ehrte ihn das ZDF mit der Ausstrahlung des Fernsehfilms "Herz ohne Krone" → Filmlexikon. Tappert mimte darin einen aus dem Exil zurückgekehrten transsylvanischen König. Damit wollte sich der Ex-Inspektor auch gleichzeitig von seinem Fernsehpublikum verabschieden.
Doch Tappert hatte noch ein zweites Leben – als Theaterschauspieler, als Filmstar, als Privatmann. In seiner Autobiographie "Derrick und ich – Meine zwei Leben" legte er 1998 davon Zeugnis ab und erzählt von seinem Theaterdebüt in Stendal bis zu den großen Bühnenerfolgen an den Münchner Kammerspielen, von seiner Glanzleistung als Posträuber Donegan in dem Fernsehknüller "Die Gentlemen bitten zur Kasse" und von seinem ganz speziellen Verhältnis zu Oberinspektor Derrick. Auch in seine private Welt gewährt Tappert Einsicht – Erinnerungen an Kindheitstage in Wuppertal, Kriegserlebnisse, persönliche Enttäuschungen und Augenblicke des Glücks. Tappert gibt vieles, bislang noch völlig Unbekanntes preis. Er erzählt aus seinem Leben, von seinen Erfahrungen, seinen Hoffnungen und seinen Ängsten. Dem Mann hinter Derrick verleihen die Lebenserinnerungen von Horst Tappert ein facettenreiches und völlig neues Gesicht.
 
1979 wurde Tappert mit dem "Bambi"-Publikumspreis2) geehrt, an weiteren Auszeichnungen erhielt der Schauspieler unter anderem 1980 von der bayerischen Polizei die Ernennung zum Ehren-Kriminalhauptkommissar, 1981 die "Goldene Kamera"2) als "Beliebtester Krimiheld", 1986 den "Telegatto"2) (ein italienischer Fernsehpreis), 1988 das "Bundesverdienstkreuz am Bande" sowie 1997 das "Bundesverdienstkreuz I. Klasse". Im darauffolgenden Jahr konnte den "Telestar"2) und die "Platin-Romy"2) für sein Lebenswerk entgegennehmen sowie 2003 den "Blauen Panther" – das Symbol des "Bayerischen Fernsehpreises"2) → Übersicht der Auszeichnungen bei Wikipedia.
 
Tapperts öffentliche Auftritte waren in den letzten Jahren selten geworden, gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Ursula, die er 1957 geheiratet hatte, zog sich der der an Diabetes erkrankte populäre Film- und Fernsehschauspieler nahezu ganz aus der Öffentlichkeit bzw. ins Privatleben zurück, verbrachte viel Zeit in einem Häuschen in Norwegen. Am 13. Dezember 2008 starb der zuletzt in Gräfelfing nahe München lebende Tappert im Alter von 85 Jahren im oberbayerischen Planegg in einem Krankenhaus; seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Gräfelfing → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Aus seinen beiden ersten Ehen stammen Tochter Karin sowie Sohn Ralph, der als Privatdozent an der Universität Aachen tätig ist. Der jüngere Sohn Gary war 2001 mit nur 52 Jahren an plötzlichem Organversagen verstorben.
  
Sowohl deutsche als auch internationale Medien würdigten den Schauspieler in Nachrufen mit Begriffen wie "Legende" und "Kultfigur", in zahlreiche Zeitungen erschien sein Foto auf der Titelseite. "Derrick"-Produzent Helmut Ringelmann äußerte unter anderem gegenüber der Nachrichtenagentur DPA "Horst war eine eigene Persönlichkeit in der Branche. Er war ein hervorragender Schauspieler mit großer Wandlungsfähigkeit, der auch die leisen Töne beherrschte."
Mit Horst Tappert ging ein Mann, der als ewiger Kriminaloberinspektor "Derrick" zu einem der populärsten Fernsehfiguren der Nachkriegszeit avancierte, auch international bekannt war und weltweit Ruhm genoss. "Es gibt nicht viele Schauspieler, die die Person, die sie spielen, derart verkörpern wie Horst Tappert Derrick. Der Grund dafür ist vielleicht, dass ihm die Rolle nicht von außen aufgezwungen worden war – vielmehr erschuf er sie von Grund auf neu.", schrieb DIE WELT anlässlich seines Todes (siehe auch www.welt.de).

*) Quelle: Wikipedia (abgerufen 11.10.2014) mit der Quelle aus "Frankfurter Allgemeine" vom 25.04.2013 → www.faz.net; siehe auch den Artikel bei www.welt.de
Link: 1) Kurzbiografie innerhalb dieser Homepage,  2) Wikipedia

Textbausteine von Dirk Jasper Filmstarlexikon,
Siehe auch www.prismaWikipedia, www.whoswho.de, www.rheinische-geschichte.lvr.de sowie
www.derrick-fanclub.de
   
Filme (Auszug)
Filmografie bei der
Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, Beschreibung innerhalb dieser HP)
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